KARA KUTU: Mit Civic-Tech Zensur enthüllen
Eine Initiative von CORRECTIV zu den Aktionstagen der Pressefreiheit.
CORRECTIV launcht die Civic-Tech-Plattform KARA KUTU. Kaum ein anderes Land wie die Türkei zeigt so deutlich, wie systematische Zensur funktioniert – KARA KUTU dient als Blaupause und legt den Fokus auf die türkische Medienlandschaft. Mit Blockchain-Technologie und automatisierten Monitoring-Tools lässt sich flächendeckend dokumentieren, wie Behörden international in die Berichterstattung eingreifen. So wird sichtbar, welche Oligarchen beispielsweise von staatlichen Zensurstellen geschützt oder verfolgt werden, oder welche Inhalte verfremdet, verboten oder erlaubt werden – je nachdem, was den jeweiligen Machthabern nützt. Nicht nur die Zensur selbst wird so erkennbar, sondern auch der Grund für die jeweilige Unterdrückung der Berichterstattung.
Anlässlich der Aktionstage der Pressefreiheit erinnern wir an das Recht auf freie Berichterstattung und an den Schutz von Journalistinnen und Journalisten. KARA KUTU macht dieses Recht technisch durchsetzbar.
Was ist KARA KUTU?
„KARA KUTU“ bedeutet auf Türkisch „Schwarze-Box“ – angelehnt an einen Flugschreiber, der selbst bei schwersten Katastrophen in der Luftfahrt Daten unversehrt sichert, damit die Ursachen für Unglücke ermittelt werden können. KARA KUTU überträgt dieses Prinzip auf den Journalismus: Artikel werden gesichert, Eingriffe registriert und öffentlich sichtbar gemacht. Die Artikel selbst werden für mindestens 200 Jahre in der Blockchain archiviert.
In einem Umfeld, in dem Pressefreiheit unter zunehmendem Druck steht und Online-Inhalte jederzeit gelöscht oder verändert werden können, schafft KARA KUTU damit ein dauerhaftes öffentliches Gedächtnis zunächst für türkische Medien – später auch für Medien in anderen Sprachen. Geplant sind entsprechende „Schwarze-Box“-Archive zunächst für russische und arabische Sprachen.
Technologie im Dienst der Pressefreiheit
KARA KUTU nutzt die Sicherheit der Blockchain, um zu verhindern, dass einmal archivierte Inhalte gelöscht, verändert oder zensiert werden. Die Plattform ist damit nicht nur ein digitales Archiv – sie ist ein Werkzeug des Widerstands gegen das Verschwinden journalistischer Inhalte und ein investigatives Rechercheinstrument über Verbrechen, die Mächtige im Verborgenen halten wollen.
CORRECTIV: Civic Tech im Dienst der Demokratie
KARA KUTU ist eine Initiative von CORRECTIV, dem gemeinnützigen Medienhaus, das sich seit seiner Gründung vor mehr als zehn Jahren für investigativen Journalismus, Faktencheck und Transparenz einsetzt.
Mit KARA KUTU geht CORRECTIV einen neuen Schritt: An dem Projekt können sich alle Interessierten beteiligen. Bürger und Bürgerinnen, Journalisten verschiedener Medien und Organisationen, Wissenschaftler:innen – und alle anderen die sich für freie Medien der sich engagieren möchten. Die Plattform ist gemeinnützig, unabhängig und frei zugänglich.
„Pressefreiheit endet nicht mit dem Veröffentlichen eines Artikels“, sagt Viera Zuborova, Direktorin von CORRECTIV.Exile. „Sie bedeutet auch, dass die veröffentlichten Artikel morgen noch existieren – unverändert, unangetastet, auffindbar.“
Für wen ist KARA KUTU?
Die Plattform richtet sich:
- An Redaktionen, die ihre Berichte dauerhaft und manipulationssicher archivieren möchten.
- An Reporter und Reporterinnen, die herausfinden wollen, wen Zensur schützt und wen sie verfolgt. Beispielsweise in der Berichterstattung über die Epstein-Files, Korruption oder Machtmissbrauch.
- An Forscherinnen und Historiker, die auf zuverlässige Primärquellen, zunächst aus dem türkischen Mediensystem, angewiesen sind.
- An zivilgesellschaftliche Organisationen, die Zensur bekämpfen wollen.
Mitmachen & Warteliste
Wer professionell in den Bereichen Advocacy, Medien oder Wissenschaft tätig ist – oder als Unterstützer oer Unterstützerin zur Entwicklung der Plattform beitragen möchte – ist herzlich eingeladen, sich zu engagieren. KARA KUTU sucht Menschen, die bei der Recherche, der Datenaufbereitung und dem Community-Reporting mitwirken wollen.
Interessierte können sich über den LINK registrieren. Nach erfolgreicher Anmeldung werden sie in einem Onboarding-Prozess strukturiert in die Plattform und ihre Arbeitsweise eingeführt.
KARA KUTU lebt von Spenden
Der Einsatz der Blockchain sowie die Programmierung und der Unterhalt der Plattform KARA KUTU ist kostspielig. CORRECTIV ist auf Spenden angewiesen, um das Projekt zu erweitern.
KARA KUTU ist auf Spenden angewiesen – jeder Beitrag zählt: correctiv.org/spenden