Warum die Klimaneutralität von Pelletheizungen umstritten ist
Weil Holz nur so viel CO2 ausstoße wie es aufgenommen hat, sei eine Pelletheizung klimaneutral, heißt es immer wieder. Warum das ein Trugschluss ist.
Der Winter ist da und in Deutschland wird erneut um das sogenannte Heizungsgesetz gerungen. Zeit, sich eine Heizart näher anzusehen, die weniger im Fokus steht als Gasheizungen und Wärmepumpen: Die Pelletheizung. Die sei klimaneutral, heißt es aus der Pelletbranche immer wieder, auch in Sozialen Netzwerken wird das regelmäßig diskutiert. Aber was ist da wirklich dran?
Biomasse wie Holz ist nur begrenzt verfügbar
Die Logik hinter der Behauptung: Weil das Holz bei der Verbrennung nur so viel CO2 ausstoße, wie der Baum, aus dem sie gemacht sind, zuvor aufgenommen habe und bei seiner Verrottung im Wald ohnehin ausstoßen würde. Das greift jedoch zu kurz.
Grundsätzlich richtig ist: Bäume speichern beim Wachsen CO2 und setzen es wieder frei, wenn sie verbrannt werden oder absterben. Das Gebäudeenergiegesetz stuft das Heizen mit Holzpellets aktuell als „erneuerbar“ ein. Das heißt, mit einer Pelletheizung erfüllen Eigentümerinnen und Eigentümer die Vorgabe, dass mindestens 65 Prozent der Energie zum Heizen erneuerbar sein muss. Der Einbau wird staatlich gefördert.
Doch abgesehen davon, dass Pellets auch hergestellt und transportiert werden müssen: Holz ist schneller verbrannt, als dass es nachwächst. Eine Sprecherin des damaligen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ordnete 2023 ein, dass diese Heizungslösung vor allem für schwierig zu sanierende Bestandsgebäude Sinn ergebe, da die „nachhaltig erzeugte Biomasse nur begrenzt verfügbar“ sei.
Damit ist ein Punkt angesprochen, den auch Fachleute und Umweltorganisationen kritisch sehen. „Nur wenn im Sinne einer nachhaltigen Waldwirtschaft eine entsprechende Holzmenge zeitnah nachwächst, ist die Kohlenstoffbilanz im Wald ausgeglichen“, heißt es etwa beim Bundesumweltamt.
Wälder in Deutschland haben keine positive CO2-Bilanz mehr
Seit einigen Jahren haben Wälder in Deutschland keine positive CO2-Bilanz mehr. Die Bundeswaldinventur 2022 zeigte, dass deutsche Wälder seit 2017 sogar mehr CO2 ausstoßen als sie binden. Das liege an Schäden im Wald und an einem langsameren Wachstum durch den Klimawandel. Dass der Wald aktuell mehr CO2 ausstößt als er speichert, bestätigte uns auch das Umweltbundesamt. Darüber hinaus schreibt uns Jan Seven, Forscher am UBA: „Auch auf EU-Ebene ist ein rascher Rückgang der Fähigkeit von Wäldern zur Einbindung von CO2 zu verzeichnen“. Um die Klimaneutralität von Holz habe sich deshalb „eine komplexe und kontroverse Diskussion entsponnen“.
Über die Klimaneutralität von Holz und somit auch Pelletheizungen herrscht somit – anders als von manchen Herstellern suggeriert – aktuell Unsicherheit.
Redigatur: Gabriele Scherndl, Max Bernhard