So sehr leidet Ihre Region unter Dürre
Eine Analyse von CORRECTIV.Europe zeigt erstmals, wie flächendeckend Dürre in Europa auftritt: Zwei Drittel der Regionen verzeichneten seit 2012 schwere Dürrejahre. Auch in Deutschland geraten Landwirte in Existenznot.
Das Wichtigste
• Eine Analyse von CORRECTIV.Europe ergibt: Der gesamte europäische Wirtschaftsraum sowie Großbritannien, Nordmazedonien, Albanien und Serbien ist von Dürre betroffen. In zwei Drittel aller Landkreise und Städte gab es von 2012 bis 2026 sehr trockene Jahre.
• Dürre bedroht in Europa den Agrarsektor und die Lebensmittelsicherheit.
• Um die Erderwärmung zu bremsen, will die EU die klimarelevanten Emissionen langfristig senken. Doch die Maßnahmen werden immer weiter geschwächt.
Eine Milchkuh starb an einem Hitzeschlag. Zwölf weitere mussten die Rieckens vorzeitig schlachten. Das war 2018. Eines der gravierendsten Dürrejahre in Deutschland. Bis heute kämpft der Familienbetrieb mit den Folgen.
„Von April bis Oktober blieb der gewohnte Niederschlag aus“, erzählt Felix Riecken. Damals studierte er noch Ökologische Agrarwissenschaftten. Als er seine Arbeit auf dem Familienhof im Spätsommer, in den Semesterferien, wieder aufnahm, erkannte er weder das Gelände noch seine Eltern wieder.
„Alles, was wir Jahr für Jahr als saftig grün kannten, war damals verdorrt; die ganzen Weiden braun“, erinnert sich Riecken. Die Folge: Das Silofutter für das Vieh musste drei Monate eher angebrochen werden als sonst. Ein signifikanter Teil der Milcherträge blieb aus.
Nicht nur der Betrieb der Rieckens hatte zu kämpfen. Die gesamte Region war betroffen. „Das führte wiederum dazu, dass das Futter, das wir zukaufen mussten, nicht nur extrem teuer war, sondern auch konventionell.“ Als Biobetrieb mussten die Eltern dafür eine Sondergenehmigung beantragen.
„Wir haben keinen flächendeckenden Plan B, wenn das Wasser ausbleibt.“
„In Schleswig-Holstein spüren wir tatsächlich im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands Dürre weniger“, sagt Felix Riecken. Doch eben das berge ein großes Risiko. „Wir haben keinen flächendeckenden Plan B, wenn das Wasser ausbleibt.“
Dürre heißt: Über mehrere Wochen fehlt dem Boden die Feuchtigkeit. Die obere Schicht trocknet aus und die Wurzeln der Pflanzen finden zu wenig Wasser. Hält dieser Zustand an, wird die Dürre zum Problem. Nicht nur für die Agrarwirtschaft und deren Erträge. Auch für die Wasserversorgung von Natur und Mensch.
Dürre und Wasserstress
Ausgelöst wird Dürre zwar vor allem durch anhaltenden Niederschlagsmangel und hohe Temperaturen bis hin zu Hitzewellen. Sie hängt aber auch mit anderen Umweltfaktoren zusammen.
Sie tritt nicht nur im Sommer auf, sondern potenziell das ganze Jahr. Milde Winter mit wenig Schnee verschärfen die Lage, weil dann Schmelzwasser fehlt. Doch auch lang anhaltender Frost kann zusätzlich schaden. Denn gefrorene Böden nehmen kaum Wasser auf. Der Klimawandel trägt dazu bei, dass Dürreperioden länger dauern und häufiger auftreten.
Dürre und Wasserstress werden oft verwechselt:
Dürre bezeichnet lange Trockenperioden, in denen Böden, Flüsse und Pflanzen austrocknen. Besonders verheerend ist sie dort, wo es sandige Böden gibt. Diese speichern weniger Wasser als lehmige.
Wasserstress entsteht, wenn mehr Wasser verbraucht wird, als langfristig verfügbar ist. Dürre kann Wasserstress verstärken, aber er kann auch ohne akute Trockenheit auftreten, etwa durch hohen Verbrauch in Städten oder der Industrie.
