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Markus Grill im Nachtcafe

CORRECTIV-Chefredakteur Markus Grill neben Janine Künemund von einer Flüchtlingsinitiative aus Sachsen-Anhalt © SWR Pressestelle

Neue Rechte

AfD: Die Partei der enttäuschten Männer

„Rücksichtlos und verroht – Zivilgesellschaft unter Druck?“ Unter diesem Titel diskutierte das SWR-Nachtcafé über den Wahlerfolg der AfD und darüber, wie sich das politische und gesellschaftliche Klima in unserem Land in den letzten zwölf Monaten verändert hat. Unter den Talkgästen ist auch CORRECTIV-Chefredakteur Markus Grill. Wer aber sind die Anhänger der AfD?

von Matthias Bolsinger

Hier der Link zur Nachtcafe-Sendung in der Mediathek

Arbeiter und Arbeitslose

In Sachsen-Anhalt haben am vergangenen Sonntag 24,2 Prozent der Wähler die AfD gewählt. Unter den Erwerbslosen lag ihr Anteil mit 37 Prozent aber noch deutlich höher.

In Baden-Württemberg kam die AfD auf 15,1 Prozent aller Stimmen, bei den Arbeitern aber kam sie auf 30 Prozent und bei Arbeitslosen sogar 32 Prozent. 

Auch in Rheinland-Pfalz, wo die AfD auf mehr als 12 Prozent kam, sammelte sie überdurchschnittlich viele Stimmen bei Arbeitern und Arbeitslosen.

Trotz einer wachsenden Wirtschaft sind die Reallöhne nach der Jahrtausendwende eingebrochen, erst seit kurzem steigen sie wieder an, Arm und Reich driften auseinander. Viele nehmen den politischen Eliten die Wohlstands-Versprechen nicht mehr ab. „Bei Arbeitslosen und Arbeitern ist die Verachtung und Frustration über die etablierte Politik groß“, sagt Robert Pausch vom Göttinger Institut für Demokratieforschung.

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Tatsächlich gibt die übergroße Mehrheit der AfD-Wählerschaft an, mit dem Funktionieren der Demokratie nicht zufrieden zu sein. Rund zwei Drittel machten ihr Kreuz bei der AfD aus Enttäuschung über die anderen Parteien.

Das Paradoxe: Wird die Politik der AfD umgesetzt, so wie sie in dem nun gekannt gewordenen Programmentwurf der AfD skizziert ist, bedeutet das materielle Verschlechterungen vor alle für Arbeiter und einfache Beschäftigte.

Gebildete und Ungebildete

Nicht nur Menschen mit niedriger, sondern auch mit hoher Bildung haben die AfD gewählt. In Rheinland-Pfalz sind die Anteile beider Gruppen nahezu gleich groß. Die AfD ist nicht nur eine Partei für Abgehängte und Verlierer. „Gebildete AfD-Wähler haben Angst vor dem Abstieg. Sie sind in der Gesellschaft nicht ganz unten, fürchten aber, nach unten abzurutschen“, erklärt Pausch.

Viele Männer, wenig Frauen

Bei keiner anderen Partei beeinflusste die Geschlechtszugehörigkeit die Wahlentscheidung so sehr wie bei der AfD. Erhebungen von infratest-dimap zeigen: Vorwiegend Männer wählen die Rechtspopulisten. Das zeigte sich besonders in Sachsen-Anhalt. Dort haben 27 Prozent aller Männer AfD gewählt, bei den Frauen lag der Anteil bei 18 Prozent. „Der Grund dafür ist nicht endgültig geklärt“, sagt Pausch. „Ich vermute, dass die brachiale Rhetorik und die Freund-Feind-Logik bei Männern eher verfängt.“ Carsten Koschmieder, Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin, glaubt: „Männern fällt es leichter, eine tabuisierte Partei zu wählen.“

Eher Junge als Alte

Die AfD punktet in fast allen Altersgruppen. Die stärksten Zustimmungsraten finden sich aber nicht bei den Erstwählern, sondern bei den 25- bis 44-Jährigen. Unter den über 60-Jährigen hingegen schneidet die Partei unterdurchschnittlich ab. „Bei Rentnern funktionieren noch die Integrationsmechanismen der Volksparteien. Anders als bei jüngeren Menschen wirken hier noch die langfristigen Parteibindungen“, sagt Pausch.

© Ivo Mayr

Sparkassen

Musterländle der faulen Kredite

Die Sparkassen in Baden-Württemberg haben den höchsten Anteil an Krediten, die nicht pünktlich zurück gezahlt werden. Das zeigt eine Auswertung aller deutschen Sparkassen, die CORRECTIV und die FAZ erstmalig erstellt haben. Der Sparkassenverband im Ländle verteidigt sich: das Kreditrisiko könne man unterschiedlich bewerten.

von Hanno Mußler , Matthias Bolsinger , Jonathan Sachse , Simon Wörpel

Die Recherche erscheint gleichzeitig in der „FAZ“ in der „Berliner Morgenpost“ und in der „Badischen Zeitung“.

