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Fragen und Antworten zum Krieg im Iran

Die USA und Israel starteten am 27. Februar Kriegsoperationen gegen den Iran. Das Mullah-Regime richtete Militärschläge gegen Israel und Infrastrukturen in anderen Ländern der Region. CORRECTIV beantwortet wichtige Fragen zu dem Krieg.

von Silvia Stöber

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Aufräumen nach dem Angriff: Ein Junge beseitigt die Überreste eines zerstörten Gebäudes in Teheran. Das Bild wurde am 4. März aufgenommen. (Quelle: Shaati/ Xinhua News Agency / Picture Alliance

Welche Ziele verfolgen die USA und Israel mit dem Krieg?

Die USA und Israel geben mehrere Gründe für den Krieg gegen Iran an. Israel bezeichnet  seine Miltitäroperation „Brüllender Löwe“ als Präventivoffensive. Sie sei nötig, um Bedrohungen für den eigenen Staat zu beseitigen. Die iranische Führung droht seit Jahrzehnten mit der Vernichtung Israels.

US-Präsident Donald Trump sagte zu Beginn der Militäroperation „Epic Fury“ („Epische Wut“) in einer Videobotschaft auf der Plattform Truth Social, er wolle das amerikanische Volk und seine Verbündeten vor einer „unmittelbaren Bedrohung“ durch die iranische Führung (eine „bösartige Gruppe von sehr harten, schrecklichen Menschen“) verteidigen. Die Unterstützung militärischer Gruppen in der Region und das iranische Raketenprogramm könnten nicht mehr toleriert, eine nukleare Bewaffnung des Iran müsse verhindert werden. Außerdem habe das iranische Volk Hilfe der USA erbeten, die nun gewährt werde. Es solle die Regierung übernehmen, sobald die USA „fertig“ seien.

Trump und andere Vertreter der US-Führung wie Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Vizepräsident JD Vance setzten in den folgenden Tagen die Prioritäten bei verschiedenen Zielen, vor allem hinsichtlich der von Trump implizierten Frage eines Regimewechsels. Dieser wäre nach Einschätzung von Experten von außen nur mit Bodentruppen herbeizuführen. Am 5. März erklärte Trump laut dem US-Medium Axios, er wolle an der Auswahl des nächsten Staatsoberhaupts beteiligt werden, so wie kürzlich nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela.

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Enge Verbündete: US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (hier Ende Juli 2024 in Florida (Quelle: Amos Ben Gershom / Israel GPO / Picture Alliance / Zumapress)

Der US-Historiker Timothy Snyder nennt die von Trump genannten Gründe in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung wenig plausibel. Er führte zwei mögliche Erklärungen an. Eine sei persönliche Bereicherung: Snyder erinnert an die Geschäfte der mit dem Iran verfeindeten Golfmonarchien mit Trump und seiner Familie, darunter die Investitionen der Vereinigten Arabischen Emirate in ein Kryptounternehmen der Trump Organization. Katar schenkte Trump eine Boeing 747-8 mit Luxusausstattung. Die US-Regierung setze militärische Gewalt gegen einen gemeinsamen Feind der Länder ein, die Trump und seine Familie mit Reichtümern überschüttet hätten, schreibt Snyder. „Die verblüffend offene Korruption dieser Regierung wirft die Frage auf, ob die US-Streitkräfte nun zu mieten sind.“

Beim zweiten Beweggrund verweist Snyder auf die Innenpolitik in den USA und in Israel: Internationale Konflikte könnten Demokratien zerstören, indem sie die Bevölkerung zwingen würden, sich hinter die Führung zu stellen. Die jeweilige Regierungspartei könne vor Wahlen auch leichter, für sie günstige Bedingungen schaffen.

Der Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, machte Druck von Seiten Israels für die Entscheidung zum US-Angriff mitverantwortlich. Israel hätte den Iran demnach auch ohne die Unterstützung der USA angegriffen. Weil absehbar gewesen sei, dass der Iran daraufhin Gegenschläge auch gegen US-Einrichtungen richten würde, hätten die USA entschieden, bei der Operation mitzuwirken, um Verluste zu minimieren.

