Auf der Fanmeile am Brandenburger Tor in Berlin verfolgen aktuell tausende Fans die Spiele der Fußball-EM 2024. Viele tragen Trikots, schminken sich in den Nationalfarben oder tragen Nationalflaggen – aber ist das erlaubt? Auf Facebook und X behaupten Nutzerinnen und Nutzer aktuell, dass auf der Fanmeile in Berlin keine deutschen Flaggen zugelassen seien.
Teilweise beziehen sich die Beiträge auf ein Video des AfD-Bundestagsabgeordneten Bernd Schattner. Er ließ sich auf der Fanmeile am Brandenburger Tor filmen und stellte das Video auf Tiktok und Instagram. Mehr als 1,5 Millionen Aufrufe erzielten die Beiträge. Darin sagt er: „Das, was ich hier in den Händen halte, die deutsche Flagge, werdet ihr auf der gesamten Fanmeile leider nicht sehen.“ Daraus ziehen Nutzerinnen und Nutzer den Schluss, dass Flaggen nicht zugelassen seien.
Doch Deutschlandflaggen sind auf der Fanmeile sowohl zu sehen, als auch erlaubt.

Deutschlandflaggen sind auf der Fanmeile erlaubt
Wir haben bei der Kulturprojekte GmbH, dem Ausrichter der Fanmeile am Brandenburger Tor, nachgefragt. Pressesprecherin Petra Neye schreibt uns, „alle Fahnen der am Turnier teilnehmenden Länder sind auf der Fan-Zone erlaubt“. In der Veranstaltungsordnung ist das ebenfalls nachzulesen.
Neben zahlreichen Fotos von der Fanmeile (siehe auch unser Titelbild), belegen Fotos von den Ständen, dass auch dort Deutschlandflaggen hängen. Sie sind nach außen einheitlich im offiziellen EM-Design gehalten, erklärt Neye. Für den Innenraum ist der Sprecherin keine Regelung bekannt – weder von der Uefa noch von der Kulturprojekte GmbH. Dieser ist jeweils individuell dekoriert – auch mit Deutschlandflaggen.
Falsch ist also, dass Deutschlandflaggen verboten sind oder wie der AfD-Abgeordnete Schattner in dem Video behauptet, dass „nicht an einer Bude“ die Deutschlandflagge auf der Fanmeile zu finden sei. Auf Nachfrage antwortete der Politiker nicht.

Ausnahme: Nur an Stangen angebrachte Flaggen dürfen nicht auf die Fanmeile mitgebracht werden
Eine Einschränkung gibt es jedoch bei den Flaggen, wie Sprecherin Petra Neye erklärt. Sie dürfen nicht an einer Stange befestigt sein. Genau jenes Verbot wird von einigen Nutzerinnen und Nutzern offensichtlich als Beleg für ein allgemeines Verbot missverstanden.
Ein Facebook-Nutzer verlinkt etwa einen Bildausschnitt der Übersicht über verbotene Gegenstände auf der Fanmeile. Diese ist auch an den Eingängen zum Gelände angebracht und auch im Video von Bernd Schattner zu sehen. Darauf ist das Symbol einer Flagge an einer Stange rot durchgestrichen. Liest man den Text, steht dort, verboten seien „Transparente, Fahnen und Flaggen mit Stangen“ – nicht Flaggen generell. Das Verbot jener Stangen gebe es aus Sicherheitsgründen, wie in der Veranstaltungsordnung nachzulesen ist.

Rund um die EM kursieren mehrere falsche Behauptungen darüber, welche Flaggen benutzt werden können. Alle Faktenchecks zur Fußball-EM 2024 finden Sie hier.
Zu dieser Behauptung haben Teilnehmende der Community des CORRECTIV.Faktenforums in einem Workshop recherchiert. Die Ergebnisse dienten als Grundlage für diesen Faktencheck.
Über CORRECTIV.Faktenforum kann sich jeder gegen Falschbehauptungen im Netz engagieren. Mehr zum Projekt, den Veranstaltungen und den Beteiligungsmöglichkeiten unter www.faktenforum.org.
Redigatur: Steffen Kutzner, Sophie Timmermann
Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.
Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!
Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.
Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.

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