Die Kunden der Sparkassen zahlen ihre Kredite im Schnitt gewissenhafter zurück als die Kunden anderer Banken. So lag der Anteil so genannter fauler Kredite im Jahr 2014 bei 1,62 Prozent. Als „faule Kredite“ werden in der Bankenwelt meist jene Kredite bezeichnet, bei denen die Schuldner mit der Rückzahlung einer Rate mehr als 90 Tage im Verzug sind. Mit ihren 1,62 Prozent fauler Kredite stehen die Sparkassen bundesweit gut da. Blickt man auf alle Banken in Deutschland lag diese Quote im Jahr 2014 nach Angaben der Bundesbank bei 2,34 Prozent.

Doch ausgerechnet zwischen den zwei reichsten Bundesländer klafft die Schere am größten: In Bayern drohen nur 0,68 Prozent der Kredite zu platzen – bundesweit der Spitzenplatz. Anders in Baden-Württemberg: Dort liegt der durchschnittliche Anteil fauler Kredite mehr als dreimal so hoch bei 2,34 Prozent. Das ist zwar nicht höher als bei allen Banken im Schnitt, aber innerhalb der Sparkassenwelt ein negativer Spitzenwert – und das ausgerechnet im Ländle, das mit seiner hohen Wirtschaftskraft und niedrigen Arbeitslosigkeit ähnlich gut dasteht wie Bayern.

Das Recherchezentrum CORRECTIV und die FAZ haben zum ersten Mal die faulen Kredite für alle 409 Sparkassen in Deutschland ausgewertet. Alle Ergebnisse findet Ihr auf dieser interaktiven Karte.

Hat eine Bank viele faule Kredite, ist das ein Indiz dafür, dass sie bei der Kreditvergabe ein hohes Risiko eingeht. Unter den zehn Sparkassen mit den bundesweit höchsten Quoten der so genannten „Non-Performing-Loans“ (NPL-Quote) liegen drei Sparkassen in Baden-Württemberg. Mit 7,84 Prozent führt die badische Sparkasse St. Blasien die Negativtabelle an (siehe Grafik). Unter den zehn Sparkassen mit der niedrigsten Quote liegen neun in Bayern.

Sparkasse Anzahl Vorstände Gesamtbezüge Durchschnittliches Vorstandsgehalt
Kreissparkasse Köln 5.0 3.521.400 € 704.280 €
Sparkasse Münsterland Ost 4.0 2.224.000 € 556.000 €
Sparkasse Aachen 5.0 2.724.000 € 544.800 €
Sparkasse Essen 4.0 2.086.900 € 521.725 €
Stadtsparkasse Wuppertal 3.0 1.557.000 € 519.000 €
Sparkasse KölnBonn 5.0 2.563.800 € 512.760 €
Sparkasse Bochum 3.0 1.513.000 € 504.333 €
Stadtsparkasse Dortmund 4.0 1.988.000 € 497.000 €
Stadtsparkasse Düsseldorf 3.92 1.909.232 € 487.048 €
Sparkasse Krefeld 3.0 1.349.040 € 449.680 €

Offenlegungsberichte der Sparkassen 2014

Was sagen uns diese großen Unterschiede?

Eine hohe NPL-Quote könne auf besondere Vorsicht hinweisen, rechtfertigt Stephan Schorn, Sprecher des Baden-Württembergischen Sparkassesenverbandes auf Anfrage den schlechten Befund. Die Institute in Baden-Württemberg seien gut aufgestellt. „Ein Kreditinstitut kann eine ganz niedrige NPL-Quote haben, weil man dort nur die absolut zwingend vorgeschriebenen Wertberichtigungen bildet.“ Für mehr fehle vielleicht das Kapital. 

Mit seiner Aussage rückt Schorn jene Bundesländer in den Fokus, deren Sparkassen auffällig niedrige NPL-Quoten haben. Zum Beispiel Bayern. Drücken die Bayern also eher mal ein Auge zu, bevor sie einen Kredit als „notleidend“ einstufen? Diesen Vorwurf wiederum möchte der bayerische Landesverband auf Anfrage nicht kommentieren.