Bereits in den ersten Stunden des Krieges wurden bei israelischen Angriffen neben Revolutionsführer Ali Chamenei hochrangige Militärs getötet, womit das Regime „enthauptet“ werden sollte. Angriffe auf  Stützpunkte der bewaffneten Basidsch-Milizen könnten dazu beitragen, die Macht im Inneren des Iran zu brechen, dies neben der Bombardierung von Stellungen der Revolutionsgarden und anderer Einheiten der iranischen Streitkräfte, die wiederum Ziele außerhalb des Landes angreifen.

Der Iran meldete wiederholt Einschläge in der Nähe wichtiger Atomanlagen wie Natans und Fordo. Diese Anlagen, Luftabwehrstellungen und Rakenstandorte waren bereits während des zwölf Tage währenden Kriegs gegen Iran im Sommer 2025 Ziel von Angriffen. Trump hatte damals schon erklärt, die Atomanlagen seien „komplett zerstört“ worden, was er in diesen Tagen der neuerlichen Angriffe unerwähnt lässt.

Was bedeutet der Krieg für die Menschen in der betroffenen Region?

Im Iran gibt es kaum Schutzeinrichtungen. Auch wenn sich die gezielten Angriffe gegen die Führung und Militäreinrichtungen richten, kommt es zu Opfern in der Zivilbevölkerung. Im Fokus der Berichterstattung stand vor allem ein vom Iran gemeldeter Angriff, bei dem eine Mädchenschule neben einem Militärkomplex getroffen und viele Menschen getötet worden sein sollen. Die Angaben zu Opferzahlen insgesamt schwanken zwischen Hunderten und etwas mehr als Tausend Getöteten.

Propaganda und fehlender Zugang zu Informationen mangels Kommunikationsverbindungen in das Land ergeben nur ein unvollständiges Bild der Lage. Eine Übersicht der im Internet kursierenden Falschmeldungen finden Sie hier. Außerdem geht das Regime offenbar weiter gegen das Volk vor, nachdem beim letzten großen Massenprotest im Januar Schätzungen zufolge bereits 30.000 Menschen getötet und 300.000 verletzt worden waren. Sind die Menschen schon dadurch traumatisiert, leiden sie zudem noch unter einer schweren Wirtschaftskrise im Land.

Die Satellitenaufnahme zeigt den Luftwaffenstützpunkt Konarak im Iran am 4. März (Quelle: Picture Alliance / ASSOCIATED PRESS)

Die iranische Führung wiederum richtet ihre Angriffe nicht nur gegen Militäreinrichtungen der USA und Israels, sondern auch gegen Golf-Staaten. Neben Einrichtungen der zivilen Infrastruktur wie Ölanlagen wurden der Flughafen in Dubai und das Luxushotel Burj al Arab getroffen. Experten sehen darin die Absicht, auch die Tourismusindustrie als inzwischen wichtigen Zweig zu treffen. Ohnehin führt die weiträumige Sperrung des Luftraums auf der arabischen Halbinsel zu massiven Ausfällen im internationalen Flugverkehr.

In Israel gibt es zwar viele Bunker und andere Schutzeinrichtungen für die Menschen, doch beeinträchtigen die ständigen Luftalarme den Alltag erheblich.

Nachdem die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon Raketen nach Israel schoss, reagierte Israel mit umfassenden Gegenangriffen. In der Folge gibt es zahlreiche Tote und Verletzte. Viele Menschen vor allem im südlichen Libanon sind auf der Flucht.

Was bedeutet der Krieg für die EU und Deutschland?

Die Ereignisse seit Kriegsbeginn am 27. Februar lassen darauf schließen, dass das iranische Regime mit seinen verbündeten Milizen – sogenannten Proxys wie der Hisbollah – möglichst viele Staaten in den Krieg hineinziehen will. In Europa war bislang nur Zypern bedroht. Dort explodierte eine Drohne auf einem britischen Militärstützpunkt. Zwei weitere unbemannte Flugbobjekte wurden abgefangen.

Diskutiert wird, inwieweit für Zypern die Beistandsklausel der EU-Staaten und für Großbritannien das NATO-Beistandsversprechen nach Artikel 5 in Frage kommt. Mehrere Staaten wie Frankreich mit seinem Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ verstärken ihre Militärpräsenz im Mittelmeer.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erklärte am 6. März im Bundestag, er sei strikt gegen einen Einsatz der Bundeswehr im Krieg gegen Iran. Oberste Priorität habe der Schutz deutscher Bürgerinnen und Bürger und der Soldatinnen und Soldaten in der Region. Präsent ist die Bundeswehr in Jordanien und im Irak.

