Russische Desinformation

Pro-russisch und rechtsextrem: Das internationale Netzwerk von „Anonymous News“

Die Webseite „Anonymous News“ spielt der russischen Regierung in die Hände: Sie verbreitet rechtsextreme Ideologien, sanktionierte Webseiten und Desinformation. Seit mehr als zehn Jahren – ohne Konsequenzen.

Anonymous News Russland Desinformation alles von Hetze bis Storm-1516_Ivo Mayr-Correctiv
Mit rassistischen und pro-russischen Inhalten wirbt die Webseite Anonymous News im Netz für Spenden (KI-generierte Collage: Ivo Mayr / CORRECTIV; Fotos: Unsplash, AN)

Pausenlos verbreitet eine deutschsprachige Webseite Hetze, Desinformation und russische Propaganda – sie erreicht damit monatlich Zehntausende. Auf „Anonymous News“ werden der Holocaust verharmlost und Mythen über Adolf Hitler verbreitet. Die Seite mischt sich in deutsche Wahlen ein, dazwischen streut sie Lobeslieder auf Wladimir Putin und rassistische Hetze. Und doch ist sie seit zehn Jahren online. 

Wie kann das sein und wer ist dafür verantwortlich? Erst kürzlich fanden Recherchen eine Spur zum russischen Inlandsgeheimdienst – CORRECTIV.Faktencheck enttarnt nun weitere bisher unbekannte rechtsextreme und pro-russische Verbindungen der Seite. Die Recherche führt von Deutschland über Osteuropa bis nach Russland. Und am Ende zu der Frage: Wieso macht „Anonymous News“ damit einfach immer weiter?

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Wer steckt hinter Anonymous News?

Das Gesicht der Webseite ist Mario Rönsch, ein verurteilter Straftäter aus Thüringen, der sich nach Russland abgesetzt hat. Seit Ende 2023 wird er in Beiträgen als Chefredakteur von „Anonymous News“ genannt, er galt jedoch schon Jahre davor als mutmaßlicher Betreiber. 

Doch deswegen musste er nicht ins Gefängnis – sondern weil er über eine andere Webseite namens „Migrantenschreck“ 2016 illegal Schreckschusswaffen verkauft hatte. Verschiedene Medien, etwa Focus und Vice, berichteten damals ausführlich.

Nachdem die Facebook-Seite „Anonymous.Kollektiv“ im Frühjahr 2016 begann, Werbung für Rönschs Online-Waffenshop zu machen, verschwand sie. Kaum zehn Tage später tauchte eine Webseite unter dem Namen „Anonymous News“ auf – und schaltete genau dieselben Werbeanzeigen.

Screenshot der alten Webseite von Anonymous News mit mehreren Artikeln und Werbung für den ehemaligen Waffen-Onlineshop Migrantenschreck
Screenshot einer Werbeanzeige (unten) auf der Webseite mit der alten Adresse, archiviert am 24. Januar 2017 (Quelle: Anonymous News / Archive.org; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Mit dem dezentralen Hacktivisten-Kollektiv Anonymous hat die Webseite „Anonymous News“ nichts zu tun, sie entstand aus der Facebook-Seite „Anonymous.Kollektiv“. Newsguard kommt in einer Analyse zu dem Ergebnis, bei dem Blog sei „höchste Vorsicht“ geboten, weil er gegen journalistische Standards verstoße – CORRECTIV.Faktencheck berichtete häufiger über Desinformation, die auf der Seite veröffentlicht wurde. 

Es dauerte rund zwei Jahre, ehe Rönsch wegen „Migrantenschreck“ in Budapest in Ungarn verhaftet und später nach Deutschland ausgeliefert wurde. „Er nutzt eine Ideologie, um Geld zu verdienen“, sagte die Staatsanwältin damals im Verfahren. Erst im November 2019 ging er in Haft.

Etwas mehr als ein Jahr musste Rönsch in einer Justizvollzugsanstalt in Berlin absitzen. Ab Ende 2020 war er auf Bewährung frei. 

