Profil

Matthias Bau

Faktenchecker

Matthias hat in Duisburg-Essen Philosophie und Germanistik studiert. Neben dem Studium arbeitete er als freier Mitarbeiter für die Borbecker Nachrichten und berichtete vor allem über soziale Einrichtungen für Kinder und Jugendliche. Bei CORRECTIV machte er Anfang 2020 ein Praktikum in der Klimaredaktion, moderierte Veranstaltungen und recherchierte zur Verkehrswende in NRW. Seit April 2020 arbeitet er im Faktencheck-Team.

E-Mail: matthias.bau.fm(at)correctiv.org

VRR-Ticketverkauf demnächst an Bahnhöfen
An einem VRR-Fahrscheinautomaten in Gelsenkirchen kauft sich eine Bahnreisende ein Ticket. (Bild: Roland Weihrauch/dpa)
Verkehr

VRR und RVR: Planlos auf dem Weg zu günstigen Tickets

Preiswerte Tickets, abgestimmte Fahrpläne und mehr Busse: „Eine starke Metropole benötigt einen starken Nahverkehr“ – damit hat der Regionalverband Ruhr Ende Mai geworben. Elf einfache Punkte auf dem Weg zur Verkehrswende im Ruhrgebiet. Leider platzt der Plan schon beim ersten Punkt.

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von Matthias Bau , Bastian Schlange

Es klang so gut: „RVR und VRR setzen sich das Ziel, die Aufgaben zur zukunftsfähigen Gestaltung der Mobilität in der Metropole Ruhr künftig intensiver abzustimmen und wahrzunehmen“, hieß es in einer Pressemitteilung, die der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr am 14. Mai zu seiner Kooperation mit dem Regionalverband Ruhr (RVR) veröffentlichte. 

Genau zwei Wochen später bewarb der Regionalverband Ruhr dann seinen „11-Punkte-Plan zur Stärkung des Nahverkehrs im Ruhrgebiet“ und sprach mit dem ersten zentralen Punkt Millionen Fahrgästen und Pendler:innen aus der Ruhrgebietsseele: „Ein Metropolen-Nahverkehr braucht ein einfaches und einheitliches Tarifsystem.“ Keine komplizierten Preisstufen mehr – keine sieben nach Reichweite gestaffelten Einzeltickets, keine 12,80 Euro, um von Dortmund nach Oberhausen zu kommen. Einfach zwei Euro für Fahrten innerhalb der Städte und Kreise, vier Euro für Fahrten im gesamten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr. „Basis dafür ist die VRR-Bewerbung als Modellregion des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung.“ Und hier hört der Traum schon auf.

Fangen wir beim Geld an und lassen uns das Zusammenspiel zwischen den Ruhr-Verbänden für den Schluss.

Eine Frage des Geldes

„Der Förderbedarf umfasst für die tariflichen Komponenten mind. 221 Mio. € p.a. und wird damit Gegenstand des Förderantrags an den Bund“, heißt es in der Beschlussvorlage des VRR, um sich für die Fördergelder zur Stärkung des Nahverkehrs zu bewerben. „Ausdrücklich wird kein 365-Euro-Ticket-Modell vorgeschlagen, sondern stattdessen eine einfache Kombination aus nur zwei Preisstufen und nur zwei Ticketarten.“ 

Auf Nachfrage erklärt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), dass man im Rahmen des „Klimaschutzprogramms 2030“ insgesamt 300 Millionen Euro für „Modellprojekte zur Stärkung des ÖPNV“ zur Verfügung stellen wolle. In dem „Fragen- und Antwortkatalog zum Förderprogramm“, auf den das Ministerium verweist, steht: „Es gibt keine Maximalanzahl an geförderten Projekten, jedoch eine Minimalanzahl. Diese ergibt sich aus dem geplanten Gesamtfördervolumen (300 Mio. Euro) geteilt durch die mögliche Maximalfördersumme pro Antragsteller (30 Mio. Euro).”

Ein Antragsteller kann also nicht mehr als 30 Millionen Euro erhalten, was 10 Prozent der Gesamtfördersumme sind. Der VRR würde mit 221 Millionen Euro aber rund 73 Prozent der Summe für sich beanspruchen. Wir fragen noch einmal beim BMVI nach. „Kann ein Projekt alleine 73 Prozent der Fördergelder bekommen?“ Eine Sprecherin des Ministeriums antwortet am Telefon kurz und klar: „Nein.“ 

Eine Frage der Alternativen

Wir haken beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr nach und schicken dem VRR ein Dutzend Fragen zum 11-Punkte-Plan, zur fragwürdigen Kalkulation mit den Bundesmitteln und zu dem Potential des Schienennetzes im Ruhrgebiet. Die Antwort des Pressesprechers überrascht, denn der Ruhrgebiets-Plan bindet unter etlichen Punkten den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr zur Erreichung der Ziele ein: „Der VRR hat bei der Erstellung des 11-Punkte-Plans nicht mitgewirkt, konkrete Fragestellungen dazu bitte ich Sie, an die Beteiligten zu richten. (…) Zu Ihren Fragen 3, 4, 5, 6, 7 und 8 sind wir gerne bereit in einem Gespräch außerhalb des Kontextes 11-Punkte-Plan die interessanten Fragen zu beantworten. Gerne können wir dazu einen Termin vereinbaren.“ Es werden Termine zweieinhalb Wochen später angeboten.

Unsere Nachfragen, ob es überhaupt ohne Absprache mit dem VRR möglich sei, für das Ruhrgebiet als Teil des VRR-Gebietes ein anderes Tarif-System auszurufen, bleiben unbeantwortet. Ebenso wolle man erst in dem persönlichen Gespräch erklären, ob es derzeit noch andere Überlegungen oder Projekte gebe, die sich auf die Stärkung des Nahverkehrs und Verbesserung des Tarifsystems in der Metropole Ruhr beziehen. 

Wo stehst Du?

Beantworte mit uns die Mobilitätsfrage für die Region – egal ob im Auto, in der Bahn, auf dem Fahrrad oder zu Fuß, werde Stillstands-Melder! Sag uns, wo Du stehst und warum und hilf uns das Ruhrgebiet mobiler zu machen!
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Wir wenden uns an den Regionalverband Ruhr. „Im 11-Punkte-Plan ist unter Punkt 1 ein vereinfachtes Ticketsystem vorgesehen“, lautet unsere erste Anfrage beim RVR. „Geknüpft ist das Vorhaben an die erfolgreiche Bewerbung um Bundesmittel im ,Sofortprogramm Saubere Luft‘. Wie soll das Tarifsystem aussehen, sollte der VRR die Mittel aus dem Sofortprogramm nicht erhalten? Gibt es einen ,Plan B‘, um das Tarifsystem in absehbarer Zukunft verbessern zu können?“

Die Antwort des RVR bleibt unklar: „Ein Metropolen-tauglicher ÖPNV braucht ein einheitliches und einfaches Ticketsystem. Dieses besteht dann nur noch aus zwei Ticketstufen – 1. innerhalb einer Stadt/eines Kreises und 2. grenzübergreifend, heißt eins für die gesamte Metropole. Das ist das erklärte Ziel, welches wir im Idealfall mit den Mitteln des ,Sofortprogramm Saubere Luft‘ erreichen.“ 

