Klima

Warum sich der Atommüll der Welt nicht auf einem „Parkplatz in der Wüste“ entsorgen lässt

Auf X teilt ein Nutzer ein Foto, es soll den Atommüll des ehemaligen US-Kernkraftwerks Maine Yankee zeigen. Auf dem Foto sind lediglich 64 Betonbehälter zu sehen. Daraus schließt der Nutzer, der weltweite Atommüll ließe sich „völlig unproblematisch“ lagern. Warum das nicht stimmt, erklären wir im Faktencheck.

von Matthias Bau

Das US-Kernkraftwerk Maine Yankee ist seit 2005 komplett zurückgebaut. Der Betreiber wird dafür finanziell entschädigt, dass er die nuklearen Abfälle weiter auf seinem Gelände lagert.
Das US-Kernkraftwerk Maine Yankee ist seit 2005 komplett zurückgebaut. Der Betreiber wird dafür finanziell entschädigt, dass er die nuklearen Abfälle weiter auf seinem Gelände lagert. (Foto: Bruce Coleman / Photoshot / Jock Montgomery / Picture Alliance)
Behauptung
Der gesamte Atommüll der Welt lasse sich völlig unproblematisch auf einem Parkplatz in der Wüste lagern. Der abgebrannte Kernbrennstoff aus dem ehemaligen US-Kernkraftwerk „Maine Yankee“, der dort in 20 Jahren Betrieb angefallen ist, werde in überirdischen Behältern gelagert.
Bewertung
Größtenteils falsch
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Größtenteils falsch. Auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Maine Yankee lagert der Atommüll nur provisorisch, bis er in eine staatliche Lagerstätte gebracht werden kann. Vor allem hochradioaktiver Abfall aus Kernkraftwerken muss über zehntausende Jahre sicher gelagert und gegen menschliche und Umwelteinflüsse gesichert werden.

„Wir könnten den gesamten Atommüll der Welt auf einem einzigen Parkplatz in der Wüste lagern – und es wäre völlig unproblematisch“, behauptet ein Nutzer im November 2025 auf X und bekommt dafür rund 2.000 Likes. Seine Aussage unterstreicht er mit einem alten Foto, das nukleare Abfälle des ehemaligen Kernkraftwerks Maine Yankee in den USA zeigt. 

Damit greift er eine politische Diskussion der letzten Jahre auf: nämlich, ob Atomkraft gegenüber dem Ausbau erneuerbarer Energien vorzuziehen sei. So geschieht es aktuell etwa unter Präsident Donald Trump in den USA. Dort sollen künftig auch kleine Atomreaktoren errichtet werden, um etwa den Strombedarf von IT-Rechenzentren zu decken.

Hätte der Account auf X Recht, wäre die Suche nach Endlagern für radioaktive Abfälle nicht mehr nötig. Wir erklären, weshalb die oberirdische Lagerung hochradioaktiver Abfälle keine dauerhafte Lösung ist. 

Auf X zeigt ein Nutzer Atommüll in einem Zwischenlager des ehemaligen US-Kernkraftwerks Maine Yankee. Auch dieser müsste in ein Endlager transportiert werden.
Auf X zeigt ein Nutzer Atommüll in einem Zwischenlager des ehemaligen US-Kernkraftwerks Maine Yankee. Auch dieser müsste in ein Endlager transportiert werden. (Quelle: X; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Atommüll von US-Kernkraftwerk wird lediglich zwischengelagert

Zunächst zu dem Foto, das in dem X-Beitrag zu sehen ist: Das hatte zuvor das US-Energieministerium für Kernenergie auf X mit dem Wortlaut veröffentlicht: „Das ist alles? So sieht es aus, wenn verbrauchter Kernbrennstoff aus 20 Jahren sicher im ehemaligen Kernkraftwerk Maine Yankee gelagert wird.“ 

Es zeigt 64 Lagerbehälter für Atommüll auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Maine Yankee, das an der Nordostküste der USA liegt. Der Reaktor dort wurde im Jahr 1997 stillgelegt und bis 2005 rückgebaut – seitdem dient ein Teil des Areals als Zwischenlager für den entstandenen Müll, wie der Betreiber des Kraftwerks auf einer Informationsseite schreibt. Darum stehen inzwischen auf einem Teil des Geländes Stahlbehälter, die mit Beton ummantelt sind und rund um die Uhr bewacht werden.In 60 der 64 Behälter lagern nach Auskunft des Betreibers abgebrannte Brennelemente, also hochradioaktive Abfälle. 

Aus diesem Zwischenlager hätten die Abfälle eigentlich bereits in eine staatliche Lagerstätte transportiert werden müssen. Doch das ist bisher nicht geschehen – ein geeignetes Endlager für hochradioaktive Abfälle gibt es in den USA bisher nicht. Die US-Regierung musste den Betreiber von Maine Yankee dafür die weitere Lagerung bereits mehrfach finanziell entschädigen – die Summe beläuft sich laut Angaben des Betreibers auf 575 Millionen US-Dollar (Stand: 21. Januar 2026).

