
Diese für Audio optimierte Kompaktfassung des täglichen Spotlight-Newsletters ist von einer KI-Stimme eingelesen und von Redakteuren erstellt und geprüft.
Liebe Leserinnen und Leser,
seit dem Wochenende sind die USA wieder in Aufruhr. Schon wieder erschoss ein Mitarbeiter der Abschiebebehörde ICE einen Demonstranten, und schon wieder hat das viele, viele Menschen auf die Straßen getrieben.
Was das mit uns hier in Deutschland zu tun hat – abgesehen von der Betroffenheit, die viele von uns verspüren? Einiges: Denn in den USA hat der konservative Teil der Politik die Stimmung seit Jahren gegen Migranten im Land aufgeladen. Und auf diese Stimmung setzt die Schreckensbehörde ICE nun auf. Und bei uns? Fordert die AfD in Bayern jetzt schon ein deutsches Pendant zur ICE.
Unser Thema des Tages heute handelt von einem anderen politischen Vorstoß: Der Wirtschaftsflügel der CDU fordert, das Recht auf Teilzeitarbeit einzuschränken. Wir beleuchten, was dafür und was dagegen spricht. Passend dazu zeigen wir im heutigen Faktencheck: Hat Deutschland im internationalen Vergleich wirklich so viele Krankheitstage?
Wie stehen Sie zum Thema Recht auf Teilzeit: Darf sich der Staat hier einmischen? Schreiben Sie mir Ihre Meinung: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Darf man noch Teilzeit?
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Neueste CORRECTIV-Recherchen: Gasspeicherumlage wurde nicht auf Klimaziele geprüft • Menschen mit Behinderungen: Warum sie im Katastrophenfall bislang auf sich allein gestellt sind
Faktencheck: Aussagen zu Krankheitstagen und Arbeitszeiten im Faktencheck
Gute Sache(n): Work-Life-Balance: Mehr als ein Trend • Leihgroßeltern • Einfach nur ein Browser
CORRECTIV ganz persönlich: Wir Erwachsenen sollten uns mehr für die Jugend einsetzen
Grafik des Tages: USA: So viele Abschiebungen, wie seit 2014 nicht mehr
Im Wirtschaftsflügel der CDU sieht man es so: In Deutschland würden zu viele Menschen in Teilzeit arbeiten und dies schade der Wirtschaft. Die nun vorgeschlagene Lösung: Das gesetzlich verbriefte Recht auf Teilzeit müsse abgeschafft werden.
In der Politik wird darüber bereits angeregt diskutiert. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema zusammengestellt.

