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Die Faktencheck-Community-Redaktion

Wir wollen dazu beitragen, dass Diskussionen auf Fakten basieren. Weil im Netz unzählige falsche und halbfalsche Meldungen kursieren, wollen wir mehr Menschen dafür sensibilisieren und mehr Faktenchecks veröffentlichen. Dafür bilden wir Interessierte zu Faktencheckern aus. Hier könnt Ihr Euch über das Projekt informieren.

Ja, Bundestagsabgeordnete bekommen ab Juli 2019 erstmals über 10.000 Euro im Monat

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Facebook-Beitrag der „Bild“ vom 9. Mai (Screenshot: CORRECTIV)

In einem Facebook-Post schreibt die „Bild“, Bundestagsabgeordnete würden durch eine Diätenerhöhung ab dem 1. Juli 2019 erstmals mehr als 10.000 Euro monatlich verdienen. Damit steige der Verdienst der Abgeordneten das vierte Jahr in Folge. Wir haben die Behauptungen überprüft.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptungen:

  • Die Bundestagsabgeordneten würden ab Juli 2019 erstmals mehr als 10.000 Euro an Abgeordnetenentschädigung erhalten.
  • Eine Erhöhung der Abgeordnetenentschädigung erfolge das vierte Jahr in Folge.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: Richtig.

Worum geht es?

In einem Facebook-Post teilte die Bild am 9. Mai einen Artikel, in dem steht, dass die Bundestagsabgeordneten ab dem 1. Juli 2019 erstmals über 10.000 Euro Abgeordnetenentschädigung erhalten würden und eine Erhöhung der Diäten das vierte Mal in Folge erfolge. Nutzer haben den Beitrag als möglicherweise falsch gemeldet. 

Behauptung 1:

Die Diäten der Bundestagsabgeordneten übersteigen erstmals 10.000 Euro.

Was stimmt?

Das ist richtig. Am 17. April 2019 wurde durch den Präsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Schäuble, mit der Drucksache 19/10014 eine Anpassung der Abgeordnetenentschädigung bekannt gegeben. Die Beträge gemäß § 11 Absatz 1 des Abgeordnetengesetzes erhöhen sich zum 1. Juli 2019 von 9.780,28 Euro um 303,19 Euro auf 10.083,47 Euro. Das entspricht einer Erhöhung von 3,1%.

Bekanntmachung der Anpassung der Abgeordnetenentschädigung zum 1. Juli 2019 (Screenshot CORRECTIV)

Behauptung 2:

Eine Erhöhung der Abgeordnetenentschädigung erfolge das vierte Jahr in Folge.

Was stimmt?

Durch Beschluss des Bundestages vom 21. Februar 2014 orientiert sich die Erhöhung der Diäten an der Entwicklung der Nominallöhne. Das Statistische Bundesamt ermittelt den Nominallohnindex und übermittelt diesen jährlich bis zum 31. März an den Präsidenten des Deutschen Bundestages, zur Zeit Wolfgang Schäuble. Dieser veröffentlicht dann den angepassten Betrag der Entschädigung in einer Bundestagsdrucksache. Als Vergleichswert gilt die Besoldung eines Richters an einem obersten Bundesgericht . Um die Abgeordnetenentschädigung entsprechend anzupassen, erfolgte eine Erhöhung in mehreren Schritten. Die erste Anpassung aufgrund des neuen Beschlusses erfolgte am 1. Januar 2013 auf 8.252 Euro. Seitdem erfolgte eine Erhöhung jeweils jährlich zum 1. Juli eines Jahres.

Information auf der Webseite des Deutschen Bundestages (Screenshot: CORRECTIV)

Am Mittwoch, den 13. Dezember 2017, beschloss der Bundestag auf Antrag von CDU/CSU, SPD und FDP, dass das bisherige Anpassungsverfahren für die Abgeordnetenentschädigungen auch in der neuen 19. Wahlperiode bestehen bleibt. Somit findet weiterhin jährlich zum 1. Juli eine Anpassung statt.

