Mafia

Späte Vergeltung

Der Laudani-Clan war eine der mächtigen Cosa-Nostra-Familien auf Sizilien. Jetzt haben italienische Ermittler in einer groß angelegten Operation 109 mutmaßliche Clan-Mitglieder festgenommen

von Margherita Bettoni

© Carabinieri Catania

September 1993. Eine Autobombe mit 30 Kilogramm Sprengstoff explodiert vor der Carabinieri-Kaserne in Gravina auf Sizilien. Vier Polizisten werden verletzt.

März 1994. Zwei Killer erschießen den Polizist Luigi Bodenza, 50. Er hatte gerade Feierabend gemacht.

November 1995. Sechs Schüsse töten in Catania den Anwalt Serafino Famà, als er mit einem Kollegen spazieren geht.

Hinter diesen blutigen Ereignissen in der Provinz Catania steckt immer die gleiche Cosa-Nostra-Familie: der Clan Laudani.

In Rahmen einer großen Anti-Mafia-Operation hat die Polizei am Mittwoch 109 mutmaßliche Clan-Mitglieder verhaftet. Ihnen wird unter anderem Zugehörigkeit zur Mafia vorgeworfen, Erpressung, Drogenhandel und illegaler Waffenbesitz. Mehr als 500 Polizisten waren an der Operation „Vicerè“ (Vizekönig) beteiligt. Die Festnahmen erfolgten gleichzeitig auf Sizilien, in anderen Regionen Italiens und im europäischen Ausland. Auch drei Frauen wurden verhaftet. Sie sollen eine wichtige Rolle innerhalb des Clans gespielt haben. Insbesondere sollen sie sich um Geldwäsche gekümmert haben.

Die Ermittlungen, die zu den Festnahmen geführt haben, sollen sich über Jahre hingezogen haben und basierten, zumindest in der Anfangsphase, auf den Aussagen eines Enkels des Familienchefs – dem einzigen Kronzeuge innerhalb der Familie. 

Der Clan, der angeblich mit der kalabrischen Mafia kooperiert, hatte offenbar gute Kontakte zu Anwälten und Polizisten. 

Der Clan soll sein Vermögen vor allem mit Erpressung erzielt haben. Bei den Festnahmen wurde unter anderem eine Liste von Unternehmen und Läden beschlagnahmt, die dem Clan Schutzgeld gezahlt haben sollen, zwischen 3.000 und 15.000 Euro jährlich. Die Einnahmen soll der Clan über Strohmänner in Unternehmen investiert haben.