Beides hat weitreichende Folgen: Ernten fallen geringer aus und Lebensmittel können teurer werden. Wälder werden anfälliger für Schädlinge und Brände. Flüsse führen weniger Wasser. Das belastet die Trinkwasserversorgung, die Schifffahrt, die Industrie und Kraftwerke, denen Kühlwasser fehlt. In Städten steigt die Hitzebelastung. Besonders ältere und kranke Menschen leiden unter langen Trockenphasen. Dürre trifft also Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft.
Fachleute warnen vor einer weiteren Verschärfung der Lage in ganz Europa: „Hitzewellen treten immer häufiger und heftiger auf, und in Südeuropa kommt es infolgedessen zu weit verbreiteten Dürren. Die Gletscher in allen Regionen Europas schmelzen weiter“, heißt es in einem Klimareport von Copernicus aus 2024.
Der Bericht mahnt zudem, dass die Nahrungsmittelproduktion und damit auch die Ernährungssicherheit besser geschützt werden müssten. Die Politik reagiere bislang nicht ausreichend auf Klimarisiken und die notwendigen Maßnahmen blieben aus.
Das Wissen für Maßnahmen ist da, an der Umsetzung hapert es
Der Green Deal der Europäischen Union (EU) von 2019 sollte eine Zeitenwende markieren. Regulierungen der EU sollten nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch andere Sektoren langfristig nachhaltiger gestalten und so Emissionen deutlich senken.
Doch im Laufe der Zeit wurden viele Maßnahmen abgeschwächt. Besonders nach den Bauernprotesten 2024 und mit den Omnibusverfahren wuchsen politische Forderungen, die strikteren Vorgaben zu lockern statt in der Umsetzung anzupassen – vor allem unter dem Einfluss rechter Stimmen.
Omnibusverfahren
Ein Omnibusverfahren ist ein EU-Gesetzgebungsverfahren, bei dem mehrere bestehende Verordnungen gleichzeitig in einem gemeinsamen Paket geändert werden.
Ein Beispiel ist das Omnibus-III-Paket. Es ist Teil der Reformen der Gemeinsamen Agrarpolitik Europas. Es geht um den Umgang mit Umweltauflagen und Klimaanpassung in der Landwirtschaft. Im Fokus stehen unter anderem Dürren, Hitzeperioden und Wasserknappheit.
Die EU setzt dabei auf Lockerungen der Umweltstandards und mehr Flexibilität in der Umsetzung. Eben das kritisieren unter anderem Umweltverbände. Ihrer Ansicht nach führen die weniger strikten und teilweise alltagsfernen Vorschriften dazu, dass Umwelt- und Klimastandards in der Landwirtschaft geschwächt werden könnten, statt Klimaanpassung und langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Währenddessen schreitet der menschengetriebene Klimawandel voran und verändert schon jetzt ganze Regionen Europas. Besonders hart trifft die Entwicklung den Agrarsektor. Er ist einer der größter Wasserverbraucher Europas: Fast 60 Prozent des Bedarfs entfallen auf Ackerbau und Tierhaltung. Mit zunehmender Dürre gerät die Branche, die Millionen Menschen mit Lebensmitteln und Arbeitsplätzen versorgt, zunehmend unter Druck.
Geschätzter wirtschaftlicher Schaden Europas bis 2029 rund 126 Milliarden Euro
Alleine im Jahr 2025 verursachten extreme Wetterereignisse in Europa finanzielle Schäden von mindestens 43 Milliarden Euro. Ursache waren nicht nur Dürren, sondern auch andere Extremereignisse wie die mit der Trockenheit verbundenen Hitzewellen und Überschwemmungen nach Starkregen. Wie hoch der Anteil von Dürren allein war, lässt sich nicht genau beziffern, da in der Regel mehrere Extremwetter- und Klimaereignisse gemeinsam auftreten. Die Europäische Umweltagentur warnt, dass sich die wirtschaftlichen Folgen bis 2029 auf rund 126 Milliarden Euro summieren könnten, wenn der Trend nicht gestoppt wird. Dabei gäbe es Wege, um die Folgen abzumildern
Zentrale Maßnahmen setzen auf Klimaanpassung und Vorsorge. Dazu gehören klimaresiliente Stadt- und Infrastrukturplanung, Flächenentsiegelung und ein besserer natürlicher Wasserrückhalt in Landschaften. Insbesondere in der Landwirtschaft spielen Anpassungen eine zentrale Rolle.
