Filz-Achse Bayern-Berlin: AfD-Mann Tobias Peterka beschäftigt Frau von Parteikollegen
Die Frau des Berliner Abgeordneten Hugh Bronson arbeitet nach CORRECTIV-Recherchen für den Bundestagsabgeordneten Tobias Peterka aus Bayern. Victoria Bronson ist selbst keine Unbekannte: Sie war Vorsitzende eines Vorläufers der früheren AfD-Parteistiftung und reiste in dieser Funktion auf die besetzte Krim.
Die Nachrichten rund um neue Vetternwirtschafts-Vorwürfe bei der AfD ebben nicht ab. CORRECTIV hat nun Informationen zu einem Fall aus Berlin: Die Frau von Hugh Bronson, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin für den bayerischen Bundestagsabgeordneten Tobias Peterka.
Erst vor kurzem waren beide Abgeordnete zusammen zu sehen, als Hugh Bronson seinen bayerischen Kollegen im Kommunalwahlkampf in Oberfranken unterstützte. Hugh Bronson war von 2014 bis 2016 Vize-Vorsitzender der Berliner AfD. Für eine Reise auf die von Russland besetzte Krim wurde er 2018 von der Bundesregierung gerügt. Außerdem gab es den Verdacht auf Untreue in Bezug auf Parteispenden gegen ihn – die Ermittlungen stellte die Staatsanwaltschaft jedoch ein.

Der Job seiner Frau Victoria Bronson verhalf ihr in eine durchaus relevante Position: Tobias Peterka ist rechtspolitischer Sprecher der AfD im Bundestag und kandidierte 2023 als Vizepräsident für den Bundestag.
Auch Victoria Bronson ist keine Unbekannte. Sie arbeitete bereits, damals noch unter ihrem Mädchennamen Tuschik, als Justiziarin für die AfD in Sachsen-Anhalt und als Vorsitzende der Akademischen Erasmus-Stiftung – einem Vorgängermodell der heutigen AfD-Parteistiftung. Im Rahmen ihrer Stiftungstätigkeit reiste Victoria Bronson 2018, wenige Monate nach ihrem Mann, auf die Krim. Die AfD Brandenburg schlug sie 2018 als Richterin für das Bundesverfassungsgericht vor.
Abgeordneter Seitz trat schon 2023 wegen „Günstlingswirtschaft“ aus der AfD aus
2018, kurz vor ihrer Heirat mit Bronson, arbeitete sie nach CORRECTIV-Informationen bereits im Bundestag: damals noch im Büro des Ex-Abgeordneten Thomas Seitz. Thomas Seitz war bis 2025 Teil des Bundestags, trat jedoch 2024 aus der AfD-Fraktion und der Partei aus. Als Grund gab er an, er sei voller „Ekel“ und sprach von einem „System Günstlingswirtschaft“ in der Partei. Seitz war zuvor ebenfalls rechtspolitischer Sprecher der AfD im Bundestag. Seinen Beamtenstatus als Staatsanwalt bekam er wegen rassistischer Äußerungen aberkannt.
CORRECTIV.Sunlight
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Nach dem Parteiengesetz ist diese Art der Anstellung nicht verboten. Die AfD nutzt hier mit sogenannten Über-Kreuz-Beschäftigungen eine gesetzliche Lücke. Gestern waren derartige Anstellungsverhältnisse Thema im Bundestag. Der grüne Abgeordnete Konstantin von Notz warf der AfD in der Debatte vor, man könne den Eindruck gewinnen, in der Partei gäbe es keine normalen Anstellungsverhältnisse: „Das sind entweder Rechtsextreme oder Verwandte, oder verwandte Rechtsextreme bei Ihnen.“
Nach anhaltender Kritik hatte die AfD in Sachsen-Anhalt, in der bis jetzt die meisten Vetternwirtschafts-Fälle öffentlich wurden, zahlreiche Mitarbeiter entlassen. Die Landesregierung kündigte außerdem an, Über-Kreuz-Anstellungen in Folge der Recherchen um die Vetternwirtschaft in der AfD verbieten lassen zu wollen. Fälle, in denen AfD-Abgeordnete Familienmitglieder und Angehörige von Parteifreunden beschäftigen, finden sich in der gesamten Bundesrepublik, wie eine Übersicht von CORRECTIV zeigt.
Mitarbeit: Martin Böhmer, Stella Hesch
Redaktion: Marius Münstermann, Justus von Daniels
Faktencheck: Marius Münstermann