Spendengerichte

Kuriose Spenden von der Justiz

Richterliche Unabhängigkeit. Damit rechtfertigen Gerichte, dass Richter nach Lust und Laune Geld an Vereine verteilen. Einziges Kriterium ist die Gemeinnützigkeit. Das kann kuriose und fragwürdige Ausmaße annehmen. Eine kleine Sammlung.

von Tania Röttger

Auch die Deutsche Gesellschaft für Mauersegler bekommt Geld von der Justiz.© Collage von Ivo Mayr

Städel Museum

Das private Frankfurter Städel Museum ist eines der angesehensten Museen in Deutschland. In den Jahren 2015 und 2016 gaben hessische Richter und Staatsanwälte 57.900 Euro an die Stiftung Städelsches Kunstinstitut, die auch die städtische Skulpturensammlung im Liebieghaus betreut. So subventionieren Richter und Staatsanwälte Restaurierungen und neue Kunstwerke.

Weilburger Ruderverein

In den vergangenen zehn Jahren erhielt der Ruderverein in der kleinen hessischen Stadt Weilburg 45.000 Euro von hessischen Gerichten. Allein 2013 waren es 9.550 Euro. Deutlich weniger bekam in dem Jahr etwa die Notfallseelsorge Weilburg: lediglich 250 Euro. Doch der Geldsegen für die Ruderer ist inzwischen vorbei, seit 2013 erhielt der Ruderverein nur noch jeweils 1.000 Euro zugeteilt. Rudertrainer Hans Werner Bruchmeier bestätigt den Geldsegen. Warum die Richter seinen Verein so stark gefördert haben, wisse er allerdings nicht.

Schweriner Yacht-Club

Auch in Mecklenburg-Vorpommern gibt es Richter, die das Bootfahren fördern. Im Jahr 2015 bekam der Schweriner Yacht-Club 4.000 Euro. Eine Anfrage nach der Verwendung des Geldes blieb unbeantwortet.

Chemnitz: Musik und Theater

Die Richter am Landgericht Chemnitz sind offensichtlich Theater- und Musikliebhaber: In den Jahren 2015 und 2016 gaben sie dem städtischen Theater insgesamt 97.250 Euro. 2015 bekam es die vierthöchste Spende in Sachsen. Seit 2007 konnte sich das Theater über eine Förderung von mehr als 450.000 Euro freuen. Der Förderverein der örtlichen Musikschule erhielt 2015 und 2016 knapp 40.000 Euro. Und der Chemnitzer Jazzclub fast 20.000 Euro. Das Sächsische Sinfonieorchester in Chemnitz bekam hingegen weniger, nämlich nur 1.280 Euro.

Förderverein Goethe-Gymnasium Schwerin

Ein Richter unterstützte Musik an einer Schule. Das Schweriner Amtsgericht gab dem Förderverein des Schweriner Goethe-Gymnasiums im Jahr 2015 genau 52.500 Euro – das ist mit Abstand der höchste Betrag, den ein Gericht in Mecklenburg-Vorpommern einem Verein im gesamten Jahr 2015 zuwies. Mit dem Geld sollte ein Konzertflügel angeschafft werden.

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Die Deutsche Gesellschaft für Mauersegler

Mauersegler sind Vögel, die aussehen wie Schwalben. Die Gesellschaft für Mauersegler betreibt in Frankfurt eine Klinik, in der sie verletzte Tiere aus Deutschland und dem Ausland behandelt. Nach Angaben des Vereins fast 12.000 der Vögel in den vergangenen 24 Jahren. In den Jahren 2015 und 2016 bekam der Verein insgesamt 52.520 Euro aus Hessen, darunter eine Einzelspende von 50.000 von einem Frankfurter Gericht. 

Eine Sprecherin des Vereins sagte nach Veröffentlichung dieses Artikels, dass der Verein ehrenamtlich arbeite und auf Spenden angewiesen sei. 

Katzen und Hunde

Auch die beiden beliebten Haustiere bekommen Spenden von der Justiz. Die Staatsanwaltschaft Rostock gab im Jahr 2016 die höchste Einzelspende an den Hundesportverein Mecklenburg-Vorpommern: 10.750 Euro. Ein weiteres Gericht spendete dem Verein noch einmal 2.100 Euro. Die Oldenburger Katzenhilfe erhielt von einem Gericht 1.250 Euro.

Aktualisierung vom 5. Februar 2018: Wir haben den Abschnitt über den Mauersegler-Verein mit einer Stellungnahme des Vereins ergänzt. Zudem haben wir korrigiert, dass die Organisation betterplace.org nicht den Verein als solches, sondern nur die Spendenmöglichkeit von ihrer Seite entfernt hat.

Aktualisierung vom 26. Februar 2018: Wir haben den Abschnitt über den Mauersegler-Verein mit Angaben des Vereins aktualisiert und die Passage zu betterplace.org entfernt, da der Verein dort kein Profil mehr hat.

Aktualisierung vom 04.09. 2018: Wir haben den Abschnitt über den Weilburger Ruderverein geändert. Das hessische Justizministerium wies darauf hin, dass die Spenden nach eigener Recherche nicht vom Amtsgericht Weilburg kamen, sondern aus verschiedenen Gerichten oder Staatsanwaltschaften in Hessen.

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