Sparkassen nutzen Spielräume bei der Kreditbewertung

Dabei sind die regionalen Sparkassenverbände die richtigen Ansprechpartner für Fragen nach der Kreditbewertung. Denn bei ihnen sind die Prüfungsstellen angesiedelt, die die Bilanzen der Sparkassen testieren. Bei der Bewertung von Krediten gibt es nach dem Handelsgesetzbuch Spielräume, die von jedem Unternehmen genutzt werden. Aber diese Bewertungsspielräume sind begrenzt und wirken in beide Richtungen. So kann eine kapitalschwache Sparkasse ein Stück weit Abschreibungen auf heute schon wacklige Kredite auf spätere Jahre verschieben. Und es kann umgekehrt eine Sparkasse  in einem Jahr, in dem ihre Geschäfte richtig gut laufen, eher mehr faule Kredite ausweisen und so den steuerpflichtigen Jahresgewinn drücken.

Potrait von Hans-Peter Burghof

Hans-Peter Burghof

hat Zahlen über faule Kredite geprüft, die CORRECTIV und FAZ zusammengetragen haben.

Universität Hohenheim

„Wer viel abschreibt, muss den Aufsichtsgremien nicht zu viel Gewinn vor die Nase halten“, sagt Hans-Peter Burghof, der an der Uni Hohenheim den Lehrstuhl für Bankwirtschaft leitet. Am Ende eines Jahres entscheiden die Städte und Gemeinden als Träger der Sparkassen darüber, wie viel vom Gewinn an die Kommune fließt. Je weniger Gewinn eine Sparkasse macht, desto weniger muss sie abgeben.

„Die NPL-Quote ist eine wichtige Information“, sagt Burghof. Für ihn sei aber immer der Kontext wichtig. Man sollte nicht nur die NPL-Quote anschauen. Mit seinen Mitarbeitern hat Burghof die von uns recherchierten Daten überprüft, bevor wir sie dann interpretiert haben. Burghof sagt: „Eine gute Bank tut sich leichter einen Kredit als riskant einzustufen als eine Bank, die schon Probleme hat. Problematisch wird aber eine hohe NPL-Quote, wenn die Sparkasse gleichzeitig eine geringe Ertragskraft hat.“

Alarmierende NPL-Quote bei der Sparkasse Schönau-Todtnau

Genau damit kämpft die Sparkasse Schönau-Todtnau im Schwarzwald. Sie hat faule Unternehmenskredite von sieben Prozent in ihren Büchern. Jeder zehnte Privatkredit droht zu platzen. Aber die kleine Sparkasse ist nicht nur sehr großes Risiko mit ihren Krediten eingegangen, sie macht auch kaum noch Gewinn. Zuletzt betrug er gerade einmal 708.050 Euro, bei einer Bilanzsumme von 329 Millionen Euro. So gering war der Überschuss, dass die Träger der Sparkasse davon keinen einzigen Euro bekamen.

Dazu kommt, dass Schönau-Todtnau für schlechte Zeiten kaum gerüstet scheint. Die Gesamtkapitalquote betrug nur 11,03 Prozent. Die Quote liegt gerade einmal drei Prozentpunkte über der durch Basel III geforderten Mindestquote von 8 Prozent. Ein Tiefst-Wert unter den Sparkassen. Im Jahr 2014 lag die Gesamtkapitalquote bei durchschnittlich 16,6 Prozent. Die Sparkasse Schönau-Todtnau wollte die eigene Situation auf Anfrage nicht kommentieren.

Gesundes Risiko bei der Kreissparkasse Tuttlingen?

Anders reagiert die nur rund 100 Kilometer entfernte Kreissparkasse Tuttlingen. Die hohe NPL-Quote von 6,47 Prozent sei ein Ausdruck „aktiver Kreditpolitik“, schreibt Sprecher Christian Mayer. Im wirtschaftsstarken Landkreis Tuttlingen gehöre es zum öffentlichen Auftrag der Sparkassen alle Bevölkerungskreise, insbesondere den Mittelstand, zu versorgen. Im Vergleich zu anderen Sparkassen würde Tuttlingen mehr Firmenkredite vergeben und hätte dadurch „deutlich höhere Risiken“ als andere Sparkassen.

Tatsächlich zeigt unsere Auswertung, dass Tuttlingen im Vergleich zu den meisten anderen Sparkassen einen größeren Anteil ihrer Kredite an Unternehmen vergibt, fast jeden zweiten Kredit. Die Sparkasse erwirtschaftet auch viel Gewinn. Dem Fonds für allgemeine Bankrisiken wurde 2014 ein Beitrag von 19,5 Millionen Euro zugeführt. Danach blieb noch ein Gewinn von 7,1 Millionen Euro. Unsere Auswertung zeigt aber auch, dass von dem Gewinn kein Cent an den Landkreis ausgeschüttet wurde. Die Gesamtkapitalquote von 13,5 Prozent liegt rund drei Prozent unter dem Sparkassen-Durchschnitt. Sprecher Mayer antwortet auf die Frage, ob Risiko und Ertrag in einem angemessen Verhältnis stehen: „Wir haben in den letzten Jahren die Steuerung der mit Krediten verbundenen Risiken verfeinert.“

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Screenshot aus dem Offenlegungsbericht der Kreissparkasse Tuttlingen

Die Kreissparkasse Tuttlingen hat von insgesamt 4 Mrd. Euro Krediten mehr als 250 Mio. Euro als notleidend deklariert.

