Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Diese für Audio optimierte Kompaktfassung des täglichen Spotlight-Newsletters ist von einer KI-Stimme eingelesen und von Redakteuren erstellt und geprüft.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

die Kameraüberwachung im öffentlichen Raum nimmt zu. Das zeigt unsere heute veröffentlichte Recherche. Weshalb das so ist, was dafür spricht und was dagegen, ist unser Thema des Tages.

Und wir haben heute zwei weitere Texte veröffentlicht, die sich um die aktuelle Nachrichtenlage drehen:

  • Kann die politische Lage in Syrien tatsächlich dazu führen, dass IS-Kämpfer mit deutschem Pass jetzt wieder nach Deutschland gelangen?
  • Stimmt es, dass die Krankschreibung per Anruf in der Arztpraxis zu höheren Krankenständen im Land führt?

Gestern hatte ich Sie um Ihre Meinung zu Trump und Grönland gebeten: Finden Sie, dass die Medien – auch wir bei CORRECTIV – zu sehr auf Trumps politische Forderungen eingehen? Um die 80 Zuschriften erreichten mich dazu. Ich war überrascht, wie differenziert Sie geantwortet haben. In der Rubrik „CORRECTIV ganz persönlich“ fasse ich Ihre E-Mails zusammen.

Welche Themen bewegen Sie sonst noch? Schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Big Brother passt auf uns auf

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Flüchtige IS-Kämpfer und Debatte um Krankschreibung

CORRECTIV.Faktenforum: Weinende Venezolanerin dankt angeblich Donald Trump: Video ist KI-generiert

Gute Sache(n): Mieterhöhungen – die wichtigsten Fakten und Tipps für Mietende • Sicherer Strom ohne Gas oder Kohle? Wäre möglich • Feuriger Protest gegen Trump in Davos

CORRECTIV ganz persönlich: Spielt Trump eine zu große Rolle?

Grafik des Tages: Krankheitstage wegen psychischer Erkrankungen in zehn Jahren verdoppelt

Vor diesem Hintergrund hat unsere Nachrichtenredaktion nun ein Thema unter die Lupe genommen, das seit Jahren immer wieder hitzig diskutiert wird: die Kameraüberwachung im öffentlichen Raum. Eben ist unser Text dazu erschienen.

Eine Anlage zur Videoüberwachung steht im Bahnhofsviertel.
Videoüberwachung der Polizei in Frankfurt/Main. Die Überwachungskameras sollen für mehr Sicherheit sorgen. Foto: Picture Alliance/dpa | Andreas Arnold

Was die Recherche zeigt:
SPOTLIGHT-Reporterin Pamela Kaethner hat bei den 16 Bundesländern angefragt,  wie sich die Zahl der polizeilich videoüberwachten Orte im öffentlichen Raum in den letzten sechs Jahren entwickelt hat. Ergebnis: 

Die Zahl der Kameras wächst seit 2020 in fast allen Bundesländern, deren Polizeigesetze dies erlauben. Nur im Saarland blieb die Zahl stabil, in Brandenburg nahm sie sogar ab.

Weshalb das so ist:
Fast alle Bundesländer begründen den Einsatz der Kameras mit drei Argumenten: Verhinderung von Straftaten, höhere Aufklärungsrate der Fälle und erhöhtes Sicherheitsgefühl der Bürger. So heißt es aus dem schleswig-holsteinischen Innenministerium: 

„Die sichtbare Präsenz von Kameras wirkt abschreckend und kann so Straftaten verhindern. Werden Aufzeichnungen angefertigt, liefern diese bei der Auswertung im Rahmen der Ermittlungen zudem häufig wichtige Hinweise und Ermittlungsansätze.” 

Was Fachleute dazu sagen:
Unsere Reporterin hat Stimmen von Ermittlern, Forschern, Datenschützern und Politikern zum Nutzen und zu Bedenken gegen die Überwachung eingeholt. 

Unter anderem vom Kriminologischen Institut Niedersachsen (KFN), das seit 2018 die Kameraüberwachung in sechs großen Städten Nordrhein-Westfalens analysiert hat. Ergebnis: Ein „wissenschaftlicher Nachweis eines allgemein kriminalitätsreduzierenden Effekts der Videoüberwachung“ könne nicht erbracht werden. 

Der Nutzen hängt laut Studie vielmehr davon ab, welche Delikte man betrachtet: Abschreckend wirken Kameras laut KFN vor allem bei geplanten Straftaten wie Einbruch oder Diebstahl, etwa auf Parkplätzen – weniger jedoch bei spontanen Gewalttaten. Dies belegten auch internationale neuere Studien.

