„Alter, jetzt reicht’s!“

Wie sollen unsere Politiker mit Trump umgehen? Ex-Bundespräsident Gauck sagt, Merz mache das schon gut.

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters
Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen und Leser, 

unser früherer Bundespräsident Joachim Gauck hatte gestern einen bemerkenswerten Auftritt in der Fernseh-Talkshow von Caren Miosga. Es ging um die Frage: Wie sollen deutsche Politiker – insbesondere Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) – mit Trump reden? Das Spannungsverhältnis sei groß, sagte Gauck: Einerseits ist Europa gerade im Krieg in der Ukraine weiter auf die USA angewiesen. Andererseits könne man Trump ja nicht jeden Völkerrechtsbruch einfach durchgehen lassen. 

„Der Bundeskanzler hat das bisher ganz geschickt hingekriegt. Der würde doch auch lieber sagen: Hör mal zu, Alter, jetzt reicht’s!“
Joachim Gauck
in der Talkshow von Caren Miosga

Aber: Als wichtigster Politiker im Land dürfe man eben nicht einfach „das rausposaunen, was uns gerade das Herz schwer macht“. Gerade jetzt, am Wochenende, hat Trump das Konfliktpotenzial mit Europa aber noch mal erhöht. Er fordert mehr Unterstützung vom Bündnis – gerade von Europa – und sprach eine Drohung aus. Mehr dazu im Thema des Tages

Außerdem im SPOTLIGHT: Die nächste Runde unserer Cartoon-Arena startet! Unsere fünf Karikaturistinnen und Karikaturisten treten diesmal zu einem Thema an, das ebenfalls mit dem Krieg im Iran zusammenhängt: dem Zurück zu fossilen Brennstoffen in Deutschland und den hohen Energiepreisen. Am Freitag können Sie wieder die Gewinnerin oder den Gewinner dieser Woche küren.

Und dann noch ein fettes Dankeschön für die vielen differenzierten E-Mails, die Sie mir seit Freitag geschrieben haben – zur Frage, was Sie zum Interview sagen, das ich mit dem Psychologen Ahmad Mansour geführt habe. Alle, die geschrieben haben, haben sich das Interview tatsächlich vorher angesehen. Und alle, die schrieben, fanden gut, dass wir ihn eingeladen haben (aus ganz unterschiedlichen Gründen). Tenor war: Gut, sich mit Leuten auszutauschen, solange sie innerhalb des demokratischen Spektrums argumentieren. Ich verspreche: Ich versuche, Ihnen in den nächsten Tagen noch allen zu antworten.

Bis dahin erst einmal einen schönen Abend – und schreiben Sie mir gern mit Recherchehinweisen: anette.dowideit@correctiv.org.

Thema des Tages: „Alter, jetzt reicht’s!“

Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste

Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Luisa Neubauer blickt aufs CO2

Cartoon-Arena: Zurück zum Gas – trotz Klima- und Nahostkrise?

CORRECTIV.Faktenforum: Angebliche Überfallmasche mit giftigen Rosen an Autos ist ein Mythos

Gute Sache(n): Wie der Frühling den Drang zur Veränderung steigert • Wie Verkehrsplanung zur Luftqualität beitragen kann • Immer mehr E-Mobilität im öffentlichen Nahverkehr

CORRECTIV ganz persönlich: Anonymous: Wie kann es sein, dass es diese Webseite seit zehn Jahren gibt?

Grafik des Tages: CO2-Ausstoß in Deutschland nur minimal gesunken

(Für alle, die geografisch nicht ganz trittfest sind: Hier sieht man, wo die Straße von Hormus liegt.)

Weshalb ist die Straße von Hormus so relevant?
Das wird hier gut erklärt. Kurz zusammengefasst: Die Meerenge ist eine der wichtigsten Verkehrsrouten für den internationalen Handel – vor allem mit Öl. 

Sie ist die einzige Seeverbindung zwischen dem Persischen Golf und dem offenen Meer – und somit der Zugang der wichtigen Ölländer am Golf zum Welthandel. Vor allem für den Iran selbst, aber auch für Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate. Ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft über die Straße.