Dürre dauert an und fordert umfassendes Handeln
Europas Landwirtschaft ist vielfältig. Hinzu kommt: Je nach Region und Boden reagieren dieselben Pflanzen unterschiedlich auf Trockenheit. Deshalb lässt sich nicht pauschal feststellen, ab wann eine Dürreperiode kritisch wird. Klar ist, je größer die betroffene Region, desto stärker wird das gesamte Agrarsystem beeinflusst – wie etwa 2018 in Deutschland, als die Folgen der Dürre auch Wirtschaft und Verbrauchende trafen.
Eine wichtige Rolle spielt auch, wann und wo eine Dürre auftritt: Frühjahrstrockenheit etwa beeinträchtigt die sensible Wachstumsphase von Pflanzen und kann Ernten erheblich mindern – selbst wenn die Trockenheit sonst kaum spürbar ist.
Hier kann eine effizientere Bewässerung, trockenheits- und hitzeresistente Sorten sowie eine diversifizierte Fruchtfolge Ernteausfälle reduzieren. Ergänzend trägt Bodenschutz durch reduzierte Bodenbearbeitung, Zwischenfrüchte und Humusaufbau dazu bei, Wasser besser zu speichern. Ein Beispiel ist der Weizenanbau in Südeuropa, wo zunehmend wassersparende Sorten eingesetzt werden.
Ergänzend können entsprechende Frühwarnsysteme für Extremwetter und ein stärkerer Hochwasserschutz sowie finanzielle Sicherheit durch Förderungen und Versicherungen unterstützen, wirtschaftliche Schäden abzufedern und schnell auf Krisen reagieren zu können.
Wie wirksam solche Anpassungsstrategien tatsächlich sind, hängt stark von den regionalen Bedingungen ab.
„Im Gegensatz zu Hagel oder Starkregen tritt Dürre nicht kurzfristig und lokal begrenzt auf. Sie entwickelt sich oft über lange Zeiträume und betrifft oft große Teile der Landwirtschaft gleichzeitig“, erklärt Robert Finger, Professor für Agrarökonomie und Agrarpolitik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.
Das beeinflusse auch die Wirtschaftlichkeit der Betriebe, ergänzt Tobias Dalhaus, Agrarökonom an der Hochschule Rhein-Waal: „Ein diversifizierter Betrieb kann starke Einbußen in einzelnen Kulturen abfedern, während spezialisierte Betriebe oft deutlich größere Schäden tragen müssen.“
Dürre belastet Wirtschaftlichkeit und Ernährungssicherheit
Entscheidend sind nicht nur die Erträge, sondern auch deren Erlös. „Regionale Überschüsse können Preise stark drücken, während bei global gehandelten Kulturen wie Weizen oder Mais vor allem dominante Produktionsregionen und deren Abnehmer die Preise beeinflussen“, sagt Dalhaus.
Gerade Weizen spielt in Europa eine zentrale Rolle. Er ist ein Grundnahrungsmittel, wie in Form von Teigwaren wie Nudeln und Gebäck, aber auch in Tierfutter. Die EU ist einer der größten Weizenexporteure der Welt. Länder wie Frankreich, Deutschland und Polen liefern große Mengen in andere Staaten. Die Produktion sichert Arbeitsplätze in Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel. Ein schlechtes Erntejahr kann so weitreichende Folgen haben. Weizen ist also sowohl für die Wirtschaft als auch für die Ernährungssicherheit von hoher Bedeutung.
Dass ein schlechtes Erntejahr nicht unwahrscheinlich ist, zeigt eine Analyse des Joint Research Centers (JRC). Sie untersucht, wie stark Dürre die Erträge der Landwirtschaft treffen kann, je nach Standort und Klimaszenario. Für Weizen berechnen die Fachleute des JRCs beispielsweise für Griechenland bei einer extremen Dürre einen potenziellen Ertragsverlust von bis zu 50 Prozent.
Die Klimaprognosen sind eindeutig: Dürren und ihre Folgen nehmen signifikant zu – selbst bei 1,5 Grad Erwärmung. „Ohne Anpassungsmaßnahmen könnten die künftigen Ertragsverluste bei Weizen, Gerste und Mais in einigen Regionen Europas je nach dem angenommenen Ausmaß der Erwärmung zwei- bis dreimal so hoch ausfallen wie unter den derzeitigen Bedingungen“, sagt Lauro Rossi, Programmleiter der Forschungseinrichtung Fondazione CIMA und einer der Autoren der Dürre-Daten von Copernicus.