Wir fragen ein weiteres Mal nach, schließlich stützt sich der 11-Punkte-Plan in vielen Bereichen auf den VRR, ohne dass dieser am Plan mitgearbeitet hat: „Bezieht sich die Verbesserung des Tarifsystems nur auf das Ruhrgebiet oder soll das neue einfachere Tarifsystem für das gesamte VRR-Gebiet gelten?“ Und: „Nach meinem Kenntnisstand bewirbt sich der VRR im Rahmen des ,Klimaschutzprogramms 2030‘ um 221 Millionen Euro Fördermittel, ausgeschrieben sind 300 Millionen Euro für insgesamt zehn Modellregionen: Wie realistisch ist es vor diesem Hintergrund, dass der VRR die Mittel aus dem ,Sofortprogramm Saubere Luft‘ erhalten wird? Ist es so realistisch, dass man daran einen der zentralen Punkte des 11-Punkte-Plans festmachen kann? Auch deswegen noch einmal die Frage, ob es weitere Pläne oder Alternativen gibt, um in absehbarer Zeit eine Vereinfachung und aus Kundensicht Verbesserung des Tarifsystems im Ruhrgebiet umsetzen zu können?“

Der RVR antwortet: „Fragen zur Tarifstruktur und -Ausgestaltung obliegen dem VRR. Genauso wie die Federführung bei der Bewerbung als Modellregion. Das ÖPNV-Papier des Kommunalrats hat ein Ziel für einen deutlich vereinfachten Tarif formuliert.“ Wie dieses Ziel erreicht werden könne, müsse nun geprüft und erarbeitet werden. Ein Ansatz sei die Bewerbung als Modellregion. „Mit Detailfragen zur Tarifausgestaltung und dem Stand der Bewerbung als Modellregion wenden Sie sich bitte an den VRR.“

Eine Frage der Definition

Vielleicht wäre „11-Punkte-Forderung” statt „-Plan” die bessere Formulierung gewesen. Denn ein Großteil der Forderungen des ÖPNV-Papiers – dass sich die Nahverkehrsunternehmen zusammenschließen, Fahrpläne besser aufeinander abgestimmt oder Ticketpreise gesenkt werden müssen – sind richtig und wichtig für die Metropole Ruhr. Um den 11-Punkte-Plan aufzustellen, gründeten Ende Mai der Regionalverband Ruhr und die Bürgermeister der Ruhrgebietsstädte die Kooperation Metropole Ruhr (KMR). Zum Vorbild hatte man sich dafür die Kooperation östliches Ruhrgebiet (KöR) genommen; ein Zusammenschluss aus Vestischer, Bogestra, DSW21 und anderen Verkehrsunternehmen, der bereits seit 1999 innerhalb des VRR existiert. 

„Der Grundgedanke, Aufgaben aus einer Hand zu erledigen, ist ein wichtiger Schritt zu einem gut funktionierenden Nahverkehr im Ruhrgebiet”, wird Frank Baranowski, Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen und Vorsitzender des Kommunalrats in der Pressemitteilung zum 11-Punkte-Plan zitiert. Die RVR-Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel erklärt weiter: „Durch die zeitliche Synchronisation der Fortschreibung der Nahverkehrspläne soll dieses Ziel unter Moderation von RVR und VRR erreicht werden. Unsere beiden Verbände haben erst Mitte Mai ihre Zusammenarbeit auf eine neue vertragliche Grundlage gestellt.“ 

Es gibt noch viel zu tun im Ruhrgebiet.

Mach mit! Bei „Wo stehst Du?“

Ob Arbeit, Urlaub oder einfach nur der Einkauf – Mobilität bestimmt unseren Alltag. Umso mehr frustrieren Staus, Bahnausfälle und baufällige Radwege. Deswegen wollen wir erfahren, was gut läuft in der Region und wo es Barrieren gibt. Und das nicht nur für Autos oder den ÖPNV, sondern auch für den Fuß- und Radverkehr. Denn die Frage nach der Mobilität lässt sich nur Verkehrsmittel-übergreifend beantworten. Daher fragen wir mit unserer Bürgerrecherche: „Wo stehst du?“ Das meinen wir nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ganz wörtlich: Meldet uns direkt vom Bahnsteig oder von der Straßenecke den Stillstand in der Region. Ganz egal, ob zu Fuß, mit dem Rad, dem ÖPNV oder dem Auto – wir wollen wissen, wo geht es nicht weiter und wieso? Gemeinsam können wir die Region mobiler machen! Mehr Informationen hier.

 

VRR Jahres PK - Hauptbahnhof Essen
Bilder aus vergangenen Zeiten: Gedränge im Essener Hauptbahnhof (Foto: picture alliance / Roland Weihrauch/dpa)
Mobilität

Wie geht eigentlich Bahnfahren in Corona-Zeiten?

Fahren sie gerade gern mit Bus und Bahn? Viele Deutsche tun das nicht. Die Bahnen bleiben leer. Wir haben die Verkehrsbetriebe der Region gefragt: Wie steht es um Sicherheitsabstand, Maskenpflicht und Hygiene in den Zügen des VRR-Gebiets?

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von Matthias Bau

4,7 Millionen Menschen pendeln täglich zwischen den Städten in NRW. Jedenfalls war das mal so, vor Corona. Am 16. März kam Deutschland zum Stillstand. Fast jeder zweite blieb während der Krise zu Haus. Leere Straßen, Busse und Bahnen waren die Folge. 

Mit den Lockerungen des Shutdowns normalisiert sich nun auch wieder das Leben in NRW. Arbeitnehmer*innen kehren vom Homeoffice in ihre Büros zurück. Dabei greifen die Menschen vor allem auf ein altbewährtes Mittel zurück: das Auto. Laut einer Umfrage des Instituts für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat das Auto in der Krise kaum an Ansehen verloren, bei jedem Fünften sogar noch an Sympathien gewonnen – COVID-19-geschützt im eigenen Wagen. Und so beginnt es sich wieder auf NRWs Autobahnen zu stauen.

Während des Lockdowns war NRW tatsächlich beinahe staufrei. (Grafik: CORRECTIV.Ruhr)

Als Verlierer gehen dagegen Bus und Bahn aus der Krise: Über die Hälfte der Befragten fühlt sich aktuell im öffentlichen Nahverkehr unwohler. Bei den täglichen Pendlern sind es sogar mehr als drei Viertel. Während des Lockdowns waren im Regionalverkehr bis zu 90 Prozent weniger Reisende unterwegs und noch immer sind die Zahlen schlecht. Nach Aussage der Nordwestbahn liegt derzeit die Auslastung der Züge bei gerade einmal 40 bis 50 Prozent. 

 

Wir haben die Verkehrsbetriebe der Region gefragt: Wie wollen Sie die Fahrgäste zurückgewinnen?

„Wir müssen klar kommunizieren, dass man Züge nicht mit geschlossenen Räumen verwechseln darf“, sagt ein Sprecher der Nordwestbahn. „Durch die Luftaustausch, den wir mit den Klimaanlagen erreichen, ist das Reisen sichererer als ein Aufenthalt in geschlossenen Räumen.“ Außerdem sei dem Unternehmen kein einziger Fall einer Infektion in seinen Zügen bekannt. „Alles was wir für einen sicheren Betrieb tun können, wird gemacht.“ 

Eine Sprecherin von NationalExpress ergänzt: „Die allermeisten Reisenden sind so verantwortungsvoll und steigen gar nicht erst ein, wenn sie verdächtige Symptome haben. Nebenbei bemerkt: Eine Studie aus Österreich, bei der Cluster zum Ausbruchsverhalten des Virus untersucht wurden, zeigt: Unter den abgeklärten Clustern lassen sich keine Fallhäufungen zurückführen auf den Besuch von Geschäftslokalen oder die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln.“  

Man stelle sich darauf ein, dass Bahnhöfe und Bahnsteige wieder voller werden, sagt eine Sprecherin von DB Regio.

