Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

am Mittwoch berichteten wir, dass das BAMF (Bundesamt für Migration) schon seit Dezember keine Integrationskurse für Migranten mehr bewilligt hat. Viele andere Medien haben die Nachricht mittlerweile aufgegriffen. Zunächst war nicht klar, woran es liegt. Seither haben uns aber einige Hinweise erreicht – aus zuständigen Behörden und von Politikern.

Nun ist klar: Die Bundesregierung will ihre Integrationsbemühungen für Geflüchtete offenbar deutlich einschränken – und dies betrifft unter anderem die Ukrainer, die bei uns Schutz suchen. Wir haben dazu heute Nachmittag eine weitere Story veröffentlicht. Darin erklären wir, was das Bundesinnenministerium plant. Mehr steht im Thema des Tages.

Aus der CORRECTIV-Redaktion gab es heute zwei weitere Veröffentlichungen: 

  • Eine dreht sich um Vetternwirtschaft in der AfD – die wir auch in der heutigen Grafik des Tages abbilden.
  • Die andere handelt von den Epstein-Files. Es geht nochmal um Verbindungen des Pädo-Kriminellen nach Russland.

Dann noch ein Hinweis: Am Wochenende hat unser Theaterstück „Dat Wasser vun Kölle es jot“ über den verschmutzten Rhein in Köln Premiere. Gestern hatte ich hier versehentlich geschrieben, die Premiere sei am Sonntag. Sie ist aber schon am Samstag, wie mehrere Leserinnen (darunter meine Mutter – schönen Gruß!) bemerkten. Die Premiere ist ohnehin ausverkauft – die Gewinner unserer Ticketverlosung benachrichtigen wir heute per Mail. Es gibt aber noch Tickets für die Diskussionsveranstaltung mit Reporterin Annika Joeres, siehe weiter unten in der Rubrik „CORRECTIV Events“.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende, und schicken Sie mir gern Ihre Recherchehinweise: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: Das Ende deutscher Gastfreundschaft

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Ein System der Vetternwirtschaft in der AfD Sachsen-Anhalt • Epsteins Kontakte zum russischen Geheimdienst

CORRECTIV Events: Theater-Premiere und Rechercheeinblicke zur Rhein-Recherche

CORRECTIV.Faktenforum: Satire-Video sorgt für Verwirrung: Bier aus Steinkrügen bleibt erlaubt

Gute Sache(n): Streusalz-Verbot in Berlin: Die aktuelle Lage • Firefox bekommt KI-Ausschalter • Epstein-Dokumente im Gmail-Format

CORRECTIV ganz persönlich: Wieso die Klima-Äußerung von ADAC-Chef Hillebrandt eine solche Welle schlug

Grafik des Tages: Vetternwirtschaft – Wie die AfD ihren Verwandten lukrative Posten verschafft

„Es erfordert, dass wir exemplarisch auch in Zukunft die Ukraine in ihrem Freiheitskampf in Europa weiter unterstützen und ihr beistehen und genau all das tun.“

Was hat er damit gemeint?
Jetzt wird noch einmal sichtbar: Die Bundesregierung unterstützt die Ukraine militärisch – aber die Ukrainer, die bei uns Schutz suchen, während in ihrem Land Russlands Krieg tobt, sind nicht mehr so willkommen. 

Über diesen Kurswechsel hatten wir schon einmal Mitte Januar berichtet. Da nämlich diskutierte der Bundestag über den Plan aus dem Koalitionsvertrag, Ukrainerinnen und Ukrainern bald kein Bürgergeld mehr zu zahlen. Sondern ihnen wie anderen Schutzsuchenden nur noch Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu gewähren – etwa 120 Euro weniger pro Monat.

Ein Update dazu: Diese Woche stellten sich die Bundesländer quer, sie halten von dem Plan nichts. Die geplante Schlechterstellung der Ukrainer könnte also noch scheitern.

Nun soll aber an anderer Stelle an Ukrainern gespart werden:
Wie uns mehrere Quellen aus der Bundesregierung, aus Oppositionsparteien und aus beteiligten Behörden sagen, will das zuständige Bundesinnenministerium dafür sorgen, dass Ukrainerinnen und Ukrainern keine Integrationskurse mehr durch das Bundesamt für Migration (BAMF) gewährt werden.

Demnach soll die Behörde nur noch solchen Asylbewerbern und anderen Zuwanderern die Kurse bezahlen, die eine sogenannte Bleibeperspektive haben. Also Menschen, bei denen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass sie dauerhaft in Deutschland bleiben dürfen – zum Beispiel, wenn sie aus Eritrea oder Somalia kommen. Aber nicht, wenn sie zum Beispiel aus Georgien kommen, weil dieses Land als sicheres Herkunftsland eingestuft ist.