Darüber hinaus steht Europa vor dem „Dilemma“, wie es Bundeskanzler Friedrich Merz formulierte, dass das Völkerrecht gegen ein Regime, „das atomar aufrüstet und das eigene Volk brutal unterdrückt“, nichts bewirken könne. US-Präsident Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu unternahmen keinen Versuch, den Angriff auf den Iran durch ein UN-Mandat zu legitimieren. Die Sicherheitsratsmitglieder Russland und China hätten dagegen absehbar ihr Veto eingelegt.

Mittelbare Auswirkungen treffen die Menschen in Deutschland, wie die bereits gestiegenen Preise für Sprit an den Tankstellen, obwohl dort noch Öl-Produkte verkauft werden, die die Konzerne noch zu niedrigen Vorkriegspreisen erworben hatten. Sie begründen die Aufschläge mit gestiegenen Weltmarktpreisen. Etwa 20 Prozent des international gehandelten Öls wird durch die Straße von Hormus im Persischen Golf transportiert. Der Iran hat die Meerenge de facto blockiert.

Knappheit bei Öl und Gas muss in Deutschland laut einem Regierungssprecher nicht befürchtet werden, weil die Rohstoffe nur zu einem kleinen Teil aus der Golfregion bezogen werden.

Ist die Sicherheit in Deutschland gefährdet?

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht keine veränderte Gefährdungslage in Deutschland, wie er am 4. März im ARD/ZDF-Morgenmagazin mitteilte. Es gebe eine abstrakte, aber keine konkrete Gefährdung.

Das bedeutet, dass den Sicherheitsbehörden abseits der allgemeinen Gefährdung für israelische, jüdische und US-Einrichtungen keine konkreten Bedrohungen gegen bestimmte Personen oder Einrichtungen bekannt sind. Die Schutzmaßnahmen für diese Einrichtungen seien dennoch „deutlich hochgefahren“ worden.

Die Sicherheitsbehörden hätten die Lage „intensiv im Blick“, dabei beobachte man auch vom Ausland gesteuerte sogenannte Proxys und organisierte Kriminalität, die damit in Verbindung stehe, sowie die Cybersicherheit, sagte Dobrindt.

Zum Grad der abstrakten Gefahr gab es zuvor noch unterschiedliche Einschätzungen. Während das Bundesamt für Verfassungsschutz eine „weiterhin hohe abstrakte Gefährdung für Einrichtungen in Deutschland, die Israel und den USA nahestehen“ erwartete, sprach der Thüringer Innenminister Georg Maier (SPD) von einer Zunahme.

„Diese abstrakte Gefahr, die ist da, die ist größer geworden“, sagte Maier am 2. März. Man müsse in Betracht ziehen, dass Iran nicht nur direkt gegen die Angreifer USA und Israel zuschlage, sondern auch „asymmetrisch“ auf verbündete Nationen reagiere. Maier verwies auf die iranische Revolutionsgarde, die in Deutschland als Terrororganisation eingestuft sei und ein Netzwerk im Ausland habe. Wie nun auch Dobrindt sah aber auch Maier keine konkreten Gefährdungshinweise.

Wie könnte es weitergehen?

Welche Auswirkungen der Krieg für den Nahen Osten und weit darüber hinaus haben wird, ist noch nicht absehbar. Eine entscheidende Frage ist, wann Trump ein Ende des US-Einsatzes erklären und wie die Lage im Iran dann sein wird. Trotz des Verlustes seiner Spitze scheint das Regime intakt. Kontrollieren die mächtigen Revolutionsgarden auch künftig die Macht, könnte ein noch aggressiveres Militärregime entstehen, dass das Volk aufs Härteste unterdrückt, weiter nach der Atombombe strebt und seine Nachbarn attackiert.

Zerfällt das Regime, ist noch kein Weg in die Demokratie vorgezeichnet. Dazu müssten sich entsprechend gesinnte Kräfte im Inland und aus der weltweit verstreuten Diaspora zusammenfinden und einen konstruktiven Weg einschlagen. Wie schwierig dies ist, zeigt sich zum Beispiel am Sohn des einst gestürzten Schah, Reza Pahlavi. Den einen gilt er als Führungsfigur, der die Regimegegner einigen kann. Andere sehen in ihm einen anti-demokratischen Monarchisten. Er selbst beschreibt sich als Anführer in einer Zeit des Übergangs. Ob aus Iran eine Republik oder eine Monarchie werden soll, darauf will er sich nicht festlegen.