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Hat sich der aktuelle Fahrplan zur Zeit vor dem Lockdown verändert?

Nein. Seit dem 4. Mai wird in NRW wieder nahezu der Regelverkehr gefahren. Nur am Wochenende und in der Nacht ist das Angebot noch nicht wieder bei 100 Prozent. Einzelne Verstärkerzüge seien derzeit nicht im Einsatz, sagt eine Sprecherin von DB Regio. „Ab dem kleinen Fahrplanwechsel am 13. Juni werden aber auch diese Fahrten voraussichtlich wieder fortgesetzt.“ Welche Linien aktuell wieder normal fahren, können Reisende hier einsehen. Außerdem können auf den Seiten der Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU), der Deutschen Bahn oder über mobil.nrw aktuelle Regelungen und Informationen eingesehen werden.

Werden derzeit mehr oder weniger Wagen im Vergleich zum Vorjahr eingesetzt? 

Die Anzahl der Wagen oder Züge hat sich nach Aussage der Nordwestbahn nicht verändert.  

Gibt es Regelungen zum geordneten Ein- und Ausstieg an den Bahnhöfen?

Spezielle Markierungen auf den Bahnsteigen, um 1,5 Meter Abstand zu halten, gebe es nicht, erklärt eine Sprecherin der DB Regio. „Wir bitten um Rücksichtnahme und auf andere zu achten.“ Die Reisenden seien für einen geordneten Ein- und Ausstieg selbst verantwortlich. Aber man unterstütze mit Durchsagen an den Bahnhöfen und weise auf die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung hin.

Muss in den Bahnen Abstand gehalten werden?

Nein. Auf einen Mindestabstand von 1,5 Metern kann in den Fahrzeugen verzichtet werden, dieser gilt laut der Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 explizit nicht für Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. 

Herrscht in Zügen Maskenpflicht? 

Ja. Wer mit der Bahn fahren will, muss schon am Bahnhof und an den Haltestellen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen; das kann zum Beispiel ein Schal, ein Tuch oder auch eine selbstgenähte Maske sein. Ausgenommen sind Kinder unter sechs Jahren oder Personen, die aus medizinischen Gründen keine Maske tragen können. Zum Essen oder Trinken darf die Maske abgenommen werden.

Und wenn keine Maske getragen wird?

Bei Verstößen weise man Reisende auf die Tragepflicht einer Mund-Nasen-Bedeckung hin und setze auf deren Verständnis, sagt die Sprecherin von DB Regio. „Unsere Reisenden halten sich an die Regelungen und folgen den Bitten unserer Mitarbeiter. Es herrscht eine große Besonnenheit.“ Im Konfliktfall bestehe die Möglichkeit die Ordnungsbehörden hinzuziehen. „Die Eisenbahnverkehrsunternehmen sind als Unternehmen jedoch nicht befugt, Verstöße gegen staatliche Vorschriften zu sanktionieren“, sagt die Sprecherin von National Express.

Wie werden Tickets kontrolliert?

Wie bisher. Der einzige Unterschied: Reisende müssen ihre Tickets nun selbst an die Lesegeräte der Kontrolleure halten. So sollen möglichst kontaktlose Kontrollen erfolgen.  „Unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind angewiesen, möglichst keine Gegenstände von Reisenden in die Hand zu nehmen“, sagt die Sprecherin von National Express.

Werden die Fahrzeuge derzeit öfter gereinigt? 

Alle Regionalzüge werden nach Aussagen von DB Regio im Schnitt drei Mal pro Tag gereinigt. An Bahnhöfen achte man zudem „besonders auf Kontaktflächen: Türgriffe, Handläufe oder die Bedienflächen an Fahrkarten- und Snack-Automaten“, so die Sprecherin.

Wie wurden die Regelungen zum Fahrbetrieb in der aktuellen Corona-Situation erarbeitet? 

„Der Sonderfahrplan und alle damit in Verbindung stehenden Fragestellungen wurden unter Moderation des NRW-Verkehrsministeriums gemeinsam mit allen Beteiligten (EVU, Aufgabeträger, Infrastrukturbetreiber, Bundespolizei u. a.) in regelmäßigen Telefonkonferenzen diskutiert, abgestimmt und umgesetzt“, teilt uns die Sprecherin von National Express im Namen aller Eisenbahnverkehrsunternehmen und Nahverkehrsverbünde (VRR, NWL, NVR) mit. „Wir setzen alles daran, dass sich die Kunden wohl und sicher fühlen. Das geht nur gemeinsam.“

Auf die Frage, ob das Fahrpersonal regelmäßig auf COVID-19 getestet werde, erhielten wir leider keine Antwort. Haben Sie noch offene Fragen? Kommende Woche werden wir eine Vertreterin von Abellio zu einem Video-Interview treffen. Schreiben Sie uns Ihre Fragen an: correctiv.ruhr@correctiv.org. Wir nehmen sie gerne auf.

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Waren die Maßnahmen der Bundesregierung übertrieben? Ein Facebook-Beitrag behauptet das. Viele der Behauptungen, die das belegen sollen, sind falsch. (Symbolfoto: geralt / pixabay)

von Matthias Bau

Auf Facebook kursiert ein Beitrag, der mit den Worten „So, ihr Vögel aus Berlin“ beginnt. Darin wird behauptet, dass die Bundesregierung übertriebene Maßnahmen gegen das Coronavirus auf einer falschen Grundlage ergriffen habe. Viele der Behauptungen, die das belegen sollen, sind jedoch falsch.

Auf Facebook wurde am 15. April ein Beitrag veröffentlicht, der die Bundesregierung für  angeblich übertriebene Maßnahmen als Reaktion auf das neuartige Coronavirus kritisiert. Viele der Maßnahmen sollen laut des Beitrags auf falschen Annahmen und Zahlen basieren. Der Text wurde bisher 94.000 Mal geteilt und zudem von anderen Nutzern auf Facebook kopiert. Hinweisen unserer Leser zufolge kursierte die Nachricht auch als Kettenbrief auf Whatsapp, und sie erschien am 17. April als Artikel auf der Seite Politikstube

Wir haben zehn im Text enthaltene Tatsachenbehauptungen einzeln geprüft; sie sind größtenteils falsch.

Diese Nachricht wird auf Facebook und Whatsapp verbreitet. (Screenshot und Collage: CORRECTIV)

1. Behauptung: Vor fünf Wochen habe das RKI von bis zu einer Million möglicher Toten durch das Coronavirus gesprochen80 Prozent der Bevölkerung könnten sich infizieren 

Keine der genannten Zahlen wurde vor fünf Wochen vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht. Weder in den Situationsberichten in der Woche vom 9. März bis zum 13. März, noch auf den Pressekonferenzen derselben Woche (auf Periscope archiviert) werden sie vom RKI genannt. Sie sind offenbar  in Aussagen des Behördenleiters Lothar Wieler sowie des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn hineininterpretiert worden. 

Am 13. März erklärte Wieler auf einer Pressekonferenz des RKI auf die Frage einer Journalistin, wo die Zahl herkomme, dass sich 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung infizieren könnten. Bei dieser Zahl handele es sich um „sowas wie das Einmaleins der Infektionsepidemiologie“ (ab Minute 19:50). Er gehe aber davon aus, dass ein solcher Zustand erst in ein bis zwei Jahren erreicht sei. Wieler weist außerdem darauf hin, dass diese Zahlen „nicht belastbar“ seien, sondern auf epidemiologischen Grundannahmen beruhten. 

