Ausbruch von IS-Terroristen in Syrien: Bundesregierung wappnet sich für Einreiseversuche nach Deutschland
Terroristen-Rückkehr nach Deutschland soll durch Einträge in Fahndungssysteme verhindert werden. Die Grünen werfen der Bundesregierung vor, die Dschihadisten nicht schon vorher kontrolliert nach Deutschland geholt zu haben. Nun gebe es ein „Sicherheitsrisiko“.
Nach dem Ausbruch von einstigen Kämpfern der Terrormiliz „Islamischer Staat“ aus einem syrischen Gefangenenlager bereitet sich die Bundesregierung auf mögliche Einreiseversuche entkommener Dschihadisten mit Deutschland-Bezug vor. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte CORRECTIV, die aktuelle Situation werde „von deutschen wie ausländischen Sicherheitsbehörden intensiv beobachtet und analysiert“.
Bei Anhaltspunkten für eine mögliche Gefährdung für Deutschland, etwa durch mögliche „Reisebewegungen“, würden umgehend Maßnahmen zur Gefahrenabwehr umgesetzt. „Dazu können beispielsweise auch entsprechende Ausschreibungen (in polizeilichen Fahndungssystemen, Anm. d. Red.) gehören, die eine legale bzw. unerkannte Einreise in den Schengenraum verhindern“, sagte die Sprecherin.
Der Ausbruch ereignete sich laut Medienberichten am Dienstag im Zuge der Kämpfe zwischen der Armee der syrischen Übergangsregierung und der Kurden-Miliz Syrische Demokratische Kräfte (SDF). Laut syrischem Innenministerium entkamen aus dem Gefangenenlager Schaddadi im Nordosten Syriens rund 120 Gefangene. Eine kurdische Nachrichtenplattform berichtete sogar von 1.500 geflohenen einstigen IS-Kämpfer.
Kriegsparteien in Syrien beschuldigen sich gegenseitig
Laut syrischen Regierungsstellen wurden 81 Flüchtige aufgespürt und wieder gefangen genommen. Die Kriegsparteien beschuldigen sich gegenseitig, für den Ausbruch verantwortlich zu sein. Überprüfen lassen sich die Angaben derzeit nicht.
Die einstigen IS-Kämpfer waren inhaftiert worden, nachdem der IS seine zwischenzeitliche Stellung als Territorialmacht in der Region ab Mitte der 2010er Jahre verloren hatte. Nach Informationen deutscher Sicherheitsbehörden befanden sich unter den gefangenen IS-Kämpfern auch etwa 40 Dschihadisten, die einst aus Deutschland ausgereist waren (Stand November 2025). Einige stehen im Verdacht, Kriegsverbrechen verübt zu haben. Ob einige von ihnen unter den nun ausgebrochenen Dschihadisten sind, ist unklar.
Sicherheitsexperten hatten wiederholt vor den Gefahren durch IS-Rückkehrer gewarnt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz teilte im Oktober auf CORRECTIV-Anfrage mit: „Diese Personen können nach einer etwaigen Rückkehr aufgrund ihrer Ideologisierung und/ oder Kampferfahrungen ein erhöhtes Risiko für die Sicherheit Deutschlands und Europas darstellen.“
Experten warnten schon vor Monaten vor Sicherheitsrisiken
Beobachter wie der Terrorismus-Experte Peter Neumann oder die Leiterin der Berliner Deradikalisierungsstelle Grüner Vogel, Claudia Dantschke, hatten angesichts dieser Gefahr und aufgrund der instabilen Lage in Syrien wiederholt gefordert, die deutschen Kämpfer in einem geordneten Verfahren zurückzuholen, um sie in Deutschland vor Gericht stellen und deradikalisieren zu können.
Die grüne Bundestagsabgeordnete Lamya Kaddor erneuerte diese Kritik: „Nun ist eingetreten, wovor wir die BR (Bundesregierung, Anm. d. Red.) seit Monaten warnen“, schrieb Kaddor am Dienstag in einem Eintrag auf der Plattform X. „Statt deutsche Gefangene zurückzuholen und hier sicher zu inhaftieren, hat die Bundesregierung Verantwortung verweigert und das Sicherheitsrisiko in Kauf genommen.“
Die Bundesregierung hatte bereits im Herbst vergangenen Jahres in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linke darauf verwiesen, seit 2019 knapp 30 deutsche Frauen, sowie 85 Kinder aus Syrien konsularisch betreut und nach Deutschland zurückgeholt zu haben. Die Rückkehr von zwölf weiteren Frauen und 25 weiteren Kindern sei vom Bundeskriminalamt begleitet worden.
Die Regierung teilte damals aber auch mit: „Gegenwärtig plant die Bundesregierung keine (weitere) Repatriierung deutscher Staatsangehöriger aus Syrien oder Irak.“
Mittlerweile häufen sich (noch unbestätigte) Berichte, dass einstige IS-Kämpfer auch aus anderen Gefangenenlagern im Nordosten Syriens ausgebrochen sein könnten. Auch diese Informationen lassen sich derzeit nicht verifizieren.
Redigat und Faktencheck: Sebastian Haupt, Martin Böhmer