Jetzt im Kino
Ein Krimi über Missbrauch – und Vertuschung. Wir arbeiten den Skandal in der katholischen Kirche auf der großen Leinwand auf.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bringen nächste Woche unseren ersten eigenen Kinofilm heraus. Warum? Worum geht es? Das steht im Thema des Tages.
Außerdem heute bei uns:
- Wir haben das Bundesverteidigungsministerium gebeten, uns die Kurznachrichten nachlesen zu lassen, die zwischen den leitenden Beamten des Hauses und Vertretern von Rüstungsunternehmen ausgetauscht wurden. Denn wir wollen nachvollziehen können, auf welche Weise momentan millionenschwere Aufträge vergeben werden. Doch das Ministerium verweigert die Herausgabe.
- In Gelsenkirchen hat sich eine riesige illegale Mülldeponie ausgebreitet. Unsere Recherche zeigt: Sie dient als Drehkreuz auch für illegale Müllentsorgung an anderen Orten.
Morgen, im Samstags-SPOTLIGHT mit Justus von Daniels, geht es um die Pläne der Bundesregierung, Fördergeld für zivilgesellschaftliche Organisationen zu streichen. Heute beriet darüber auch der Bundestag. In welchem größeren Zusammenhang dies steht, hatten wir diese Woche bereits berichtet.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! Schreiben Sie mir gern, wenn Sie Recherchehinweise haben – oder mir einfach sagen wollen, was Sie gerade besonders umtreibt: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Jetzt im Kino
Der Tag auf einen Blick: Das Wichtigste
Neueste CORRECTIV-Recherchen: Nach CORRECTIV-Rhein-Recherche: Bundespolitiker fordern stärkere Kontrollen der Industrie • Die Müllberge von Gelsenkirchen: Drehkreuz illegaler Entsorgung • Rüstungsdeals per SMS
Fun Facts – der satirische Blick auf die Nachrichtenlage: Die Wahrheit über Friedrich Merz
CORRECTIV Events: Vatikan-Recherche in Kino und Theater
CORRECTIV ganz persönlich: Ich arbeitete zwei Jahre lang am ersten Doku-Kinofilm von CORRECTIV
Grafik des Tages: So viele zivile Opfer forderte der Krieg im Iran bislang
Am kommenden Dienstag feiert unser erster Kinofilm Premiere, und zwar in Essen: Akten des Missbrauchs.
Wenn Sie dabei sein möchten – es gibt noch Tickets – hier entlang.
Darum geht es:
Ein Zufallsfund eröffnet die Spur zu einem geheimen Vatikan-Archiv: Darin lagern Dokumente über unzählbare Verbrechen unter dem Mantel der katholischen Kirche.
Die Geschichte beginnt bei Andreas Perr aus Bayern. Er wurde als Kind von seinem Priester missbraucht. Die Folgen dieser Taten begleiten ihn bis heute. Obwohl die Taten strafrechtlich verjährt sind, sucht Perr nach Wiedergutmachung. Vor Gericht fordert er deshalb Schmerzensgeld vom Erzbistum München und Freising.
Unsere Dokumentation verfolgt die Spuren des Verfahrens, stößt auf einen brisanten Brief des späteren Papst Benedikt XVI. und von dort auf immer mehr interne Schreiben der Kirche, die in ein Netzwerk rund um den Globus führen: in die USA, nach Italien und Portugal, bis nach Kolumbien. Überall zeigt sich ein ähnliches Muster. Vorwürfe gegen Priester werden gemeldet, Berichte verfasst und nach Rom geschickt – doch Konsequenzen bleiben aus oder verzögern sich über Jahre. Täter werden geschützt. Im Mittelpunkt dieser akribischen Erfassung des Missbrauchs: der Vatikan.
In den Archiven des Vatikans lagern bis heute Akten, Briefe und Protokolle des Missbrauchs – Zeugnisse von Verbrechen, Wissen und Entscheidungen. Wie viel wusste die Kirche? Und wer entschied, welcher Täter verfolgt werden sollte, wer unbehelligt bleiben durfte, was verborgen bleibt?
Wir verfolgen das Thema übrigens weiter …
… und Sie können uns bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche unterstützen. Und zwar, indem Sie diesen Aufruf unterschreiben. Mehr als 5.300 Menschen haben schon mitgemacht.
Es geht darum, durch eine Vielzahl von Unterschriften unserer Anfrage an den Vatikan Nachdruck zu verleihen. Er soll die Zahl und die Namen der Missbrauchs-Täter in seinen Reihen öffentlich machen.
Warum bringen wir das Thema ins Kino?
Wenn Sie schon länger den SPOTLIGHT abonniert haben oder unsere Arbeit auf anderen Wegen verfolgen, wissen Sie ja, dass wir bei CORRECTIV versuchen, Journalismus anders zu machen als andere Medien:
Wir verstehen uns als Erfinder und Tüftler, wir probieren immer wieder Neues aus. Wir arbeiten mit Comedians zusammen, um Nachrichten lustig erzählt ins Internet zu bringen, wir lassen die Kunstform der Karikatur wieder hochleben, wir bringen unsere Recherchen auf Theaterbühnen, wir geben Exil-Journalisten ein neues Zuhause, wir machen Journalismus mit und für Jugendliche … und vieles mehr.
Wenn wir Besuchergruppen in unserer Redaktion in Berlin empfangen und ich erklären soll, was CORRECTIV eigentlich alles umfasst (und weshalb wir das alles mit unseren mittlerweile fast 200 Mitarbeitenden machen), dann brauche ich dafür meistens eine ganze Stunde.
Wir probieren all diese neuen Formen aus, weil wir den Anspruch haben, „Recherchen für die Gesellschaft“ zu machen. Und das heißt auch, dass wir versuchen wollen, ein bisschen von der Arroganz abzuwerfen, die Medien allzu oft noch haben: Viele „klassische“ Medienhäuser schreiben nach wie vor einfach nur sehr lange Texte und finden, wer die nicht liest, ist selbst Schuld. Wir finden: Journalismus muss da hin, wo die Leute sind – und er muss sich auf neue Gewohnheiten beim Publikum einstellen. Der Journalismus muss mit seinen Recherchen zu den Leuten kommen, nicht umgekehrt.
Mehr dazu:
Unser Videochef Cem Bozdoğan gibt heute in der Rubrik „Ganz persönlich“ einen Einblick, wie die Arbeit am Kinofilm genau ablief.
Bundesregierung legt Maßnahmenpaket zur Stärkung der Chemieindustrie vor
Mit einem neuen Maßnahmenpaket will die Bundesregierung die kriselnde Chemieindustrie wieder entlasten. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem eine Senkung der Stromkosten und die Entlastung vom aktuellen CO2-Emissionshandel. Bereits in der Vergangenheit hat CORRECTIV über die enge Zusammenarbeit der Bundesregierung mit der Chemieindustrie berichtet.
deutschlandfunk.de / correctiv.org
Österreich einigt sich auf Social Media-Verbot und weniger Lateinunterricht
Die österreichische Koalition hat sich auf ein Social-Media-Verbot mit einer Altersgrenze von 14 Jahren geeinigt. Das Verbot ist an eine Lehrplanreform gekoppelt, die vorsieht, den Lateinunterricht an Schulen zu minimieren und stattdessen mehr Fokus auf Medienkompetenz zu legen.
t-online.de
Bundestag beschließt Reform der privaten Alteresvorsorge
Ab 2027 soll das Nachfolgemodell der Riester-Rente gelten. Es soll höhere Renditen am Kapitalmarkt ermöglichen. Besonders Familien sollen von dem neuen Modell profitieren.
spiegel.de

