
Liebe Leserinnen und Leser,
Ukraine oder Gaza, Venezuela, Grönland oder Iran: Die Schlagzeilen waren in den vergangenen Monaten weitgehend von der internationalen Großwetterlage bestimmt, von den großen Fragen um Krieg und Frieden.
Die SPD hat es nun geschafft, ein innenpolitisches Thema zu platzieren: Die Sozialdemokraten fordern ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche. Ist das sinnvoll? Für unser heutiges Thema des Tages haben wir Fachleute befragt und recherchiert, wie andere Länder mit dem Thema umgehen. Auch unsere Jugendredaktion Salon5 hat den Vorstoß beleuchtet.
Außerdem befassen wir uns mit den deutschen Aufrüstungsplänen. Neue Kampfdrohnen sollen helfen, die Bundeswehr so zu ertüchtigen, dass Potentaten wie Russlands Präsident Putin gar nicht erst auf die Idee kommen, Deutschland anzugreifen. Das Auftragsvolumen ist gigantisch. Unser Reporter Till Eckert ist den offenen Fragen nachgegangen.
Haben Sie weitere Anregungen für uns, Lob oder Kritik? Schreiben Sie mir gerne unter ulrich.kraetzer@correctiv.org.
Thema des Tages: Social-Media-Verbot für Jugendliche
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Neueste CORRECTIV-Recherchen: Showdown im Bundestag: Kommen Pistorius’ Kampfdrohnen?
Faktencheck: Bild von Friedrich Merz und Jeffrey Epstein ist gefälscht
CORRECTIV ganz persönlich: Wieso die Arbeit am Salon5-Jugendbuchpreis so aufregend für mich ist
Grafik des Tages: Immer mehr Jugendliche mit frauenfeindlichen Einstellungen
Wer kennt das nicht? Eigentlich wollte man sich nur eine einzige Nachricht oder einen ganz bestimmten Eintrag anschauen – doch schon bleibt man wieder länger auf WhatsApp oder Instagram hängen als beabsichtigt. Soziale Netzwerke können süchtig machen – und vor allem Kindern und Jugendlichen fällt es oft schwer, davon abzulassen.
Die SPD hat nun einen radikalen Vorschlag gemacht: Für Kinder unter 14 Jahren sollen Soziale Netzwerke verboten werden. Jugendliche bis 16 Jahren sollen nur eingeschränkten Zugang erhalten. Süchtig machende Funktionen sollen abgeschaltet bleiben.

Foto: Jonathan Raa / NurPhoto / Picture Alliance)
Denn Soziale Netzwerke würden zwar auch positive Funktionen erfüllen, schreiben die Fachleute der SPD-Bundestagsfraktion. Sie ermöglichten politische Teilhabe und könnten demokratische Prozesse transparenter machen. Aber sie hätten eben auch Risiken: „Suchtgefahr, Mobbing, sozialer Druck, Hass, Hetze und Falschinformationen“.
Wie will die SPD ein Verbot durchsetzen?
Wer mit Kindern zu tun hat, weiß, wie findig sie sind, Verbote und Einschränkungen zu umgehen. Die SPD setzt daher nicht auf leicht manipulierbare Beschränkungen wie eine freiwillige Altersangabe. Nutzerinnen und Nutzer von Tiktok und Co. sollen sich bei der Anmeldung künftig vielmehr mit einem digitalen Ausweis identifizieren müssen: der sogenannten EUDI-Wallet.
Die elektronische Ausweis-Brieftasche soll ab 2027 in der gesamten Europäischen Union verfügbar sein. Digitalisierte Personaldokumente sollen im Internet eine fälschungssichere Identifizierung ermöglichen. Für den Zugang zu Sozialen Netzwerken könnten sich Kinder ab 14 Jahren über das EUDI-Wallet ihrer Erziehungsberechtigten anmelden.
Was halten Fachleute von einem Verbot?
Laut einer in Australien durchgeführten Studie können sich junge Menschen durch übermäßige Nutzung Sozialer Netzwerke schlechter auf das Lesen von Texten oder das Lösen komplizierter Aufgaben konzentrieren.
Hans-Jürgen Rumpf, Suchtforscher an der Universität Lübeck, unterstützt den SPD-Vorstoß daher grundsätzlich. „Aus psychologischer Sicht macht eine altersgerechte Kontrolle des Zugangs und der Inhalte auf jeden Fall Sinn“, sagte Rumpf auf Anfrage von CORRECTIV. Die Verantwortlichen müssten ihre Angebote altersgerecht ausrichten. Wenn das nicht funktioniere, könne ein Zugangsverbot in Abhängigkeit vom Alter sinnvoll sein.
Bei der Nutzung Sozialer Netzwerke werde durch die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin vor allem bei Jugendlichen und Heranwachsenden ein Glücksgefühl verursacht. Die Plattformen seien so gestaltet, dass Nutzerinnen und Nutzer nicht mehr kontrollieren könnten, wieviel Zeit sie darauf verbringen. Daraus könne sich eine Sucht entwickeln.
Wird der SPD-Vorstoß umgesetzt?
Die Reaktionen aus SPD und CDU lassen vermuten, dass der Vorschlag innerhalb der Koalition abgestimmt war. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) und Familienministerin Karin Prien (CDU) haben den Vorstoß der SPD-Fachleute begrüßt.

