Klima

Warum eine eingeschneite Akropolis kein Beleg gegen den Klimawandel ist

Ein Video der eingeschneiten Akropolis in Athen dient manchen online als Argument gegen den menschengemachten Klimawandel. Doch die Aufnahme ist nicht aktuell und der Unterschied zwischen Wetter und Klima wird ignoriert.

von Paulina Thom

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Schnee auf der Akropolis kam in der Vergangenheit – wie hier auf einem Foto aus 2021 – durchaus vor. Ein Video, das aktuell in Sozialen Netzwerken kursiert, ist alt. Und auch kein Beleg gegen den Klimawandel. (Symbolbild: Socrates Baltagiannis / DPA / Picture Alliance)
Behauptung
Ein Video der eingeschneiten Akropolis in Athen widerspreche dem Klimawandel.
Bewertung
Falsch. Das Video ist von 2021. Unabhängig davon widersprechen Extremwetterereignisse wie ungewöhnliche Schneefälle nicht dem Klimawandel – manche werden durch ihn sogar begünstigt.

„Ein besonderer Winter“ – so bezeichnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) den aktuellen Winter seit Januar 2026, der insbesondere im Nordosten Deutschlands sehr kalt war. Die beständige Großwetterlage hat auch weitreichende Folgen für Europa: Während es in den südlichen Teilen von Finnland laut DWD der kälteste Jahresstart seit 39 Jahren war, kam es in Mittelmeerregionen, wie Marokko, Frankreich und Griechenland, zu Extremregenfällen und Hochwasser.

Umso verwunderlicher ist ein Video, das in Sozialen Netzwerken seit Ende Januar kursiert und die eingeschneite griechische Akropolis zeigen soll. Manche Nutzerinnen und Nutzer sehen darin offenbar ein Argument gegen den Klimawandel. „Die Klimaerwärmung lässt es auf der Akropolis schneien“, heißt es ironisch etwa auf X. Die Beiträge haben zehntausende Aufrufe – dabei wird ein bekanntes irreführendes Narrativ bedient.

Video der eingeschneiten Akropolis
Dieses Video der eingeschneiten Akropolis ist schon einige Jahre alt – dieses Jahr gab es dort noch keinen Schnee. Unabhängig davon ist es kein Argument gegen die globale Erwärmung. (Quelle: X; farawayfarers; Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV.Faktencheck)

Diesen Winter noch kein Schnee auf der Akropolis, Video ist fünf Jahre alt

Das Video ist aus dem Jahr 2021. Das zeigt eine Bilder-Rückwärtssuche, die zu entsprechenden Medienberichten führt. Im Februar lagen damals bis zu 30 Zentimeter Schnee – ungewöhnlich für Griechenland. Dasselbe Video der Akropolis findet sich etwa in einem Facebook-Beitrag der Webseite Greek Reporter.

Im Januar 2026 lagen die Temperaturen in Athen bei mehr als 0 Grad, wie ein Blick auf Wetterberichte zeigt. Aktuelle Medienberichte zu Schnee auf der Akropolis gibt es nicht.

Unabhängig davon, dass es in Athen dieses Jahr bislang nicht geschneit hat, würde ein solches Ereignis auch nicht dem Klimawandel widersprechen. Ein einzelner schneearmer Winter oder eine einzelne Dürre im Sommer machen noch keinen Klimawandel. Genauso wenig widerlegt ein solches einzelnes Ereignis den Klimawandel. Während das Wetter ein kurzfristiges Ereignis ist, geht es beim Klima um die Betrachtung des durchschnittlichen Wetters über einen langen Zeitraum, in der Regel über mindestens dreißig Jahre. Was sich durch den Klimawandel ändern kann, ist die Häufigkeit und Intensität bestimmter Wetterlagen.

Ungewöhnlicher Schneefall widerspricht nicht dem Klimawandel

Wie uns Karsten Haustein, Meteorologe und Klimawissenschaftler an der Universität Leipzig, für einen Faktencheck erklärte, würde man Rekordschneefälle sogar auf einem wärmeren Planeten erwarten: Eine wärmere Atmosphäre und wärmere Ozean sorgten dafür, dass mehr Feuchtigkeit für Niederschläge zur Verfügung stehe. An Orten, an denen es trotz Erwärmung weiterhin kalt genug ist, falle logischerweise auch weiterhin Schnee.

Haustein fasste die Lage für die Zukunft so zusammen: In den meisten Gebieten der gemäßigten Breiten würden Schnee-, Frost- und Eistage immer seltener und strenge Winterperioden zur absoluten Ausnahme werden. „So kann es durchaus sein, dass es in einigen Regionen jahrelang keinen Schnee mehr gibt, unterbrochen von einem Starkschneefall-Ereignis im Rekordbereich.“

Redigatur: Steffen Kutzner, Gabriele Scherndl