Fazit:

Ja, Bundestagsabgeordnete erhalten ab dem 1. Juli 2019 erstmals mehr als 10.000 Euro Abgeordnetenentschädigung. Seit 2014 werden jährlich zum 1. Juli eines Jahres die Bezüge erhöht. Da sich die Anpassung an den Nominallöhnen orientiert, ist theoretisch auch eine Senkung der Bezüge möglich.

Von Melek Kosar, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Falsches Zitat einer Grünen-Politikerin in Anonymousnews-Artikel

Bildschirmfoto 2019-05-17 um 12.42.58
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Artikel der Seite „Anonymousnews.ru“ mit verfälschtem Zitat (Screenshot: CORRECTIV)

Die Webseite „Anonymousnews.ru“ behauptet, Nargess Eskandari-Grünberg habe gesagt, „Wer gegen den Bau von Moscheen ist, soll Deutschland verlassen”. Wir haben das überprüft.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

  • Die Grünen-Politikerin Nargess Eskandari-Grünberg habe gesagt „Wer gegen den Bau von Moscheen ist, soll Deutschland verlassen!”

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Falsch.

Worum geht es?

Die Webseite Anonymous.ru behauptet, die Grünen-Politikerin Nargess Eskandari-Grünberg habe gesagt „Wer gegen den Bau von Moscheen ist, soll Deutschland verlassen!”

Was stimmt?

Nirgends in dem Artikel oder den externen Links finden sich Hinweise darauf, dass Eskandari-Grünberg die Aussage so getroffen hat. Anonymousnews.ru verlinkt allerdings einen zwölf Jahre alten Artikel der Frankfurter Rundschau, in dem ein Zitat stark abweichendes zu finden ist: „Migration in Frankfurt ist eine Tatsache, wenn Ihnen das nicht passt, müssen Sie woanders hinziehen“. Anonymousnews.ru zitiert diesen Satz sogar in dem Artikel.

Was ist der Kontext dieser Aussage?

Der verlinkte Artikel der Frankfurter Rundschau berichtet, dass diese Aussage von Eskandari-Grünberg im November 2007 in einer Sitzung des Bildungs- und Integrationsausschusses gefallen sei. Damit habe die damalige Stadtverordnete auf einen Bürger reagiert, „der sich in der Sitzung zum geplanten Moscheebau in Hausen geäußert und die Zahl von Migrantenkindern an Schulen des Stadtteils kritisiert hatte“. Ihre Aussage sei laut Frankfurter Rundschau anschließend unter anderem durch „Vertreter der Bürgerinitiative gegen den Moschee-Bau“ kritisiert worden. Die Politikerin habe auf die Kritik wiederum mit folgendem Satz reagiert: „Ich wollte damit zum Ausdruck bringen wollen, dass Einwanderer zu Frankfurt gehören.“

Dass Migration und Einwanderer ein fester Bestandteil Frankfurts sind, zeigen offizielle Zahlen (PDF). So lag der Ausländeranteil Ende 2018 bei 29,8 Prozent. „Frankfurterinnen und Frankfurter aus 179 der 197 Staaten der Welt waren zum Jahresende in der Stadt gemeldet. Demnach lebten hier Menschen aus 90 Prozent der Länder der Welt, wobei die Nationalitäten unterschiedlich stark vertreten sind“, schreibt die Stadt in dem Dokument.

Fazit:

Die Grünen-Politikerin Nargess Eskandari-Grünberg hat den Satz in der angegeben Quelle so nicht gesagt. Sie hat 2007 laut eines Artikels der Frankfurter Rundschau gesagt: „Migration in Frankfurt ist eine Tatsache, wenn Ihnen das nicht passt, müssen Sie woanders hinziehen“. 