Auszug Offenlegungsbericht 2014 der Kreissparkasse Tuttlingen

In der neuen Datenbank von CORRECTIV und der FAZ finden sich diese Kennziffern für alle Sparkassen in Deutschland. Die Daten haben Journalisten gemeinsam mit Leserinnen und Lesern über Monate aus den Offenlegungsberichten der Sparkassen zusammengetragen. Diese Berichte enthalten detaillierte Angaben zu den Risiken und stehen auf der Internetseite jeder Sparkasse öffentlich. Nach einer Auswertung der Dispozinsen und der Guthabenzinsen ist das die dritte große Datenauswertung zu den öffentlich-rechtlichen Sparkassen.

Was passiert, wenn die Konjunktur in Deutschland wieder kippt?

Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 genossen gerade die Sparkassen ein besonderes Vertrauen in der Bevölkerung. Ende 2015 hatten die Sparkassen Kredite über 745 Milliarden Euro an ihre Kunden vergeben.

Potrait von Georg Fahrenschon

Sparkassen-Präsident Fahrenschon

will noch mehr Kredite vergeben.

dsgv.de

Der Dachverband ermutigt seine Sparkassen, in Zukunft noch mehr Kredite zu vergeben. Sparkassenverbandspräsident Georg Fahrenschon ließ in einem Gespräch mit der FAZ durchblicken, dass sich seiner Meinung nach in der Vergangenheit zu viele Sparkassen damit begnügt haben, die Spareinlagen der Kunden in Wertpapiere am Kapitalmarkt zu stecken anstatt – wie anscheinend die wackere Sparkasse in Tuttlingen – rege Kredite vor Ort zu vergeben. „Sparkassen sollten noch mehr Kredite vergeben. Denn etwa mit Bau- und Unternehmensfinanzierungen ist ordentliches und ertragreiches Geschäft zu machen, und es passt auch besser zu den Sparkassen“, sagte Fahrenschon. Allerdings ist das nicht ungefährlich, denn die Konjunktur in Deutschland wird irgendwann kippen. Dann könnten Unternehmensinsolvenzen zunehmen und Kreditausfälle steigen.

Wegen der momentanen guten Konjunktur in Deutschland haben die 409 Sparkassen insgesamt betrachtet 2015 sogar einen Teil ihres für Kreditausfälle zurückgelegten Reservepolsters abgetragen. 200 Millionen Euro hatten sie „zu viel“ für faule Kredite eingeplant, sagte Fahrenschon. Diese Risikovorsorge hätte sie 2015 zugunsten des Gewinns aufgelöst. „Das wird ein Sonderfall bleiben.“

Seit Jahresbeginn 2015 haben in Deutschland sieben Sparkassen fusioniert. Die Daten in unserer Auswertung zeigen, dass selten eine mit relativ vielen faulen Krediten beladene Sparkasse mit einer anderen stärkeren Sparkasse zusammen ging. Vielmehr scheinen auch die aktuell diskutierten Fusionen zwischen mehreren Sparkassen rund um Ingolstadt oder Hildesheim eher eine Vorsorge zu sein als aus der Not heraus, viele faule Kredite verkraften zu müssen.

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Unterstützung beim Faktencheck: Daniel Schmidt/ Uni Hohenheim

Kartenvisualisierung: Simon Wörpel


Aus dem Haus im Berliner Wedding ist Martha Ignor mittlerweile ausgezogen. Sie fühlt sich betrogen, sagt die Ex-Mieterin der GMRE.© Ivo Mayr

Artikel

Die Graus-Verwaltung

Die Wohnungsnot macht's möglich: Seit zehn Jahren zockt in Berlin die Hausverwaltung GMRE ihre Mieter ab. Falsche Nebenkostenabrechnungen, nicht erbrachte Leistungen, einbehaltene Kautionen. Gegen die Methoden sind die Betroffenen meist machtlos.

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von Benedict Wermter , Matthias Bolsinger

Der Artikel erscheint gleichzeitig in der „tageszeitung“ (taz), bei vice.com und im RTL Nachtjournal.

Der 30. Juni 2015 beginnt für Paula Weber* mit zwei Handwerkern, die ihr Zuhause im Berliner Wedding in eine Fäkaliengrube verwandeln. Sie sollten sich um die aufgeschwemmte Decke in Webers Bad kümmern, in die seit Monaten Abwasser aus einem Rohr läuft. Die 32-Jährige hofft, dass der Schaden endlich behoben wird. Doch mit den Handwerkern stimmt etwas nicht.

