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Die SPD hat es nun geschafft, ein innenpolitisches Thema zu platzieren: Die Sozialdemokraten fordern ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche. Ist das sinnvoll? Für unser heutiges Thema des Tages haben wir Fachleute befragt und recherchiert, wie andere Länder mit dem Thema umgehen. Auch unsere Jugendredaktion Salon5 hat den Vorstoß beleuchtet.  

Thema des Tages: Social-Media-Verbot für Jugendliche

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Die SPD hat nun einen radikalen Vorschlag gemacht: Für Kinder unter 14 Jahren sollen Soziale Netzwerke verboten werden. Jugendliche bis 16 Jahren sollen nur eingeschränkten Zugang erhalten. Süchtig machende Funktionen sollen abgeschaltet bleiben. 

Das regelmäßige Nutzen Sozialer Netzwerke gehört für viele längst zum Alltag.
Foto: Jonathan Raa / NurPhoto / Picture Alliance)

Denn Soziale Netzwerke würden zwar auch positive Funktionen erfüllen, schreiben die Fachleute der SPD-Bundestagsfraktion. Sie ermöglichten politische Teilhabe und könnten demokratische Prozesse transparenter machen. Aber sie hätten eben auch Risiken: „Suchtgefahr, Mobbing, sozialer Druck, Hass, Hetze und Falschinformationen“.

Wie will die SPD ein Verbot durchsetzen?
Wer mit Kindern zu tun hat, weiß, wie findig sie sind, Verbote und Einschränkungen zu umgehen. Die SPD setzt daher nicht auf leicht manipulierbare Beschränkungen wie eine freiwillige Altersangabe. Nutzerinnen und Nutzer von Tiktok und Co. sollen sich bei der Anmeldung künftig vielmehr mit einem digitalen Ausweis identifizieren müssen: der sogenannten EUDI-Wallet.

Die elektronische Ausweis-Brieftasche soll ab 2027 in der gesamten Europäischen Union verfügbar sein. Digitalisierte Personaldokumente sollen im Internet eine fälschungssichere Identifizierung ermöglichen. Für den Zugang zu Sozialen Netzwerken könnten sich Kinder ab 14 Jahren über das EUDI-Wallet ihrer Erziehungsberechtigten anmelden.

Was halten Fachleute von einem Verbot?
Laut einer in Australien durchgeführten Studie können sich junge Menschen durch übermäßige Nutzung Sozialer Netzwerke schlechter auf das Lesen von Texten oder das Lösen komplizierter Aufgaben konzentrieren. 

Hans-Jürgen Rumpf, Suchtforscher an der Universität Lübeck, unterstützt den SPD-Vorstoß daher grundsätzlich. „Aus psychologischer Sicht macht eine altersgerechte Kontrolle des Zugangs und der Inhalte auf jeden Fall Sinn“, sagte Rumpf auf Anfrage von CORRECTIV. Die Verantwortlichen müssten ihre Angebote altersgerecht ausrichten. Wenn das nicht funktioniere, könne ein Zugangsverbot in Abhängigkeit vom Alter sinnvoll sein. 

Bei der Nutzung Sozialer Netzwerke werde durch die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin vor allem bei Jugendlichen und Heranwachsenden ein Glücksgefühl verursacht. Die Plattformen seien so gestaltet, dass Nutzerinnen und Nutzer nicht mehr kontrollieren könnten, wieviel Zeit sie darauf verbringen. Daraus könne sich eine Sucht entwickeln.

Wird der SPD-Vorstoß umgesetzt? 
Die Reaktionen aus SPD und CDU lassen vermuten, dass der Vorschlag innerhalb der Koalition abgestimmt war. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) und Familienministerin Karin Prien (CDU) haben den Vorstoß der SPD-Fachleute begrüßt.

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Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich zustimmend zu einem Social-Media-Verbot (Bild: Picture Alliance / dts-Agentur)

Zustimmend äußerte sich nun auch Bundeskanzler Friedrich Merz. Wenn „die gesamte Sozialisation nur noch über dieses Medium stattfindet, dann brauchen wir uns über Persönlichkeitsdefizite und Probleme im Sozialverhalten von jungen Menschen nicht zu wundern“, sagte Merz im Podcast „Machtwechsel“.