Zustimmend äußerte sich nun auch Bundeskanzler Friedrich Merz. Wenn „die gesamte Sozialisation nur noch über dieses Medium stattfindet, dann brauchen wir uns über Persönlichkeitsdefizite und Probleme im Sozialverhalten von jungen Menschen nicht zu wundern“, sagte Merz im Podcast „Machtwechsel“.
Markus Söder schießt dagegen quer. Der CSU-Chef bezeichnete ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche als „totalen Quatsch“.
Bis zu einem Gesetz für ein Social-Media-Verbot dürfte also noch einige Zeit vergehen. Fraglich scheint zudem, ob Deutschland dies im Alleingang durchsetzen könnte. Denn für die Regulierung Sozialer Netzwerke ist eigentlich die EU zuständig.
Stünde Deutschland mit einem Social-Media-Verbot alleine da?
Nein. In Australien dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren schon seit Dezember vergangenen Jahres keine Sozialen Netzwerke mehr nutzen. Rund vier Millionen Konten wurden gesperrt.
Frankreich will ein Verbot für Unter-15-Jährige noch in diesem Herbst einführen. Spanien, Polen, Slowenien, Griechenland und Dänemark sowie Neuseeland, Malaysia und Indonesien planen ebenfalls Altersbeschränkungen.
Mehr erfahren Sie in unserer heutigen Veröffentlichung zu dem Thema. In dem Text erfahren Sie auch alles über ein spannendes Pilotprojekt in Solingen. Dort verzichten Fünftklässler seit Beginn dieses Schuljahres freiwillig darauf, Soziale Netzwerke zu nutzen.

Ukraine-Gespräche: Selenskyj offen für Referendum
Die Gespräche über eine Beendigung des russischen Angriffskriegs wurden heute in Genf fortgesetzt. Während Russland den Rückzug der Ukraine aus dem Donbass fordert, verlangt die Ukraine den Stopp der russischen Angriffe auf die ukrainische Energieversorgung sowie Sicherheitsgarantien. Selenskyj äußerte sich offen für ein Referendum über ein Einfrieren des Krieges entlang der aktuellen Frontlinie.
tagesschau.de / faz.net
Cyberangriff auf Navigator-App der Deutschen Bahn
Gestern und heute kam es zu Systemstörungen in der Navigator-App und auf der Website der Deutschen Bahn. Kunden hatten demnach Probleme, ihre Tickets herunterzuladen oder Reisen zu planen. Der Grund für die Störung soll ein Überlastungsangriff auf die IT-Systeme der Deutschen Bahn sein. Hinter dem Angriff könnten russische Hacker stecken, wie der Tagesspiegel aus Konzernkreisen erfuhr.
tagesspiegel.de / tagesschau.de
Hausärzte ziehen kritische Bilanz für elektronische Patientenakten
Seit Oktober letzten Jahres ist die elektronische Patientenakte (ePA) verpflichtend eingeführt. Hausärzte in Deutschland ziehen nun eine eher kritische Bilanz. Ein Hauptproblem sei der „absurd komplizierte Registrierungsprozess“, erklärt der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Markus Beier. Viele Patienten wüssten daher gar nicht, dass sie eine ePa haben oder hätten sich diese noch gar nicht angeschaut. Zudem beklagen Ärztinnen und Ärzte wiederholte technische Störungen.
zeit.de

