Gesellschaft

Video zeigt nicht Kurden auf dem Weg nach Rojava, sondern entstand in Usbekistan

Ein Video einer Menschenmenge in Bewegung soll Menschen zeigen, die in das kurdische Gebiet Rojava in Syrien strömen. Das ist falsch – das Video zeigt einen Wettbewerb in Usbekistan.

von Steffen Kutzner

titelbild-usbekistan-kurden-Amjad Kurdo-MEI-SIPA-Picture Alliance_1
Demonstrierende Kurdinnen und Kurden in Syrien im Januar 2026 (Foto: Amjad Kurdo / MEI / SIPA / Picture Alliance)
Behauptung
Ein Video zeige, wie tausende Kurden in die autonome Region Rojava in Syrien marschieren.
Bewertung
Falsch. Das Video zeigt Menschen bei einer Sportveranstaltung, einem Pferdewettkampf in Usbekistan 2023.

„Tausende Kurden auf dem Weg nach Rojava“ heißt es in einem Video von Januar 2026, das eine Menschenmenge zeigt, die sich einen verschneiten Hügel hinaufbewegt. „Rojava“ ist die kurdische Bezeichnung für ein Gebiet im Nordosten Syriens, in dem seit 2012 eine kurdisch geprägte Selbstverwaltungszone entstanden ist. 

Diese Region wurde bisher von der kurdischen Militärallianz SDF verteidigt, die von der Armee der syrischen Regierung unabhängig war, aber nun integriert werden soll. Das fragliche Video tauchte in Sozialen Netzwerken auf, nachdem die kurdisch dominierte SDF am 19. Januar 2026 ihre Anhänger im Ausland zum Widerstand aufgerufen hatte, da die Armee der syrischen Regierung zunehmend in die Gebiete vordrang. Derzeit gibt es in Syrien, Deutschland und Österreich Demonstrationen für den Erhalt der Autonomie in der Region. 

Allein auf Instagram wurde das Video mehr als 1,4 Millionen Mal angesehen – es kursiert auch auf Facebook, Threads und international, zeigt allerdings keine aktuellen Ereignisse.

Video ist drei Jahre alt und entstand in Usbekistan

Über einen Faktencheck der arabischen Faktencheck-Redaktion Misbar landen wir bei einer Aufnahme, die denselben Ort zeigt, und schon im Januar 2023 bei Youtube veröffentlicht wurde. Dass sie dasselbe Ereignis zeigt, erkennt man an der Position eines weißen Busses neben einem Strommast und an den Autos im Vordergrund. 

Links das verbreitete Video, rechts dieselbe Szene in einem Video aus Januar 2023 (Quellen: Instagram / Youtube / Nozimbek UZ; Screenshots, Schwärzungen, Markierungen und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

Der Titel des Youtube-Videos verweist auf Namangan, eine Region in Usbekistan. Im Hintergrund sind viele Pferde zu erkennen – das passt zu einem traditionellen Sportereignis in Usbekistan. Beim sogenannten Kupkari treten dutzende oder sogar hunderte Reiter gegeneinander an – dabei gewinnt, wem es gelingt, eine tote Ziege oder ein totes Schaf auf dem Spielfeld auf dem Pferd über die Ziellinie zu bringen. Der Youtube-Kanal veröffentlicht häufiger Videos solcher Wettbewerbe. 

Im Titel des alten Videos stehen außerdem die Worte „Dengiz Tulpori“ – eine Suche nach diesen Begriffen auf Youtube führt zu einem Video derselben Arena, in der im Februar 2024 ebenfalls Kupkari gespielt wurde. Auch bei Google Maps findet sich zum Begriff „Dengiz Tulpori“ ein Foto eines Kupkari-Wettbewerbs. 

Das auf Instagram verbreitete Video zeigt also keine Kurdinnen und Kurden, die auf dem Weg in die autonome Region in Nordsyrien sind, sondern eine Pferdesportveranstaltung in Usbekistan. Wer es zuerst im falschen Kontext verbreitet hat, ist unklar. Ein Youtube-Kanal eines aserbaidschanischen TV-Senders, der das Video früh mit der falschen Beschreibung teilte, antwortete bislang nicht auf eine Rückfrage. 

Das Video wurde bereits zuvor in anderem Kontext falsch verbreitet, etwa nach dem Tod eines Jugendlichen in Kasachstan.

Redigatur: Gabriele Scherndl, Sarah Thust

CORRECTIV im Postfach
Lesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser können. Täglich im CORRECTIV Spotlight.