Politik

Haben die USA Grönland „zurückgegeben“? Trumps WEF-Rede im Faktencheck

In seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos stellte US-Präsident Donald Trump unter anderem Falschbehauptungen zur Rolle der USA in Grönlands Geschichte und zur Nato auf.

von Max Bernhard

World Economic Forum Annual Meeting 2026
Donald Trump sprach am 21. Januar 2025 beim Weltwirtschaftsforum in Davos, dabei stellte er mehrere Falschbehauptungen auf, unter anderem zu Grönland (Foto: Photoshot / Picture Alliance)

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in der Schweiz am 21. Januar bekräftigte US-Präsident Donald Trump in einer Rede erneut seine Ambitionen, Grönland in Besitz zu nehmen. Dabei äußerte er sich mehrfach rassistisch und machte verschiedene Falschbehauptungen, etwa zur Rolle der USA in Grönlands Geschichte oder zum transatlantischen Verteidigungsbündnis Nato.

Trump erklärte am 21. Januar, dass er Grönland nicht mit Gewalt an sich reißen wolle – gleichzeitig sagte er an anderer Stelle: „Wir werden wahrscheinlich nichts erreichen, es sei denn, ich entscheide mich, übermäßige Gewalt anzuwenden“. Er wiederholte zudem, dass er das autonome Territorium Dänemarks kaufen wolle. Inzwischen gibt es laut Medienberichten eine erste Einigung für ein Sicherheitsabkommen zu Grönland zwischen den USA, europäischen Ländern und der Nato (Stand: 23. Januar 2026).

Grönland hat während des Zweiten Weltkriegs nicht den USA gehört

Während des Zweiten Weltkriegs hätten die USA Grönland für Dänemark verteidigt, weil das Land selbst nicht dazu in der Lage gewesen sei, so Trump. „Nach dem Krieg haben wir Grönland an Dänemark zurückgegeben. Wie dumm waren wir doch, das zu tun! Aber wir haben es getan. Wir haben es zurückgegeben“, erklärte er weiter und fügte später hinzu: „Sie [die USA, Anm.] hätten es nach dem Zweiten Weltkrieg behalten sollen, aber sie hatten einen anderen Präsidenten.“

In Trumps teils unzusammenhängenden Ausführungen klingt es so, als habe Grönland den USA während dieser Zeit gehört. Das ist jedoch falsch.

Richtig ist, dass es ein Verteidigungsabkommen zwischen Dänemark und den Vereinigten Staaten von Amerika gab. Dieses Abkommen gab den USA jedoch weder die Hoheitsgewalt noch die Kontrolle über Grönland.

1941: Verteidigungsabkommen für Grönland mit den USA

1916 hatten die USA die dänische Souveränität über ganz Grönland anerkannt, das war Teil eines Deals, bei dem andere Gebiete abgetreten wurden. Von da an war Grönland unter alleiniger Kontrolle Dänemarks.

Zwischen 1940 und 1945 wurde Dänemark von Deutschland besetzt. Durch die Nazi-Besatzung wurde der Schiffsverkehr zwischen Dänemark und Grönland 1940 unterbrochen und Grönland quasi von der Welt abgeschnitten, wie etwa die Historikerin Iben Bjørnsson 2017 in einem Artikel für das Arctic Journal schreibt. Bjørnsson sagt im Gespräch mit CORRECTIV.Faktencheck: Die USA hätten relativ schnell nach der Nazi-Besatzung eine Militärpräsenz in Grönland etabliert, das hätte strategische Bedeutung gehabt.

1941 trafen die USA dann mit dem dänischen Diplomaten Henrik Kauffmann ein Verteidigungsabkommen für Grönland – ohne Zustimmung der dänischen Besatzungsregierung. „Kauffmanns Überlegung war: ,Die dänische Regierung ist keine freie Regierung, daher kann sie nicht wirklich für sich selbst sprechen. Jede Art von Außen- und Sicherheitspolitik, die von dort ausgeht, ist nicht legitim‘“, wie uns Bjørnsson erklärt.

Damit wurde Grönland aber nicht an die USA abgetreten. Das Abkommen, abrufbar auf der Webseite einer US-amerikanischen Bundesbehörde, enthält mehrere Verweise auf die Souveränität Dänemarks über Grönland. Darin heißt es zum Beispiel: „Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika bekräftigt ihre Anerkennung und Achtung der Souveränität des Königreichs Dänemark über Grönland.“

Das Verteidigungsabkommen auf das sich Trump vermutlich bezieht enthält mehrere Verweise auf die Souveränität Dänemarks über Grönland (Quelle: United States Government Publishing Office; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Der Historiker Thorsten Borring Olesen schreibt, dass man argumentieren könnte, dass die USA zeitweise eine de facto Souveränität über Grönland hatten, weil das Abkommen so weitreichend war.

„Das Abkommen von 1941 […] erlaubte eine amerikanische Präsenz, aber es besagte nicht, dass Grönland nun amerikanisches Territorium sei“, sagt Bjørnsson. „Es ist nicht so, dass Amerika Grönland hatte und es dann zurückgegeben hat. Es ist eher so, dass Amerika eine militärische Präsenz in Grönland aufgebaut hat und dann dort geblieben ist.“

Nach dem Ende des Krieges blieben die USA weiter in Grönland, obwohl Dänemark zunächst um einen Abzug bat. Stattdessen bot der damalige US-Präsident Harry S. Truman im Jahr 1946 100 Millionen US-Dollar in Gold, um die Insel zu kaufen, was Dänemark ablehnte.