Von Micha Nelker, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Ja, das abgebildete Plakat war 1991 ein offizielles CDU-Wahlplakat

Asylmissbrauch
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Asylmissbrauch
Facebook-Beitrag vom 5. Mai mit CDU-Wahlplakat aus dem Jahr 1991 (Screenshot: CORRECTV)

Im Netz kursiert das Bild eines CDU-Wahlplakates mit der Aufschrift „Asylmissbrauch beenden“. Nutzer diskutieren, ob es authentisch ist oder nicht. Wir haben recherchiert.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

  • Das abgebildete Plakat sei ein offizielles CDU-Wahlplakat aus dem Jahr 1991.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist:  Richtig.

Worum geht es?

Im Netz kursiert das Bild eines CDU-Wahlplakates mit der Aufschrift „Asylmissbrauch beenden“. Eine Facebook-Nutzerin veröffentlichte ein Bild des Wahlplakates am 5. Mai 2019. Der Beitrag wurde bisher 6.064 Mal geteilt.

Behauptung 1:

Das abgebildete Plakat sei ein offizielles CDU-Wahlplakat aus dem Jahr 1991.

Was stimmt?

Ja, das abgebildete Plakat war ein offizielles CDU-Wahlplakat zur Bürgerschaftswahl in Bremen am 29. September 1991. Es kann im Archiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP) der Konrad-Adenauer-Stiftung eingesehen werden.

Das Plakat war Teil der Wahlkampagne „Mit Ulrich Nölle auf neuen Kurs!“ im Rahmen der Bürgerschaftswahlen in Bremen 1991. Neben dem Plakat zum Asylrecht waren auch Plakate zu den Themen Chancengleichheit für Frauen, Verkehrspolitik, Wirtschaftspolitik und Wohnungsbau Teil der Kampagne des CDU-Kandidaten.

Das Plakat im Archiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP) der Konrad-Adenauer-Stiftung (Screenshot: CORRECTIV)

Hintergrund

Das Asylrecht erlangte zu Beginn der 1990er Jahre besondere Aufmerksamkeit, als es zu einem Anstieg der Asylbewerberzahlen kam. In Folge dieser Debatte wurde 1993 das Grundgesetz in Artikel 16 geändert, worin das deutsche Asylrecht definiert ist.

Fazit:

Ja, bei dem abgebildeten Plakat mit der Überschrift „Asylmißbrauch beenden!“ handelt es sich um ein offizielles CDU-Wahlplakat aus dem Jahr 1991.

Von Matthias Schaar, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Erfundene und verfälschte Aussagen von Papst Franziskus über den Islam

Bildschirmfoto 2019-05-09 um 17.06.54
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Artikel der Seite „Indexexpurgatorius's Blog“ mit verfälschtem Zitat (Screenshot: CORRECTIV)

In einem Artikel der Webseite „Indexexpurgatorius's Blog“ wird behauptet, Papst Franziskus habe gesagt, der „Islamismus“ sei ein „Fortschritt für die Menschheit“. Diese Worte tauchen Im Interview jedoch gar nicht auf. 

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

  • Papst Franziskus habe gesagt, der „Islamismus“ sei ein „Fortschritt für die Menschheit“. 

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist:  Größtenteils falsch.

Worum geht es?

In einem Artikel der Webseite Indexexpurgatorius’s Blog  wird behauptet, Papst Franziskus habe gesagt, der „Islamismus“ sei ein „Fortschritt für die Menschheit“.

Behauptung 1:

Papst Franziskus habe gesagt, der „Islamismus“ sei ein „Fortschritt für die Menschheit“. 

 

Was stimmt?

Indexexpurgatorius’s Blog verweist als Quelle auf ein Interview in der französischen Zeitung LaVie vom 2. März 2016. Das Interview ist nicht mehr frei zu lesen. Bei älteren Artikeln ist es oftmals der Fall, dass die Seitenbetreiber Inhalte nur noch gegen Bezahlung freigeben. Jedoch hat die Radaktion von LaVie uns die betreffende Ausgabe der Zeitschrift als PDF zugeschickt. Der Begriff „Islamismus“ fällt in dem Interview kein einziges Mal. Auch der Begriff „Fortschritt für die Menschheit“ steht nicht in dem Interview.

