„Wir wollen die Welt verändern“: Jens Spahn nahm mehrmals an Treffen des geheimen Thiel-Netzwerkes teil
Ein Datenleck zeigt die Namen hinter dem seit 20 Jahren stillschweigend agierenden „Dialog“-Netzwerk des Tech-Milliardärs Peter Thiel. Der Unionsfraktionsvorsitzende Spahn besuchte seit 2018 fünf Treffen.
Der Unions-Fraktionsvorsitzende und frühere Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren fünfmal an einem Format der „Dialog“-Organisation von US-Investor Peter Thiel teilgenommen. Das bestätigte ein Sprecher von Spahn auf CORRECTIV-Anfrage.
Der Sprecher schreibt, die Teilnahme sei in „unregelmäßigen Abständen“ erfolgt, und zwar 2018 in Irland, 2019 in Italien, 2022 in Portugal, 2023 in Spanien und 2024 in Deutschland. Das nächste Treffen soll laut einem Bericht des US-Mediums Wired im August 2026 in Irland stattfinden. Der Sprecher bestätigte auf CORRECTIV-Anfrage die Einladung zu dem Treffen im August dieses Jahres. Spahn habe aber abgesagt und werde nicht teilnehmen.
Ein Datenleck hat nun Informationen zu dem geheim agierenden Netzwerk um den Tech-Milliardär Peter Thiel offengelegt. Er ist dem MAGA-Lager von US-Präsident Donald Trump zuzuordnen. In dem sogenannten „Dialog“-Netzwerk versammeln sich internationale Größen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Militär und Wissenschaft, um über die Entwicklung der Welt zu sprechen.

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Mitgliedschaften und Teilnahmen an Netzwerktreffen wurden seit 20 Jahren geheimgehalten, berichtet das US-Magazin Wired.
Geheimes Dialog-Netz von Peter Thiel: Jens Spahn bestätigt fünf Teilnahmen
Wie stark Spahn mit dem Thiel-Netzwerk verbunden ist, bleibt weitgehend offen: Der CDU-Fraktionsvorsitzende geht auf CORRECTIV-Anfrage nicht auf eine mögliche Mitgliedschaft in der „Dialog“-Organisation ein. Sein Pressesprecher teilt lediglich mit: „Herrn Thiel ist Herr Spahn im Rahmen des Dialog-Formats nie begegnet, den Begriff ‘Dialog-Society’ kennt Herr Spahn nicht.“
Eine frühere CORRECTIV-Recherche legte bereits offen, dass Spahn enge Kontakte zu Personen mit Nähe zu Donald Trump unterhält. Etwa zu Multi-Investor Christian Angermayer. Dieser investiert häufig gemeinsam mit Thiel. Zum Beispiel bei den „enhanced games“, eine Sportveranstaltung, die an die Olympischen Spiele angelegt ist, bei der aber der Einsatz von Doping erlaubt ist. Spahn und Angermayer wiederum feierten schon einige rauschende Feste zusammen. Der in Deutschland geborene Investor hat auch mehrfach an die CDU gespendet.
Wer ist Peter Thiel?