Nach seiner Haftentlassung passierte erstmal nicht viel. Auf „Anonymous News“ erschienen wieder Artikel unter Rönschs Namen, die Webseite zog um, von einer russischen Domain auf .org.

Mario Rönsch veröffentlicht wohl nicht alleine

Aufschlussreicher ist jedoch, was passierte, während Rönsch in Haft war: Von Mitte November 2019 bis Mitte Dezember 2020 erschienen bei „Anonymous News“ rund 500 neue Artikel, Profile in Sozialen Netzwerken blieben aktiv. Dort ist von einer „Redaktion“ die Rede. Doch wer soll das sein?

Vorläufer von „Anonymous News“ war die Facebook-Seite „Anonymous.Kollektiv“. Wie etwa die Süddeutsche Zeitung im Mai 2016 berichtete, wurde gegen Rönsch zu diesem Zeitpunkt ermittelt – doch er war offenbar abgetaucht. Im Internet kursierte später ein Screenshot von 2016, der neben Rönsch zwei weitere Namen in Verbindung mit dieser Facebook-Seite brachte: Kai Homilius und Chris Heller.

Screenshot zeigt einen Admin-Bereich – zu lesen sind die Namen „Mario Roensch“, „Chris Heller“, „Kai Homilius“. u.a. der Politiker Tobias Huch hat das Bild auf Facebook gepostet 2016
In Sozialen Netzwerken verbreitete sich im Jahr 2018 ein Screenshot, der drei Profile als Administratoren der Facebook-Seite Anonymous.Kollektiv zeigen soll (Quelle: Tobias Huch / Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Kai Homilius ist Mitgründer des Compact-Magazins, das der Verfassungsschutz inzwischen als „gesichert rechtsextremistisch“ einstuft. Vor seiner Verurteilung wegen „Migrantenschreck“ hat Rönsch laut dem Urteil eng mit dem Magazin zusammenarbeit. Zu seinem Namen auf dem Screenshot wollte Homilius sich damals nicht äußern. Beiträge auf „Anonymous News“ deuten darauf hin, dass sie sich überworfen haben.

Der zweite Name, der auf dem Screenshot genannt wird, lautet Chris Heller. Heller stritt 2019 gegenüber der Bild ab, etwas mit „Anonymous.Kollektiv“ zu tun zu haben, die Zeitung schrieb damals: Seine Daten seien eventuell missbraucht worden. 

Auf Anfrage von CORRECTIV.Faktencheck schreibt Heller nun: „Es ist zutreffend, dass ich persönlich mit Herrn Rönsch bekannt war. Zwischen uns besteht allerdings schon seit Jahren keinerlei Kontakt mehr – weder privat, noch geschäftlich.“

Unter dem Autorennamen „Chris Heller“ wurden, während Rönsch im Gefängnis war, rund 70 Artikel veröffentlicht – kein anderer Autorenname taucht in dieser Zeit so häufig auf der Webseite auf, wie eine Datenanalyse von CORRECTIV.Faktencheck zeigt. Ab 2020 ging diese Zahl zurück. 

Anders als viele Artikel der Webseite wurden diese Texte nicht von anderen Webseiten kopiert, sondern sie erschienen nur bei „Anonymous News“.

„Anonymous News“ kopiert und nutzt falsche Namen

Nur wenige der Artikel bei „Anonymous News“ sind Originale: Viele sind übernommen von Kreml-freundlichen Autoren oder rechtskonservativen Webseiten, wie den Nachdenkseiten oder Achgut. Einige haben sich bereits öffentlich darüber beschwert – sie werfen der Seite Urheberrechtsverletzungen oder Verstöße gegen das Telemediengesetz vor. Einer schildert in seinem Blog, er habe auf seine Beschwerde bei „Anonymous News“ die Antwort erhalten, er könne sich das Gesetz „mit Verlaub gesagt – in den braunen Salon schieben“. Man sei außerhalb der EU ansässig

Bei manchen Artikeln werden Autorennamen schlicht erfunden: Insgesamt tauchen auf der Webseite mehr als 500 Autorennamen auf. Etwa Personen aus der Welt der „Alternativen Medien“ wie Boris Reitschuster und Roland Tichy, aber auch Wladimir Putin, die Politiker Oskar Lafontaine und Martin Sonneborn. Oder etwa Max Hoppenstedt, ein Journalist, der damals für Vice über Mario Rönsch berichtet hat.