„Sie rochen nach Alkohol und schienen, als wüssten sie nicht, was sie tun sollen“, erinnert sie sich. Die Handwerker holen eine Säge und durchtrennen das freiliegende Rohr, ohne die anderen Hausbewohner vorzuwarnen.

Kot und Urin, literweise

Es ist acht Uhr morgens, die Mieter in den anderen Wohnungen gehen auf ihre Toiletten. Literweise Kot, Urin und Abwasser landen in Paula Webers Badezimmer. Plötzlich packen die Handwerker ihre Sachen und gehen. Zurück bleiben Weber und ein Zuhause voller Fäkalien. Sie flüchtet aus ihrer Wohnung und zieht mit ihrem sechsjährigen Sohn auf eigene Kosten in ein Hotel.

Rohrschaden GMRE geschädigte Paula Weber*

In Paula Webers Bad sägten die Handwerker ein Abflussrohr durch, danach ergossen sich die Fäkalien in die Wohnung. Die GMRE berechnete Schönheitsreparaturen und behielt die Kaution.

private Aufnahme

Weber hat den Vorfall dokumentiert, Fotos geschossen und Videos gedreht. Sie möchte hier nicht mit ihrem echten Namen auftreten. Nicht, weil sie eine bekannte Schauspielerin ist, sondern weil sie ihre Hausverwaltung nach dem Vorfall auf Schmerzensgeld und Schadenersatz verklagt hat. Die Anwälte der Hausverwaltung bestreiten gegenüber Weber, dass der Vorfall jemals stattgefunden habe. Nicht nur das: Die Hausverwaltung behält die Kaution ein. Sie berechnet ihr sogar zusätzlich 1600 Euro, für „Schönheitsreparaturen“.

Wir haben die Hausverwaltung GMRE Cosultants GmbH und ihren Geschäftsführer Rouven Kerstan schriftlich zu den Vorwürfen befragt. Das Unternehmen war zu keiner Stellungnahme bereit.

Jede zweite Abrechnung falsch

Auf dem Mietmarkt wird mit harten Bandagen gekämpft: Neue Gesetze wie die Mietpreisbremse oder Reformen bei Modernisierungen haben die Rechte von Mietern gestärkt. Doch es gibt Vermieter, die an Grenzen des Rechts gehen. Oder darüber hinaus. „Klassiker unter den Problemen mit Vermietern sind Service, Mängelbeseitigung, Auszahlung von Kautionen und Schönheitsreparaturen“, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund (DMB). Und bei Nebenkosten werde häufig getrickst: „Auch bei den großen Unternehmen ist jede zweite Betriebskostenabrechnung falsch“, sagt Ropertz.

Die Branchenverbände der Immobilienwirtschaft weisen die Kritik zurück. „Wir gehen davon aus, dass sich unsere Mitglieder an Regelungen halten und dass Abrechnungen stimmen“, sagt Katharina Burkardt, Sprecherin des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), dem größten Branchenverband. Nicht alle Wohnungsunternehmen seien allerdings in den Verbänden organisiert.

So wie die GMRE – Paradebeispiel eines dubiosen Unternehmens auf dem Mietmarkt.

„Berlins schlechteste Hausverwaltung“

Allein auf Facebook haben sich über 300 Mieter in einer Gruppe versammelt, um sich gemeinsam gegen die Firma zu wehren. Sie nennen die GMRE „Berlins schlechteste Hausverwaltung“. Ihr Geld müssen die Mieter oft über Gerichte zurückholen.

Die Methoden von Vermietern wie der GMRE wirken dreist: Das Unternehmen lockt zuerst mit günstigen Mieten im Internet und verschweigt dabei die sehr hohe Staffelmiete. Später schlägt die Verwaltung bei den Betriebskosten zu und kassiert über eigene Firmen für Leistungen. Die würden nicht erbracht, sagen mehrere Mieter unabhängig voneinander. Kautionen werden einbehalten, Reparaturen minderwertig und auf Kosten der Mieter durchgeführt. Dokumente, die CORRECTIV vorliegen, zeigen das. Auch zu diesen Fällen zog es GMRE auf Anfrage vor, zu schweigen.

Sechs Prozent Staffelmiete

Wie gerät man in eine solche Miet-Falle? Im November 2013 will Martha Ignor aus dem Ruhrgebiet nach Berlin ziehen, um eine Ausbildung als Veranstaltungskauffrau anzutreten. Eben noch hat sie mit Dutzenden anderen Interessenten eine Wohnung im Bezirk Wedding angesehen, jetzt sitzt sie in einem kleinen Büroraum. Vor ihr liegt ein über 20 Seiten dicker Mietvertrag. Die 25-Jährige braucht so dringend eine Wohnung, dass sie nach der Besichtigung mit dem Taxi in das Büro der GMRE gefahren ist. Ein Mitarbeiter der Hausverwaltung habe ihr dazu geraten, damit sie die Erste sei, sagt sie.