Die Ukrainer sind hier aber der Knackpunkt:
Denn aus der Ukraine halten sich vergleichsweise viele Menschen in Deutschland auf. Ganz einfach ist es nicht, die Zahl der Neuankömmlinge aus der Ukraine zu ermitteln:

Laut Ausländerzentralregister hielten sich im Dezember 2025 rund 1,3 Millionen Ukrainer in Deutschland auf – dort ist aber nicht aufgeschlüsselt, wie viele neu hinzu kamen oder das Land wieder verlassen haben. Klar ist dennoch: Wenn Schutzsuchende aus der Ukraine keine Integrationskurse mehr durchs BAMF bewilligt bekommen, ließe sich viel Geld für den deutschen Staat sparen.

Laut BAMF-Statistik waren im ersten Halbjahr 2025 rund 30 Prozent aller Teilnehmenden an Integrationskursen Ukrainer – rund 53.500 Menschen. 

Darum dreht sich unsere heute veröffentlichte Nachricht:
Wir zeigen darin, dass die Bundesregierung unter Federführung des Bundesinnenministeriums offenbar harte Sparmaßnahmen für die Integrationskurse plant.

Integrationskurse bald für deutlich weniger Migranten? Quelle: Picture Alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Grüne: Verfassungsbeschwerde wegen Zweckentfremdung des Sondervermögens 
Die Grünen planen eine Verfassungsbeschwerde gegen den Bundeshaushalt. Ihr Vorwurf: Union und SPD sollen Milliarden Euro des Sondervermögens zweckentfremdet und so gegen das Grundgesetz verstoßen haben. Geplant war, dass das Geld in die Infrastruktur und in den Klimaschutz fließen sollte, häufig sei das aber nicht der Fall. 
zdfheute.de

Blick in den Landtag Sachsen-Anhalt. Der Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat der AfD, Ulrich Siegmund, lehnt auf seinem Schreibtisch und spricht mit seinen Fraktionskollegen.

So geht’s auch
Firefox will künftig einen Button zum KI-Ausschalten einrichten. Damit soll es möglich sein, alle oder einzelne KI-Funktionen gezielt zu deaktivieren. Hintergrund ist, dass viele Nutzerinnen und Nutzer die Einführung von Künstlicher Intelligenz im Firefox-Browser kritisch sehen. Ab der nächsten Version der Software, die für den 24. Februar geplant ist, soll der Ausschalter verfügbar sein.
derstandard.at

Fundstück
Jeffrey Epsteins E-Mails zum Nachlesen: Das US-Repräsentantenhaus hat im November 2025 Dokumente und E-Mails von Jeffrey Epstein öffentlich freigegeben. In der Sammlung können auch Sie nach Namen, Daten und Organisationen suchen – wie in einem E-Mail-Postfach. Hier gelangen Sie zur Webseite: 
jmail.world

Elena Kolb

Sie haben es vermutlich mitbekommen: Anfang der Woche musste ADAC-Verkehrschef Gerhard Hillebrand seinen Posten aufgeben. Eine Konsequenz nach großer Kritik (60.000 Mitglieder kündigten) an folgender Äußerung von ihm: Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) halte die steigenden CO2-Preise – die auch höhere Sprit-Kosten verursachen – für ein wichtiges Klimaschutz-Instrument.

Wieso konnte die Äußerung von Hillebrand eine solche Welle schlagen? 

Meiner Meinung nach liegt das nicht nur an der deutschen Auto-Liebe, sondern auch an verpassten Chancen für sozialen Klimaschutz. Denn dass steigende Preise wütend machen, ist nachvollziehbar. Und trotzdem ist der CO2-Preis ein zentrales und sinnvolles Instrument für den Klimaschutz.

Und er ist auch keine Erfindung des ADAC. Die EU und die Bundesregierung haben sich schon vor Jahren darauf geeinigt, um klimaschädliches Verhalten wie Verbrenner-fahren oder Gasheizen nach und nach teurer zu machen.

Was bis heute allerdings fehlt, ist der soziale Ausgleich für die steigenden Preise. (Wir berichteten hier darüber, wie die Regierung bei sozialem Klimaschutz patzt.) Nur so schafft die Politik gesellschaftliche Akzeptanz und Verständnis für Klimaschutz. Ideen gibt es viele: Zum Beispiel ein billiges Deutschlandticket, das Klimageld oder niedrige Strompreise für alle.

Denn es gibt eine Lücke in den Gesetzen: Nur in einigen Landesparlamenten ist das Überkreuz-Anstellen von Familienmitgliedern explizit verboten. Sachsen-Anhalt gehört nicht dazu. Sauber ist diese Praxis deshalb trotzdem nicht, bestätigen Stimmen aus dem Landtag gegenüber CORRECTIV. Denn sie unterläuft den Zweck des Gesetzes, das verhindern soll, politische Mandate als Selbstbedienungsläden für die Familienkasse zu nutzen.
correctiv.org

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Jule Scharun und Dilara Schwidder.