„Es gibt kein Patentrezept gegen solche Extreme oder den Klimawandel“, sagt Rossi. Da jede Region Europas unterschiedliche Voraussetzungen habe, müssten Maßnahmen lokal angepasst und verschiedene Ansätze langfristig ausgelegt sowie kombiniert werden.
Maßnahmen und Versicherungen bauen zu wenig aufeinander auf
Nur die Kombination aus Anpassung, Vielfalt und entsprechenden Versicherungen könnten die Risiken tatsächlich abmildern, sagt Agrarökonom Finger. Allerdings seien „Versicherungen gegen Dürre zwar möglich, aber oft teuer und komplex, auch weil meist viele Betriebe einer Region gleichzeitig betroffen sind.“
Auch der Agrarökonom Tobias Dalhaus sieht Probleme im bisherigen System: „Idealerweise greift eine Versicherung erst dann, wenn Betriebe zuvor alle möglichen Schutzmaßnahmen ausgeschöpft haben.“
In der Praxis sei das jedoch oft anders. Zwar könnten Dürreversicherungen ein gutes Risikomanagement belohnen, etwa durch angepasste Beiträge. Bislang bekommen Betriebe bei Ernteverlusten durch Extremwetter oft staatliche Entschädigung. Das führt laut Dalhaus dazu, dass viele Betriebe kaum Anreize hätten, selbst vorzusorgen. Hinzu komme ein weiteres Problem: Risikomanagement spiele in der landwirtschaftlichen Ausbildung bislang kaum eine Rolle.
„Fehlt das Handwerkszeug, werden resilientere Maßnahmen langsamer umgesetzt, obwohl sie für Lebensmittelsicherheit und wirtschaftliche Stabilität im Sektor entscheidend sind“, fasst Dahlhaus zusammen. Am Ende seien die Betriebe primär auf sich gestellt.
Die Rieckens sind kein Einzelfall: In mehreren europäischen Ländern führt die anhaltende Trockenheit schon seit Jahren zu erheblichen Ernteausfällen und wirtschaftlichen Verlusten.
Zwar war auch der Biohof der Familie Rieckens in Schleswig-Holstein versichert, „doch gegen das wahre Ausmaß der Folgen von Klimaextremen gibt es für die Landwirtschaft real keine Versicherung – insbesondere bei Dürre.“ Am Ende war die Rettung für ihren Hof, dass die Jahre nach 2018 in der Region etwas milder ausfielen. So konnte der Betrieb eigenständig Maßnahmen ergreifen – die jedoch fortlaufend extrem teuer seien.
Agroforst als Klimaprävention
Felix Riecken beobachtete, dass sich die Natur als erstes entlang der Wallhecke erholt; ein Gehölzstreifen aus Bäumen und Sträuchern am Rande von Feldern und Heiden. Sie bieten nicht nur Lebensraum für viele Lebewesen, sondern schützen das umliegende Gelände ein Stück weit vor starken Witterungen. Wallhecken haben eine Bremsfunktion und mildern die Wirkung von Extremen wie Dürre oder Starkregen ab; gleichzeitig wird Feuchtigkeit wie in einem Schwamm gespeichert.
Das gab Rieckens den Anreiz, den gesamten Betrieb auf Agroforst umzustellen. Dabei haben sie sich unter anderem vom Deutschen Fachverband für Agroforstwirtschaft sowie weiteren Fachleuten aus Wissenschaft und Praxis beraten lassen.
Agroforst ist ein Landnutzungssystem, das Bäume und Sträucher mit Ackerkulturen oder Tierhaltung auf ein und derselben Fläche kombiniert. Felix Riecken erklärt es als „einen Kapitalaufbau der Ökosysteme, der langfristig auf Klimaresilienz ausgerichtet ist.“ Doch Ergebnisse zeigen sich erst nach Jahren und hängen von der allgemeinen Klimaentwicklung ab.

Auf dem Land der Rieckens existieren inzwischen fünf Agroforstsysteme. „Das hat einen Haufen Arbeit sowie finanzielle Kapazitäten gekostet“, sagt Rieckens. „Für uns bedeutet das, dass unser Unternehmen ständig an der Grenze ist.“ Das ginge nur, weil sie als Familienbetrieb zusammen hielten – und sie sich über viele Jahre eine etablierte Vermarktung und treue Kundschaft aufgebaut hätten. Letztere komme nicht nur regelmäßig in den Hofladen, sondern sogar mit aufs Feld, wenn wieder eine neue Wallhecke angelegt wird.