Markus Söder schießt dagegen quer. Der CSU-Chef bezeichnete ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche als „totalen Quatsch“.

Bis zu einem Gesetz für ein Social-Media-Verbot dürfte also noch einige Zeit vergehen. Fraglich scheint zudem, ob Deutschland dies im Alleingang durchsetzen könnte. Denn für die Regulierung Sozialer Netzwerke ist eigentlich die EU zuständig.

Stünde Deutschland mit einem Social-Media-Verbot alleine da? 
Nein. In Australien dürfen Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren schon seit Dezember vergangenen Jahres keine Sozialen Netzwerke mehr nutzen. Rund vier Millionen Konten wurden gesperrt. 

Frankreich will ein Verbot für Unter-15-Jährige noch in diesem Herbst einführen. Spanien, Polen, Slowenien, Griechenland und Dänemark sowie Neuseeland, Malaysia und Indonesien planen ebenfalls Altersbeschränkungen.

Bild: Picture Alliance / Jochen Tack | Jochen Tack

Cyberangriff auf Navigator-App der Deutschen Bahn
Gestern und heute kam es zu Systemstörungen in der Navigator-App und auf der Website der Deutschen Bahn. Kunden hatten demnach Probleme, ihre Tickets herunterzuladen oder Reisen zu planen. Der Grund für die Störung soll ein Überlastungsangriff auf die IT-Systeme der Deutschen Bahn sein. Hinter dem Angriff könnten russische Hacker stecken, wie der Tagesspiegel aus Konzernkreisen erfuhr.
tagesspiegel.de / tagesschau.de

Hausärzte ziehen kritische Bilanz für elektronische Patientenakten 
Seit Oktober letzten Jahres ist die elektronische Patientenakte (ePA) verpflichtend eingeführt. Hausärzte in Deutschland ziehen nun eine eher kritische Bilanz. Ein Hauptproblem sei der „absurd komplizierte Registrierungsprozess“, erklärt der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Markus Beier. Viele Patienten wüssten daher gar nicht, dass sie eine ePa haben oder hätten sich diese noch gar nicht angeschaut. Zudem beklagen Ärztinnen und Ärzte wiederholte technische Störungen. 
zeit.de

In Sozialen Netzwerken verbreitet sich eine Fotomontage von Bundeskanzler Friedrich Merz und Jeffrey Epstein (Symbolbild: Davide Bonaldo / Picture Alliance / Zumapress)
In Sozialen Netzwerken verbreitet sich eine Fotomontage von Bundeskanzler Friedrich Merz und Jeffrey Epstein (Symbolbild: Davide Bonaldo / Picture Alliance / Zumapress)

So geht’s auch
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) verfügt über mehr Mitglieder als je zuvor. Ende 2025 waren es 642.000 – ein Zuwachs von 15.000 Personen verglichen mit 2024. Fast die Hälfte der Mitglieder ist 18 Jahre oder jünger. Kritik äußert die DLRG jedoch an der Situation der Schwimmbäder. Viele sind in schlechtem Zustand, vielerorts fehlen sie ganz. Deshalb will die DLRG gemeinsam mit der Bundesregierung das Programm „Deutschland lernt Schwimmen“ starten. Der Bund will dafür sowohl die Schwimmausbildung als auch die Sanierung von Schwimmbädern finanzieren. 
wdr.de / stern.de

Fundstück
Gestern begann in China das neue Jahr – das Jahr des Feuer-Pferdes. Es steht im chinesischen Horoskop für Begeisterungsfähigkeit, Unerschrockenheit und Romantik – das Tierkreis-Element ist selten und kommt nur alle 60 Jahre vor. Im traditionellen chinesischen Kalender startet das neue Jahr später und dauert bis zum 5. Februar 2027. 
deutschlandfunkkultur.de / nationalgeographic.com


Ich bin ziemlich aufgeregt und doch freue ich mich sehr, Teil der Veranstaltung sein zu können. In diesem Jahr sind so viele Autorinnen und Autoren wie noch nie da und nehmen ihren Preis persönlich entgegen. Da steht auf einmal Jakob Springfeld, den ich von Demonstrationen in Sachsen kenne, oder Tashim Durgun, der mich sehr oft auf TikTok unterhalten hat.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Jule Scharun und Dilara Schwidder.