Sicherheit und Verteidigung

Kampfdrohnen: Verteidigungsministerium hat kein Problem mit Thiel-Beteiligung

Trotz Investment des umstrittenen US-Unternehmers Peter Thiel: Das Verteidigungsministerium will für neue Kampfdrohnen einen Vertrag mit dem Start-up Stark abschließen. Es bleiben offene Fragen.

von Till Eckert

Deutsche Drohnenwaffe ist komplett: Gefechtskopf getestet
Mitarbeiter der Firma Stark demonstrieren in einem Waldstück den Aufbau ihrer Kampfdrohne „Virtus“. (Foto: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld)

Das Verteidigungsministerium sieht kein Problem mit der Beteiligung des US-amerikanischen Investors und Trump-Vertrauten Peter Thiel beim Kampfdrohnen-Start-up Stark. Das geht aus einem als Verschlusssache eingestuften Dokument hervor, das an Bundestagsabgeordnete versandt wurde und CORRECTIV vorliegt. 

Stark ist im Rennen um einen Milliardenauftrag der Bundesregierung, es soll sogenannte Kamikaze-Drohnen liefern. Peter Thiel sei über seine Beteiligungsgesellschaft Thiel Capital einer von rund 50 Minderheitsaktionären des Waffenbauers, gibt das Ministerium in dem Papier an. Seine Beteiligung liege unter 10 Prozent und er sei kein Mitglied des Aufsichtsrates. 

„Kein Aktionär, auch nicht Peter Thiel, hat Zugang zu Technologie, Einfluss auf deren Weitergabe (deutsches Exportkontrollrecht) oder auf Forschungs- und Entwicklungsentscheidungen“, heißt es weiter.

Das SPD-geführte Ministerium reagiert mit dem Papier offenbar auf Kritik der Grünen. Ihre Sorge: Die MAGA-Bewegung könnte sich über Umwege Einfluss und Einblick in deutsche Bundeswehr-Strukturen erkaufen. 

Der Haushaltspolitiker Sebastian Schäfer (Grüne) hatte diese Woche eine dringliche Anfrage versendet. Er wollte unter anderem wissen, was über die Beteiligung Thiels bekannt ist. Durch das Papier wird deutlich: Das Ministerium bewertet das Investment als unkritisch. Doch offene Fragen bleiben.

Ministerium bezieht sich auf Unternehmensangaben – Thiel hat kürzlich ein weiteres Investment bei Stark getätigt

Bemerkenswert ist etwa, dass das Ministerium seine Informationen offenbar allein auf Angaben des Unternehmens stützt. So leitet es die Ausführungen zur Thiel-Beteiligung mit dem Satz „Nach Auskunft des Unternehmens“ ein. 

Unklar ist zudem, ob es eine weitere Beteiligung von Peter Thiel über seinen sogenannten Founders Fund mit in die Bewertung einbezog. Er soll kürzlich eine zweistellige Millionensumme investiert haben. Darüber hatte die Zeitschrift Manager Magazin berichtet. Thiel tätigt sowohl Investments über das vom Ministerium im Papier genannte Thiel Capital als auch den Founders Fund, den er mitgründete. Zwei verschiedene Entitäten, ein Hintermann.

Das Ministerium antwortete bis zum Redaktionsschluss nicht auf eine Anfrage von CORRECTIV.

Neben Thiel soll auch der Palantir-Co-Gründer Joe Lonsdale in Stark investiert haben. Auch In-Q-Tel ist an Bord, es handelt sich dabei um den offiziellen Investment-Arm des US-Geheimdienstes CIA. Als Unternehmensziel wird angegeben, neue Technologien für die Vereinigten Staaten und deren Verbündete zu erkennen und nutzbar zu machen.

„Wir müssen bei der Rüstungsbeschaffung Abhängigkeiten möglichst reduzieren“, sagte der Grünen-Politiker Schäfer bezüglich der Stark-Problematik gegenüber CORRECTIV. 

Der Haushaltsausschuss im Bundestag soll am kommenden Mittwoch über Milliardendeals mit den Kampfdrohnen-Herstellern Stark und Helsing entscheiden.

Redaktion: Ulrich Kraetzer