Deutschland hat keine Flugzeugträger nach Grönland geschickt
Angeblich soll Deutschland zwei Kriegsschiffe, darunter einen Flugzeugträger, nach Grönland geschickt haben, um die dänische Insel vor den US-Amerikanern zu schützen. Das stimmt nicht.
„Ein frischer fröhlicher Zwei-Fronten-Krieg. Was soll schon schief gehen“, schreibt Markus Krall am 11. Januar auf X und bekommt dafür 1.200 Likes. Krall engagierte sich früh für die Werteunion von Hans Georg Maaßen und musste vor Gericht zu seinen Verbindungen mit der Gruppe um Heinrich XIII. Prinz Reuß aussagen, die einen bewaffneten Umsturz in Deutschland geplant haben soll.
Teil seines Beitrages ist ein Bild, auf dem ein deutsches Kriegsschiff zu sehen ist. Darunter heißt es auf Englisch: „Deutschland schickt zwei Kriegsschiffe nach Grönland.“ Eines sei angeblich mit Kampfjets ausgerüstet, das andere habe Helikopter an Bord. Das stimmt aus mehreren Gründen nicht. Das Bild kursiert aktuell vielfach in Sozialen Netzwerken.

Auf dem Bild, wie auch im Titelbild dieses Faktenchecks, ist die Fregatte „Bayern“ zu sehen, ein Kriegsschiff der deutschen Marine. Es war aber in den vergangenen zwei Wochen nicht auf See, wie uns die Pressestelle des Marinekommandos auf Nachfrage mitteilte.
Dass dieses Schiff, oder irgendein anderes aus der deutschen Flotte, mit einem Geschwader Kampfjets ausgerüstet sei, ist ebenfalls erfunden: Deutschland hat keine Flugzeugträger, wie uns eine Sprecherin des Marinekommandos und ein Sprecher des Bundesministeriums für Verteidigung auf Anfrage bestätigte. Auf den Fregatten der Marine gibt es lediglich Platz für Hubschrauber. Auch auf den größten Schiffen der Bundeswehr, jenen der Berlin-Klasse, gibt es keine Startbahnen.
Verteidigungsministerium dementiert angebliche Entsendung
Auch falls das Foto nur als Symbolbild gedacht ist, verzerrt es die Realität: „Deutschland hat keine Schiffe nach Grönland entsandt“, schreibt der Sprecher des Verteidigungsministeriums weiter. Es gibt auch keinerlei Medienberichte zu der angeblichen Entsendung. Dass deutsche Kriegsschiffe in der Nähe von Grönland unterwegs sind und auch an dortigen Häfen anlegen, ist selten, kommt aber vor. Zuletzt legte im August 2025 der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ im Hafen der grönländischen Hauptstadt Nuuk an.
Anfang Januar lief die Fregatte „Sachsen“ aus und wird im Nordatlantik und in Nord- und Ostsee unterwegs sein. Sie ist Teil der „Standing Nato Maritime Group 1“ und löst dort laut Bundeswehrverband die Fregatte „Hamburg“ ab. Laut Bundeswehr dient sie dem Erhalt der Einsatzbereitschaft. Diesen Einsatzverband gibt es schon seit 1967; er hat also nichts mit der aktuellen Situation in Grönland zu tun.
Schiffe der deutschen Marine – auch Kriegsschiffe – sind auch im Nordatlantik unterwegs, um die sogenannte Giuk-Lücke zu bewachen. Das ist das Seegebiet zwischen Schottland und Grönland. Es hat strategische Relevanz, weil Russland es passieren müsste, wenn es mit seiner Marine den Atlantik befahren und gegebenenfalls Nato-Versorgungswege über den Atlantik stören wollen würde.
Nachdem US-Präsident Donald Trump Ansprüche an Grönland und den dortigen seltenen Erden angemeldet hatte, schickte Deutschland zwar 13 Soldaten zu einer Erkundungsmission auf die dänische Insel. Das war jedoch erst am 15. Januar, also mehrere Tage nachdem die Falschmeldung von den zwei Kriegsschiffen sich verbreitete. Die Soldaten wurden zudem nicht per Schiff, sondern per Flugzeug nach Grönland gebracht, wie etwa die Tagesschau und der Spiegel berichteten.
Redigatur: Matthias Bau, Gabriele Scherndl