Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

halbes Aufatmen nach der Münchner Sicherheitskonferenz: US-Außenminister Marco Rubio präsentierte sich milder als der US-Vizepräsident J.D. Vance im Vorjahr. Doch in der Sache bleibt er knallhart: Es geht um Machtpolitik und eine antiliberale Agenda. Seine Anschlussreise führte ihn heute nach Ungarn. Warum wir gerade diese Verbindung zwischen Ungarn und den USA im Blick haben sollten, um unsere Demokratie zu schützen, darum geht es im Thema des Tages. 

Außerdem im SPOTLIGHT: Wieso unsere Klimajournalistin Gesa Steeger für einen Monat bei Finanzfachleuten in Frankfurt gastiert. Und: CDU-Politiker Carsten Linnemann fordert niedrigere Steuern für hohe Einkommen. 

Der Gewinner-Cartoon aus der letzten Woche stammt von Miriam Wurster. Vielen Dank fürs Abstimmen! Hier sehen Sie noch einmal den Cartoon.

Thema des Tages: Mission Demokratieabbau

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Ein russischer Agent in Deutschland und der Glycerin-Handel

CORRECTIV.Faktenforum: Veröffentlichtes Programm der AfD Sachsen-Anhalt ist echt

Gute Sache(n): Microcation: Kleine Auszeit mit großer Wirkung • Klimainformationen in Gebärdensprache • Fund im Thüringer Wald: Älteste versteinerte Reptilienhaut der Welt entdeckt

CORRECTIV ganz persönlich: Journalistinnen und Wissenschaftler – eine gute Kombi

Grafik des Tages: Entwicklung der Einkommensungleichheit in Deutschland

Ein Herz für das illiberale Europa
Gestern traf Rubio den slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico, heute Viktor Orbán in Ungarn. Dabei geht es vordergründig um fossile und nukleare Energieprojekte. Orbán dürfte sich zudem medienwirksame Bilder für die Wahlen im April erhoffen.  

US-Außenminister Marco Rubio (Bild: Saul Loeb / Picture Alliance / Associated Press)
US-Außenminister Marco Rubio (Bild: Saul Loeb / Picture Alliance / Associated Press)

Es geht aber auch um die Stärkung einer EU-kritischen Allianz. Orbán und Fico verfolgen eine populistische Agenda: gegen Klimapolitik, gegen Pluralismus und gegen eine starke EU. Das ist im Sinne der Trump-Administration. Doch die Verbindungen reichen weiter.  

Orbáns Ungarn liefert die Blaupause für Demokratieabbau
Rechtspopulisten weltweit orientieren sich an Viktor Orbán. Seit 2010 zeigt er, wie man kritische Institutionen ausschaltet oder einschränkt. Inzwischen gilt Ungarn als defekte Demokratie oder Wahlautokratie. Dort lässt sich beobachten – und lernen –, wie man Justiz und Medien unter Regierungskontrolle bringt. Auch in den USA kann man den Abbau demokratischer Kontrolle durch die Trump-Administration in Echtzeit verfolgen. Ungarn dient als Inspirationsquelle.

Was hat das mit uns zu tun?
Autoritäre Kräfte versuchen längst, auch im restlichen Europa Einfluss zu gewinnen. In der nationalen Sicherheitsstrategie der USA kündigte Trump recht offen an, sich in die Innenpolitik anderer Länder einzumischen. Von Ungarn und den USA aus ziehen sich Netzwerke durch Europa, die mit Agendasetting, Lobbying und Geld rechtskonservative bis rechtsextreme Projekte vorantreiben.