Und auch dafür, dass das RKI von einer Million möglicher Toten durch das Coronavirus gesprochen habe, lassen sich in den Pressekonferenzen und Situationsberichten keine Belege finden. In einem RKI-Papier vom 20. März wurden mögliche Szenarien, wie die Corona-Pandemie in Deutschland verlaufen könnte, errechnet – im schlimmsten Fall wurden dabei 370.000 Todesfälle in Deutschland angenommen.

2. Behauptung: Die Intensivbetten im Rhein-Sieg-Kreis und in Bonn seien nur zu neun Prozent belegt und unter den Patienten seien Erkrankte aus Italien – bundesweit sehe es ähnlich aus 

Auf Anfrage von CORRECTIV teilte eine Sprecherin der Stadt Bonn per E-Mail mit, dass von 385 Intensivbetten aktuell 311 belegt seien. Das entspricht einer Auslastung von gerundet 81 Prozent. 26 dieser Betten seien durch Covid-19-Patienten belegt, das entspricht einem Anteil von 8,3 Prozent. Darunter sind laut der Sprecherin auch Patienten aus Italien. 

Die E-Mail aus Bonn. (Screenshot: CORRECTIV)

Zahlen für den Rhein-Sieg-Kreis schickte uns eine Sprecherin der Bezirksregierung Köln per E-Mail. Von 102 Intensivbetten seien demnach 69 belegt. Das entspricht einer Auslastung von 67 Prozent. Acht Betten seien durch Covid-19-Patienten belegt, das entspricht einem Anteil von 7,4 Prozent. Ob sich unter den Patienten auch Erkrankte aus Italien befinden, teilte die Sprecherin nicht mit.

Bundesweit wird die Zahlen der Intensivbetten im DIVI-Intensivregister erfasst. Seit dem 16. April ist die Meldung für alle Krankenhäuser, die Intensivbetten haben, verpflichtend. Am 16. April waren laut RKI 26.628 Betten registriert und davon 58 Prozent belegt. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt 2.773 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung; das ist ein Anteil von etwa 10,4 Prozent.

Am 5. Mai hat das Robert-Koch-Institut in seinem Situationsbericht bekannt gegeben, es seien 31.996 Intensivbetten registriert, 60 Prozent belegt. 1.937 der Betten seien durch Covid-19-Patienten belegt, das entspricht einem Anteil von rund sechs Prozent.

Die Behauptung im Facebook-Beitrag ist demnach größtenteils falsch. Die Gesamtauslastung der Intensivbetten wird offenbar mit dem Anteil von Covid-19 Patienten auf den Intensivstationen verwechselt. Richtig ist nur, dass in Bonn auch Patienten aus Italien behandelt werden.

3. Behauptung: Die Sterblichkeitsrate liege bei 0,37 Prozent 

Diese Aussage lässt sich – so pauschal – nicht treffen. Die angegebene Quote stammt aus einem vorläufigen Ergebnis einer Studie aus dem Kreis Heinsberg, die am 9. April vom Team um den Virologen Hendrik Streeck veröffentlicht wurde. Darin heißt es: „Die Letalität (case fatality rate) bezogen auf die Gesamtzahl der Infizierten in der Gemeinde Gangelt beträgt mit den vorläufigen Daten aus dieser Studie ca. 0,37 %“. 

Streek sagt, dass sich dieser Wert für Deutschland verallgemeinern lasse. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte er: „Was sich jedoch auf Deutschland schon übertragen lässt, ist die Sterblichkeitsrate unter den Menschen mit Coronavirus CoV-2-Infektionen: Unsere Ergebnisse erlauben eine recht gute Abschätzung der Letalität in der Größenordnung von 0,37 Prozent.“

Bundesweite Zahlen werden regelmäßig vom RKI veröffentlicht. Diese widersprechen Streecks Einschätzung: Im Situationsbericht des RKI vom 15. April wurde der Anteil der Verstorbenen an den gemeldeten Fällen mit 2,6 Prozent angegeben. Im aktuellsten Bericht vom 5. Mai ist eine Quote von 4,2 Prozent zu lesen. 

Das RKI weist jedoch auch darauf hin, dass diese Berechnungen nicht ganz zuverlässig seien. Die Letalität lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht endgültig berechnen, weil „die tatsächliche Anzahl erkrankter Menschen unbekannt ist und möglicherweise deutlich höher liegt als die Zahl der gemeldeten Erkrankungsfälle“. Die Behauptung ist daher unbelegt. 

4. Behauptung: Jede Influenza-Saison auf der Welt sei bisher dramatischer verlaufen als die Corona-Pandemie, das zeigten Infiziertenzahlen 

Im Facebook-Beitrag wird behauptet, dass „jede Influenzasaison der Welt“ schlimmer verlaufen wäre als die Corona-Pandemie. Konkret mit Bezug auf Deutschland werden dazu als vermeintlicher Beleg folgende Zahlen genannt: „Bei der Influenza 2018 haben Sie vom RKI 338.000 Infizierte gemeldet mit 45.000 Krankenhausbehandlungen und 25.000 Toten. Da war nicht ein Krankenhaus überlastet. Selbst 2019 waren es 180.000 infizierte mit 18.000 Krankenhausbehandlungen.“ 

Diese Zahlen sind zwar größtenteils korrekt und weichen nur minimal von den offiziellen Angaben des RKI ab (Saisonbericht 2017/2018, Seiten 14 und 9; Saisonbericht 2018/2019, Seite 14). 

Aber unser Faktencheck zu diesem Thema hat gezeigt, dass sich die Zahlen von Influenza- und Corona-Infizierten nicht miteinander vergleichen lassen – weil sie unterschiedlich erhoben werden. Im Gegensatz zu den Zahlen der Corona-Toten basieren die Zahlen der Influenza-Toten auf einer statistischen Schätzung. So wurden zum Beispiel in der Grippesaison 2018 lediglich 1.674 Fälle gemeldet, geschätzt wurden aber 25.000 Tote. Bereits jetzt hat das RKI 5.913 Corona-Tote gemeldet. Für die Behauptung gibt es demnach keine Belege. 

5. Behauptung: Alle Corona-Toten hätten erhebliche Vorerkrankungen

Diese Behauptung ist – so pauschal – falsch. Sie bezieht sich vermutlich auf ein Interview des Rechtsmediziners Professor Klaus Püschel. Püschel soll gegenüber dem Hamburger Abendblatt gesagt haben, dass „nie ein gesunder Mensch“ an Covid-19 verstorben sei. Unser Faktencheck dazu zeigte jedoch: Püschel hatte sich so nicht geäußert. 

Menschen mit Vorerkrankungen sind tatsächlich eine Risikogruppe für schwere Verläufe von Covid-19. 87 Prozent der Verstorbenen in Deutschland waren laut RKI 70 Jahre alt oder älter. Schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle können laut RKI aber auch bei gesunden und jungen Menschen vorkommen. 

6. Behauptung: Der Geschmacks- und Geruchssinn sei auch „bei jeder Erkältung weg“ 

Menschen, die am Coronavirus erkranken, könnten kurzzeitig und sehr plötzlich ihren Geruchs- und Geschmackssinn verlieren: Wie das RKI schreibt, ist der Verlust des Geschmacks- und des Geruchssinns „ein typisches neurologisches Symptom“. 

Im Gegensatz dazu kann bei einer normalen Erkältung der Geruchs- und Geschmackssinn durch eine Schwellung (Entzündung der Nasenschleimhaut) eingeschränkt sein. Der Vergleich mit einer Erkältung ist daher irreführend. Die Behauptung ist teilweise falsch, es fehlt Kontext.

