Die russische Aktivistin in Epsteins Haus
In den Epstein-Unterlagen taucht mehr als 1.000 Mal die russische Unternehmerin Maria Drokova auf. Als führende Jugendaktivistin der russischen Putin-Jugendbewegung „Nashi” hatte sie früher Beziehungen direkt zum russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Die Verbindungen des verurteilten Pädokriminellen Jeffrey Epstein nach Russland werden deutlicher, nachdem das US-Justizministerium weitere Ermittlungsunterlagen veröffentlicht hat. In den Unterlagen taucht mehr als 1.000 Mal die russische Unternehmerin Maria Drokova auf, genannt Masha Drokova, (heutige Masha Bucher).
Diese hatte als führende Jugendaktivistin der russischen Putin-Jugendbewegung „Nashi” Beziehungen direkt zum russischen Präsidenten Wladimir Putin, bevor sie nach eigenen Angaben aufgrund von politischer Verfolgung in die USA auswandern musste. In den USA wurde sie später als Investorin im Silicon Valley bekannt. Spannend ist ihre Beziehung zu Epstein.
Putin-Fan als Jugendliche
Zunächst erlebte Drokova, als Tochter eines Politbürokraten in russischen Tambov geboren, im Alter von 16 bis 19 Jahren einen steilen Aufstieg als „Anti-Oligarchen”-Aktivistin, die den Präsidenten Wladimir Putin in der inoffiziellen Jugendbewegung „Nashi“ verherrlichte. In einem Film über ihren Aufstieg wurde 2012 dokumentiert, wie sie Putin um den Hals fiel und ihn öffentlich küsste.
Sie sollte damals mit der Jugendbewegung ein Gegengewicht zu demokratischen Bewegungen im Raum der ehemaligen Sowjetunion bilden. Die „Nashi“ wurde oft als Putin-Jugend bezeichnet. Nach 2013 wurde die Jugendbewegung von der „Jungen Garde“ als offizieller Verband der Putin-Partei „Einiges Russland“ abgelöst. Für ihre Verdienste erhielt Masha Dorkova eine Wohnung, ein Auto und eine eigene Pro-Putin-Talkshow.
Der russische Propagandist Konstantin Rykov beschäftigte Drokova in seinem Online-Kanal Russia.ru, wo sie als Producer und Presenter tätig war. Rykov selbst wurde 2016 im Bericht des US-Senates über russische Einflussnahme im US-Wahlkampf als einer der Köpfe hinter der Pro-Trump Maßnahmen bezeichnet. Sein Zugang zur russischen Regierung und seine Beteiligung an Einfluss-Operationen des Kreml wurden im Bericht als besorgniserregend bezeichnet.
Angeblicher Bruch mit Putin – und Bekanntschaft mit Epstein
Nach eigenen Worten wandte sich Masha Drokova später von Putins Regime ab. Sie sagte, sie habe erleben müssen, wie befreundete Freunde verfolgt worden seien – deswegen sei sie in die USA ausgewandert. Sie erhielt Anfang 2017 eine Greencard.
Am 24. März 2017 wurde sie dann per E-Mail von einer von den US-Behörden nicht genannten Person bei Epstein als erfolgreiche junge Frau eingeführt, die einen Plan vorstellen wolle, „die Welt zu erobern“. Epstein solle sich überlegen, was er mit ihr machen wolle, heißt es in den Epstein-Unterlagen.
Teil der E-Mail waren Hintergrundinformationen zu Masha Drokova. Zum Beispiel zu dem genannten Dokumentarfilm, in dem sie Putin küsst, eine Geschichte über ihren angeblichen Bruch mit Putins Regime und ein Link zu ihrer Social-Media-Präsenz, sowie ein Dossier, dessen Inhalt nicht rekonstruiert ist.
In einer weiteren E-Mail einen Tag später schrieb dieselbe Person – deren Identität die US-Regierung geheim hält – Drokova wolle keine Assistentin sein. Sie habe ihre erste Million bereits mit 20 Jahren verdient. Sie wolle in Firmen investieren und ihren eigenen Venture Capital-Fonds aufbauen. Sie habe in sechs Monaten bereits mehrere Millionen US-Dollar gesammelt. Weiter heißt es, Masha Dorkova sei eine besondere junge Frau, die ihm helfen wolle, eine junge attraktive Assistentin zu finden. Masha sage, sie müsse nur von Epstein wissen, wer er sei und welche Art von Assistenz er wünsche.
PR-Beraterin für Epstein
In der Folge trafen sich Epstein und Drokova mehrfach. Etwa zur gleichen Zeit wurde sie als PR-Beraterin für ihn aktiv und kontaktierte in seinem Namen die Zeitschrift Science, um über Trumps Wissenschaftsbudget zu sprechen.
Laut E-Mails aus dem Dezember 2017 arbeiteten beide dann an einem gemeinsamen Projekt, das führende Wissenschaftler zum Ziel hatte. Drokova schrieb Epstein: „You are special. I wish all rich people were as you. (Du bist etwas besonderes. Ich wünschte alle reichen Menschen wären wie Du.)“
Wenige Monate später, 2018, trat Dorkova mit einem Investitionsfonds an die Öffentlichkeit. Dieser hatte unter dem Namen „Day One Investments“ das Ziel, vor allem im Silicon Valley in neue Tech-Firmen zu investieren.
„Liebe ist gut fürs Geschäft“
Dabei setzte Dorkowa auf ungewöhnliche Methoden. So teilte sie dem Medium Business Insider mit, sie suche eine persönliche Verbindung zu den Gründern, in deren Firmen sie investieren wolle. „Falling in love is good for business. (Sich zu verlieben, ist gut für das Geschäft.)“. Sie sagte weiter: Wenn die Gründer gestresst seien, empfehle sie ihnen Meditation, Podcasts und Sex-Energie-Kurzurlaube.
Zu den Investoren in Dorkovas Fonds sollen laut Washington Post auch russische und weißrussische Oligarchen gehören oder gehört haben. Sie hat laut ihrer LinkedIn-Seite bis heute Kontakt in die russische Regierung.
***
Redigatur und Faktencheck: Anette Dowideit