Neueste CORRECTIV-Recherchen

Showdown im Bundestag: Kommen Pistorius’ Kampfdrohnen?
Das Verteidigungsministerium will zwei Start-ups Milliardenaufträge für Kampfdrohnen erteilen. Doch der Deal wackelt: Im Parlament laufen die Grünen dagegen Sturm. Selbst Minister Pistorius äußert sich jetzt kritisch.
correctiv.org

Faktencheck

In Sozialen Netzwerken verbreitet sich ein Bild, auf dem angeblich Bundeskanzler Friedrich Merz neben Jeffrey Epstein posiert. Das Originalbild zeigt aber eine andere Person.
correctiv.org
Endlich verständlich
Zweimal wurde die Entscheidung über das gemeinsame Kampfflugzeug-Projekt „Future Combat Air System“ (FCAS) von Deutschland, Frankreich und Spanien bereits verschoben. Nun stellt Bundeskanzler Friedrich Merz das Projekt grundsätzlich in Frage. Grund dafür sind vor allem die unterschiedlichen Anforderungen Deutschlands und Frankreichs an den Kampfjet. Wird Deutschland künftig gemeinsam mit anderen europäischen Ländern Kampfflugzeuge entwickeln? Die Einschätzung von Kanzler Merz gibt es hier:
wiwo.de
So geht’s auch
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) verfügt über mehr Mitglieder als je zuvor. Ende 2025 waren es 642.000 – ein Zuwachs von 15.000 Personen verglichen mit 2024. Fast die Hälfte der Mitglieder ist 18 Jahre oder jünger. Kritik äußert die DLRG jedoch an der Situation der Schwimmbäder. Viele sind in schlechtem Zustand, vielerorts fehlen sie ganz. Deshalb will die DLRG gemeinsam mit der Bundesregierung das Programm „Deutschland lernt Schwimmen“ starten. Der Bund will dafür sowohl die Schwimmausbildung als auch die Sanierung von Schwimmbädern finanzieren.
wdr.de / stern.de
Fundstück
Gestern begann in China das neue Jahr – das Jahr des Feuer-Pferdes. Es steht im chinesischen Horoskop für Begeisterungsfähigkeit, Unerschrockenheit und Romantik – das Tierkreis-Element ist selten und kommt nur alle 60 Jahre vor. Im traditionellen chinesischen Kalender startet das neue Jahr später und dauert bis zum 5. Februar 2027.
deutschlandfunkkultur.de / nationalgeographic.com
Es ist der 28. November 2025 und ich bin zum ersten Mal in meinem Leben im Ruhrpott, genauer: in Bottrop. Hier ist nicht viel los, also fühlt es sich eigentlich fast genauso wie zu Hause in Chemnitz an. Vor kurzem habe ich meine neue Stelle als Werkstudentin für Events bei der CORRECTIV-Jugendredaktion angefangen und darf an diesem Tag bereits den Salon5-Jugendbuchpreis mit begleiten.
Ich bin ziemlich aufgeregt und doch freue ich mich sehr, Teil der Veranstaltung sein zu können. In diesem Jahr sind so viele Autorinnen und Autoren wie noch nie da und nehmen ihren Preis persönlich entgegen. Da steht auf einmal Jakob Springfeld, den ich von Demonstrationen in Sachsen kenne, oder Tashim Durgun, der mich sehr oft auf TikTok unterhalten hat.
Dieses Jahr darf ich den Preis, der mich noch vor ein paar Monaten mit seiner Liebe zum Detail und zu Büchern ziemlich beeindruckt hat, mitorganisieren. Dabei steigt die Vorfreude mit jeder erledigten Kleinigkeit etwas mehr an. Ich bin jetzt schon gespannt, welche Autoren und Autorinnen dieses Jahr von den Jugendlichen als die Besten gekürt werden und drücke die Daumen, dass auch dieses Jahr alle Gewinner und Gewinnerinnen ihren Preis persönlich entgegennehmen können.
Die Bücher, die aus Ihrer und eurer Sicht den diesjährigen Jugendbuchpreis gewinnen sollen, können ab jetzt unter diesem Link eingereicht werden. Die so gesammelten Jugendbücher werden dann von unserer Jury, bestehend aus Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren, gelesen.

Frauenfeindliche Einstellungen unter Jugendlichen haben zugenommen. Fachleute machen auch Soziale Netzwerke dafür verantwortlich:
rbb24.de
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Jule Scharun und Dilara Schwidder.
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