Auszug des Interviews in der französischen Zeitung LaVie

Behauptung 2:

Papst Franziskus habe im Kontext der „Situation in Europa“ von einer „arabisch-islamischen Invasion“ gesprochen.

Was stimmt?

Das Zitat ist verfälscht. Das originale Zitat lautet folgendermaßen: „Wir können heute von einer arabischen Invasion sprechen. Das ist ein sozialer Fakt.“

Auszug des Interviews in der französischen Zeitung „LaVie“

Papst Franziskus sprach also von einer „arabischen Invasion“, nicht einer „arabisch-islamischen“, wie uns Indexexpurgatorius’s Blog weismachen will. Arabien ist jedoch nicht gleich Islam. Arabien bezeichnet einen geographischen Raum, in dem auch Nicht-Muslime leben.

Das Zitat ist aus dem Kontext gerissen. Das gesamte Interview ist neun Seiten lang. Nirgends äußert sich Franziskus feindselig oder kritisch gegenüber dem Islam an sich. Direkt nachdem er den Begriff der „arabischen Invasion“ benutzt, führt er weiter: „Wie viele Invasionen hat Europa in seiner Geschichte erfahren! Es war immer in der Lage, sich selbst zu überwinden, voranzukommen und durch interkulturellen Austausch zu wachsen.” An anderer Stelle berichtet Franziskus, wie er in Zentralafrika in einer Moschee betet. Oder er betont, dass Extremismus nicht mit einer Religion gleichzusetzen ist: „Jede Religion hat ihre Extremisten.“

Auszug des Interviews in der französischen Zeitung „LaVie“

Weiterhin ruft Franziskus die Menschen auf, aufeinander zuzugehen. „Der Andere hat ein Gesicht. Es ist notwendig, aus sich herauszugehen, um es zu betrachten.“

Auszug des Interviews in der französischen Zeitung „LaVie“

Das Interview beendet Franziskus mit einem Aufruf zum Dialog.
„Wir müssen miteinander reden, immer und immer wieder.“

Auszug des Interviews in der französischen Zeitung „LaVie“

Fazit:

Papst Franziskus sprach in diesem drei Jahre alten Interview nie von einer „Islamisierung“. Er benutzte auch nie den Begriff „arabisch-islamische Invasion“. Im Kontext der „Flüchtlingskrise“ sprach er tatsächlich von einer „arabischen Invasion“, was jedoch auch arabische Christen mit einschließt. Im Verlauf des Interviews spricht er sich für einen Dialog zwischen den Religionen aus und fordert die Menschen auf, miteinander zu reden.

Von Micha Nelkner, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Nein, nach der Reform des Asylbewerberleistungsgesetzes sollen Asylbewerber nicht pauschal 11 Prozent mehr Bargeldleistungen erhalten

DEutschlandKurier
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DEutschlandKurier
Facebook-Post vom 11. März 2019 (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

In einem Facebook-Post wird behauptet, dass die Bargeldbezüge von Asylbewerbern nach einer Reform pauschal steigen würden. Das ist irreführend.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

  • Ab 2020 würden die Bargeldleistungen an Asylbewerber „auf einen Schlag“ und „um 11% oder 15 Euro“ steigen.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist:  Größtenteils falsch.

Worum geht es?

In einem Facebook-Post des Deutschland Kurier vom 11. März 2019 wird behauptet, dass ab 2020 die Bargeldbezüge von Asylbewerbern pauschal steigen würden. Der Beitrag wurde bisher 6.695 Mal geteilt.

Facebook-Post vom 11. März 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Was stimmt?

Der Facebook-Post des Deutschland Kurier nimmt Bezug auf eine Gesetzesinitiative des Bundesministers für Arbeit und Soziales, Hubertus Heil (SPD), die am 17. April 2019 vom Bundekabinett als Entwurf des Dritten Gesetzes zur Änderung des Asylbewerberleistungsgesetzes beschlossen wurde. In der diesbezüglichen Pressemitteilung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales heißt es, dass der Hintergrund der Novellierung ein Bundesverfassungsurteil aus dem Jahre 2012 sei.