Interessant übrigens:
Ausgerechnet in Berlin – wo es besonders viele Straftaten gibt – durfte die Polizei noch bis vor wenigen Wochen keine Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen oder Straßen nutzen. Grund war die fehlende rechtliche Grundlage. Die derzeitige CDU-SPD-Koalition ermöglichte den Einsatz von Kameras erst im vergangenen Dezember mit einer Änderung des Polizeigesetzes.

Wohin der Trend in der Politik geht:
Zu mehr Kamera-Überwachung – weil der Staat so mehr Präsenz zeigt.

Zwei Agenten prorussischer Milizen wegen Terrorverdacht festgenommen 
Die Generalbundesanwaltschaft soll zwei Männer festgenommen haben, die als Unterstützer von prorussischen Milizen arbeiten. Seit 2016 sollen die beiden Drohnen in die Gebiete Donezk und Luhansk geschmuggelt haben. Demnach wird Ihnen die Unterstützung ausländischer terroristischer Vereinigungen in mehreren Fällen zur Last gelegt. 
zeit.de

Europol-Großeinsatz gegen Handel von synthetischen Drogen
Durch einen groß angelegten Ermittlungsschlag wurden in Deutschland sechs Labore ausgehoben, in denen synthetische Drogen hergestellt wurden. Dabei wurden 45 Verdächtige festgenommen. Bundesweit wurden über 800 Kilogramm synthetische Drogen sichergestellt. 
sueddeutsche.de

Die venezolanische Flagge, hier bei einer Demonstration in London, hat in der Mitte acht Sterne in einem Bogen – das KI-Video stellt sie teilweise fehlerhaft dar. (Li Ying / Picture Alliance / Xinhua News Agency)

So geht’s auch
Was, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint? Könnte Deutschlands Stromversorgung trotzdem funktionieren – wenn sie zu 100 Prozent mit Erneuerbaren Energien betrieben würde? Eine neue Studie des Vereins „Deutsche Akademie der Technikwissenschaften“ sagt: Ja. Auch ohne die üblichen Grundlastkraftwerke wie Kohle, Gas oder Atom wäre das möglich. Entscheidend seien dafür der weitere Ausbau von Wind- und Solarenergie, große Speicher und ein flexibler Stromverbrauch.
forschung-und-wissen.de

Autor Bild Anette Dowideit

In Ihren Antworten gibt es zwei Tendenzen. Die einen schreiben, Trump spiele eine viel zu große Rolle in der Berichterstattung. Oft fiel in Ihren Leser-Mails das Wort „Narzisst“. Wolfgang E. zum Beispiel schreibt:

„Diese Menschen können nicht anders sein. Machtmenschen fordern Aufmerksamkeit wie Kinder in der Trotzphase.“

Leser Paul K. findet, wir Europäer sollten uns aus unserer „Angstfixierung vor der MAGA-Schlange lösen“ und unsere Energien auf unsere „eigene Selbstbehauptung bündeln“. Und Torsten S. weist darauf hin: Trump werfe wahrscheinlich häufig „Nebelkerzen“, um von anderen Dingen abzulenken. Die Medien würden zum Beispiel kaum noch über die Epstein-Akten berichten, weil Trump sie mit anderen Dingen ablenke. Susanne W. schlägt vor, dass wir (Politikschaffende und Medien) mal alle gemeinsam über einen Kommunikations-Boykott gegen Trump nachdenken sollten:

„Das, in großer Breite, würde ihn an einem wesentlichen Punkt treffen – seinem kranken Streben nach Daueraufmerksamkeit und Huldigung.“

Die andere Tendenz in Ihren Mails war die: Natürlich müsse man ausführlich berichten, wenn Trump Dinge fordert, die weltpolitisch hoch relevant sind. Enrico W. schlägt vor, die Medien sollten sich in der Berichterstattung weniger auf Trump und seine teils wirre Kommunikation konzentrieren – dafür mehr auf das, was Europa ihm politisch tatsächlich entgegensetzen kann. Und:

„Die EU- und alle Länder-Politiker sollten sich überlegen, ob eigene Forderungen an die USA Trump nicht den Wind aus den Segeln nehmen könnten.“

Klaus F. hat noch diese Anregung für die Teilnehmer am Weltwirtschaftsforum in Davos: 

„Die versammelten europäischen Politiker sollten Trump in Davos vor leeren Rängen sprechen lassen und mit Beginn seiner Rede aufstehen und den Saal verlassen.“

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Maximilian Billhardt, Till Eckert, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer, Lea Messerschmidt und Jule Scharun.