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Taliban nehmen Schutzunterkunft unter Kontrolle – Afghanen mit deutscher Aufnahmezusage in Gefahr

Die Taliban haben eine Schutzunterkunft in Kabul unter ihre Kontrolle gebracht, in der 79 Afghaninnen und Afghanen mit deutschen Aufnahmezusagen untergebracht sind. Die Hilfsorganisation Kabul Luftbrücke wirft der Bundesregierung vor, die Gefahr bewusst in Kauf genommen zu haben.

von Lena Köpsell

Afghan Taliban celebrate 3 years of return to power with military parade
Die Taliban haben eine Schutzunterkunft, in der Afghanen mit deutscher Aufnahmezusage leben, unter ihre Kontrolle gebracht. Foto: Mohammad Noori / picture alliance / Anadolu

Die Taliban haben am Sonntag eine Schutzunterkunft in Kabul, in der gefährdete Afghaninnen und Afghanen mit deutschen Aufnahmezusagen untergebracht sind, unter ihre Kontrolle gebracht. Derzeit werden die betroffenen Afghaninnen und Afghanen und ihre Familien von den Taliban befragt, wie Personen CORRECTIV schilderten, die mit dem Vorgang vertraut sind.

Auch Laptops, Dokumente und die Pässe der Bewohnerinnen und Bewohner seien mitgenommen worden. Das bestätigt auch die Sprecherin der Hilfsorganisation Kabul Luftbrücke, Eva Beyer, gegenüber CORRECTIV. Sie kritisiert das Vorgehen der Bundesregierung: „Was zur Hölle macht die Bundesregierung? Sie hat bewusst in Kauf genommen, dass das passiert.“ Es sei von Anfang an klar gewesen, dass man die Personen in Kabul nur begrenzt sicher unterbringen könne. Beyer fordert die Bundesregierung auf, die betroffenen Menschen in Sicherheit zu bringen.

79 Personen mit Aufnahmezusage sind in Afghanistan

Laut Kabul Luftbrücke sind in dem Safe House, das im Auftrag der Bundesregierung betrieben wird, 79 Afghaninnen und Afghanen untergebracht. Bis zur Machtübernahme der Taliban 2021 hatten sie sich in Afghanistan für die Zivilgesellschaft engagiert oder für deutsche Institutionen gearbeitet. Die Bundesregierung hatte ihnen nach dem Abzug der NATO-Truppen eine Aufnahme in Deutschland zugesagt. Anschließend flohen sie nach Pakistan und wurden dann vor fünf Monaten – trotz der Aufnahmezusagen – von den pakistanischen Behörden nach Kabul abgeschoben.

Redigat und Faktencheck: Ulrich Kraetzer