7. Behauptung: Schweden habe trotz einer weniger restriktiven Politik nur eine unwesentlich höhere Sterberate als Deutschland

Diese Behauptung ist größtenteils falsch. Richtig ist zwar, dass Schweden eine im Vergleich weniger restriktive Politik verfolgt, Restaurants und Cafés etwa sind geöffnet. Allerdings hat das Land im Vergleich zu Deutschland eine höhere Todesrate pro 100.000 Einwohner: Nach Zahlen des European Centre for Disease Prevention and Control sind es rund 28 Corona-Tote pro 100.000 Einwohner. Deutschland hat eine Quote von (gerundet) 8 Toten pro 100.000 Einwohner (Stand: 6. Mai). 

Geringer sind die Unterschiede mit Blick auf die Anzahl der Infizierten pro 100.000 Einwohner: In Deutschland sind 198,8 Fälle errechnet worden, in Schweden rund 228 (Stand 6. Mai). 

8. Behauptung: Angela Merkel habe gesagt, sobald sich die Anzahl der Infizierten nur noch alle 12 bis 14 Tage verdoppele, könne man zur Normalität zurückkehren – nun liege die Verdopplungszeit bei 25 Tagen und die Maßnahmen seien unverändert 

Die Aussage ist teilweise falsch. Angela Merkel sagte am 28. März in ihrem Podcast, dass die Verdopplungszeit „in Richtung von zehn Tagen gehen“ müsse, „damit unser Gesundheitssystem nicht überfordert wird“. 

Von zehn bis zwölf Tagen sprach Kanzleramtschef Helge Braun in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Laut dem Online-Portal Statista lag die Verdopplungszahl am 20. April bei 25 Tagen. Aktuell soll sie 104,5 Tage betragen (Stand 5. Mai). 

Die Verdopplungszeit ist jedoch nicht alleine maßgeblich für politische Entscheidungen. So sprach Angela Merkel auf einer Pressekonferenz am 15. April – dem Tag, an dem der Facebook-Post veröffentlicht wurde – davon, dass man die sogenannte Reproduktionszahl senken müsse. Ab einem Wert von 1 oder weniger, könne man „über Lockerungen überhaupt nachdenken.“ 

Die Reproduktionszahl gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Mittel ansteckt, so das RKI in seinen FAQ. Am 15. April lag dieser Wert laut RKI geschätzt bei 0,9. Am 6. Mai lag er bei 0,71

Es stimmt allerdings nicht, dass die Maßnahmen unverändert blieben. Am 15. April wurden die Kontaktbeschränkung zwar verlängert, aber auch neue Regelungen bekannt gegeben, darunter Lockerungen. So durften Geschäfte mit einer Verkaufsfläche bis zu 800 Quadratmeter wieder öffnen und Abschlussklassen in Schulen geprüft werden.

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9. Behauptung: 80.000 Erntehelfer aus Osteuropa dürften nach Deutschland, aber Familien dürften sich nicht treffen 

Korrekt ist, dass bis zu 80.000 Erntehelfer, die zum Großteil aus Osteuropa stammen, im April und Mai nach Deutschland einreisen dürfen. Dies gaben das 

Landwirtschaftsministerium und das Innenministerium am 2. April bekannt. Eine Einreise sei nur per Flugzeug möglich. In Deutschland mussten sich die Erntehelfer nach ihrer Ankunft außerdem einem Gesundheitscheck unterziehen. Die ersten 14 Tage mussten sie in Quarantäne verbringen und durften die Betriebsgelände der Höfe nicht verlassen. 

Nicht korrekt ist, dass sich Familien in Deutschland derzeit gar nicht treffen dürfen. Ein offizielles Kontaktverbot gilt für den Aufenthalt im Freien (‘Gilt in Deutschland eine Ausgangssperre?”). Dort dürfen sich Angehörige eines Haushalts oder maximal zwei Personen, die nicht in einem Haushalt leben, gemeinsam aufhalten. Außerdem sind „Ansammlungen von Menschengruppen in Wohnungen sowie in privaten Einrichtungen“ nicht erlaubt. Die Regelungen in den Bundesländern können davon abweichen. 

Das Gesundheitsministerium empfiehlt zudem vor allem den Kontakt mit älteren Menschen zu vermeiden: „Von Besuchen bei älteren Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen wird derzeit abgeraten, da diese Personen ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus aufweisen.“ 

Die Behauptung ist somit teilweise falsch, es fehlt Kontext.

10. Behauptung: In Italien, Frankreich, Spanien und in den USA würden genauso viele Menschen sterben wie erwartet; in Italien gebe es 1.000 bis 1.200 Tote am Tag, die Quote habe sich nicht verändert. Außerdem werde jeder Tote als Corona-Toter gezählt

Die Behauptungen sind falsch. In Italien starben mehr Menschen als gewöhnlich, wie wir mit Hilfe der Faktenchecker von Pagella Politica recherchierten. Eine Studie, die unter anderem vom italienischen Gesundheitsministerium veröffentlicht wurde, zeigt, dass im Norden Italiens zeitweise mehr als doppelt so viele Menschen pro Woche gestorben sind wie im normalen Durchschnitt. Auch im Süden Italiens gab es einen Anstieg der Sterblichkeit. 

Dabei wird nicht jeder Tote in Italien als Corona-Toter gezählt. Die Obere Gesundheitsbehörde erklärt in ihrem Bericht vom 20. April, dass diejenigen Toten als Corona-Tote in die Statistik eingehen, die zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden sind.

Im Portal Euromomo, das Daten zur sogenannten Übersterblichkeit in europäischen Ländern sammelt, ist für Italien, Frankreich und Spanien ab der 11. bis 12. Kalenderwoche ein Anstieg zu sehen – also etwa ab dem 15. März 2020. Es starben also mehr Menschen als erwartet. Die Daten sind vorsichtig zu betrachten, da ein Meldeverzug bestehen kann, der Trend widerspricht jedoch deutlich der Aussage in dem Kettenbrief.

Fazit

Von den zehn Behauptungen im Facebook-Beitrag sind drei falsch, zwei größtenteils falsch, drei teilweise falsch und zwei unbelegt. Viele Informationen, wie die angebliche Sterberate von 0,37 Prozent, werden verkürzt und ohne den ursprünglichen Kontext wiedergegeben und führen so in die Irre.  

Auf den Facebook-Beitrag haben uns Leser hingewiesen. Zu dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 sind zahlreiche Falschmeldungen im Umlauf. Um sie effektiv zu bekämpfen, sind wir auf Hilfe angewiesen. In unserem CrowdNewsroom zum Coronavirus kann jeder Nachrichten oder Artikel einreichen, die unser Team sichtet und gegebenenfalls Faktenchecks dazu veröffentlicht. 

Mitarbeit: Till Eckert, Alice Echtermann

Update, 8. Mai 2020: Wir haben das Zitat zur Letalität aus der Heinsberg-Studie ausgetauscht. Es war zuvor nicht korrekt wiedergegeben. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Viele Informationen in dem Beitrag sind falsch, andere verkürzt oder ohne Kontext.

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Dieser Facebook-Beitrag stellt eine Behauptung über die Todesursachen in Deutschland auf. (Screenshot: CORRECTIV)

von Matthias Bau

In einem Facebook-Beitrag wird behauptet, in Deutschland sei jetzt jeder Todesfall auf das Coronavirus zurückzuführen. Das ist falsch, Menschen sterben auch weiterhin aus anderen Gründen.