GMRE geschädigte Ignor vor Haus im Wedding

Martha Ignor hat knapp zwei Jahre in dem GMRE-Haus in Berlin Wedding gewohnt. Eine Zeit voller Probleme mit der Hausverwaltung.

Benedict Wermter

419 Euro für 48 Quadratmeter, das ist für sie viel Geld, scheint ihr aber auf dem umkämpften Berliner Wohnungsmarkt angemessen zu sein. Dann bemerkt Ignor, dass der Vertrag eine Staffelmiete vorsieht. Die sei ihr bei der Besichtigung verschwiegen worden, sagt sie. Rund sechs Prozent soll die Kaltmiete jedes Jahr steigen. Binnen zehn Jahren würde die Wohnung mehr als 700 Euro Kaltmiete kosten.

Die Mieten steigen durchschnittlich um drei Prozent pro Jahr in Berlin. Von einem sittenwidrigen Wucher, erklärt der Berliner Mieterverein, könne man sprechen, wenn der Vermieter zur Durchsetzung der Staffelmiete eine Notlage oder beschränkte Einsichtsfähigkeit des Interessenten ausnutze. Martha Ignor zögert, doch die sie braucht eine Wohnung. Sie unterschreibt den Vertrag – ein Fehler, der sie viel Geld kosten wird.

Viele GMRE-Mieter, mit denen CORRECTIV gesprochen hat, sind wie Martha Ignor: jung und dringend auf eine Wohnung angewiesen. Daher sehen sich viele genötigt, Risiken einzugehen. Und auf sie scheinen es Vermieter wie die GMRE abgesehen zu haben. Das Unternehmen drängt die Interessenten dazu, schnell einen Mietvertrag zu unterschreiben, berichten Betroffene. Zwei von ihnen erzählen, die GMRE-Vertreter hätten sie außerdem aufgefordert, eine Courtage schwarz zu bezahlen; ein ehemaliger Mieter versichert den Vorfall schriftlich.

Auch zum Fall Martha Ignor und den hier geschilderten Vorwürfen hat die GMRE keine einzige Frage beantwortet.

Die Nebenkosten explodieren

Martha Ignor zieht Anfang Dezember 2013 in die GMRE-Wohnung ein. Erst nach dem Einzug, bei genauerem Hinsehen, fällt ihr der schlechte Zustand der Wohnung auf: „Die Fenster ließen sich nicht öffnen, der Boden kam hoch, die Gas-Therme war seit über zehn Jahren nicht gewartet“, sagt sie.

Ein Dreivierteljahr später, im September 2014, schickt ihr die GMRE die erste Betriebskostenrechnung, also die Abrechnung von Hausbetreuung, Reinigungen, Müllentsorgungen. Ausgenommen sind hier Wasser- und Heizkosten. Allein für den Dezember 2013 soll Ignor bereits 34 Euro nachzahlen – zusätzlich zu den ursprünglich veranschlagten elf Euro. Ein Jahr später, im September 2015, kommt die nächste Rechnung. Die GMRE verlangt eine Nachzahlung von 291 Euro für das Jahr 2014.

Mehrere Betriebskostenabrechnungen anderer GMRE-Mieter liegen CORRECTIV vor. Sie belegen: Die Kosten steigen bei den Mietern systematisch. Die Nachzahlungen von Betriebskosten betragen pro Jahr bis zu 843 Euro. Und zwar für Leistungen, die nicht erbracht wurden, wie Mieter aus verschiedenen Berliner Bezirken berichten.

Häufig setzen Wohnungsunternehmen die Heiz- und Betriebskosten-Vorauszahlungen deutlich zu niedrig an, um eine günstigere Gesamtmiete vorzutäuschen. Das heißt: Den Interessenten werden die tatsächlich zu erwartenden Kosten verschwiegen.

„Betrug vorprogrammiert“

Christian Emmerich ist seit 34 Jahren Anwalt für Mietrecht und seit einiger Zeit auch im Radio als Experte zum Thema Miete zu hören. Er sagt: „Mieter haben in Sachen Betriebskosten kaum mehr Rechte.“ Der Aufwand sei kaum zu stemmen, der betrieben werden müsse, um dem Vermieter einen Fehler nachzuweisen. „Der Betrug durch Hausverwaltungen ist nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs vorprogrammiert“, sagt Emmerich.