Für viele eine Hoffnungsträger: Reza Pahlavi, der Sohn des ehemaligen iranischen Schah (Quelle: Picture Alliance / Photoshot)

Entscheidend wird das Verhältnis der Minderheiten untereinander im Land sein, zu denen unter anderem Kurden, Belutschen und turkstämmige Aseris zählen.

Trump ermutigte die Kurden in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur Reuters dazu, eine Offensive gegen die Machthaber in Teheran zu beginnen. Ob die USA dies aktiv unterstützen, wie es in US-Medienberichten hieß, wollte er nicht beantworten. Eine Bewaffnung von Kurden durch die CIA dementierte das Weiße Haus. Kurdenvertreter im benachbarten Irak distanzierten sich von derartigen Plänen, ihre Gebiete sind bereits von iranischen Raketenangriffen betroffen.

Ein kurdischer Aufstand könnte sich bis in die Türkei auswirken. Deren Führung um Präsident Recep Tayyip Erdoğan hält sich im Iran bislang zurück, auch wenn am 4. März eine iranische Rakete in den türkischen Luftraum eindrang und von einem NATO-Abwehrsystem zerstört wurde. Die Türkei beherbergt als NATO-Mitglied US-Militäreinheiten. Zudem verläuft dort die Ölpipeline Baku-Tbilisi-Ceyan (BTC), über die Israel mit Öl aus Aserbaidschan versorgt wird.

Irans nördlicher Nachbar Aserbaidschan pflegt sehr gute Beziehungen zu Israel und inzwischen auch wieder zu den USA. Vor Beginn des Krieges am 27. Februar beteuerte die aserbaidschanische Führung allerdings, dass man das eigene Territorium nicht für Angriffe auf den Iran zur Verfügung stellen werde, wie schon vor dem Zwölf-Tage-Krieg im Juni 2025.

Präsident Ilham Alijew besuchte am 4. März die iranische Botschaft in Baku, um zum Tode Chameneis zu kondolieren. Dennoch schlugen am 5. März Drohnen aus dem Iran in der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan ein. Alijew forderte mit harschen Worten eine Entschuldigung für den „Akt des Terrors“ und erwähnte, dass das „unabhängige Aserbaidschan“ für viele Aseris im Iran ein „Ort der Hoffnung“ sei. Diese leben vor allem im Norden des Landes. Seit langem gibt es in Aserbaidschan Forderungen, unterstützt von Akteuren in Israel und den USA, diesen Teil des Iran an Aserbaidschan anzuschließen. Allerdings ist unsicher, wie sich die Aseris dort verhalten würden. Ein großer Teil gilt als Regime-treu. Präsident Massud Peseschkian hat aserische Wurzeln und spricht die Turk-Sprache.

Die Beispiele der Kurden und der Aseris zeigen, wie eine Destabilisierung im Iran in die gesamte Region ausstrahlen und auf Jahre die Weltwirtschaft beeinträchtigen könnte. Dabei geht es nicht allein um die Öl- und Gasproduktion am Persischen Golf und den internationalen Flugverkehr, der derzeit weiträumig umgeleitet werden muss. Auch die Transportverbindungen zwischen Asien und Europa zu Wasser und zu Land sind erheblich betroffen.

Welche geopolitische Bedeutung hat der Konflikt?

Der Krieg gegen Iran zeigt, dass US-Präsident Trump Interessen weit über die „westliche Hemisphäre“, den amerikanischen Doppelkontinent, hinaus verfolgt. Diese hatte er als Einflussgebiet der USA reklamiert, als US-Spezialkräfte zum Jahreswechsel den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro überwältigten und in die USA brachten.

Die Entwicklungen in dem lateinamerikanischen Land geben einen Hinweis darauf, dass es Trump nicht um Machtwechsel hin zu Demokratien geht. Denn die alte Elite blieb in Venezuela an der Macht, während sich Trump auf die Kontrolle der Ressourcen Venezuelas, vor allem des Erdöls, fokussiert und den Einfluss Russlands und Chinas in der Region verringern will. Das zeigt sich auch am militärischen Vorgehen der USA gegen die Schattenflotten weltweit.

