Nix mit Sondervermögen für Schulen

Vom Riesen-Investitionstopf kommt erst einmal nichts in Schulen an – das zeigt unsere neue Recherche.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

kurz nach ihrem Antritt im vergangenen Frühjahr hatte die Bundesregierung zwei riesige Ausgaben-Pakete geschnürt: Deutschland sollte ab sofort mehr oder weniger unbegrenzt Ausgaben für die Bundeswehr tätigen dürfen. 

Damit die Wähler die teure Aufrüstung akzeptieren, kündigte die Regierung gleichzeitig das „Sondervermögen Infrastruktur“ an. 500 Milliarden Euro „für uns“, also für neue Schulen, Straßen, marode Brücken, für das Klima – und dafür, dass die Bahn bald mal pünktlicher kommt. 

Wir von CORRECTIV haben damals entschieden: Wir machen das Sondervermögen zu einem unserer regelmäßigen Recherchethemen. Das heißt, wir schauen den Verantwortlichen in der Politik genau auf die Finger, wo das Geld denn wann genau ankommt. Reporterin Pamela Kaethner ist unsere Sondervermögen-Expertin in der Redaktion. Heute hat sie gleich zwei Recherchen veröffentlicht, die zeigen: Ganz so wie versprochen läuft es mit dem Sondervermögen (noch) nicht.

Außerdem heute im SPOTLIGHT: 

  • Salon5-Faktenchecker Titus Althaus berichtet von einem neuen Projekt unserer Jugendredaktion.
  • In der AfD gibt es Stress wegen der Lage im Iran.
  • Die Suche nach einem Atommüll-Endlager ist und bleibt eine unendliche Geschichte.

Thema des Tages: Nix mit Sondervermögen für Schule

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Neueste CORRECTIV-Recherchen: Merz’ Geheimzirkel im Kanzleramt • AfD und Iran: Irrungen, Wirrungen – und der völkische Kern • Grüne warnen vor Zweckentfremdung des Sondervermögens in Bayern

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: MAGA-Wetten auf Iran-Krieg & Asylverschärfungen & Frauengeneralstreik

Faktencheck: Erkältet man sich, wenn es kalt ist?

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Grafik des Tages: Potenzielle Schadstoffe in Alltagsprodukten

„Investitionsrückstand“ heißt das offiziell. Dieser Rückstand bei Schulen beträgt bundesweit 67,8 Milliarden Euro. Die Schulen machen ein Drittel von allen Rückständen in deutschen Landkreisen und Kommunen aus. Mit anderen Worten: Nirgendwo sonst wird so viel Geld gebraucht.

Was das Investitionspaket den Schulen bringen sollte …
An vielen Schulen hoffte man, das Sondervermögen Infrastruktur werde schnell Abhilfe schaffen. Immerhin umfasst es eine halbe Billion Euro – da sollte doch was für die Schulen hängenbleiben. Oder zumindest von den 100 Milliarden davon, die direkt an die Länder und Kommunen gehen sollen.

… und was daraus wurde:
Unsere aktuelle Story zeigt aber: Bei den Schulen kam bisher noch überhaupt nichts an.

Leeres Klassenzimmer eines leergeräumten Schulgebäudes. AUf der Tafel steht: „Mach's gut altes Haus."
Viele Schulen in Deutschland müssen saniert oder neu gebaut werden. Doch Geld aus dem Sondervermögen Infrastruktur fließt noch nicht an die Kommunen. Quelle: Picture alliance / SZ Photo | Johannes Simon

Das ist der Grund:
Es gibt rechtliche Streitereien – und solange diese nicht behoben sind, kann kein Geld an die Schulen fließen. 

Genauer gesagt geht es um „Doppelförderung“. Und es hat mit dem Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Schüler zu tun:

Ab dem Sommer hat jede Schülerin und jeder Schüler bundesweit einen Anspruch auf Ganztagsbetreuung. Deshalb wurde schon 2021 ein Förderprogramm des Bundes aufgelegt – damit die Schulen diesen Anspruch erfüllen können. (Was sowieso nicht klappen wird – aber das ist ein anderes Thema, das wir hier beleuchtet haben).

Jetzt existiert mit dem Infrastruktur-Sondervermögen ein zweiter Fördertopf für Schulen. 

Und da kommt nun das Problem zum Tragen:
Laut unserer Gesetzeslage darf eine Schule nicht gleichzeitig zwei Bundesförderungen erhalten. Schulen, die also bereits Ganztagsförderung beziehen, dürfen demnach nicht zusätzlich Infrastruktur-Geld erhalten.