Derzeit wird auf Facebook ein Beitrag vom 10. April geteilt, in dem behauptet wird, alle Todesfälle in Deutschland seien nun durch das Coronavirus verursacht: „Es ist doch sehr seltsam seit es den Coronavirus gibt, stirbt kein Mensch mehr an Krebs, an Herzinfarkt, oder an sonst einer tötlichen Krankheit. Es Sterben nur noch Menschen am Corona Virus“ (sic). Dazu schlägt der Autor vor, die Zahlen des Robert Koch-Instituts zu hinterfragen.

Die Behauptung ist falsch. Der Beitrag wurde mittlerweile mehr als 6.200 Mal auf Facebook geteilt. 

Das Coronavirus ist in Deutschland derzeit nicht die einzige Todesursache

Am 17. April veröffentlichte das Statistische Bundesamt eine Sonderauswertung zu den Sterbefallzahlen des Jahres 2020. Den Daten, die bis zum 15. März reichen, ist zu entnehmen, dass in Deutschland insgesamt 210.864 Menschen gestorben sind. Nach Todesursachen wird in der Auswertung nicht differenziert. 

Am 15. März meldete das RKI für Deutschland insgesamt 4.838 Infizierte und 12 Tote durch Covid-19. 

 

Die Deutsche Gesellschaft für Rechtsmedizin schreibt per E-Mail an CORRECTIV: „Wie wir jeden Tag im Sektionssaal sehen, gibt es alle ‘normalen’ Todesfälle auch weiterhin, also auch Herzinfarkte, Lungenembolien, Verkehrsunfälle, Suizide usw.“. 

Antwort der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin auf eine Presseanfrage von CORRECTIV.
Antwort der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin auf eine Presseanfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Wie kommen die Zahlen des RKI zustande?

Neben den Todesursachen zweifelt der Facebook-Beitrag auch die Coronavirus-Statistik des RKI an. Im Kommentar, der dem Bild beigefügt ist, heißt es: „Vielleicht sollte man die Zahlen des RKI mal hinterfragen“. 

Folgendermaßen beschreibt das RKI den Prozess zur Meldung von Corona-Infizierten in seinen FAQ: Jeder Arzt, der einen Verdacht auf eine Covid-19-Erkrankung feststellt, muss diesen dem zuständigen Gesundheitsamt melden. Nach einer Testung der potentiell Erkrankten und der Auswertung der Testergebnisse, übermitteln die Gesundheitsämter aus ganz Deutschland ihre Daten auf elektronischem Weg an das RKI. 

Todesfälle werden vom RKI dann erfasst, wenn zuvor ein laborbestätigter Nachweis von SARS-CoV-2 (direkter Erregernachweis) vorliegt“. Das heißt also, dass jeder Verstorbene, der positiv auf Covid-19 getestet wurde, in die Statistik des RKI eingeht. Aus diesem Grund werde beides gezählt: ‘verstorben an’ und ‘verstorben mit’, um ein möglichst genaues Bild zu bekommen und Todesfälle nicht unterzuerfassen“, erklärte das RKI gegenüber CORRECTIV per E-Mail.

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Auf die Nachricht bei Whatsapp haben uns Leser hingewiesen. Zu dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 sind zahlreiche Falschmeldungen im Umlauf. Um sie effektiv zu bekämpfen, sind wir auf Hilfe angewiesen. In unserem CrowdNewsroom zum Coronavirus kann jeder Nachrichten oder Artikel einreichen, die unser Team sichtet und gegebenenfalls Faktenchecks dazu veröffentlicht. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Menschen sind seit Ausbruch des Coronavirus auch aus anderen Gründen gestorben. 

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Screenshot eines Facebook-Beitrages, in dem behauptet wird, dass die Bundesregierung Einmalzahlungen für das Daheimbleiben leiste. (Screenshot: CORRECTIV)

von Matthias Bau

Bei Facebook wird die Behauptung geteilt, dass die Bundesregierung einmalig Geld an Menschen auszahle, die zu Hause bleiben und somit dazu beitragen, dass sich das Coronavirus nicht so schnell ausbreitet. Das ist frei erfunden. In keinem Maßnahmenkatalog der Regierung sind solche Zahlungen zu finden.

In mehreren gleichlautenden Facebook-Beiträgen wird behauptet, dass die Bundesregierung Einmalzahlungen an alle Menschen leiste, die momentan zu Hause bleiben. Die Höhe der angeblichen Einmalzahlung variiert in den Beiträgen stark: Mal sollen es 359 Euro sein, dann 500 oder sogar 1.200 Euro. Bisher wurden die Beiträge auf Facebook insgesamt 731 Mal geteilt. 

In einem der Beiträge heißt es: „Die Deutsche Regierung belohnt das Zuhause bleiben mit einer einmaligen Zahlung in Höhe von 1200,00€ pro Person!! Teile es so oft wie möglich das es jeder Empfangen kann (sic)!!“ Dazu wird auf einen Link verwiesen, der zu einem Antragsformular führen soll. Bebildert sind die Beiträge mit einer Aufnahme der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

CORRECTIV hat die Beiträge geprüft: Es gibt weder eine Einmalzahlung für das Zuhausebleiben, noch führt der Link zu einem Antragsformular. 

Vielfältige Unterstützung, aber keine Zahlung für das Zuhausebleiben

Inzwischen gibt es zahlreiche Unterstützungsangebote und Informationen für Arbeitnehmende sowie für Unternehmen, Selbstständige und Kulturschaffende im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Doch in keinem dieser Maßnahmenkataloge findet sich eine Aussage zu Einmalzahlungen für das Daheimbleiben. 

Das Bundesfamilienministerium hat auf seiner Internetseite eine Liste mit allen finanziellen Unterstützungsangeboten für Arbeitnehmende veröffentlicht. Vom vereinfachten Zugang zur Grundsicherung, über Unterstützungen im Rahmen des Bafög bis hin zum Kindergeldzuschlag sind dort Maßnahmen aufgeführt. Eine Einmalzahlung für das Daheimbleiben findet sich dort nicht. 

Ebensowenig werden Zahlungen im Maßnahmenkatalog für Soloselbständige, Freiberufler und kleine Unternehmen bis zehn Beschäftigte oder für kleine, mittlere und große Unternehmen erwähnt. Auch Kulturschaffende werden nicht in dieser Weise unterstützt.

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Bei der Falschmeldung handelt es sich wohl um einen schlechten Scherz: Hinter dem Link verbirgt sich das Bild eines Affen mit ausgestrecktem Mittelfinger, das auf der niederländischen Internetseite Loslocos8 hochgeladen wurde. In ihrer Selbstbeschreibung bezeichnet sich die Seite als Soziales Netzwerk mit viel Humor. 

Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Bundesregierung belohnt das Zuhausebleiben nicht mit einer Einmalzahlung.

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Werden Grundnahrungsmittel in Deutschland knapp? Nein, lediglich Sonderkulturen sind gefährdet. (Symbolfoto: Elaine Casap / Unsplash)

von Matthias Bau

In einem Whatsapp-Kettenbrief wird behauptet, die Lebensmittelversorgung in Deutschland sei gefährdet, man solle sich mit Lebensmitteln eindecken. Die Information stamme aus einer geschlossenen Sitzung der Bundesregierung. Das Landwirtschaftsministerium dementiert das und spricht von einer „Falschmeldung“.

Derzeit kursiert auf Whatsapp ein Kettenbrief. Darin wird behauptet: „Leak aus der heutigen geschlossenen Sitzung Bundesregierung: Essen wird knapp“ verbunden mit der Aufforderung, sich mit Essen einzudecken. 