Wie ist die derzeitige Rechtslage?
Im Teilzeit- und Befristungsgesetz (hier nachzulesen) steht: Ein Arbeitgeber hat seinen Arbeitnehmern Teilzeit zu ermöglichen.
Und ein Arbeitnehmer, der länger als sechs Monate in einem Betrieb arbeitet, kann verlangen, dass seine vertraglich vereinbarte Arbeitszeit verringert wird. Er hat außerdem das Recht, später seine Arbeitszeit wieder aufzustocken, sofern dies dem Betrieb möglich ist.
Wäre eine Abschaffung des Teilzeitrechts ein übertriebener Eingriff des Staats?
Naja, das kommt darauf an, auf welcher Seite man steht – Arbeitgeber oder Arbeitnehmer.
Denn der Staat greift ja schon jetzt ins Arbeitsrecht ein. Mit dem derzeitigen Gesetz beschneidet er die Rechte der Arbeitgeber: Diese dürfen es aktuell nicht ablehnen, wenn ein Mitarbeiter ab sofort nur noch halbtags arbeiten möchte.
Käme die Abschaffung des Gesetzes, wäre Teilzeit nicht verboten, sondern Arbeitgeber dürften lediglich frei entscheiden, ob sie zustimmen oder nicht. Ob sie bei einer pauschalen Ablehnung von Teilzeit genügend Angestellte in Vollzeit finden würden – das müsste dann der Markt regeln.
Dass die Regierung das Thema Teilzeit angehen will, steht übrigens schon im Koalitionsvertrag. Dort ist allerdings nicht von einer Gesetzesänderung zu Gunsten der Arbeitgeber und zu Lasten der Arbeitgeber die Rede – sondern davon, steuerliche Anreize zur Ausweitung der Arbeitszeit bei Teilzeitbeschäftigten zu schaffen:
„Wenn Arbeitgeber eine Prämie zur Ausweitung der Arbeitszeit zahlen, werden wir diese Prämie steuerlich begünstigen.“
Aus dem Koalitionsvertrag
Übrigens will der Wirtschaftsflügel der CDU das Recht auf Teilzeit nicht komplett abschaffen – sondern es begrenzen. Künftig müsste man dann gewichtige Gründe angeben, wie Pflege von Angehörigen oder Kindererziehung.
Wie viele Menschen arbeiten denn in Teilzeit?
Tatsächlich so viele wie nie zuvor: 40 Prozent der Beschäftigten. Das sind fast 17 Millionen Menschen.
Den Anstieg kann man in dieser Grafik sehen, die die Tagesschau aus Daten des staatlichen Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung gebaut hat.
Und was sind die Gründe?
Diese Frage stellt sich, weil der Antrag des CDU-Wirtschaftsflügels einen provokanten Titel trägt: „Kein Recht auf Lifestyle-Teilzeit“. Dies klingt, als ob viele Beschäftigte in Teilzeit arbeiten würden, weil sie einfach lieber frei hätten als zu arbeiten.
Das stimmt aber so nicht:
Dass die Teilzeitquote seit Jahren steigt, liegt zum einen daran, dass jene Branchen stark wachsen, in denen viele Frauen arbeiten und in denen Teilzeit besonders stark verbreitet ist: vor allem Pflege und Erziehung. Das heißt: Diese Beschäftigten waren im Zweifel vorher gar nicht berufstätig.
Das ist auch einer der Gründe, weshalb viermal mehr Frauen als Männer in Teilzeit arbeiten, wie sich in dieser Studie des gewerkschaftsnahen Instituts WSI nachlesen lässt. Die anderen Gründe sind bekannt: Frauen übernehmen deutlich häufiger Kindererziehung und Pflege von Angehörigen. Also könnten sie nur in Vollzeit arbeiten, wären sie durch genug Erziehungs- und Pflegepersonal entlastet.
Sind Teilzeitkräfte eine Belastung für die Solidargemeinschaft?
Unter Umständen ja. Denn wer weniger Stunden arbeitet, sammelt weniger Ansprüche auf die gesetzliche Rente – und rutscht wahrscheinlicher später in Altersarmut, die dann vom Staat aufgefangen werden muss. Das wird in diesem Artikel gut erklärt.
Unter dem Strich:
Obwohl das Postulat gilt, der Staat sollte sich nur wenn nötig in die Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern einmischen, tut er es vielfach (Kündigungsschutz, Mindestlohn, Streikrecht etc.), und vielfach gilt das als Errungenschaft.
Auch in diesem Fall hat der Wirtschaftsflügel der CDU eine legitime Frage aufgeworfen – er hat sich aber keinen Gefallen damit getan, seinen Vorschlag auf diese Weise zuzuspitzen. Denn damit hat er unnötig Wähler und vor allem Wählerinnen gegen sich aufgebracht.
Erneut tödliche Schüsse in Minneapolis durch ICE-Beamten
Nachdem ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE erneut einen US-Amerikaner erschossen hat, spitzt sich der Konflikt um den Einsatz der Behörde weiter zu. US-Präsident Donald Trump rechtfertigt den Einsatz des Beamten mit Notwehr. Währenddessen forderte unter anderem Ex-Präsident Barack Obama die Amerikaner zu einer friedlichen Protestwelle auf.
fr.de
Nordsee-Gipfel in Hamburg: Eine unabhängige Energieversorgung für Europa
Die Anrainerstaaten der Nordsee streben eine unabhängigere Energieversorgung an. Die Verantwortlichen für die Energieressorts unterzeichneten bei einem Treffen in Hamburg, ihre Offshore-Windanlagen miteinander zu vernetzen, um den Strom grenzüberschreitend nutzen zu können. Zuletzt waren die Ziele des Gipfeltreffens 2023 ins Stocken geraten, da das finanzielle Risiko des Ausbaus aus Sicht der Industrie schwer kalkulierbar ist.
ndr.de
Gaza-Streifen: Rafah-Grenzübergang könnte unter Bedingungen Israels wieder geöffnet werden
Nach dem Abschluss eines Militäreinsatzes im Gazastreifen, bei dem die letzte israelische Geisel gefunden werden soll, hat sich Israel dazu bereit erklärt, den wichtigsten Grenzübergang zwischen Ägypten und Gaza wieder zu öffnen. Demnach soll der Personenverkehr über den Rafah-Grenzübergang wieder möglich sein, gab das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in der Nacht bekannt.
welt.de

Neueste CORRECTIV-Recherchen

Gasspeicherumlage wurde nicht auf Klimaziele geprüft
Die Bundesregierung nutzt Gelder für den Klimaschutz zur Befüllung von Gasspeichern. Auswirkungen auf das Klima berücksichtigten die Verantwortlichen offenbar nicht. Dies geht aus der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Linken hervor.
correctiv.org
Menschen mit Behinderungen: Warum sie im Katastrophenfall bislang auf sich allein gestellt sind
Eine CORRECTIV-Abfrage zeigt: Städte und Landkreise haben zwar Notfallpläne. Informationen über besonders gefährdete Menschen liegen aber nur vor, wenn diese in Einrichtungen leben. Wer zu Hause auf mit Strom betriebene medizinische Geräte angewiesen ist, bleibt ohne eigenes Zutun unsichtbar.
correctiv.org

