Faktencheck

Behauptungen über ungeimpfte Angestellte bei Porsche in Stuttgart sind größtenteils falsch

Ein Mann stellt in einem Video mehrere Behauptungen über die Arbeitsbedingungen bei der Porsche AG in Stuttgart auf. Der Großteil davon ist falsch. Die Zahl der Angestellten, die aufgrund gefälschter Impfausweise gekündigt wurden, war laut dem Unternehmen und dem Betriebsrat Zuffenhausen deutlich kleiner als behauptet. Eine Statistik, die den Impfstatus dokumentiert, gebe es gar nicht.

von Kimberly Nicolaus

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Ein Video mit Behauptungen über den Umgang mit ungeimpften Mitarbeitenden der Porsche AG in der Region Stuttgart verbreitet sich in Sozialen Netzwerken. Die vermeintlichen Informationen sind jedoch größtenteils falsch dargestellt. (Quelle: Picture Alliance / dpa / Sebastian Gollnow)
Behauptung
Porsche habe in der Region Stuttgart über hundert Angestellten ohne Abfindung gekündigt, weil sie nachweislich einen gefälschten Impfausweis hatten. Die gegen Covid-19 geimpften Angestellten seien zudem ständig krank, im Gegensatz zu den ungeimpften Angestellten; das habe Porsche anhand der internen Krankheitsstatistik gesehen.
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Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Porsche hat Angestellten in der Region Stuttgart gekündigt, die einen gefälschten Impfnachweis hatten. Die Zahl der Betroffenen bewege sich laut dem Unternehmen aber im unteren zweistelligen Bereich. Aus Gründen des Datenschutzes könne Porsche keine Auskunft über mögliche Abfindungen geben. Die angeführte Krankheitsstatistik gebe es nicht. Ob geimpfte oder ungeimpfte Angestellte häufiger krank sind, sei – ebenso wie der Impfstatus einzelner Mitarbeitenden – nicht bekannt. Der Betriebsrat Zuffenhausen bestätigte die Angaben.

Er sei vom Urlaub zurückgekommen und mit Informationen überrumpelt worden, sagt ein Mann, der sich Anfang Januar per Video im Internet zu Wort meldet. Porsche habe in der Region Stuttgart über hundert Angestellte ohne Abfindung gekündigt, weil sie nachweislich einen gefälschten Covid-19-Impfausweis hatten, berichtet er. Der Mann nutzt den Begriff „schlumpfen“ – ein gängiges Synonym zu „impfen“, das Impfskeptiker für die Covid-19-Impfung verwenden. Weiter sagt er: Die Mitarbeitenden seien seit ihrer Impfung ständig krank, die Ungeimpften nicht. Das habe Porsche anhand einer internen Krankheitsstatistik gesehen, er wisse das von einer Personalerin. Außerdem hätten sich die ungeimpften Angestellten jeden Tag testen müssen. 

Allein auf Facebook verzeichnet das Video über 80.000 Aufrufe, es kursiert in zahlreichen Beiträgen auch auf Telegram, Tiktok und Twitter. Doch die Behauptungen des Mannes sind größtenteils falsch.

Screenshot des Videos, das im Netz kursiert
In diesem Video behauptet ein Mann unter anderem, gegen Covid-19 geimpfte Angestellte bei Porsche seien viel häufiger krank als ungeimpfte. Belegen soll dies eine interne Krankheitsstatistik – doch die gibt es gar nicht. (Quelle: Twitter; Screenshot, Schwärzung und Verpixelung: CORRECTIV.Faktencheck)

Wir haben bei der Pressestelle von Porsche nachgefragt, ob sich die beschriebenen Vorfälle in den Standorten rund um Stuttgart so zugetragen haben. Sprecherin Lena Rachor schrieb uns am 16. Januar: „Sofern Mitarbeiter dem Arbeitgeber einen gefälschten Impfpass vorgelegt haben, hat Porsche das Arbeitsverhältnis mit den Mitarbeitern beendet.“ Die Zahl der Betroffenen belaufe sich jedoch nicht auf über hundert Angestellte, sondern „bewegt sich im unteren zweistelligen Bereich“. Über mögliche Abfindungen könne das Unternehmen aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Angaben machen. 

Screenshot der E-Mail einer Sprecherin von Porsche
Porsche-Sprecherin Lena Rachor bestätigte uns, dass die Porsche AG in Stuttgart Angestellten mit einem gefälschten Impfausweis kündigte. Die Zahl der Betroffenen sei jedoch deutlich kleiner als behauptet (Quelle und Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Keine Krankheitsstatistik bei Porsche basierend auf Impfstatus – der Impfstatus von einzelnen Mitarbeitenden ist nicht bekannt

Die im Video genannte Krankheitsstatistik (ab Minute 2:30) gebe es laut Rachor nicht. „Bei Krankschreibungen erhält der Arbeitgeber keine Diagnose, zudem ist dem Arbeitgeber der Impfstatus von einzelnen Mitarbeitern nicht bekannt.“ Eine statistische Auswertung, wie viele Geimpfte sich im Vergleich zu nicht-geimpften Mitarbeitenden krank gemeldet haben, sei also nicht möglich. 

In ihrer Antwort wies Rachor zudem darauf hin, dass „die Porsche AG als Arbeitgeber verpflichtet [war], ausschließlich genesenen, geimpften oder getesteten Mitarbeitern Zugang zum Betriebsgelände zu gewähren“. Vom 24. November 2021 bis 20. März 2022 galt bundesweit die 3G-Regelung am Arbeitsplatz. Dass nicht-genesene ungeimpfte Porsche-Angestellte einen Test als Nachweis benötigten, war also – anders als das Video suggeriert – nicht ungewöhnlich, sondern gesetzlich vorgeschrieben. Aktuell gelten laut Rachor keine Zugangsbeschränkungen mehr. 

Betriebsrat bestätigt Angaben von Porsche: Keine Beschwerden 

Wir haben zusätzlich beim Betriebsrat von Porsche in Zuffenhausen (Stuttgart) zu den im Video aufgestellten Behauptungen nachgefragt. Der Betriebsrat bestätigte die Antworten der Sprecherin Rachor. Antje Werner, Referentin des Betriebsrat, schrieb uns, es sei im Werk Zuffenhausen nur die Einhaltung der 3G-Regelungen kontrolliert worden, Porsche sei nicht übermittelt worden, ob Mitarbeitende geimpft oder ungeimpft waren. Ein externer Dienstleister habe vor den Pforten kontrolliert, den Impfstatus jedoch nicht dokumentiert. „Kolleginnen und Kollegen mit längerfristigen Zertifikaten (genesen oder geimpft) konnten diese freiwillig beim Vorgesetzten vorzeigen und ihre Werksausweise ‘freischalten’ lassen. Dazu waren sie aber nicht verpflichtet.“

In dem online verbreiteten Video macht der Mann zudem Behauptungen darüber, dass im Unternehmen Druck auf Ungeimpfte ausgeübt worden sei, sich impfen zu lassen. Werner schrieb uns, es seien diesbezüglich keine Beschwerden beim Betriebsrat eingegangen. 

In Bezug auf die Stuttgarter Region verbreitet sich momentan in Sozialen Netzwerken eine weitere Behauptung: Der Tod mehrerer Angestellter eines Jugendamts stehe in Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung. Auch der Mann in dem Video erwähnt das zu Beginn. Doch dafür gibt es keine Belege

Redigatur: Paulina Thom, Sophie Timmermann