Auszug aus einer Pressemitteilung des Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Screenshot: CORRECTIV)

Das Gericht hatte in seinem Urteil klargestellt: „Die in Art. 1 Abs. 1 GG garantierte Menschenwürde ist migrationspolitisch nicht zu relativieren“ (Absatz 95 des Urteils). In diesem Sinne wurden die damaligen Sätze des Asylbewerberleistungsgesetzes  für „evident unzureichend” befunden, da diese seit 1993 nicht mehr angepasst worden waren.

Auszug aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 18. Juli 2012 (Screenshot: CORRECTIV)
Auszug aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 18. Juli 2012 (Screenshot: CORRECTIV)

Damit bekräftigten die Richterinnen und Richter, dass das Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum für alle in Deutschland lebenden Menschen gelte und eine regelmäßige Anpassung einschließe.

Eine einmalige Erhöhung der Regelsätze habe dann 2015 stattgefunden, schreibt uns das Arbeitsministerium auf unsere Presseanfrage. Weiter heißt es in der Antwort:  „Der Versuch einer grundlegenden Neuregelung war 2016 im Bundesrat gescheitert, seitdem gelten die alten Leistungssätze fort.“ Mit der nun vorliegenden Reform solle die verfassungsrechtlich gebotene Anpassung vorgenommen werden. Der Gesetzentwurf orientiere sich laut der Pressemitteilung an den Leistungen der Sozialhilfe (SGB XII) und die Regelsätze seien auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) verfassungskonform neu bemessen worden.

Zu dem Artikel des Deutschland Kurier und der dort aufgestellten Behauptung, schreibt uns das Ministerium: „Die pauschale Aussage, nach der die Bargeldleistungen um 11 Prozent steigen würden, ist irreführend“. Und weiter: „Durch die geplante Ausgliederung insbesondere der Haushaltsenergie aus dem Bedarfssatz werden die Geldleistungssätze insgesamt numerisch gesenkt. Hierdurch werden die Geldleistungssätze bei fast allen Bedarfsstufen sinken.“

Antwort des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales auf eine Presseanfrage der Checkjetzt-Redaktion (Screenshot: CORRECTIV)

Grundsätzlich unterscheidet das Asylbewerberleistungsgesetz zwischen zwei unterschiedlichen Bedarfen. Das Ministerium verweist auf diese Differenzierung zwischen „einem notwendigen Bedarf (z.B. Ernährung und Kleidung) und einem notwendigen persönlichen Bedarf  (z.B. ÖPNV, Telefon, Hygieneartikel)“. Innerhalb beider Bedarfe wird dann nochmals zwischen unterschiedlichen Bedarfsstufen unterschieden.

Auszug aus einer Pressemitteilung des Bundesministerium für Arbeit und Soziales vom 17. April 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Sowohl die Bedarfe, als auch die zugehörigen Leistungssätze würden laut Ministerium sämtlich durch die Reform angepasst. Wie der Tabelle der Pressemitteilung zu entnehmen ist, scheint sich die Behauptung des Deutschland Kurier auf den „notwendigen persönlichen Bedarf“ Alleinstehender oder alleinerziehender Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger in der Bedarfsstufe 1 zu beziehen. Denn diese Gruppe würde anstatt der derzeitigen 135 Euro zukünftig 150 Euro erhalten. Also 15 Euro mehr, wie vom Deutschland Kurier behauptet. Das ist jedoch aus dem Kontext gerissen.