Im Sommerinterview beim ZDF sprach Bundeskanzler Friedrich Merz über Steuererhöhungen und den Zustand der deutschen Wirtschaft. Wir nehmen unter anderem seine Aussage zum Krankenstand und zur Zahl der geleisteten Arbeitsstunden unter die Lupe.
correctiv.org
Endlich verständlich
Für die meisten bedeutet Work-Life-Balance, dass Lohnarbeit und das Privatleben ausgewogen sind. Der Deutschlandfunk erklärt in Gesprächen mit Fachleuten, dass es bei dem Begriff aber um mehr geht: Zur „Work“ zählen demnach alle Formen der Belastung, wie zum Beispiel die Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen. Der Podcast berücksichtigt das und betrachtet dann, was es braucht, um eine wirkliche Balance zwischen den verschiedenen Formen der Arbeit und dem Leben zu schaffen.
deutschlandfunk.de
So geht’s auch
Großeltern zum Leihen – in der Südpfalz organisieren die Malteser dieses Projekt seit zwei Jahren. Menschen, die gerne Großeltern wären, unterstützen dabei Familien im Alltag. Die Initiative bringt Menschen aus verschiedenen Generationen zusammen.
swr.de
Fundstück
Im Internet kommt man kaum um KI-Antworten und Kaufvorschläge herum. Journalist und Programmierer Corbin Davenport hat genau das satt und deswegen das Projekt „Just the Browser“ gestartet. Das Programm macht genau das, wonach es klingt: Es deaktiviert KI-Dienste, Einkaufsfunktionen und Clickbait, damit man einfach nur den Browser nutzen kann.
heise.de
Als Bildungsreporterin begleitet mich das Thema mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen seit Langem. Ich habe an dieser Stelle bereits mehrfach darüber geschrieben. Vor einer Woche habe ich mit meiner Kollegin Alexandra Ringendahl eine Recherche zu psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen veröffentlicht: 2024 mussten deutlich mehr Minderjährige stationär in Psychiatrien behandelt werden als in den Jahren zuvor. Die Zahl stieg von 81.000 Kindern und Jugendlichen im Jahr 2022 auf 116.340.
Wie sehr Jugendliche selbst das Thema psychische Gesundheit beschäftigt, konnte ich am Freitagabend bei einer besonderen Veranstaltung erleben. Die Bundesschülerkonferenz veranstaltete in Berlin einen Bildungskongress zu mentaler Gesundheit. Die Teilnehmenden: 200 Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren aus ganz Deutschland.
Ich erlebte Jugendliche, die sich sehr bewusst sind, dass ihre mentale Gesundheit ein fragiles Gut ist, das sie schützen und für das sie kämpfen müssen. Und die das Gefühl haben, dass sie dabei nicht unbedingt auf die Hilfe der älteren Generationen vertrauen können.
Es ging um Leistungsdruck und Prüfungsangst. Um Stress, der durch Soziale Netzwerke entsteht, und um globale Krisen und die Hilflosigkeit, die daraus resultiert. Aber vor allem ging es um Resilienz und was es braucht, damit es den Jugendlichen besser geht – und Schule Spaß macht. Und darum, was die Jugendlichen dafür selbst tun können.
Ich sprach zum Beispiel mit zwei Jugendlichen, die in ihrer Stadt eine Umfrage zu mentaler Gesundheit für Schülerinnen gestartet haben, um sich Gehör bei Kommunalpolitikern zu verschaffen. Und um gemeinsam Lösungen zu finden.
So sehr mich das Engagement der Schülerinnen und Schüler beeindruckt hat, so sehr wünsche ich mir, dass sie nicht das Gefühl haben müssten, allein für ihre mentale Gesundheit kämpfen zu müssen. Wir Erwachsenen sollten Kindern und Jugendlichen mehr zuhören, ihre Bedürfnisse ernst nehmen und dementsprechend handeln. Denn von ihnen hängt unsere Zukunft als Gesellschaft ab.

US-Forscher gehen davon aus, dass Trump rund 310.000 Abschiebungen erreicht hat. Das sind weniger als zum Beispiel Obama in seinem ersten Jahr (390.000). Außerdem zählen Forscher rund 600.000 Ausreisen. Alles in allem rund eine Million ausgereiste Migranten.
correctiv.org
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Ulrich Kraetzer, Lea Messerschmidt, Jule Scharun und Finn Schöneck.
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