Ende der Großmacht USA?
Die jüngste Entwicklung im Iran zeigt: Trump hat sich mit überzogenen Drohungen verkalkuliert – und letztlich der Handlungsfähigkeit des Westens geschadet.

Liebe Leserinnen und Leser,
gestern Abend hielt die Welt den Atem an: Könnte es sein, dass US-Präsident Trump seine unfassbare Drohung wahr macht, den Iran dem Erdboden gleichzumachen? Mitten in der Nacht dann die Entwarnung, dass es eine vorläufige Einigung gibt – und eine zweiwöchige Waffenruhe.
Was hinter all dem steht und was man aktuell zum Krieg im Iran wissen sollte, steht im Thema des Tages.
Außerdem heute wichtig: Wir berichteten gestern über die höchst umstrittene neue Gesetzesregelung, laut der sich Männer bis 45 Jahre jetzt abmelden müssen, wenn sie das Land länger verlassen wollen – ein heftiger Eingriff in die Grundrechte (auch, wenn das Verteidigungsministerium jetzt zurückrudert und versichert, rein praktisch werde man keine Ausreisegenehmigung brauchen).
Gestern hatten wir in der Redaktionsrunde lange über die Frage diskutiert: Kann es sein, dass unsere Bundestagsabgeordneten nicht richtig aufgepasst haben, als sie der Sache zugestimmt haben? Würden sie heute anders abstimmen? Diese Fragen haben wir jetzt an den kompletten Bundestag geschickt – per E-Mail an alle 630 Abgeordneten. Über den Rücklauf werden wir in den kommenden Tagen berichten.
Was bewegt Sie zur Zeit besonders? Schreiben Sie mir gern: anette.dowideit@correctiv.org.
Thema des Tages: Ende der Großmacht USA?
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Donald Trump hatte in den vergangenen Tagen eine Drohkulisse aufgebaut, die – wieder einmal – die gesamte Welt in Atem hielt:
„Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren.“
Sollte sich der Iran weiter weigern, die für den Öltransport extrem wichtige Wasserstraße von Hormus wieder zu öffnen, so Trump weiter, dann drohe dem Land die „völlige Zerstörung“ – und sein Vizepräsident JD Vance brachte mehr oder weniger verklausuliert ins Spiel, vielleicht könne sogar eine Atombombe auf das Land fallen.

Der aktuelle Stand:
Kurz bevor um zwei Uhr nachts unserer Zeit Trumps Ultimatum ablief, einigten sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe.
In dieser Zeit sollen außerdem Schiffe die Straße von Hormus passieren dürfen. Hier kann man das offizielle Statement des Iran nachlesen (gepostet vom Weißen Haus auf dem Nachrichtendienst X).
Wie es weitergeht:
Der Iran legte zudem einen Zehn-Punkte-Plan vor – mit dem Ziel, für ein dauerhaftes Ende des Krieges zu sorgen.
Was genau drin steht, machte der Iran zunächst nicht öffentlich – laut iranischen Nachrichtenagenturen, die den herrschenden Revolutionsgarden nahestehen, stellten diese vor allem eine Reihe von Forderungen auf. Etwa, dass der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus behalten soll, dass das Land Uran anreichern darf und dass es Entschädigungen für Kriegszerstörungen haben will.
Es müssen aber wohl auch Zugeständnisse in dem Plan enthalten sein, denn Trump schrieb auf seiner eigenen Social-Media-Plattform „Truth Social“, dass der Zehn-Punkte-Plan eine „praktikable Grundlage für Verhandlungen“ biete.
Was hinter den aktuellen Entwicklungen steht:
Trump hat sich durch seine völlig überzogenen Drohungen und seine grenzüberschreitende Rhetorik selbst in eine Lage hinein manövriert, die nun der gesamten westlichen Welt schadet.
Trump selbst und den ihm nahestehenden Beratern muss klar gewesen sein, dass es keine wirklich realistische, machbare oder irgendwie wünschenswerte Option gewesen wäre, ein ganzes Land dem Erdboden gleichzumachen. Denn Trump selbst sieht sich ja als Friedensbringer, dem man eigentlich den Friedensnobelpreis verleihen müsste.
Er muss gewusst haben, dass er mit einem solchen Angriff als jener US-Präsident in die Geschichte eingehen würde, der ohne Not ein ganzes Land zerstört und den Tod unfassbar vieler Menschen verursacht hätte. Also blieb ihm nur noch übrig, sich von der überzogenen Drohkulisse zurückzuziehen und sich nun wieder als Friedensbringer zu inszenieren. Denn Trump geht es ja am Ende vor allem: um Trump.
Weshalb das den Westen schwächt:
Ein Anführer des stärksten Landes der Welt, der so unentschieden ist, der also erst riesige Drohkulissen aufbaut und dann so sehr zurückrudert, schadet der Glaubwürdigkeit der gesamten westlichen Welt.
Der selbstbewusste Zehn-Punkte-Plan des Iran zeigt, dass man sich dort – zumindest Stand jetzt – auf der Gewinnerseite wähnt. Trumps völlig erratisches Vorgehen in Sachen Iran ist somit viel mehr als nur eine kleinkindhafte Trampelei auf der großen weltpolitischen Bühne – es könnte das Ende der USA als Großmacht eingeläutet haben. Bisher konnte sich das Land in seiner Geschichte noch immer mit harten, aber realistischen Drohungen Respekt verschaffen.
Mit diesem Respekt dürfte es zumindest jetzt erst einmal vorbei sein.
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welt.de
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fr.de

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In Brandenburg errichtet eine Dresdner Firma das größte Windrad der Welt. Es liefert mehr als doppelt so viel Energie wie ein herkömmliches Modell mit gleichem Rotordurchmesser. Die Bauweise ist einzigartig und bietet zahlreiche Vorteile – mehr dazu im Video.
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Politische Meinung zum Mitnehmen und Aufkleben – vielleicht muss man sich einfach glücklich schätzen, wenn ein neues Stickerdesign wenigstens ein unterhaltsames Wortspiel nutzt. Wenn nicht: Sticker von Laternen und Stromkästen abreißen ist weniger illegal als Aufkleben.

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