Milliardenteure Übergangslösung: Tausende Soldaten sollen in Containern schlafen
Die Bundeswehr muss für ihren Aufwuchs auf Provisorien zurückgreifen: Tausende neue Soldatinnen und Soldaten sollen zeitweise in Containern untergebracht werden. Fast eine Milliarde Euro sind dafür bisher veranschlagt.
Rund 900 Millionen Euro will die Bundeswehr für Container ausgeben, in denen Soldatinnen und Soldatinnen zeitweise schlafen sollen. Das geht aus mehreren Ausschreibungen auf der Vergabeplattform der EU hervor. Sie zeigen: Die provisorischen Unterkünfte erreichen das Volumen eines Großprojekts.
Weil die Bundeswehr in den kommenden Jahren stark wachsen soll, baut sie ab Mitte 2027 rund 300 neue Unterkunftsgebäude in etwa 130 Kasernen. Ab 2031 sollen diese bis zu 40.000 Wehrdienstleistende pro Jahr beheimaten. Für das Bauprogramm sollen etwa vier Milliarden Euro anfallen.
Weil die Truppe aber schon in diesem Jahr einen Anstieg bei den Einstellungen erwartet, überlegte sie sich eine Übergangslösung: Auf etwa 30 Liegenschaften sollen Container installiert werden, wie ein Sprecher des Bauamts der Bundeswehr CORRECTIV mitteilt. Bis zu 7.150 Soldatinnen und Soldaten sollen dort zeitweise untergebracht werden.
Zu den endgültigen Kosten äußerte sich der Sprecher nicht. Das Containerprogramm mit dem Namen „SIPGO“ ist jedoch in sechs EU-weiten Ausschreibungen zu finden: Sie summieren sich auf das Gesamtvolumen von rund 900 Millionen Euro.
Die Ausschreibungen zum Bundeswehr-Containerprogramm „SIPGO“
Die Ausschreibungen sind in regionale Cluster aufgeteilt, die das ganze Bundesgebiet abdecken:
- Cluster 1, Nordwest, 207 100 000,00 EUR („geschätzter Wert“)
- Cluster 2, Bayern, 292 950 000,00 EUR („geschätzter Wert“)
- Cluster 3, Baden-Württemberg, 100 000 000,00 EUR („Höchstwert der Rahmenvereinbahrung“)
- Cluster 4, Mitte-West, 135 000 000,00 EUR („Höchstwert der Rahmenvereinbahrungen“)
- Cluster 5, Mitte-Ost, 92 000 000,00 EUR („Höchstwert der Rahmenvereinbarungen“)
- Cluster 6, Nordost, 68 000 000,00 EUR („Höchstwert der Rahmenvereinbarungen“)
Bereits vergebene Einzelaufträge zeigen, dass ein erheblicher Teil des Programms schnell aktiviert wird: In vier Ausschreibungen werden konkrete Firmen genannt, die Aufträge erhalten. Diese haben einen Umfang von mindestens 400 Millionen Euro.
Container für die Bundeswehr: Mindestens sieben deutsche Firmen sollen parallel liefern
Die hohen Summen lassen sich wohl dadurch erklären, dass es sich nicht nur um die Lieferung einzelner Container, sondern komplette Leistungspakete handelt. Es umfasst „Errichtung, Betrieb und Rückbau von Containerunterkünften“, wie es in einer Ausschreibung beispielsweise heißt. Und weiter: „Die Containerunterkünfte sollen zum größten Teil autark (Strom, Wärme, Wasser und Abwasser) betrieben werden.“
Mindestens sieben Firmen stehen bereits fest. Darunter sind kleinere Unternehmen wie Feps aus dem Münchner Raum, Fagsi aus der Nähe Hamburg oder Sitelog aus Essen, aber auch das große Bauunternehmen Züblin. Alle bieten die abgefragten Containerlösungen an.

Unklar ist, was mit den provisorischen Unterkünften passiert, sobald der reguläre Ausbau der Kasernen abgeschlossen ist. Möglich ist eine Lagerung für Folgebedarfe. Auch ob es bei den abgerufenen Summen bleibt oder sie weiter steigen, ist derzeit nicht abzusehen.
Ob der geplante reguläre Ausbau der Kasernen zudem ausreichend für den geplanten Truppenaufwuchs ist, ist fraglich: Laut NATO-Vorgaben benötigt die Bundeswehr rund 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten, derzeit sind es laut Verteidigungsministerium 186.200. Eine CORRECTIV-Recherche aus dem vergangenen Jahr zeigte, dass der Bund deutlich mehr Unterkünfte bauen müsste als in den bisherigen Bauprogrammen bisher vorgesehen, um einen solchen Aufwuchs zu stemmen.
Fest steht: Der Kasernenausbau und die provisorischen Container werden die Bundesrepublik in den kommenden Jahren mehrere Milliarden Euro kosten.
Redaktion und Faktencheck: Ulrich Kraetzer