Da der „notwendige Bedarf“ dieser Gruppe gleichzeitig von derzeit 219 Euro auf 194 Euro gesenkt würde, ergäbe sich ein Leistungsbezug von 344 Euro. Damit würde der Gesamtbezug dieser Gruppe um 10 Euro sinken. Abgesehen von den Bedarfsstufen 5 (Kinder zwischen sechs und 13 Jahren) und 6 (Kinder bis fünf Jahre), würde die Reform für alle Bedarfsstufen zu sinkenden Leistungssätzen führen. Einzig für Bedarfsstufe 5 wäre eine Erhöhung der Gesamtleistungen um 26 Euro auf 268 Euro vorgesehen.

Dazu merkt das Ministerium in der Antwort auf unsere Presseanfrage an: „Die in der Tabelle aufgeführten Leistungssätze stellen dabei die maximale Höhe der Geldleistungen für den Fall dar, dass der notwendige Bedarf und der notwendige persönliche Bedarf als Geldleistung gewährt werden.“ Laut Ministerium sollen beide Leistungen in „Sammelunterkünften soweit wie möglich als Sachleistungen gewährt werden.“ Die Entscheidung über die Form der Leistungsgewährung liege aber bei den Ländern. Somit lässt sich nicht pauschal von einer Erhöhung der Bargeldleistungen durch die Reform des Asylbewerberleistungsgesetzes sprechen.

Schlussendlich sei auch eine Reform der Bedarfsstufen vorgesehen, so das Ministerium. Für Leistungsberechtigte, die in einer Sammelunterkunft (Erstaufnahmeeinrichtung oder Gemeinschaftsunterkunft) leben, solle mit der Reform zukünftig die Bedarfsstufe 2 gelten, da beim Zusammenleben in Sammelunterkünften und gemeinschaftlicher Nutzung des Wohnraums bestimmte Kosten, etwa für die Mediennutzung, nicht für jede Person in voller Höhe anfallen würden. Auch diese Änderung würde zu sinkenden Bezügen für die betroffenen Personen führen.

In dem Facebook-Post wird die vermeintliche Erhöhung der Leistungen außerdem mit Erhöhungen von Kindergeld um lediglich zwei bis drei Euro und Renten um drei Prozent verglichen. Dazu schreibt das Ministerium auf unsere Presseanfrage: „Ein Vergleich mit den genannten Anpassungen der Leistungen des Kindergeldes oder der Rente kann so nicht gezogen werden. Dies liegt darin begründet, dass die Grundleistungen des AsylbLG seit 2016 nicht mehr angepasst wurden. Die Anpassung der Grundleistungen nach dem AsylbLG mit dem Kindergeld bzw. dem Durchschnittswert der jährlichen Rentenanpassungen in direkten Vergleich zu stellen, ist irreführend.“

Fazit:

Richtig ist, dass der „notwendige persönliche Bedarf“ für alleinstehende und alleinerziehende Leistungsbezieherinnen und Leistungsbezieher (Bedarfsstufe 1) nach dem Gesetzentwurf um 15 Euro beziehungsweise 11 Prozent steigen würde. Allerdings würde für die Bedarfsstufe 1 gleichzeitig der Satz für den „notwendigen Bedarf“ sinken, sodass die Leistungsbezieher der Bedarfsstufe 1 insgesamt 10 Euro weniger erhalten würden. Die Aussage ist somit falsch, weil in dem Post irreführender Weise nur auf einen Teil der Berechnungsgrundlage für den Leistungssatz eingegangen wird. Insbesondere, da der Gesetzentwurf sinkende Leistungssätze für fast alle Bedarfsstufen, ausgenommen von Kinder bis 13 Jahre, vorsieht.

Von Darius Reinhardt, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Nein, die neuen E-Autos der Polizei Niedersachsen fahren nicht nur 50 km weit

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Facebook-Beitrag vom 20. Februar (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

Im Netz teilen Nutzer das Bild eines E-Polizeifahrzeuges und der Beschreibung, es habe nur eine Reichweite von 50 Kilometern. Das ist aus dem Kontext gerissen.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

  • Das neue E-Auto der Polizei Niedersachsen habe eine Reichweite von nur 50 Kilometern.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Teilweise falsch.

Worum geht es?

