Ist Merz doch Feminist?

Im umgebauten Führungsteam der CDU geben Frauen den Ton mit an. Hat der Kanzler wohl ein Defizit bemerkt?

Teaser Bild des CORRECTIV Spotlight Newsletters

Hier finden Sie unseren neuen Podcast „Was zählt“, der das Wichtigste des Tages für Sie jetzt auch zum Hören aufbereitet. Er ist auch auf  Spotify, Amazon MusicDeezer und Apple Podcasts abrufbar.

Autor Bild Anette Dowideit

Liebe Leserinnen (und natürlich auch liebe Leser),

Spahn weg – und auf einmal geben zwei Frauen im Führungsteam der CDU den Ton mit an: Die bisherige Gesundheitsministerin Nina Warken wird Kanzleramtsministerin – und die bislang eher unbekannte Bundesschatzmeisterin der Partei, Franziska Hoppermann, die neue Generalsekretärin.

Was ist denn da in der altehrwürdigen CDU los? Ist Bundeskanzler Friedrich Merz zum Feministen avanciert? Und wird die CDU jetzt womöglich zum Ort der Gleichberechtigung? Darum geht es im Thema des Tages.

Dieses von Markus Söder gepostete Foto ging im Februar vergangenen Jahres viral – aber nicht auf gute Weise: Hier hätten die Unions-Spitzen über die wichtigen Themen beraten, schrieb Söder dazu. Quelle: Markus Söder/Instagram.

Und jetzt noch eine Sache, die mir sehr wichtig ist, bevor ich mich in den Urlaub aufmache. Ich denke schon lange darüber nach: Weshalb schaffen wir es in Deutschland nicht, vernünftig über Migration zu diskutieren? 

Es ist doch so: Die Diskussion wird immer nur aufgeheizt und vergiftet geführt, egal, ob es um angeblich zunehmende Gewalt durch Migranten im Schwimmbad geht – oder darum, ob ukrainische Geflüchtete „zu viele“ Sozialleistungen bekommen. Rechts im politischen Spektrum werden Herausforderungen durch Migration massiv aufgebauscht. Und Linke scheuen sich häufig, zu benennen, dass es überhaupt Herausforderungen gibt – aus Angst, dann als Rassisten zu gelten.

Ich finde, das geht so nicht weiter. Deshalb habe ich ein Buch in unserem CORRECTIV-Buchverlag geschrieben: „Ich bin doch kein Rassist, aber …“. Es geht darum: Wo gibt es statistisch gesehen wirklich Probleme? Wie gehen wir damit um? Und wem nützt es, dass das Thema so populistisch aufgebauscht wird? Es erscheint Ende August – hier können Sie es schon vorbestellen.

Schreiben Sie Ihre Gedanken und Recherchehinweise in meiner Abwesenheit an: spotlight@correctiv.org.

Thema des Tages: Ist Merz doch Feminist?

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Er selbst sieht sich als Kämpfer für die Frauenrechte, Stichwort: Stadtbild – „Fragen Sie doch mal Ihre Töchter, was ich damit gemeint haben könnte!“ Merz betont zudem stets, Frauenexperte zu sein. Schließlich sei er selbst mit einer verheiratet und so weiter. Zur Frage, wie viel Feminismus in Merz steckt, empfehle ich Ihnen diesen Podcast des WDR: Darin streitet die CDU-Politikerin Serap Güler sehr unterhaltsam mit der Rapperin Mariybu über eben diese Frage.

Genau hineinschauen können wir natürlich nicht, was sich in den letzten Tagen in der CDU zugetragen hat. 

Es lassen sich aber ein paar Dinge erahnen:
Ende vergangener Woche, als Jens Spahn als Unions-Fraktionsvorsitzender schon taumelte, da waren es die Frauen, die ihm einen starken Tritt versetzten: Aus verschiedenen Ecken des Landes kamen diese Tritte, unter anderem von der Thüringer Frauen Union, von der Frauen Union der CSU, und dann auch von der Frauen Union ins Spahns Heimat-Bundesland NRW.

Sie alle forderten den Rücktritt Spahns – wegen seiner Doppelmoral. Also weil er als Mann sich etwas herausnahm, das in DER ureigensten Frauendomäne liegt, dem Kinderkriegen. Da war viel Empörung – da schwang aber auch mit, dass es Zeit für einen Akt der Selbstermächtigung sein könnte: Frauen an die Macht.

Zumindest das Ergebnis wirkt, als ob es funktioniert hätte:
Nina Warken ist die Bundesvorsitzende der Frauen Union – und wird nun als erste Frau in der Geschichte der Bundesrepublik Kanzleramtsministerin. 

Bald unsere Kanzleramtsministerin: Nina Warken. Quelle: Nina Warken/ Tobias Koch.

(Zwischenanmerkung: Während ich diesen Text hier tippe, versucht die Autokorrektur stetig, aus dem Wort „Kanzleramtsministerin“ das Wort „Kanzleramtsminister“ zu machen, so überrascht ist das Computerprogramm.)

(Zweite Zwischenanmerkung: Falls Sie sich fragen, weshalb Kanzleramtsministerin in der internen Kabinetts-Hackordnung „besser“ ist als Gesundheitsministerin – genau weiß ich es auch nicht, aber der Posten der Gesundheitsministerin wurde irgendwie schon immer als Einsteiger- und Trostpreis betrachtet – dazu gleich noch mehr.)

Es gibt auch noch Verstärkung:
Besonders macht die Kabinetts-Umbildung, dass Warken nicht – wie damals Angela Merkel als Kanzlerin – einsam an der (Fast-) Spitze steht. Auch eine zweite Frau bekommt nun ein Spitzenamt, nämlich die oben schon erwähnte Franziska Hoppermann.