Der schnelle Erfolg in Venezuela spornte Trump offensichtlich an, das Regime im Iran ebenfalls zu „enthaupten“ und auch dort den Einfluss der USA zu sichern, zusammen mit Israel und den befreundeten Golfmonarchien. Doch dringt der US-Präsident damit weit in die Hemisphären ein, die Russland und China für sich reklamieren. China bezieht mehr als zehn Prozent seines Öls aus dem Iran. Dessen Industrie wird bei einer längeren Dauer des Krieges schwer betroffen sein, auch wegen der eingeschränkten Transportmöglichkeiten nach Europa.

Israelische Kampfflugzeuge am 4. März auf dem Weg zu Angriffen auf den Iran (Quelle: Foto: Picture Alliance / Cover Images / IDF)

Russland ist Verbündeter des Iran gegen das Sanktionsregime des Westens. Die Transportrouten nach Süden über den Iran dienen Russland neben anderen zur Umgehung jener Handelsbeschränkungen. Beide Staaten sind durch eine strategische Partnerschaft inklusive gegenseitigen Waffenlieferungen und Austausch von Geheimdienstinformationen verbunden. Allerdings enthält die Partnerschaft keine Beistandsklausel im Fall von Angriffen auf das eigene Territorium.

Russlands Machthaber Wladimir Putin verurteilte zwar die Tötung Chameneis scharf, wie auch die Entführung Maduros sowie seinerzeit die Tötung der Diktatoren Muammar al-Gaddafi in Libyen und Saddam Husseins im Irak. Doch hält er sich offiziell zurück im Konflikt zwischen Iran einerseits sowie Israel und Trump andererseits, dies auch mit Blick auf den russischen Krieg gegen die Ukraine.

Ein Niedergang des iranischen Regimes könnte die autoritäre Achse weltweit schwächen. Es ist aber noch nicht ausgemacht, ob Russland und China am Ende nicht doch Profiteure sein werden. So wie Russland im Krieg gegen die Ukraine verausgabt Trump die US-Streitkräfte und deren Reserven an Waffen und Munition im Krieg gegen den Iran, was wiederum seine Position gegenüber Russland und China schwächt. Russland kann zudem von steigenden Weltmarktpreisen für Öl und Gas profitieren und die Einnahmen in weitere Aufrüstung investieren. Viele Staaten, die sich von den USA unabhängiger machen wollen, wenden sich stärker China zu, das ebenfalls weiter aufrüsten kann.

Hinzu kommt eine Entwicklung, die der Militärexperte Nico Lange am 4. März im Handelsblatt als „neue Ökonomie des Krieges“ beschrieb: Der Iran setze auf günstig hergestellte Drohnen, Raketen und kleine Boote. Diese überlasteten die teuren High-Tech-Waffensysteme der Gegner. Jede Abwehr der vergleichbar billigen Waffen führe zu einem hohen wirtschaftlichen Verlust der Verteidiger. Nicht mehr Qualität und Präzision seien ausschlaggebend, sondern günstige, ausreichend effektive Mittel in hoher Anzahl. „Billig schlägt teuer“, so Langes Fazit.

Eine weitere perfide Entwicklung lässt sich im Krieg Russlands gegen die Ukraine beobachten. Dort nimmt Putin Verluste an Soldaten nicht nur in einem Ausmaß in Kauf, das im westlichen Europa oder den USA undenkbar wäre. Die schweren Verletzungsbilder ukrainischer Soldaten zeigen auch, dass es Russland offenbar weniger um das Töten als das Beifügen schwerer Verwundungen geht, die einen aufwändigen Behandlungs- und Heilungsprozess zur Folge haben.

Auf diese Weise kann es Russland, dem Iran und anderen Staaten gelingen, in konventionell geführten Kriegen Vorteile gegen mit High-Tech ausgerüstete Streitkräfte zu erlangen. Der Militärexperte Lange kritisiert, dass die NATO-Staaten nicht ausreichend auf die technische Entwicklung reagierten, während Russland und der Iran ihre Depots schnell wieder mit billigen Drohnen und Raketen auffüllten und China sich dies mit Sicherheit sehr genau ansehe.

(Stand 6. März)

Mitarbeit: Alexej Hock
Redigatur und Faktencheck: Ulrich Kraetzer