Neueste CORRECTIV-Recherchen

Die Müllberge von Gelsenkirchen: Drehkreuz illegaler Entsorgung
Vor ein paar Wochen haben wir über eine illegale Deponie in Gelsenkirchen berichtet. Recherchen von CORRECTIV zeigen jetzt: Dort wurde nicht nur abgekippt. Der Standort war auch ein Drehkreuz, um Abfälle andernorts illegal zu beseitigen.
correctiv.org
Rüstungsdeals per SMS? Verteidigungsministerium will Chatverläufe nicht herausgeben
Regierungsangehörige stehen offenbar per Messenger im Austausch mit Rüstungsunternehmern. CORRECTIV möchte entsprechende Chatverläufe einsehen. Doch das Verteidigungsministerium mauert.
correctiv.org
Nach CORRECTIV-Recherche zu unbekannten Stoffen im Rhein: Bundespolitiker fordern stärkere Kontrollen der Industrie
SPD, Grüne und Linke fordern nach Recherchen von CORRECTIV , die chemische Verschmutzung von Umwelt und Gewässern stärker aufzuklären. Die Grünen im Bundestag haben dazu eine kleine Anfrage gestellt.
correctiv.org

In dieser Folge mit Marcant geht es um Xavier Naidoo, Verschwörungsmythen und die Macht großer Tech-Konzerne.
tube.funfacts.de

CORRECTIV Events

„Akten des Missbrauchs“: Offizielle Kino-Premiere, Essen
Am 31. März feiert unser Dokumentarfilm „Akten des Missbrauchs“ Premiere in Essen. Es geht um die systematische Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche – bis in den Vatikan. Und um Menschen, die trotz großer Widerstände nicht aufgeben.
Tickets
Das Schweigen des heiligen Vaters, Köln
Unsere Vatikan-Recherche wird auch zum Theaterstück: Gemeinsam mit dem Schauspielhaus Köln bringen wir die Suche nach dem Geheimarchiv im Vatikan auf die Bühne – und richten die entscheidenden Fragen direkt an den amtierenden Papst Leo XIV. Am 2. April findet die erste Aufführung statt.
Tickets
Aufgedeckt – die Stadt recherchiert, Gelsenkirchen
In unserer dauerhaften Lokalredaktion SPOTLIGHT Gelsenkirchen findet am 2. April eine offene Redaktionskonferenz statt: Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort wollen wir aufdecken, was in Gelsenkirchen nicht gut läuft – und auch, was gut läuft.
Anmeldung