Franziska Hoppermann findet man im Bildarchiv bislang fast nur am Rande von Aufnahmen wie diesem – neben den gutgelaunten Männern Merz und Linnemann. Das dürfte sich jetzt ändern. Quelle: Picture Alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Intern ist sie schon jetzt eine recht wichtige Figur: Als Bundesschatzmeisterin war sie fürs Geld zuständig. Jetzt soll Hoppermann aber Generalsekretärin werden, also Nachfolgerin von Carsten Linnemann, dem allseits beliebten CDU-Politiker mit dem Motto: „Einfach mal machen!“ (Er betreibt sogar einen Podcast mit diesem Titel). Der wiederum wird jetzt: Gesundheitsminister. Und soll so mal eben das Großprojekt Gesundheitsreform weiterführen.

Wie schon gesagt, in der Bundesregierung gilt das trotzdem immer nur als Junior-Posten. Wer dagegen das Kanzleramt lenkt, bestimmt: Wer wird zu welchen wichtigen internen Planungstreffen eingeladen? 

Mit seinem Podcast „Einfach mal machen!“ war Carsten Linnemann auf Wahlkampftour. Jetzt soll er das Mammutprojekt Gesundheitsreform einfach mal machen. Quelle: Picture Alliance / Chris Emil Janßen | Chris Emil Janssen.

Ach ja, und ein anderer Mann verliert offenbar seinen Posten, und zwar Verkehrsminister Patrick Schnieder. Das ist jener Mann, bei dem sich die Fluggesellschaften erfolgreich wünschen durften, dass das klimaschädliche Fliegen wieder viel mehr werden müsse – wie CORRECTIV hier berichtete.

Herrscht also bei der CDU jetzt also bald Gleichberechtigung?
Wir haben heute die Frauen Union gefragt: Halten Sie die aktuellen Personalentscheidungen für einen feministischen Schritt der Merz-Regierung? 

Waldbrände in Europa
An verschiedenen Orten in Südeuropa brennen die Wälder. Die Brände geraten zum Teil außer Kontrolle. Spanien hat deswegen einen „Notstand nationaler Tragweite“ ausgerufen. Zum ersten Mal gilt dieser Notstand wegen eines Waldbrandes. Zugleich brachte Frankreich zehntausende Menschen in Sicherheit und bittet die EU um Hilfe im Kampf gegen die Flammen.
tagesschau.de 

Erfolg für afghanische Familie vor dem Bundesverfassungsgericht
Eine Mutter klagte mit ihren minderjährigen Kindern erfolgreich gegen den Aufnahmestopp von Menschen aus Afghanistan. Das Bundesverfassungsgericht stellte fest: Die Bundesregierung darf Aufnahmeprogramme nicht pauschal einstellen. Die Fälle müssen einzeln geprüft werden und dabei die Belange der Betroffenen berücksichtigen. Die Klägerin kam 2021 nach Deutschland, da sie in Afghanistan wegen ihres gesellschaftlichen Engagements die Machtübernahme der Taliban fürchtete.
welt.de

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Ein Muezzin ruft in einer Moschee in Bordeaux, Frankreich, zum Gebet auf – in Dänemark eine Seltenheit (Quelle: Philippe Lissac / Picture Alliance / Godong)

So geht’s auch
Hier sind EU-Bürgerinnen und -Bürger gefragt: Sie können über die Neugestaltung der Euro-Banknoten abstimmen. Die Oberthemen, an denen sich das Design orientiert, werden voraussichtlich die „Europäische Kultur“ und „Flüsse und Vögel“ sein. Bis Ende 2026 soll die endgültige Entscheidung über die Gestaltung der Scheine getroffen werden. Die Entwicklung und Herstellung wird jedoch dauern. Erst in einigen Jahren werden die neuen Noten in Umlauf gehen. 
ecb.europa.eu 

Fundstück
Donald Trump ließ diese Webseite abschalten, nun ist sie wieder online: Bei Climate.us teilen Fachleute wichtige Daten zum Klimawandel mit der Gesellschaft. Bevor die Trump-Regierung die Finanzierung strich, nutzten Millionen Menschen das Portal jährlich, um kostenlos Klimadaten, Karten und Grafiken abzurufen. Jetzt ist es zurück – als gemeinnützige Organisation und finanziert durch Spenden. 
utopia.de


So sehr ich diese Träumereien meist belächle, so ernst nehme ich diesen Wandel, insbesondere im Bereich der politischen Kommunikation. „Parteien müssen heute Produktionsstudios für digitalen Content sein, mit KI geht die Erstellung massenhafter Bild- und Videoinhalte schnell und ressourcensparend“, so formuliert es Johannes Hillje, der 2021 den Bundestagswahlkampf der Grünen beriet. 

Schnell und ressourcensparend, okay. Doch zum Schutz vor Desinformationen und generativem Nonsens braucht es klare Regeln für Transparenz und Überprüfung KI-generierter Inhalte, ein Wunsch den viele in der Bevölkerung teilen. Eine Recherche meiner Kollegen zur KI-Nutzung der AfD zeigt: Gesellschaftlich erwarten uns hier noch große Herausforderungen, speziell dann, wenn sich der Rechtsrahmen zur Kontrolle dieser Inhalte noch im Aufbau befindet. 

An der heutigen Ausgabe haben mitgewirkt: Karolin Arnold, Till Eckert, Sebastian Haupt, Lea Messerschmidt und Elena Müller.