Lange galt: Wenn ein Mieter nachweisen kann, dass Betriebskosten vorsätzlich zu niedrig angesetzt wurden, hat er Anspruch auf Schadenersatz. Die Zeiten sind vorbei. Der Bundesgerichtshof hat diese Rechtspraxis im Jahr 2004 beendet und verwies auf die Vertragsfreiheit. Für den Mietvertrag gilt seither: Unterschrieben ist unterschrieben. Alle Beweislast liegt beim Mieter.

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Parallelfirmen

Zuständig fürs Saubermachen und Reparieren sind in den von GMRE verwalteten Häusern die Firmen „Lan.Sky Hausmeisterservice“ und „G-Force Property Services“. Letztere hat den Fäkalienschaden in der Wohnung der Schauspielerin Paula Weber zu verantworten. Pikant: Beide Unternehmen gehören dem Chef der GMRE, Rouven Kerstan. Über diese Parallelfirmen kassiert die GMRE über die jährlichen Betriebskostenabrechnungen für Hof-, Haus- und Dachrinnenreinigung, Hausbetreuung und Winterdienst. Das bedeutet: Jede dritte Rechnung in der Betriebskostenauflistung schreibt sich Rouven Kerstan am Jahresende selbst.

Vermülltes Treppenhaus GMRE

So sieht ein Treppenhaus in einem GMRE-Haus aus. Mieter beklagen, dass dort nie gereinigt wurde

private Aufnahme

In einem GMRE-Haus in der Triftstraße im Berliner Wedding haben sich mehrere Bewohner zusammengeschlossen, um die Miete zu kürzen. Maike Hochrath war dort Mieterin. Sie sagt: „Ein Zigarettenstummel lag ein halbes Jahr auf der Treppe. Es wurde nie gereinigt.“ Auch der Garten und die Dachrinnen sollen nie gereinigt worden sein, im Winter wurde kein Schnee geschippt. Abgerechnet wurde trotzdem alles. Hochrath und ihr Partner sollten für das Jahr 2014 insgesamt 567 Euro nachzahlen, allein die Reinigungskosten betrugen rund 200 Euro. Das klingt nach Peanuts. Doch bei Dutzenden Mietparteien im Haus ergeben sich so einige Tausend Euro für die GMRE. Für Ulrich Ropertz, den Sprecher des DMB, sind in großem Umfang nicht erbrachte Leistungen Betrugs-Fälle für den Staatsanwalt – aber eben kaum nachzuweisen.

„Massenhaft Beschwerden“

Bei Berlins Mietervereinen ist die GMRE keine Unbekannte. „Beschwerden über die GMRE gibt es massenhaft“, sagt Susanne Boettcher, Sprecherin des Berliner Mieterschutzbundes. Für die Mieter sei dort telefonisch zu keinem Zeitpunkt jemand zu erreichen, auf Schreiben der Mieter antworte die GMRE häufig nicht, Kautionen zahle sie schleppend oder gar nicht aus. Die Sprecherin des Berliner Mietervereins, Wibke Werner, ergänzt: „Reparaturen werden nicht gemacht, Betriebskosten sind unstimmig.“

Der Ton zwischen Eigentümern, Hausverwaltungen und der Mieterschaft in Berlin habe sich insgesamt verschärft, resümiert eine Sprecherin der Wohnungsaufsicht Tempelhof-Schöneberg. „Da sind auch die großen Verwaltungen wie DEGEWO, Deutsche Wohnen und GAGFAH (jetzt Marktführer Vonovia, Anm. d. Red.) nicht ausgenommen.“

3000 Euro für Schönheitsreperaturen

Frustrierte Mieter wollen oft nur noch eines: ausziehen. Doch die Scherereien gehen weiter. Johannes Bürder zieht im Dezember 2015 nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit der GMRE aus seiner Wohnung in Berlin-Neukölln aus. Monatelang wartet Bürder auf die Rückzahlung seiner Kaution. Dann berechnet ihm die GMRE knapp 3.000 Euro für Schönheitsreparaturen nach seinem Auszug. Für Maler-, Elektriker-, Sanitär- und Reinigungsarbeiten – all das, was G-Force und Lan.Sky für die GMRE erledigen. Nach Ablauf der Frist zur Auszahlung der Kaution klagt Bürder jetzt.

Martha Ignor ist mittlerweile auch ausgezogen. Von ihrer Kaution von über 1000 Euro bleiben der Auszubildenden nur 28 Euro. Einen Teil behält die GMRE für „ausstehende Nebenkostenabrechnungen“ ein. Den Rest – 485 Euro – berechnet sie als Schadenersatz. Der GMRE-Außendienstler Marian A. vereinbart bei der Wohnungsabnahme mündlich mit Martha Ignor drei Besichtigungstermine, die die GMRE später bestätigen will, wie A. versichert habe. „Wir waren ganz nett per Du, dann war er nicht mehr erreichbar“, sagt Ignor. Später wird die GMRE gegenüber der Mieterin behaupten, sie hätte sich geweigert, ein Protokoll mit den Terminen zu unterschreiben. Ignor sagt: „Ich wusste gar nicht, dass es das Protokoll gibt.“ Wegen Besichtigungen gemeldet habe sich die GMRE zwischenzeitlich nicht.