Der Schaden, den wir als Betrieb und Familie davon getragen haben, ist im derzeitigen System nicht kompensierbar.
Insgesamt schätzt Felix Riecken den finanziellen Schaden von 2018 auf bis zu 150.000 Euro. Als Katastrophenhilfszahlung hätte der Betrieb etwa 17.000 Euro erhalten. Das stehe weder im Verhältnis zum finanziellen Verlust noch zu den Arbeitsstunden, die zusätzlich draufgingen – geschweige denn zu den nicht in Geld messbaren Folgen, die das Jahr brachte.
Auch die EU-Subventionen für die Landwirtschaft seien für die Rieckens keine spürbare Hilfe. Obwohl sie inzwischen auch darüber Förderung für ihre Agroforst-Systeme beziehen. Aktuell erhalten Betriebe für einen Hektar Gehölzfläche 600 Euro. „Das bedeutet, dass wir von unseren 20 Hektar Agroforstsystem nur für einen guten halben Hektar Förderung bekommen“, erklärt Felix Riecken. „Jährlich sind das gerade etwas mehr als 300 Euro für die gesamte Gehölzfläche, in die wir aber insgesamt 130.000 Euro gesteckt haben.“
„Wir in der Landwirtschaft tragen zwar eine Mitverantwortung“, sagt Riecken. „Mit einer entsprechenden Bewirtschaftung können wir große und vor allem umfassende Nachhaltigkeitsleistungen erbringen.“ Doch damit das flächendeckend möglich sei, bräuchten die Betriebe jedoch entsprechende finanzielle Ressourcen, die sie nicht alleine stemmen könnten. „Und am Ende auch die Anerkennung des Wertes dieser Leistung. Nicht nur in der Politik, sondern auch in der Gesellschaft – und zwar über das Ökonomische hinaus.“
Felix Riecken resümiert: „Zwar hat sich durch die regenerative Landwirtschaft unser Ländereien weitgehend erholt, doch unsere Herde ist noch nicht wieder auf dem Stand von vor der Dürre in 2018.“ Er betont den nachhaltigen Schaden, den das Ökosystem genommen habe. Zwar hätten sie einen Plan, wie es weitergehe, doch noch immer keine zufriedenstellende wirtschaftliche Stabilität erreicht. Auch der mentale Stress und die Existenzangst seien geblieben. „Der Schaden, den wir als Betrieb und Familie davon getragen haben, ist im derzeitigen System nicht kompensierbar.“
Methodik
Dieser Atlas zeigt die Anzahl der Dürretage zwischen 2012 und 2026 für den EWR, das Vereinigte Königreich, Nordmazedonien, Albanien, Serbien.
CORRECTIV.Europe berechnete Jahresmittelwerte sowie die Jahre mit den trockensten Bedingungen. Diese Analyse basiert auf Daten von Copernicus. Dort werden lokale Dürrebedingungen alle 10 Tage mit einer räumlichen Auflösung von etwa 5 Quadratkilometern erhoben.
Wenn die Messwerte für Niederschlag und Bodenfeuchte ungewöhnlich niedrig sind, gilt das als Warnzustand. Der Atlas bezeichnet dies als „Warnung: Moderate Dürre“. Wenn Satellitenbilder zusätzlich zeigen, dass Pflanzen unter Dürrestress leiden, gilt das als Alarmzustand. Der Atlas bezeichnet dies als „Alarm: Akute Dürre“.
Limitation: Beide Indikatoren basieren auf Abweichungen von langfristigen Durchschnittswerten. Seit Jahrzehnten trockene Regionen stechen deshalb in den Daten nicht zwingend stärker hervor. (Vollständige Methodik der Copernicus-Rohdaten.)
Text und Recherche: Lilith Grull, Frida Thurm
Datenarbeit: Johannes Gille, Ada Homolova
Redaktion: Till Eckert, Marius Münstermann
Faktencheck: Marius Münstermann, Rose Mintzer-Sweeney
Design: Mostafa Negm, Maximilian Bornmann
CORRECTIV im Postfach
Lesen Sie von Macht und Missbrauch. Aber auch von Menschen und Momenten, die zeigen, dass wir es als Gesellschaft besser können. Täglich im CORRECTIV Spotlight.
Mit der Anmeldung willigen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten gemäß unserer Datenschutzerklärung ein.

