Neue Zahlen zu Drogentoten: Toxischer Mischkonsum gerade bei jungen Menschen
Zwei Studien zu Drogen zeigen einen Anstieg beim Konsum von Opioiden. Eine Anfrage von CORRECTIV und SPIEGEL ergibt, dass bei einem Drittel der Drogentoten unter 30 Jahren auch opioidhaltige Medikamente festgestellt wurden.
Anfang Juli stellte Hendrik Streeck, der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, auf einer Pressekonferenz in Berlin die Zahlen der Drogentoten für das Jahr 2025 vor. Demnach starben 2.150 Menschen an den Folgen von Drogenkonsum. Die Zahl bleibt damit auf dem Rekordniveau der vergangenen Jahre.
CORRECTIV und Spiegel haben abgefragt, in wie vielen Fällen opioidhaltige Drogen – das sind sehr starke Schmerzmittel – mitursächlich für den Tod sein könnten. Laut Geschäftsstelle des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen war dies 284 mal der Fall.
Ein alarmierender Aspekt: Gerade bei jungen Betroffenen spielen opioidhaltige Medikamente eine große Rolle. Generell sind die Todesfälle unter 30 Jahren seit 2021 von 346 auf 528 gestiegen, bei den unter 20-Jährigen hat sich die Zahl seit 2021 nahezu verdoppelt, von 54 auf 106. Fast jeder vierte Drogentote ist heute also jünger als 30 Jahre.
Bei 148 der insgesamt 528 gestorbenen Menschen unter 30 Jahren wurden opioidhaltige Medikamente wie etwa Oxycodon oder Tilidin festgestellt. Das haben CORRECTIV und Spiegel beim Institut für Therapieforschung (IFT) erfragt. Das Institut hat für das Bundeskriminalamt die Daten ausgewertet, die Hendrik Streeck vorgestellt hatte. In nahezu allen Fällen ging es um Mischkonsum, bei dem opioidhaltige Medikamente nicht todesursächlich seien, aber in der Kombination gefährlich.
Mischkonsum ein Grund für steigende Todesfälle
Als ein Grund für diesen drastischen Anstieg in der jüngeren Generation nennt Streeck auch den Konsum von Medikamenten – meist nicht todesursächlich, aber in Kombination mit illegalen Drogen und Alkohol gefährlich. Das mache den Konsum zunehmend riskanter, ebenso wie gefälschte Medikamente: Tabletten, die aussehen wie bekannte Präparate, aber gefälscht und mit hochpotenten synthetischen Opioiden gestreckt sind.
Die Dunkelziffer der Drogentoten bleibt weiterhin hoch: Ob bei einem Todesfall überhaupt eine toxikologische Untersuchung durchgeführt wird, ist von Fall zu Fall unterschiedlich und hängt unter anderem stark vom Bundesland ab. Außerdem werden bei den Landeskriminalämtern nicht immer explizit die Substanzen angegeben, die der Grund für den Tod sein könnten, zum Teil werden sie unter sehr allgemeinen Kategorien zusammengefasst.
Weitere Studie fragt Opioid-Konsum ab
Auch eine weitere Studie, die im Juni vorgestellt wurde, gibt neue Einblicke in das Problem mit opioidhaltigen Schmerzmitteln. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit hat erstmals in seiner Drogenaffinitätsstudie gezielt den Konsum von unterschiedlichen Drogen abgefragt. Die repräsentative Studie wird seit 1973 regelmäßig durchgeführt. Unter „Opioide“ fiel dabei bislang ausschließlich der Konsum von Heroin. Im Austausch mit Experten wurde die Befragung 2025 um opioidhaltige Schmerzmittel wie Fentanyl, Tramadol und Tilidin erweitert.
Die Zahlen der Betroffenen sind gestiegen. 2023 gaben noch 0,4 Prozent der 18- bis 25-Jährigen an, schon einmal in ihrem Leben Opioide konsumiert zu haben. 2025 waren es unter der erweiterten Fragestellung 3,7 Prozent. Darüber hinaus gaben 9,9 Prozent der jungen Männer und 5,1 Prozent der jungen Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren an, bereits Opioide angeboten bekommen zu haben.
Ob es tatsächlich ein steigender Opioidkonsum unter jungen Menschen ist oder der Anstieg auf die erweiterte Fragestellung in der Befragung zurückzuführen ist, kann Anika Nitzsche, Referentin im Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, noch nicht sagen. Das lasse sich erst mit weiteren Befragungen in den kommenden Jahren klären. Zudem sei die Frage nach Opioiden nur als grober Indikator zu verstehen, da die einzelnen Opioide nicht getrennt erfasst würden. Es gäbe auch noch andere Opioide wie Oxycodon, die bei der Studie nicht speziell abgefragt wurden.
Umfrage: Was konsumiert Du?
CORRECTIV und Spiegel recherchieren zur Zeit gemeinsam zu einem Lagebild über den Konsum und die Verbreitung von synthetischen Drogen in Deutschland. Abgefragt wird, wer opioidhaltige Schmerzmittel und Benzodiazepine konsumiert, wie leicht sie sich über das Netz oder auf Telegram bestellen und liefern lassen und wie sie hergestellt werden. Über eine Umfrage können sich auch Eltern, Jugendliche, Ärztinnen und Therapeuten melden und von Erfahrungen aus dem Umfeld berichten. Über 2000 Menschen haben sich bisher beteiligt. Eine Jugendliche schreibt, dass sie im Januar 2026 ihren Freund verloren hat, er sei an Oxycodon gestorben. Eine Mutter berichtet, wie sie ihren Sohn durch Mischkonsum verlor. Es sind Geschichten wie diese, die hinter den Zahlen stehen.
Wenn Sie selbst oder Angehörige von Sucht betroffen sind, finden Sie vertrauliche und wohnortnahe Hilfsangebote über die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

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Redaktion: Elena Kolb, Justus von Daniels
Faktencheck: Elena Kolb
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