Plötzlich ist das Gespräch zu Ende

CORRECTIV ruft den Außendienstler Marian A. auf seinem Handy an. Doch der kann die Aufregung nicht verstehen: „Das war eine einmalige Sache. Die Mieterin hat falsch reagiert, jetzt liegt das wie eine Narbe auf mir.“ Die Frage, ob er das Protokoll der Mieterin vorsätzlich nicht gezeigt hat, oder ob es ein Versehen war, beantwortet er nicht mehr. Plötzlich bricht das Gespräch ab, A. hat offenbar aufgelegt. 

Bei einem anderen Mieter hat die Drohung mit seiner Anwältin ausgereicht, nachdem auch ihm die GMRE über 900 Euro von der Kaution als Schadenersatz abziehen wollte. Weil auch er angeblich keine Besichtigungstermine zulassen wollte – auch er sagt, dass er das Protokoll nie gesehen habe. Seine Anrufe und Mails seien ins Leere gegangen. Erst als die Anwältin des Mieters den zuständigen Sachbearbeiter Matthias N. erreicht habe, entschuldigte dieser sich: „Alles ein Versehen, eine Verwechslung.“ Monate später wurde der Betrag erstattet.

Anzeige abgelehnt

„Strafverfahren werden schnell eingestellt. Die Staatsanwälte haben zu viele andere Dinge zu tun“, sagt Mietrechtsexperte Christian Emmerich. Diese Erfahrung musste auch Johannes Bürder machen. Der Ex-Mieter wollte die GMRE wegen Betrugs anzeigen. Eine Polizeibeamtin in der Berliner Wedekindstraße nahm die Anzeige gar nicht erst an. Was Bürder erzähle, reiche nicht aus für eine Anzeige.

Welche Vorgaben die GMRE ihren Mitarbeitern macht, ist unklar. Eine ehemalige Mitarbeiterin sagt, dass der Job Dinge von ihr verlangt habe, die sie nicht für richtig hielt. Deshalb habe sie gekündigt. 

Ein Firmengeflecht

Hinter der Hausverwaltung GMRE steckt eine Holding mit Sitz in London. Im Jahr 2006 kaufte ein Unternehmen namens Gabriel International 54 Häuser in Berlin. Im selben Jahr gründete Rouven Kerstan die Firma Gabriel Management, später GMRE Consultants GmbH, die die Häuser der Londoner Holding in Deutschland verwaltet. Ihren Sitz hat die GMRE in der Schillstraße in Berlin-Tiergarten. Die Kanzlei Jotzo Jung & Partner vertritt die GMRE häufig gegen ihre Mieterschaft.

Hausordnung für das Büro der Hausverwaltung GMRE

Die Hausordnung der Verwaltung GMRE verlangt, dass Besucher im Büro sitzen und sich leise verhalten. Mieter berichten von herrisch auftretenden Mitarbeitern.

private Aufnahme

Die GMRE verwaltet Wohnungen in ganz Berlin, von Tempelhof bis nach Pankow. 2008 waren es nach eigenen Angaben rund 3.000 Objekte. Wie viele es heute sind, will die Firma nicht sagen – nach CORRECTIV-Recherchen inseriert die GMRE auch Wohnungen in Häusern, die bisher nicht Gabriel gehörten. Gabriel International hat laut ihrem Geschäftsbericht in 2014 knapp 12 Millionen Euro Umsatz gemacht.

Rouven Kerstan schweigt

CORRECTIV hat den verantwortlichen Geschäftsführer Kerstan nicht nur mit den oben beschriebenen Vorwürfen der Mieter konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten. Wir waren sogar vor Ort und haben einen Fragenkatalog persönlich im Büro der GMRE abgegeben. Beim Besuch wurden wir gezwungen, uns hinzusetzen, danach wurden wir ohne Gespräch entlassen. Auf die 15 Sachverhalte und über 30 Fragen wollte die GMRE bis zum Redaktionsschluss nicht antworten – weder schriftlich noch mündlich.

*Name von der Red. geändert

Korrektur 19.5.2016: In einer früheren Version des Artikels stand, dass die Kanzlei Jotzo in der Schillstraße 9, neben der GMRE ihren Sitz habe. Tatsächlich befindet sich der Sitz der Kanzlei in der Schlüterstraße 37 in 10629 Berlin.