Wir haben die Behauptung geprüft. 

Diese Whatsapp-Nachricht stellt eine Behauptung über die Lebensmittelversorgung in Deutschland auf. (Screenshot: CORRECTIV)

Grundversorgung in der Coronakrise ist laut Ministerium gesichert

Laut Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) ist die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln in Deutschland gesichert. Bereits am 17. März erklärte die Ministerin in einer Pressekonferenz: „Wir haben einen Selbstversorgungsgrad von über 100 Prozent zum Beispiel bei Kartoffeln (148 Prozent), Käse (126 Prozent), Frischmilchprodukten (116 Prozent), Getreide (107 Prozent) oder Schweinefleisch (119 Prozent).“ Diese Aussage bestätigte sie am 1. April gegenüber dem Morgenmagazin der ARD mit den Worten: „Bei den Grundnahrungsmittel sind wir beim Selbstversorgungsgrad bei über 100 Prozent.“  

Auf eine Presseanfrage von CORRECTIV bestätigte das Bundeslandwirtschaftsministerium am 14. April diese Aussage per E-Mail und bezeichnete die Behauptung in der Whatsapp-Nachricht als „Falschmeldung“. 

Antwort des Bundeslandwirtschaftsministeriums auf eine Presseanfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch der Deutsche Bauernverband bekräftigte am 14. April gegenüber CORRECTIV, dass die Versorgung mit Grundnahrungsmittel nicht gefährdet sei. Es könne aber „abhängig von der Dauer des Einreisestopps und der aktuell fehlenden Erntehelfer, durchaus bei verschiedenen Kulturen im Obst und Gemüsebereich zu Versorgungslücken kommen“. 

Antwort des Deutschen Bauernverbandes auf eine Presseanfrage von CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Dafür, dass die Lebensmittel auch in den deutschen Supermärkten ankommen, will Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit dem Gütertransportpakt sorgen, den das Bundesverkehrsministerium mit den Branchenverbänden der deutschen Logistikwirtschaft am 26. März geschlossen hat. Er soll sicherstellen, dass die Versorgung mit „Waren des täglichen Bedarfs, von Gütern zur medizinischen Versorgung sowie von Treibstoffen“ weiterhin gesichert ist. Dafür sollen bestehende Fahrverbote aufgehoben werden, sodass Lkw auch an Sonn- und Feiertagen sowie am Wochenende verkehren dürfen. Außerdem sollen Lkw gesonderte Fahrspuren bekommen.

Bei der Ernte von Salat, Spargel und Erdbeeren fehlen Saisonarbeiter aus dem Ausland 

Dennoch weisen sowohl Klöckner als auch der deutsche Bauernverband darauf hin, dass es derzeit einen großen Mangel an Erntehelferinnen gebe. Bis zu 300.000 Saisonarbeiter werden jährlich in der Landwirtschaft beschäftigt. Der Großteil von ihnen kommt aus Osteuropa. Durch den aktuellen Einreisestopp für Erntehelfer und Saisonarbeiter und die Hygienemaßnahmen gegen das Coronavirus könnte es zu Engpässen bei der Ernte kommen. Um die ausgebrachten Sonderkulturen, wie Spargel, Erdbeeren oder Salate doch noch ernten zu können und neue Saat für die kommenden Ernten auszubringen, nennt die Landwirtschaftsministerin im Morgenmagazin zwei Maßnahmen, die helfen sollen: 

Zum einen hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gemeinsam mit dem Bundesverband der Maschinenringe e.V. die Vermittlungsplattform „Das Land hilft“ aufgesetzt. Dort können sich Freiwillige melden, um mit Landwirten in Kontakt zu treten und ihre Hilfe anzubieten. 

Zum anderen hat die Bundesregierung am 23. März Maßnahmen beschlossen, um den Landwirtschaftsbetrieben und den Erntehelferinnen, die bereits in Deutschland sind, die Arbeit zu erleichtern. Unter anderem wurde die Zuverdienstgrenze für Rentner und Arbeitslose angehoben und Saisonarbeiter dürfen statt 70 nun 115 Tage in Deutschland bleiben. Dennoch, so Klöckner im Morgenmagazin (ab Minute 1:30), sei man weiterhin auf ausländische Saisonarbeiterinnen angewiesen. 

Einreise von Saisonarbeitern wird unter Auflagen ermöglicht

Am 2. April gaben das Landwirtschaftsministerium und das Innenministerium bekannt, dass im April und Mai jeweils 40.000 Saisonarbeitern die Einreise ermöglicht wird. Diese sollen ausschließlich per Flugzeug nach Deutschland kommen und sich nach ihrer Ankunft einem Gesundheitscheck unterziehen. Die ersten 14 Tage müssen sie zudem in Quarantäne verbringen und dürfen die Betriebsgelände der Höfe nicht verlassen. Neben diesen ausländischen Kräften wollen die Ministerien zudem 10.000 Arbeitslose, Studierende, Asylbewerber und Kurzarbeiterinnen gewinnen.

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Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Grundnahrungsmittel stehen in Deutschland aktuell laut Landwirtschaftsministerium und Bauernverband ausreichend zur Verfügung.

Bayerisches Wirtschaftsministerium in M¸nchen, 2013
Das bayerische Wirtschaftsministerium in München. (Symbolbild: Picture Alliance / Sueddeutsche Zeitung Photo)

von Matthias Bau

Auf einem Blog wird behauptet, das Land Bayern zahle keine Soforthilfen mehr an Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. Diese Behauptung ist irreführend. Bayern zahlt Fördermittel des Bundes an die Betriebe aus. 

„Bayern zahlt keine Soforthilfe für Unternehmen bis 10 Mitarbeiter – Enttäuschung für viele Unternehmen“ lautet die Überschrift eines Blogartikels, der bei Facebook mehr als 4.000 Mal geteilt wurde. 

Diese Behauptung ist irreführend, da sie wesentlichen Kontext weglässt. 

In Bayern erhalten Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern auch weiterhin Fördermittel, um die Folgen der Corona-Pandemie abzumildern, wie uns das bayerische Wirtschaftsministerium auf Anfrage am 30. März per E-Mail mitteilte. Bis zum 29. März konnten diese demnach Fördermittel beim Bundesland Bayern beantragen. Unternehmen mit nicht mehr als zehn Mitarbeitern wurden dabei mit bis zu 7.500 Euro unterstützt. 

Diese Förderung wird seit dem 30. März vom Bund übernommen und ist sogar verdoppelt worden: Betroffene Betriebe erhalten nun für drei Monate bis zu 15.000 Euro. Bearbeitet werden die Anträge weiterhin in Bayern und die Leistungen werden ebenfalls weiterhin vom Land ausgezahlt. Es ist somit irreführend zu behaupten, dass das Bundesland Bayern keine Soforthilfen mehr zahlt – die Fördermittel kommen lediglich aus Bundes- und nicht wie bisher aus Landesmitteln.

Das bayerische Wirtschaftsministerium schreibt uns, dass das für Unternehmen bis zu zehn Mitarbeitern „in jedem Fall eine Verbesserung“ sei, weil die Höchstbeträge gestiegen seien.

E-Mail des bayerischen Wirtschaftsministeriums.
E-Mail des bayerischen Wirtschaftsministeriums. (Screenshot: CORRECTIV)

Im Blogbeitrag heißt es außerdem, dass die Förderprogramme nicht miteinander kombinierbar seien. Diese Aussage ist korrekt. Bayern geht bei der Förderung nach dem sogenannten Günstigkeitsprinzip vor, welches vorsieht, dass Antragsteller diejenigen Hilfen in Anspruch nehmen dürfen, die für sie vorteilhafter sind. 