1951: Weiteres Abkommen betont Souveränität

Am 4. April 1949 wurde dann die North Atlantic Treaty Organization (Nato) gegründet. Dänemark und die USA gehören zu den zwölf Gründungsmitgliedern. Im Rahmen des Verteidigungsbündnisses ersetzte 1951 ein neues Verteidigungsabkommen den Pakt von 1941. Das Abkommen von 1951 „gab den Amerikanern in Grönland ziemlich freie Hand, um jegliche militärische Präsenz aufzubauen, die sie benötigten“, erklärt Bjørnsson. Im Abkommen war aber weiter die Souveränität Dänemarks über Grönland verankert.

1955 diskutierten die USA nochmals, Grönland zu kaufen, wie aus inzwischen öffentlichen Geheimdokumenten hervorgeht. Heute haben die USA noch eine einzelne Militärbasis auf Grönland, die Pituffik Space Base in Thule.

Seit 1953 ist Grönland keine Kolonie Dänemarks mehr, sondern ein gleichwertiger Teil des Königreichs Dänemark. 1979 erlangte Grönland Autonomierechte, die 2009 noch einmal erweitert wurden. Viele Grönländer streben jedoch nach Unabhängigkeit, wie der Forscher Ulrik Pram Gad in einem Beitrag für das Magazin Aus Politik und Zeitgeschichte der Bundeszentrale für politische Bildung schreibt.

Was ist über das mögliche neue Verteidigungsabkommen bekannt?

Was ist über das mögliche neue Verteidigungsabkommen bekannt?Einen Tag nach Trumps Rede berichtete Reuters, dass mit Trump ein Rahmenabkommen zu Grönland verabredet worden sei. Dieses würde die Nato-Verbündeten laut Nato-Generalsekretär Mark Rutte dazu verpflichten, ihre Anstrengungen zur Sicherheit in der Arktis zu verstärken. Die Einzelheiten würden jetzt ausgearbeitet. Trump behauptete gegenüber dem US-Sender Fox Business News, dass er den USA „kompletten Zugang“ zu Grönland gesichert habe.

Laut einem Bericht des Handelsblatts wurden bisher vier Eckpunkte vereinbart (Stand: 22. Januar): keine neuen Zölle gegen europäische Staaten, eine Neufassung des Stationierungsvertrags von 1951 für das US-Militär auf Grönland, der den Aufbau und Betrieb von zahlreichen Stützpunkten erlaubt, inklusive eines Raketenabwehrschirms, Mitspracherecht der USA bei Investitionen auf Grönland und die europäischen Nato-Staaten verpflichten sich zu einem stärkeren Engagement in der gesamten Arktis. Dänemark und Grönland betonten laut Medienberichten dass deren Souveränität und territoriale Integrität nicht verhandelbar seien.

Anders als Trump behauptet haben die USA Unterstützung von Nato-Verbündeten erhalten 

In seiner Rede äußerte sich Trump außerdem zur Nato: „Was wir also von der Nato bekommen haben, ist nichts, außer Europa vor der Sowjetunion und jetzt vor Russland zu schützen. Ich meine, wir haben ihnen so viele Jahre lang geholfen. Wir haben nie etwas bekommen, außer dass wir für die Nato bezahlen […] .“ Auch diese Behauptung ist falsch.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatte die Nato erstmals – und bisher zum einzigen Mal – den Bündnisfall ausgerufen. Grundlage war Artikel 5 des Nordatlantikvertrags, der vorsieht, dass ein bewaffneter Angriff gegen ein Nato-Land „als ein Angriff gegen sie alle angesehen werden wird“.

Am 7. Oktober 2001 startete die USA den „Krieg gegen den Terror“: Die Operation „Enduring Freedom“ sollte gegen die Taliban und al-Qaida in Afghanistan vorgehen. Die Nato-Verbündeten beteiligten sich aktiv an diesem Einsatz und schickten während des 20 Jahre dauernden Einsatzes zehntausende Soldatinnen und Soldaten. Laut eines Berichts der Brown University entsandten Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien und Kanada die meisten Truppen. Die Bundeswehr entsandte nach eigenen Angaben rund 93.000 Soldatinnen und Soldaten, Dänemark laut einem Bericht der US-Marinekorps mehr als 18.000. Laut dem US-Magazin Atlantic hat Dänemark in Afghanistan pro Kopf mehr Soldaten verloren als die Vereinigten Staaten. Laut Medienberichten beliefen sich die Kosten für den Einsatz für Deutschland allein auf rund 17 Milliarden Euro.

Darüber hinaus machte Trump in seiner Rede unter anderem irreführende Angaben zur Entwicklung der Strompreise in Deutschland, die die Faktencheck-Redaktion der Tagesschau überprüft hat. Auch weitere Behauptungen, etwa zu Windkraft oder Militärhilfen für die Ukraine, waren falsch, wie ein Faktencheck der New York Times zeigt.

Redigatur: Gabriele Scherndl, Sarah Thust

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