Luxusyacht gekauft? Kreml-Medien und AfD-Politiker Krah verbreiten Fake zu EU-Kredit für Ukraine
Die Frau des ukrainischen Verteidigungsministers Mykola Fedorow habe sich dank eines EU-Milliarden-Kredits eine Superyacht gegönnt. Das behaupten Pro-Kreml-Aktivistinnen, russische Staatsmedien und der AfD-Abgeordnete Maximilian Krah. Aber die Geschichte ist erfunden.
„Die 90 Mrd Euro sind gut in Kiew angekommen!“, schreibt der AfD-Abgeordnete Maximilian Krah in einem X-Beitrag vom 1. Mai. Gemeint ist wohl ein angekündigter EU-Kredit für die Ukraine. Die Ehefrau des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow sei Eigentümerin der Superyacht „Tankoa S501 Vertige“, die 26 Millionen Euro gekostet habe und in Frankreich registriert sei, so Krah. Er beendet den Beitrag, der mehr als 300.000 Aufrufe hat, mit „Danke, Merz!“, und einem Foto, das offenbar das Ehepaar vor der Yacht zeigen soll. Auch die prorussische Influencerin Alina Lipp verbreitete die Behauptung von Krah auf X weiter.
In anderen Beiträgen wird ein angeblicher Beleg mitgeliefert: Ein französisches Dokument, laut dem Fedorowa Eigentümerin der Yacht ist.
Aber die Behauptung ist erfunden, das Foto und das Dokument sind Fälschungen. Auf eine Anfrage antwortete uns Krah nicht.

Neben Lipp und Krah verbreiteten auch russische Staatsmedien wie TASS und Ria Novosti die Falschbehauptung und beriefen sich dabei auf angebliche anonyme Quellen aus dem russischen Sicherheitsapparat. Auch polnische prorussische Profile verbreiteten die Fakes.
Der erste Beitrag mit der Behauptung, den wir finden konnten, stammt von dem Telegram-Kanal „Ordkriminal“ und wurde bereits am 29. April veröffentlicht. Inzwischen ist er gelöscht. Auch das angebliche Belegdokument wurde dort offenbar zum ersten Mal geteilt. Der Betreiber des Kanals antwortete bis zur Veröffentlichung nicht auf eine Anfrage per E-Mail.
„Tankoa S501 Vertige“: Yacht wird weiterhin zum Verkauf angeboten, Eigentümerdokument ist fake
Eine Google-Suche zeigt: Die „Superyacht“, von der Krah schreibt, gibt es, allerdings wird sie auf mehreren Webseiten weiterhin zum Kauf angeboten. Eine Maklerfirma bestätigte gegenüber dem ZDF Anfang Mai 2026, dass das Schiff weiter zum Verkauf stehe.
Laut der Schiffsdatenbank Equasis gehört die Yacht seit 2017 dem Unternehmen Centralease. Die Eigentümerdaten wurden zudem laut Equasis zuletzt am 12. Mai 2026 überprüft, sind also seit Jahren unverändert.

Laut des Dokuments, das den Kauf belegen soll, soll die Yacht seit April 2026 zur Hälfte Fedorowa gehören und zur Hälfte Centralease. Die Echtheit solcher Registrierungsdokumente kann man auf einer Webseite des französischen Meeresministeriums überprüfen. Die Nummern aus dem Dokument führen dort jedoch zu einer Fehlermeldung: Die Registrierungsnummer sei ungültig.

Foto von Ehepaar vor Superyacht ist manipuliert
Auch das von Krah geteilte Foto, das das Ehepaar vor der Yacht zeigen soll, ist eine Fälschung. Die beiden wurden in das Bild montiert. Die Originalaufnahme taucht in einem Medienbericht von 2024 auf – sie zeigt die beiden in genau derselben Position vor einer mit Graffiti besprühten Mauer und nicht vor einer Yacht.

Das Schiff, das im Hintergrund des manipulierten Bildes zu sehen ist, unterscheidet sich zudem von der „Vestige“: Die Geländer sehen anders aus, ein ganzes Stockwerk und Verglasung am Heck fehlen.

EU-Kommission: Auszahlungen des Ukraine-Hilfskredits haben noch nicht begonnen
Dass die Yacht von dem EU-Kredit für die Ukraine bezahlt wurde, ist außerdem gar nicht möglich. Anders als von Krah behauptet, sind die 90 Milliarden Euro nicht „gut in Kiew angekommen“. Die 90 Milliarden Euro sind ein zinsfreies Darlehen für die Ukraine, das der EU-Rat im April finalisiert hat. Wie eine Sprecherin der EU-Kommission uns auf Nachfrage erklärte, hätten die Auszahlungen des Kredits noch nicht begonnen (Stand 20. Mai 2026).
Redigatur: Steffen Kutzner, Sarah Thust