Ein Endlager wäre aber notwendig, um solche Abfälle vor Angriffen oder Katastrophen besser zu schützen und dauerhaft zu entsorgen, denn die geben teils noch mehrere zehntausend Jahre gesundheitsgefährdende Strahlung ab. So ist in alten Brennstäben Plutonium enthalten, welches eine Halbwertzeit von 24.000 Jahren hat. Das heißt: Erst nach dieser Zeit ist die Hälfte der radioaktiven Strahlung abgeklungen. 

Laut der Internationalen Atomenergiebehörde fallen weltweit 301.000 Tonnen hochradioaktive Abfälle an 

Der ehemalige Betreiber des Kernkraftwerks gibt in einer Informationsbroschüre an, dass die Behälter einen Durchmesser von rund 3,4 Metern und eine Höhe von rund 5,5 Metern haben. Weiter heißt es, dass die insgesamt 64 Behälter auf einer Fläche von 44.515 Quadratmetern stehen, zusammen mit einem Sicherheits- und Verwaltungsgebäude. Diese Fläche ist in etwa vergleichbar mit einem Parkplatz mit rund 3.500 Stellplätzen. Auf Nachfragen von CORRECTIV.Faktencheck antworteten der Betreiber des Lagers und das US-amerikanische Energieministerium nicht.

So sind die Behälter aufgebaut, in denen der Atommüll auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Maine Yankee gelagert wird
So sind die Behälter aufgebaut, in denen der Atommüll auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Maine Yankee gelagert wird (Quelle: Maine Yankee, Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Das Bundesamt für Sicherheit und nukleare Entsorgung (BASE) schrieb auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck, dass die hochradioaktiven Abfälle deutscher Kernkraftwerke in circa 1.750 Castorbehältern mit Maßen von etwa 6 Meter Höhe und rund 2,5 Metern Durchmesser lagern. Allein das Volumen der dieser Abfälle belaufe sich auf 27.000 Kubikmeter. Neben hochradioaktiven Abfällen unterscheidet das BASE noch mittel- und schwachradioaktive Abfälle. Dazu kommen weltweit hunderte Kernkraftwerke, die ebenfalls Abfall produzieren. 

Ein Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus dem November 2025 schlüsselt die Menge des weltweiten Atommülls um das Jahr 2019 herum detailliert auf. Laut der IAEA deckt der Bericht 92 Prozent der weltweiten Kernkraftwerke ab und kommt zu dem Ergebnis, dass weltweit allein 301.000 Tonnen hochradioaktives Schwermetall von abgebrannten Brennelementen gelagert werden.

Endlager müssen sicher sein, auch in tausenden Jahren

Die Behauptung auf X, ein „Parkplatz in der Wüste“ sei ausreichend für die Lagerung des weltweiten Atommülls, ist aus mehreren Gründen irreführend. Der Beitrag spielt die Menge des weltweiten Atommülls durch die Auswahl des Fotos herunter und pauschalisiert. Das Beispiel in den USA zeigt konkret: Selbst der Abfall eines einzigen Atommeilers lässt sich kaum auf einem Parkplatz unterbringen. 

Auch in Deutschland ist die Endlagerung von radioaktiven Abfällen ein Problem. Nach so einem Endlager für hochradioaktive Abfälle wird seit Jahrzehnten gesucht. Im Endlager Konrad im niedersächsischen Salzgitter dürfen lediglich schwach- und mittelradioaktive Stoffe gelagert werden. 

Das BASE schrieb uns: „Um Mensch und Umwelt zu schützen, muss von radioaktiven Abfällen zum einen die Direktstrahlung abgeschirmt werden, zum anderen muss eine Freisetzung der radioaktiven Stoffe verhindert werden. Die Abschirmung der Direktstrahlung erfolgt einerseits durch massive Behälter und andererseits durch Betonwände eines Zwischenlagers oder die Verfüllung der Hohlräume im Endlager.“ 

Ein Zwischenlager habe zudem den Nachteil, so das BASE weiter, dass es schwerer gegen terroristische Anschläge oder Diebstahl zu schützen sei und laufend geprüft werden müsse, ob alle Lagerbehälter intakt sind. „Ein tiefengeologisches Endlager wird hingegen“, so das BASE, „darauf ausgelegt sein, dass die Sicherung und Sicherheit der hochradioaktiven Abfälle für immer und ohne weitere menschliche Eingriffe gewährleistet wird.“

Weltweit konnten bisher kaum sichere Endlager für hochradioaktive Abfälle in Betrieb gehen. In Finnland soll laut Berichten noch in den 2020er Jahren ein erstes Endlager in Betrieb gehen. Zwischenlager sind aktuell die einzige Möglichkeit, hochradioaktiven Atommüll länger aufzubewahren. 

Redigatur: Sarah Thust, Steffen Kutzner

Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:

  • Informationsbroschüre über das Kernkraftwerk Main Yankee: Link (Englisch, archiviert)
  • Artikel des US-amerikanischen Rechnungshofs über die Lagerung von Atommüll: Link (Englisch, archiviert)
  • Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde, „Status and Trends in Spent Fuel and Radioactive Waste Management“, November 2025: Link (Englisch, archiviert)
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