CORRECTIV.Faktencheck hat Rönsch mit dem Vorwurf, es würden Artikel kopiert und falsche Autorennamen angegeben, konfrontiert, bekam jedoch keine Antwort. Ebenso wenig antwortete Rönsch auf Fragen dazu, warum er mittlerweile öffentlich als das Gesicht der Seite auftaucht.

Belege dafür, dass hinter dem Autorennamen „Chris Heller“ die echte Person steht, fanden wir nicht. Gegenüber CORRECTIV.Faktencheck erklärt Heller nun erneut, er veröffentliche keine Beiträge auf Rönschs Blog. Artikel mit seinem Namen auf „Anonymous News“ seien nicht wirklich von ihm. Ob das früher anders war, gibt er nicht an. 

Weitere Verbindungen in die rechtsextreme Szene

Hellers Vergangenheit hat einige Überschneidungen mit Mario Rönsch und „Anonymous News“. Auffällig ist: 2019 meldete Heller seine Unternehmensberatung an derselben Briefkastenadresse in Prag an, an der wenige Monate später die Firma hinter „Anonymous News“ registriert wurde. 

Profile mit seinem Namen in Sozialen Netzwerken folgten „Anonymous News“ schon früh und kommentierten dort auch. Rönsch war auf VKontakte mit ihm befreundet. Im Januar 2016 waren sie offenbar zeitgleich in Budapest. Zudem geben beide an, in Karlsbad und Prag gelebt zu haben. Auf Rückfragen zu diesen Details antwortete Heller nicht.

Heller hatte, so wie „Anonymous News“ und Rönsch, offenbar auch Verbindungen in die rechtsextremen Szene: Fotos in Sozialen Netzwerken zeigen offenbar denselben Mann auf Demonstrationen der rechtsextremen Partei Dritter Weg in 2019 in Fulda (Hessen), Plauen (Sachsen) und Wunsiedel (Bayern). Oder 2020 in Berlin bei einer Kundgebung mit dem wegen Volksverhetzung gesuchten Attila Hildmann. Auf Nachfrage von CORRECTIV.Faktencheck äußerte Heller sich nicht dazu.

Woher kommt das Geld?

Die vielen Publikationen bei „Anonymous News“, die Pflege der Webseite, die Videos – all das ist aufwändig. Wie wird das finanziert?

CORRECTIV.Faktencheck hat Rönsch mit detaillierten Fragen zur Finanzierung der Seite und etwaigen Partnerschaften kontaktiert, eine Antwort kam nicht.

In einer Analyse, die CORRECTIV.Faktencheck vorliegt, weist Newsguard darauf hin, dass die Seite „häufig ungekennzeichnete Affliate-Links in ihre Artikel einbindet“, ohne deutlich zu machen, dass sie mit Käufen über diese Links eine Provision verdient. 

Der Kopp-Verlag, der in Deutschland Esoterik und rechte Verschwörungsmythen verbreitet, schaltet bei „Anonymous News“ seit langem Werbeanzeigen. Auf Fragen, wie viel der Verlag dafür zahlt, erhielten wir keine Antwort. Aus dem vergangenen Prozess gegen Rönsch ist bekannt: 2016 hatte er insgesamt knapp 90.000 Euro vom Kopp-Verlag und dem rechten Compact-Magazin erhalten.