Solange das Gesetz-Wirrwarr nicht aufgelöst ist, fließt jetzt erstmal gar kein Geld. Das trifft besonders finanzschwache Kommunen.

Was sagt das dafür verantwortliche Bundesfinanzministerium?
Es schreibt auf unsere Anfrage leider nur ziemlich lahm:

„Wir können uns zu dieser Thematik leider aktuell nicht äußern.“
Pressestelle des Bundesfinanzministeriums

Es hat ein bisschen was von Asterix und dem „Passierschein A38“.

Reporterin Kaethner hat noch eine zweite Story zum Sondervermögen veröffentlicht. 

Es geht um die bayerische Polizei:
Im Freistaat werfen die Grünen der Landesregierung vor, Geld aus dem Sondertopf zweckzuentfremden. 

Diese plant nämlich unter anderem, zehn Millionen Euro für Dienstfahrzeuge für die Polizei auszugeben. Aus dem Sondervermögen. Die Grünen sagen, das (und noch einiges anderes) geht so nicht.

Trump droht Spanien mit Handelsembargo
US‑Präsident Donald Trump hat scharfe Kritik an Spanien geäußert, weil Madrid den Einsatz spanischer Militärbasen für Operationen im Iran‑Konflikt untersagt und den Krieg verurteilt hat. Nun droht er Spanien mit Handelsstopp.
tagesschau.de

Nato geht von iranischem Beschuss auf die Türkei aus
Kurz vor dem türkischen Luftraum fing die Nato eine Rakete ab, vermutlich aus dem Iran. Nun reagiert das Militärbündnis.
t-online.de

AfD und Iran: Irrungen, Wirrungen – und der völkische Kern
Während im Nahen Osten Bomben fliegen, fehlt der AfD eine konsistente außenpolitische Strategie. Die Parteispitze will die Debatte für völkische Botschaften nutzen – und erntet Kritik aus den eigenen Reihen. Es ist nicht das erste Mal.
correctiv.org

Grüne warnen vor Zweckentfremdung des Sondervermögens in Bayern
Die Grünen in Bayern werfen der Landesregierung vor, 13,3 Millionen Euro bei der Polizei zu streichen – und zugleich Ausgaben für die Innere Sicherheit in das Sondervermögen Infrastruktur zu verlagern. Von „echten Zusatzinvestitionen“ könne keine Rede sein. Der Fall offenbart die Grauzonen des kreditfinanzierten Sondertopfes.
correctiv.org

Sondervermögen kommt in Schulen noch nicht an
100 Milliarden für Infrastruktur der Länder und Kommunen – doch in Schulen kommt das Geld bisher nicht an. Offene Rechtsfragen bremsen den dringend nötigen Ganztagsausbau, kritisiert der Deutsche Städte- und Gemeindebund.
correctiv.org


Es ist wichtig, sich mit einem Thema wie Desinformation zu beschäftigen. Schließlich greifen Desinformationen direkt unser Vertrauen in die Demokratie und den Journalismus an. Systematisch werden Fakten und Argumente durch Lügen und Emotionen ausgetauscht, bis ein öffentlicher Diskurs kaum noch möglich ist.

Das wird natürlich nicht besser dadurch, dass soziale Medien Inhalte nach Aufmerksamkeit bewerten und nicht nach Wahrheitsgehalt. Da machen sich Gefühle natürlich besser als Fakten. 

Dazu kommt aber noch eine weitere Gefahr. Den ganzen Tag Fakten neben Lügen zu sehen und Argumente neben Gefühlen, lässt das Ganze miteinander verschwimmen. Lügen wirken plötzlich glaubwürdiger und Fakten unglaubwürdiger. Gleichzeitig wirken Argumente emotionaler und Emotionen logischer als vorher.

Es ist also eine große Gefahr, gegen die wir uns hier einsetzen dürfen. Ich freue mich schon darauf, das Internet nach Falschinformationen zu durchsuchen, Videos zum Thema zu produzieren und Fragen zu beantworten und so das Internet Stück für Stück zu einem besseren Ort zu machen.

So geht’s auch
Schüler leiden unter Unterrichtsstart am frühen Tag. Neue Forschung aus der Schweiz zeigt, Wahlmöglichkeiten beim Start sorgen für mehr Schlaf, Gesundheit und Leistung.
mdr.de

Fundstück
Netzgiraffe Mumbi erblickt im Opel-Zoo bei Frankfurt das Licht der Welt – ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz und ein Publikumsmagnet zugleich.
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An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer, Pamela Kaethner und Finn Schöneck.