Qualität in deutschen Krankenhäusern ist immer noch ein gut gehütetes Geheimnis. Jetzt soll es immerhin Konsequenzen für schlechte Behandlungen geben. Bis dahin dauert es aber noch, mindestens zwei Jahre.

Schlechte Qualität wird in deutschen Krankenhäusern nach wie vor verschleiert. Obwohl Pfleger und Ärzte enorm viel dokumentieren, können Patienten auch im aktuellen Qualitätsreport kaum belastbare und vor allem brauchbare Informationen finden. Immerhin, schlechte Qualität wird mittlerweile in Einzelfällen geahndet. Wie zuletzt am Uniklinikum Frankfurt. Dort waren so viele Patienten gestorben, dass die Klinik nun keine Herztransplantationen mehr durchführt. Bislang haben die meisten Kliniken trotz schlechter Qualitätsergebnisse aber nichts zu befürchten.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am vergangenen Mittwoch seine Qualitätsziele für das laufende Jahr vorgestellt. Die wichtigste Aufgabe sei es, die sogenannten planungsrelevanten Indikatoren festzulegen, sagte Regina Klakow-Franck, Vorsitzende des Unterausschusses Qualitätssicherung im G-BA. Schneidet ein Krankenhaus bei einem solchen Indikator schlecht ab, kann die Landesbehörde den Betreiber dafür abstrafen. So sieht es das Krankenhausstrukturgesetz vor.

Bis diese Indikatoren festgelegt sind, vergehen aber noch mindestens zwei Jahre. Vorher entwickelt das seit diesem Jahr zuständige Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) die passenden Indikatoren. Institutsleiter Christof Veit kündigte an, seit Jahren bestehende Missstände anzugehen. In vielen Kliniken ist zum Beispiel zu selten ein Kinderarzt bei einer Frühgeburt anwesend – obwohl das die Überlebenswahrscheinlichkeit des Babys steigern würde. „Hier wollen wir nicht weiter zuschauen“, sagte er. Außerdem kündigte er an, die Qualitätsberichte für Patienten lesbarer zu machen.


Wir hatten im Frühjahr in einer fünfteiligen Serie über die mangelhafte Transparenz von Krankenhäusern berichtet. Und über die Tricks der Kliniken, ihre Statistiken schön zu rechnen. Hier findet Ihr alle Beiträge unseres Rudolf Augstein Datenfellows Timo Stukenberg: „Jedes vierte Krankenhaus hat Mängel, doch kein einziges wurde dafür bestraft.“

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