Werbeanzeige des Kopp-Verlags, darunter Artikel und oben das Logo mit der Guy-Fawkes-Maske
Werbeanzeige des Kopp-Verlags, archiviert am 11. Februar 2026 (Quelle: Anonymous News / Archive.org; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Das Compact-Magazin hatte damals laut einem Bericht von Vice die Zusammenarbeit mit „Anonymous News“ eingestellt. Der Kopp-Verlag zahlt dagegen offenbar weiter. Der Verlag beantwortete uns Fragen dazu nicht. 

Und „Anonymous News“ sammelt Spenden. Früher über Bitcoin oder Konten bei Banken in Tschechien und Litauen, inzwischen wird um Zahlungen über Paypal oder Telegram gebeten. Wer Spenden per Paypal schicken will, sieht heute den Namen eines Unternehmens: AN Média a Platební Služby s.r.o. Früher stand dort die Digital Media Success s.r.o. Beide Unternehmen sind tschechische Gesellschaften mit beschränkter Haftung mit Sitz in Prag.

Hinter Anonymous News stecken Briefkastenfirmen in Tschechien mit undurchsichtiger Finanzierung

Sie laufen aber nicht auf Rönsch. Während dieser nach seiner Festnahme in Budapest und seiner Auslieferung nach Deutschland im Herbst 2018 auf seinen Prozess wartete, registrierte laut Handelsregister ein bulgarischer Staatsbürger namens Ivelin B. im September die Digital Media Success s.r.o. Da eine s.r.o. in Tschechien verpflichtet ist, nach zwei Jahren einen Jahresabschluss zu veröffentlichen und die Digital Media Success das nicht tat, wurde das Unternehmen später aufgelöst. Ein Muster, das sich auch bei der AN Média wiederholte. 

Derselbe Ivelin B. meldete wenige Wochen vor Rönschs Haftantritt, im Oktober 2019, auch die AN Média an, ebenfalls an einer Briefkastenadresse in Prag. Aus dem tschechischen Unternehmensregister geht hervor, dass B. an diesem Tag durch eine Frau vertreten wurde. Die Investigativredaktionen von Bird und Investigace konnten B. in Bulgarien und die Frau in Tschechien aufspüren – beide behaupteten, sie hätten für die Anmeldung der AN Média Geld erhalten. Laut der Frau sei der Auftrag von „jemandem namens Mario“ gekommen, der Artikel gegen Migranten schreibe.

Wie die Digital Media Success hat auch die AN Média keine Jahresabschlüsse veröffentlicht. Anfang März 2026 wurde sie laut Handelsregister gelöscht. Stand 16. März 2026 wird das Unternehmen jedoch weiter auf der Paypal-Seite für Spenden angegeben. Paypal wollte sich nicht dazu äußern, ob das Profil gegen die Richtlinien verstößt.

Klicks kommen über rechtsextreme Webseiten aus den Niederlanden, den USA, Litauen und Ungarn

Eine Analyse der Verlinkungen zu „Anonymous News“ führt in weitere Länder: nach Litauen, in die Niederlande, nach Ungarn und in die USA. 

CORRECTIV.Faktencheck fand Blogs mit Namen wie „Einreich“ und „Deutscherblick“, die deutsche Beiträge von „Anonymous News“ weiter veröffentlichen. Nutzerinnen und Nutzer können auf diesen Webseiten offenbar selbst Artikel hochladen. Ebenso wie „Anonymous News“ sind sie voller pro-russischer und rechter Inhalte. 

Als Spenden-Empfänger ist auf den Seiten der pro-russische Aktivist Laurynas Ragelskis aus Litauen angegeben. Im März 2026 wurde er dort laut litauischen Medienberichten unter anderem wegen antisemitscher Äußerungen nicht rechtskräftig verurteilt, er darf als Teil seiner Bewährungsauflagen keine Inhalte mehr in Sozialen Netzwerken oder auf Webseiten veröffentlichen.

Zwei deutschsprachige Webseiten mit dem Logo von Ldiena von Laurynas Ragelskis
Zwei deutschsprachige Webseiten mit dem Logo von Ldiena, Webseiten des pro-russischen Aktivisten Laurynas Ragelskis aus Litauen (Quelle: Google; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

In dem deutschsprachigen Forum „Verkehrt“ werden neben „Anonymous News“ auch die  rechtsextremen Initiativen Identitäre Bewegung oder Ein Prozent beworben. 