Der Iran hat den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nach dem Angriff der USA blockiert – und die USA mühen sich seither, Öltanker dennoch hindurchzuleiten. Der Preis für Rohöl stieg nach dem Angriff der USA auf den Iran zwischenzeitlich auf den höchsten Preis seit 2022.

Was Trump von der Nato und Europa fordert:
Die Verbündeten sollen die USA dabei unterstützen, die Öltransporte durch die Straße von Hormus zu ermöglichen. Grund: Sie alle seien ja auf die Transporte angewiesen.

Vor allem europäische Staaten sieht er in der Pflicht. Denn Europa besitze viel mehr Minensuchboote als die USA – und Minen in der Straße von Hormus sind derzeit eine der größten Gefahren.

Womit er andernfalls droht:

„Sollte es keine Reaktion geben oder sollte die Reaktion negativ ausfallen, wird dies, denke ich, sehr schlecht für die Zukunft der NATO sein.“
Donald Trump
in der Financial Times

Wie Europa reagiert:
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat Trump eine klare Absage erteilt. Er sagt, er sehe nicht, dass die Nato für die Straße von Hormus zuständig werden könnte.

Kommunalwahl in Hessen: CDU bleibt stärkste Kraft  
Bei den Kommunalwahlen in Hessen bleibt die CDU stärkste Kraft. In den Trendergebnissen des Statistischen Landesamtes kommt die CDU landesweit auf 29,7 Prozent der Stimmen. Das sind 1,2 Prozentpunkte mehr als in der vergangenen Kommunalwahl. Die SPD kommt hingegen auf insgesamt 20,2 Prozent und die AfD als drittstärkste Kraft auf 15,9 Prozent. 
taz.de

Steigende Arzneimittelpreise: Krankenkassen und Sozialverband fordern Maßnahmen von der Politik 
Die Krankenkassen sowie der Sozialverband SoVD fordern ein Eingreifen der Politik gegen steigende Arzneimittelpreise. Diese seien hierzulande bereits die höchsten hinter denen der USA, sagte der GKV-Vorstandsvorsitzende Oliver Blatt. Die Pharmaindustrie erklärt hingegen, die hohen Preise seien notwendig, um die hohen Kosten für Forschung abzudecken.  
deutschlandfunk.de

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Tiktok-Videos verbreiten eine alte Internet-Legende über giftige Rosen an Autos. (Bild: Ulrike Leone / Picture Alliance / Zoonar)
Bild: Ulrike Leone / Picture Alliance / Zoonar

So geht’s auch
Radwege, E-Autos oder auch andere Verkehrsmaßnahmen haben seit 2010 dazu beigetragen, dass einige der trubeligsten Metropolen der Welt heute eine deutlich bessere Luftqualität haben. Dies geht aus einer neuen Analyse der Breathe Cities Organisation hervor. Demnach konnte in Städten wie Peking und Warschau die Feinstaubbelastung um mehr als 45 Prozent reduziert werden. 
theguardian.com (Englisch) / secretldn.com

Fundstück
In Deutschland fährt inzwischen jeder siebte Linienbus emissionsarm. Besonders im Großraum Hamburg und Berlin hat die Nutzung der Elektrobusse im öffentlichen Nahverkehr zugenommen. Demnach wurden allein im vergangenen Jahr 1.400 neue E-Busse angeschafft. Einer der Gründe für den Zuwachs sei die im Vorjahr wieder aufgenommene Bundesförderung für den Ausbau der Elektroflotten.  
deutschlandfunk.de


Ich fragte mich: Wie kann es sein, dass es diese Webseite seit zehn Jahren gibt? Sie hat viel auf dem Kerbholz: diffamiert Journalisten, lügt über Kritiker und klaut Texte von anderen. Sie verbreitet rechte Verschwörungsmythen und jede Menge pro-russische Propaganda.

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Ulrich Kraetzer und Jule Scharun.