Unternehmen, die vor der bundesweiten Regelung schon einen Antrag für die bayerische Soforthilfe gestellt und bewilligt bekommen haben, können die Differenz der Förderbeträge auf Antrag zusätzlich bekommen. 

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Im Blogbeitrag heißt es außerdem, dass die beiden Soforthilfen nicht miteinander kombinierbar seien. Diese Aussage ist korrekt. Bayern geht bei der Förderung nach dem sogenannten Günstigkeitsprinzip vor, welches vorsieht, dass Antragsteller diejenigen Hilfen in Anspruch nehmen dürfen, die für sie vorteilhafter sind. 

Das bayerische Soforthilfe-Programm existiert dabei aber weiter, wurde also nicht „gestrichen“, wie es in dem Blog heißt. Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern erhalten die bayerische Soforthilfe von 30.000 Euro für bis zu 50 Beschäftigte und 50.000 Euro für bis zu 250 Beschäftigte (PDF, Punkt 5). Denn für große Unternehmen hat der Bund keine Soforthilfen beschlossen.

In den Richtlinien Bayerns steht außerdem, dass eine Kumulierung der Unterstützungsangebote möglich sei (PDF, Punkt 6.2). Der Autor des Blogs unterstellt, diese Formulierung sei „das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde“ – nennt dafür aber keine Belege. Auf erneute Nachfrage von CORRECTIV bestätigte das Ministerium, dass Unternehmen neben den Soforthilfen weitere, andere Hilfsprogramme in Anspruch nehmen können, solange die Höhe ihres Liquiditätsengpasses insgesamt nicht überschritten werde.

Weitere E-Mail des bayerischen Wirtschaftsministeriums. (Screenshot: CORRECTIV)

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Update, 15. April: Wir haben die Bewertung von „größtenteils falsch“ zu „teilweise falsch“ geändert, da dem Blog-Artikel vor allem Kontext fehlt. 

Update, 17. April: Wir haben zur Erklärung weitere Details des bayerischen Soforthilfe-Programms und der Möglichkeit, die Soforthilfen mit anderen Angeboten zu kombinieren, eingefügt. 

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Bayerische Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern bekommen weiter Soforthilfen. Die Höhe der Fördermittel wurde verdoppelt.

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Hilft Alkohol gegen das neuartige Coronavirus? Nein, er macht sogar anfälliger für Erkrankungen. (Foto: Gerrie van der Walt / Unsplash)

von Matthias Bau

In einer Meldung, die auf Whatsapp kursiert, wird behauptet, ein erhöhter Alkoholkonsum helfe, Coronaviren im Mund- und Rachenraum abzutöten. Das ist falsch. Alkohol macht das Immunsystem anfälliger für Erkrankungen.

Auf einem Bild mit Text, welches derzeit vor allem auf Whatsapp geteilt wird, wird behauptet, dass ein erhöhter Alkoholkonsum gegen das Coronavirus hilft. Es wird angedeutet, Alkohol könne die Viren im Rachen abtöten. Die Meldung enthält das Logo des Robert Koch Instituts (RKI) und das Datum 19. März 2020. Darin heißt es: „Ab einer Menge von 100g Alkohol pro Tag soll sich eine ausreichende Desinfizierung im Mund und Rachenraum einstellen […] Wer mehr verträgt soll und darf sogar auch mehr zu sich nehmen.” Dies entspreche der Menge von fünf Bier.

Diese Behauptung ist falsch und das Bild eine Fälschung. 

Die angebliche Meldung vom RKI. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf ihrem Twitter Account erklärte die WHO am 29. März ausdrücklich: „Alkohol zu trinken schützt nicht gegen Covid-19 und kann gefährlich sein.” Das RKI ist zudem nicht die Quelle der Mitteilung: In keinem der Situationsberichte des RKI (Stand 30. März) finden sich Ausführungen zum Thema Alkohol. Insbesondere auch nicht in dem vom 19. März

Die Ärztin Dr. Susanne Huggett erklärte in einem Artikel der Bild-Zeitung: „Wenn wir Alkohol trinken, landet dieser in der Speiseröhre und im Magen-Darm-Trakt und nicht tief in der Lunge und in den Atemwegen, in denen sich das Coronavirus befindet. Die Annahme, dass man sich vor einer Infektion schützen kann, indem man hochprozentigen Alkohol trinkt, ist folglich falsch.” Genauso wenig lässt sich das Virus abtöten, indem man sich mit Alkohol oder Chlor besprüht. Meldungen, die das behauptet hatten, wurden offiziell von der WHO zurückgewiesen

Erhöhter Alkoholkonsum schadet der Gesundheit

Wer 100 Gramm Alkohol pro Tag konsumiert, bringt seine Gesundheit in Gefahr. Einen risikofreien Alkoholkonsum bescheinigt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung allen, die nicht mehr als 12 bis 24 Gramm Alkohol am Tag zu sich zu nehmen. Der Wert für Frauen liege bei 12 Gramm; das entspreche einem kleinen Bier oder einem Glas Wein. Männer könnten die doppelte Menge trinken. 

Ab dann jedoch gilt: „Wer die Grenzwerte von 12 bzw. 24 Gramm reinen Alkohols pro Tag überschreitet, kann seine Gesundheit gefährden. Nicht nur die Leber, nahezu jedes Organ kann durch Alkoholkonsum dauerhaft beeinträchtigt werden.” Und dabei handelt es sich nur um die Langzeitwirkungen des übermäßigen täglichen Konsums. Akut führt er dazu, dass das Immunsystem geschwächt und der Körper anfälliger für Erkältungsviren wird.  

Ist das Coronavirus „alkoholsensibel“?

Warum glauben offenbar dennoch einige Menschen, dass sie sich durch den Konsum von Alkohol desinfizieren könnten? Sie haben möglicherweise eine Aussage des Gesundheitsministers Jens Spahn falsch verstanden. Spahn hatte am am 11. März 2020 auf einer Pressekonferenz, erklärt, das Coronavirus sei „alkoholsensibel”.  

Die Äußerung Spahns fiel, als er über Desinfektionsmittel sprach. Vermutlich bezog er sich auf eine Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung vom 30. März (Seite 2). Dieses hat mitgeteilt, dass Coronaviren „als behüllte Viren, deren Erbgut von einer Fettschicht (Lipidschicht) umhüllt ist, […] empfindlich auf fettlösende Substanzen wie Alkohole oder Tenside” reagieren. Weiter heißt es von Seiten des Instituts, es sei „hoch wahrscheinlich, dass durch diese Substanzen die Virusoberfläche beschädigt und das Virus inaktiviert wird“. Dieses Aussage bezieht sich allerdings auf die Desinfektion von Oberflächen. 

Eine gute Handhygiene und der Abstand zu anderen Menschen bleiben also, wo die Kontaktvermeidung nicht möglich ist, derzeit immer noch die besten Mittel, um sich gegen eine Ansteckung mit Covid-19 zu schützen. Ein Medikament steht laut der WHO und dem Robert Koch Institut gegen das Virus noch nicht zur Verfügung. „Verschiedene spezifische Therapieansätze – darunter experimentelle Wirkstoffe und bereits zugelassene Medikamente – werden derzeit im Rahmen von Studien geprüft”, schreibt das RKI auf seiner FAQ-Seite.

CORRECTIV ist spendenfinanziert
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Unsere Bewertung:
Völlig falsch. Die Meldung ist eine Fälschung. Alkohol hilft nicht gegen Coronaviren im Mund und Rachenraum.