Im mehrsprachigen Blog des Neonazis John de Nugent steht ebenfalls eine Anzeige für „Anonymous News“. Der US-Amerikaner ist in Deutschland damit bekannt geworden, dass er ein Netzwerk von rechten Blogs und Telegram-Kanälen aufgebaut hat, die später teilweise in Verbindung mit Anschlagsplänen gebracht wurden. 

Der anonyme Blog „FrontNiuws“, der auch auf niederländisch veröffentlicht, verlinkt häufiger auf Anonymous News als Quelle. Auch er wird der rechtsextremen Szene zugeordnet und verbreitet Desinformation aus russischen Quellen. 

Auch die Webseite „Unser Mitteleuropa“, die ein Netzwerk rechter Medien in Europa aufgebaut hat, bezieht sich gelegentlich auf Artikel von „Anonymous News“ als Quelle. Wie CORRECTIV.Faktencheck bereits 2022 berichtete, übernimmt und übersetzt sie Berichte von anderen und verhilft diesen – und sich selbst – zu größerer, internationaler Reichweite. Wer aktuell hinter „Unser Mitteleuropa“ steckt, ist unklar. 

Ein zeitlicher Zusammenhang fällt jedoch ins Auge: Im März 2016 wurde „Unser Mitteleuropa“ auf den Namen des Jobbik-Politikers János Bencsik und einer Stiftung, die er damals leitete, registriert. Die ungarische Partei Jobbik galt damals als rechtsextrem. Rönsch war in dieser Zeit schon in Budapest, wie aus dem Gerichtsurteil gegen ihn hervorgeht. In einem Artikel behauptete er später, er sei im Mai 2016 mit Vertretern der Jobbik-Partei im ungarischen Parlament gewesen. Laut einem ungarischen Medienbericht soll Rönsch damals unter anderem Bencsik getroffen haben. Ob der Besuch mit der Gründung von „Unser Mitteleuropa“ zusammenhing, ist unklar.

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Überschneidungen mit russischer Propaganda

Und dann sind da noch die vielen Verbindungen nach Russland. Die Webseite läuft über Server in Russland und bekommt nach neuesten Medienberichten womöglich Unterstützung vom russischen Geheimdienst FSB. 

Der Blog kopiert inzwischen regelmäßig Texte des sanktionierten russischen Staatsmediums „RT“ oder von Thomas Röper, der den seit Mai 2025 von der EU sanktionierten Propaganda-Blog „Anti-Spiegel“ betreibt. „Anonymous News“ macht so Inhalte in Deutschland zugänglich, die in der EU eigentlich nicht mehr verbreitet werden dürfen.

Schon die Facebook-Seite „Anonymous.Kollektiv“ teilte um 2014 herum pro-russische Beiträge oder Karikaturen. Im November 2014 bedankte sich das Facebook-Profil von „RT“ Deutschland sogar bei der Facebook-Seite, weil sie zuvor den neuen Kanal des Staatssenders beworben hatte. 

Die Webseite spielt auch zehn Jahre später immer wieder großen russischen Desinformationskampagnen in die Hände. Einige Beispiele:

  • Laut einer Untersuchung von Insight News im März 2024 ist der Blog russischen Propaganda-Medien wie „RT“ und „Voice of Europe“ inhaltlich „auffallend“ ähnlich. Unsere Datenanalyse zeigt: Dort erscheinen Texte unter dem Namen von Kreml-freundlichen Autoren, wie etwa Wladislaw Sankin, der zuvor für „RT DE“ arbeitete.
  • Im November 2024 griff die Webseite eine Verschwörungserzählung über die deutsche Bundesregierung auf, die von der Stiftung zur Bekämpfung der Repression stammt. Die Organisation wurde von dem einstigen Leiter der berüchtigten Trollfabrik Internet Research Agency, Jewgenij Prigoschin, gegründet und inzwischen von der EU sanktioniert.
  • Während der Bundestagswahl 2025 verbreitete „Anonymous News“ zwei Fake-Videos, die angeblichen Wahlbetrug zeigten – beide standen in Verbindung mit der russischen Einflusskampagne Storm-1516.
Videos zeigen falsche Aufnahmen von angeblichem Wahlbetrug - beide wurden auch von Anonymous News auf Telegram geteilt
Diese Videos zeigen falsche Aufnahmen von Stimmzetteln zur Bundestagswahl – doch diese Beiträge standen mutmaßlich in Verbindung mit der russischen Einflusskampagne Storm-1516 (Quelle: Telegram; Screenshots und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

Sämtliche Fragen zu Verbindungen zu rechtsextremen Blogs und zu pro-russischen Desinformationskampagnen sowie einige weitere Fragen an Rönsch blieben bis zur Veröffentlichung der Recherche unbeantwortet.

Propaganda-Grüße aus Moskau

Ende 2023, nach dem Ende seiner Bewährung, schrieb Rönsch auf Telegram: „Ich werde mein Versprechen in diesem Jahr einlösen und im Dezember 2023 und Januar 2024 für zwei volle Monate aus Russland berichten.“ Er hielt, was er versprach, und schickte später in seinem Blog „Liebesgrüße aus Moskau“. 

Mehr noch: Er gründete dort ein Unternehmen. Es ist seit Gründung jedoch nicht in Erscheinung getreten – CORRECTIV.Faktencheck liegen Fotos von vor Ort vor: Der blassgelb gestrichene Hausflur hängt voller Firmenschilder, doch von Rönschs Firma findet sich keine Spur.

Ein Foto von August 2025 aus der russischen Suchmaschine Yandex zeigt den Hauseingang des Gebäudes in Moskau, in dem Rönschs Unternehmen angemeldet ist (Quelle: Yandex; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Auch das Telegram-Angebot wurde weiter ausgebaut: Im August 2024 kam ein neuer englischsprachiger Kanal dazu. Dessen Posts werden laut Spiegel, OCCRP und Investigace besonders häufig von einem Nutzer verbreitet, dessen Telefonnummer mutmaßlich einem FSB-Mitarbeiter gehört.

Rönsch blieb offenkundig länger als nur zwei Monate in Russland. Im Sommer 2025 kündigte „Anonymous News“ ein TV-Studio in Moskau an. Auf Sendung geht Rönsch persönlich Ende Oktober 2025 auf Youtube und Tiktok. In einem ersten Video steht er breitbeinig im schwarzen Mantel auf dem Roten Platz in Moskau – im Hintergrund die Basilius-Kathedrale. Es folgen mehr Videos: Rönsch führt durch schillernde Shoppingzentren, filmt volle Lebensmittelregale und interviewt Passanten in holprigem Russisch.

Mario Rönsch in Moskau
Mario Rönsch in Moskau, veröffentlicht am 19. Dezember 2025 (Quelle: Youtube; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Rönsch und „Anonymous News“ machen also weiter – mit Desinformation, Hetze und mit pro-russischer Propaganda. Hat das denn niemand bei den deutschen Behörden auf dem Schirm?

Auf dem Schirm schon. Eine Sprecherin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg schrieb auf Nachfrage im Februar 2026, bezüglich der Webseite sei eine Prüfung angestoßen worden. Das Bundeskriminalamt teilte schon im vergangenen Jahr mit, grundsätzlich sei „Anonymous News“ bekannt, man wolle sich aber nicht weiter äußern. Und die Staatsanwaltschaft von Rönschs ehemaligem Wohnort schrieb, man gebe zu laufenden Ermittlungsverfahren keine Auskunft, der Aufenthalt von Rönsch sei unbekannt.

Konsequenzen bleiben also bislang aus.

Autorin: Sarah Thust
Datenanalyse: Johannes Gille
Redigatur: Max Bernhard, Gabriele Scherndl