Faktencheck

Eine alte Aufnahme, in der der AfD-Politiker Tino Chrupalla die Briefwahl kritisiert, wird auf Youtube fälschlich in Zusammenhang mit der Landtagswahl in Baden-Württemberg gesetzt. Sie belegt keinen Wahlbetrug.
correctiv.org
Endlich verständlich
Cybermobbing betrifft viele Schülerinnen und Schüler, das ergab kürzlich eine WDR-Umfrage. In Klassenchats, privaten Nachrichten oder den sozialen Netzwerken werden neben Beleidigungen auch strafbare Inhalte ausgetauscht. Unsere Jugendredaktion Salon5 hat mit Juuuport gesprochen. Sie helfen online weiter und bieten kostenlose Beratung durch Jugendliche und Erwachsene an. Wie das genau funktioniert, erfahren Sie im Podcast.
salon5.correctiv.net
So geht’s auch
Mit Hilfe von K-Pop Klimaschutz betreiben; mit Comics den Ruf von Umweltschützern retten; oder mit Segeln der Frachtschifffahrt einen neuen Antrieb verpassen: National Geographic stellt 33 Personen vor, die sich mit Ideen wie diesen für Mensch und Umwelt einsetzen.
nationalgeographic.de
Fundstück
Seit Tagen fieberte die Republik mit einem jungen Buckelwal mit, der auf einer Sandbank in der Ostsee gestrandet war. In der Nacht konnte er sich befreien und muss nun den Weg ins offene Gewässer finden. Dass Buckelwale überhaupt noch in den Weltmeeren unterwegs sind, ist übrigens Umweltschützern zu verdanken. Denn Mitte des 20. Jahrhunderts war die Spezies durch den kommerziellen Walfang vom Aussterben bedroht. Erst durch das Verbot ihrer Bejagung in den 1960ern konnten sich die Bestände erholen. Weitere spannende Buckelwal-Fakten gibt es hier:
greenpeace.at / ardmediathek.de (Video)
Dienstagabend, heftiger Regen im italienischen Castel Gandolfo. Meine Kollegen stehen vor den Toren der päpstlichen Sommerresidenz. Hier können Journalisten und Pilgerer dienstags den Papst treffen. Kameras bereit, Hosen klitschnass, Fragen im Kopf. Und diese eine Unsicherheit: Redet er mit uns? Mehrere Wochen geht das so. Warten, beobachten, den Moment suchen. Denn unser Ziel war nie nur ein schönes Bild – sondern Antworten auf unsere Recherche.
Ich bin Journalist und Filmemacher, bisher vor allem für öffentlich-rechtliche Formate. Seit mehr als zwei Jahren arbeite ich bei CORRECTIV an unserem ersten Doku-Kinofilm. Und schnell wurde mir klar: So habe ich noch nie gearbeitet. Wir haben den Luxus eines festen Teams aus Allround-Talenten. Die gleichen Leute, die in Castel Gandolfo stehen, sitzen nachts im Schnitt, verwerfen Szenen und bauen den Film um.
Die größte Herausforderung für uns war: Der Vatikan lässt sich nicht einfach abbilden. Es ist ein System, das von Abschottung lebt. Doch trotzdem versuchen wir, ihn greifbar zu machen – durch Gespräche mit Menschen, die drin waren, durch akribische Archivarbeit, durch aufwendige 3D-Visualisierungen, die auf diesen Recherchen basieren. Vielleicht nicht perfekt, aber so nah dran, wie es journalistisch geht.
Mein Learning aus diesen zwei Jahren: Wenn Macht sich abschottet, reicht es nicht, einmal anzufragen. Man muss wiederkommen und andere Wege suchen.
Und dann steht man irgendwann bei strömendem Regen vor dem Tor zur Sommerresidenz des Papstes. Ob er stehen bleibt und uns antwortet? Das sehen Sie in unserem Kinofilm, ab dem 31. März in ausgewählten Kinos.

Der Krieg zwischen dem Iran auf der einen und den USA und Israel auf der anderen Seite forderte bereits tausende zivile Opfer – zumeist im Iran und dem Libanon. Wichtig: Angaben zu Opferzahlen in Kriegsgebieten sind notorisch schwierig zu verifizieren, dennoch vermittelt die Grafik des Tages einen Eindruck zu bisherigen Schätzungen.
An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Till Eckert, Samira Joy Frauwallner, Sebastian Haupt, Pamela Kaethner, Ulrich Kraetzer und Jule Scharun.
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