Der in Deutschland geborene Peter Thiel gilt als Schlüsselfigur in der US-Politik und der internationalen Tech-Branche. Er begründete die Bezahlsoftware „Paypal“ mit und erlangte darüber Reichtum und Bekanntheit. Seit Jahren nutzt Thiel seinen Einfluss auch in der Politik. Als Geldgeber finanziert er etwa das vielfach kritisierte Software-Unternehmen Palantir. Thiel gilt als rechter Vernetzer, steht nah an der Seite von Donald Trump und dessen MAGA-Lager und wird von Kritikern als elitärer Demokratie-Feind gesehen. Thiel sagte selbst einmal: „Ich glaube nicht länger, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar sind.“
Fragen dazu beantwortet Spahn stets sehr knapp. Die Daten hatte zuerst die Schweizer Hacktivistin Maria Arson Crimew offen gelegt. Sie machte in der Vergangenheit etwa Daten der Firma für Sicherheitskameras, Verkada, oder eine Flugverbots-Liste der USA öffentlich. Crimew gibt an, sie habe über den Quelltext der „Dialog“-Homepage die Namen einsehen können. Wie genau die „Dialog“-Organisation von Thiel aufgebaut ist, bleibt unklar. Die Hacktivistin schreibt auf Bluesky: „Es ist sehr schwer Informationen darüber zu bekommen, wie diese Organisation funktioniert.“
Crimews Liste umfasst 113 Namen mutmaßlicher Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Neben Spahn finden sich darin unter anderem Tesla-Boss Elon Musk, der US-Republikaner Ted Cruz, die Vize-Präsidentin der EU-Kommission Kaja Kallas, Youtube-Chef Neal Mohan, Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, aber auch der US-Schauspieler Joseph Gordon-Levitt und der Autor Ezra Klein sowie diverse Politiker und Unternehmenschefs aus den USA.
Wired liegt nach eigenen Angaben eine Anmeldeliste einer weiteren Quelle für das kommende „Dialog“-Treffen im August vor, auf der 222 Personen namentlich erwähnt werden und der Mitgliedsstatus sowie die Teilnehmerkategorie der Personen vermerkt sind – dazu zählen die Kategorien „aktives Mitglied“ und „Gast“.
„Dialog“-Netzwerk: Gesprächsrunden zu Sekten, Sex und dem Dritten Weltkrieg
Wired schreibt auch, worüber sich die Teilnehmenden beim diesjährigen „Dialog“-Treffen unterhalten wollen. So lauten einige Gesprächsrunden etwa „Atomkraft wieder einführen“, „Den Dritten Weltkrieg meistern“, „Eine Sekte gründen“ oder auch „Wie läuft’s in Ihrem Sexleben?“.
Wie weit verzweigt das Netzwerk ist, zeigt sich auch in den „Epstein Files“: In der von der US-Regierung veröffentlichten Datenbank ist auch eine Einladung zum „Dialog“-Treffen 2014 enthalten. In der Mail-Einladung wird auch klar, wie sich das Netzwerk selbst sieht:
„Die Teilnehmer des Dialogs sind nicht bescheiden. Wir wollen die Welt verändern. Aber wir wollen unsere Zeit nicht damit verbringen, in einem großen Publikum langatmigen Reden zuzuhören. Es gibt keine Redner. Keine Podiumsdiskussionen. Alle Teilnehmer nehmen an moderierten Diskussionen in kleinen Gruppen teil. Und wir beschränken die Diskussion auf nur 150 globale Führungskräfte, die bereits jetzt etwas bewirken können, sowie auf aufstrebende Führungskräfte, die dabei helfen können, die von uns entwickelten Pläne umzusetzen.“
Selbstbeschreibung des „Dialog“-Netzwerks in einer Einladung 2012
Wie das Umsetzen von Plänen auch abseits von Gesprächen aussehen könnte, berichtete das US-Medium Axios im August 2025: Demnach plante das „Dialog“-Netzwerk, einen eigenen Campus in einem Vorort von Washington D.C. zu bauen. Das Zentrum sollte demnach fester Vernetzungsort für die „Dialog“-Teilnehmer werden. Zumindest für 2026 gibt es offenbar noch kein solches Zentrum.
Peter Thiel ist als Tech-Investor bekannt geworden. Neben Investitionen bei Paypal ist er mit dem Software-Unternehmen Palantir auch eine Größe in der Sicherheitsbranche. Laut Wired versprach „Dialog“ seinen Teilnehmern, dass Daten aus Fragebögen „niemals“ geteilt würden. Das hat das Datenleck nun geändert.
Redaktion: Elena Müller
Faktencheck: Elena Müller
Kommunikation: Katharina Roche, Nadine Winter
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