CDU-Generalsekretär Linnemann fordert höhere Grenze für den Spitzensteuersatz und strengere Zuverdienstregeln 
Durch die Anhebung des Schwellenwertes für den Spitzensteuersatz soll die Mittelschicht entlastet und Anreize zum Arbeiten gestärkt werden. Außerdem verlangt Linnemann weitere Verschärfungen bei der neuen Grundsicherung, die ab März das Bürgergeld ersetzen soll. So will er das Einkommen bei sehr geringer Beschäftigung stärker auf die Grundsicherung anrechnen. 
zdfheute.de

Die russische Regierung weist Vorwürfe zurück, Nawalny vergiftet zu haben 
Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz teilten Deutschland und vier weitere Länder mit, dass es Belege für eine Vergiftung des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny gibt. Der Kreml bestreitet dies und behauptet, Nawalny sei vor zwei Jahren eines natürlichen Todes in einem Straflager gestorben. 
tagesschau.de

Im Jahr 2021 nahm Oleg Eremenko vor dem sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten eine Spende für die „Offiziere Russlands” entgegen. Foto: Christian Ditsch
Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt
In Sachsen-Anhalt wird am 9. September ein neuer Landtag gewählt (Foto: Hendrik Schmidt / Picture Alliance / DPA)

So geht’s auch
Informationen über den Klimawandel sind für alle Menschen wichtig. Deshalb unterrichtet Douglas Mapeta in Simbabwe kostenlos Klimawissen in Gebärdensprache. Er vermittelt Warnsignale, damit gehörlose Menschen verstehen, wann eine Katastrophe droht. Bisher werden gehörlose Menschen oft von solchen Informationen ausgeschlossen, weil sie nicht in ihrer Sprache weitergegeben werden. Gleichzeitig kommt es in Simbabwe häufiger zu Überschwemmungen und Dürren.
dw.com

Fundstück
Im Thüringer Wald haben Forschende die ältesten versteinerten Reptilienabdrücke der Welt entdeckt. Sie sind fast 300 Millionen Jahre alt und stammen aus dem frühen Perm – also aus einer Zeit, als es noch nicht einmal Dinosaurier gab. Die Abdrücke geben erstmals Einblick in das Aussehen früher Reptilien. Ihre vielfältigen Schuppenmuster lassen sich einem Vorfahren der heutigen Echsen zuordnen. 
spiegel.de


Seit Anfang Februar absolviere ich hier einen einmonatigen journalistischen Gastaufenthalt. Damit geht der große Luxus einher, tief in die Frage einzutauchen, inwieweit der Finanzsektor tatsächlich dazu beitragen kann, dass wir Klimaziele wie Net-Zero bis 2050 erreichen. Zumindest politisch ist das noch das erklärte Ziel. Die Idee: Private und öffentliche Gelder so zu lenken, dass sie den Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energien ermöglichen oder Klimaschutzmaßnahmen finanzieren – über Kredite, grüne Anleihen oder nachhaltige Investitionen. 

Jeden Tag komme ich mit Forschenden zusammen. Dabei geht es grob gesagt mal um Banken, die trotz Klimakrise weiterhin Kredite an große fossile Unternehmen vergeben – oder um die sehr interessante Frage, wer tatsächlich einen Nutzen davon hat, wenn große Firmen ihre fossilen Vermögenswerte verkaufen. In manchen Gesprächen geht es auch um Sie, liebe Lesende: darum, wie Anleger Investitionsentscheidungen treffen, wenn es um das Thema Nachhaltigkeit und Klima geht. 

Was mich ebenfalls beschäftigt: Inwieweit sind auch Regulatoren wie die EU oder die deutsche Bafin dafür verantwortlich, dass Geldströme nicht so nachhaltig oder klimafreundlich investiert werden, wie von Banken oder Pensionsfonds versprochen – oder von Anlegern intendiert?

Mein bisheriges Resümee: Der Finanzsektor wirkt nur, wenn die Politik einen klaren Rahmen vorgibt. Das sehe ich momentan aber eher nicht. 

Haben Sie noch einen Tipp für eine Recherche in diesem Bereich, dann kontaktieren Sie mich gern via Mail oder Signal. 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner, Ulrich Kraetzer und Dilara Schwidder.