Gefälschte DDR-Zeitzeugen: Straßenumfragen sind KI-generiert
In der DDR war alles besser? Hunderttausende sehen auf Tiktok ältere Menschen, die angeblich vom Leben in der DDR berichten. Typische Bildfehler zeigen aber, dass sie künstlich erstellt wurden.
Faktensammlung
Der Tiktok-Kanal „DDR.Geschichten“ veröffentlicht zahlreiche Videos, in denen ältere Menschen in Straßeninterviews die DDR meist positiv bewerten. Sie sprechen unter anderem über sichere Arbeitsplätze, gesellschaftlichen Zusammenhalt und betonen, dass es trotz materieller Knappheit „gereicht habe“ – im Gegensatz zur heutigen Zeit.
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Die viralsten Videos erreichen hunderttausende Aufrufe. In den Kommentaren drücken viele Mitgefühl oder Zustimmung aus. Einzelne vermuten jedoch, dass die Videos mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden.
Die Videos zeigen visuelle Auffälligkeiten, die auf KI-Generierung hinweisen: In einem geht eine Person im Hintergrund durch eine geschlossene Schiebetür. Ein anderes zeigt einen Einkaufswagen, der scheinbar von alleine fährt. In einem weiteren Clip bewegt sich ein loser Faden an der Jacke der interviewten Person ungewöhnlich stark, während die Haare nahezu unbewegt bleiben.
In mehreren Videos sind die Einkaufswagen ungewöhnlich regelmäßig, eng und nahezu identisch angeordnet, was ebenfalls auf künstlich erzeugte Bildinhalte hindeuten kann.
Einzelne Videos auf dem Kanal kennzeichnet Tiktok automatisch als „KI-generiert“ (siehe Link 1), bei anderen fehlt dieser Hinweis (siehe Link 2). Auf unsere Frage, wie die Unterschiede bei der Kennzeichnung zu erklären sind, antwortete Tiktok nicht.
Wir bekamen nur allgemein die Antwort, dass Nutzer nach den Community-Richtlinien dazu verpflichtet seien, KI-generierte oder erheblich bearbeitete Inhalte, die realistisch wirkende Szenen oder Personen zeigen, selbst zu kennzeichnen. Tiktok erkenne auch solche Inhalte und kennzeichne sie automatisch. Wie unsere Recherche zeigt, hat das im Fall der DDR-Videos aber nicht zuverlässig funktioniert. Nach unserer Anfrage tauchte der Hinweis „KI-generiert“ aber auch bei Videos des Kanals auf, bei denen er vorher fehlte.
In der Kanalbeschreibung von „DDR.Geschichten“ gibt es keinen Hinweis auf den Einsatz von KI. Stattdessen steht dort: „Hier sind Geschichten von Menschen aus der DDR”, was suggeriert, dass echte Interviewszenen gezeigt werden. Auf Anfrage äußerte sich der Kanalbetreiber nicht dazu, wie die Videos entstanden sind.
Kontext: Die Aussagen in den Videos sind überwiegend persönliche Meinungen und Erinnerungen. Es ist möglich, dass reale Personen ähnliche Ansichten über das Leben in der DDR vertreten. Werden jedoch massenhaft KI-Inhalte mit angeblichen Zeitzeugen verbreitet, kann dies künstlich den Eindruck verstärken, diese Sichtweise sei besonders weit verbreitet.
KI-generierte Straßeninterviews sind auf Tiktok weit verbreitet, wie eine ZDF-Recherche vom Juli 2025 zeigt. Sie erreichen teilweise Millionen Menschen und schüren Ressentiments. Manche dieser Videos stellen etwa Schwarze und Migranten als Kriminelle dar oder bedienen rassistische Stereotype. Im November 2025 verbreitete sich ein KI-Clip, in dem eine Familie angeblich berichtet, 6.000 Euro Sozialhilfe zu erhalten. Darunter gab es viele wütende Kommentare – unser Faktencheck zeigte aber, dass das Video nicht echt ist.
Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Anna Süß; Redigatur: Viktor Marinov