Im Netz teilen Nutzer das Bild eines E-Polizeifahrzeuges und der Beschreibung, es habe nur eine Reichweite von 50 Kilometern.

Facebook-Beitrag vom 20. Februar (Screenshot: CORRECTIV)

Was stimmt?

Die Polizei Niedersachsen verwendet als Einsatzfahrzeuge seit einigen Jahren Plug-in-Hybride. Diese haben allein durch den elektrischen Antrieb eine Reichweite von 50 km, wie im Bild zu sehen ist. Dazu kommt aber der Antrieb durch einen Verbrennungsmotor, also noch einmal ca. 1000 km.

Das Foto wurde laut Polizei in einem Kontext aufgenommen, indem klar gewesen sei, dass die 50 km sich allein auf den elektrischen Anteil bezogen. Außerhalb des Kontextes ist das Foto irreführend. Es ist jedoch nicht manipuliert. Der Facebook-Post suggeriert, die Polizei benutze praktisch unbrauchbare Einsatzfahrzeuge und vermittelt dadurch ein falsches Bild.

Die Plug-in-Hybridfahrzeuge sind Teil eines Projekts zur E-Mobilität, zu dem der Twitter-Acount @Projekt_Lautlos gehört. Am 22. Februar veröffentlichte der Account als Reaktion auf die Gerüchte im Netz einen Tweet: „Danke für die besorgten Hinweise. Wir können Euch beruhigen! Unseren #Funkstreifenwagen haben wir neben einem elektr. Antrieb auch einen Verbrennungsmotor gegönnt. So gelingt es uns auch nach rund 1.000 Km für Eure Sicherheit zu sorgen.“

Tweet vom 22. Februar 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Den Tweet hat der Projektleiter Oliver Suckow von der Polizeidirektion Lüneburg uns gegenüber in einer Email als korrekt bestätigt.

Antwort der Polizei Niedersachsen auf eine Presseanfrage (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit:

Das Auto ist ein Plug-In Hybridfahrzeug und hat mit dem elektrischen Antrieb eine Reichweite von 50 km. Allerdings kommt dazu ein Verbrennungsmotor, sodass das Auto insgesamt eine Reichweite von 1000 km hat.

Von Judith Bauer, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Keine Fotomontage: Ja, Unbekannte haben im März arabische Ortseingangsschilder in Rostock angebracht

arabisch
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Facebook-Post zu arabischen Schildern in Rostock. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf Facebook kursieren seit März Fotos und Textbeiträge zu arabischen Ortseingangsschildern im Stadtgebiet Rostocks und verschiedene Gerüchte, wer sie dort platziert haben könnte. Wir haben geprüft, was an den Behauptungen dran ist.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptungen:

  • In Rostock hingen Ortseingangsschilder mit arabischen Schriftzeichen.
  • In Stralsund seien zuvor ähnliche Ortseingangsschilder aufgetaucht.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind:  Richtig.

Worum geht es?

Auf Facebook kursieren seit März Fotos und Textbeiträge zu arabischen Ortseingangsschildern im Stadtgebiet Rostocks und verschiedene Gerüchte, wer sie dort platziert haben könnte. Manche Nutzer vermuten, dass die Bilder gefälscht seien.

Behauptung 1:

In Rostock hingen Ortseingangsschilder mit arabischen Schriftzeichen.

Was stimmt?

Am 13. März 2019 hingen tatsächlich unter drei Ortseingangsschildern Rostocks Duplikate aus Pappe, die arabische Schriftzeichen zeigten. Das bestätigten sowohl die Polizei Rostock in einer Pressemitteilung, als auch die Stadtverwaltung auf Nachfrage in einer Email. Nachdem einige Bürger darauf aufmerksam gemacht hätten, seien die falschen Schilder noch am selben Tag wieder entfernt worden. Wer für die Aktion in Rostock verantwortlich ist,  ist unklar. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, verzichte man auf eine Anzeige.

Antwort der Pressestelle der Stadt Rostock (Screenshot: CORRECTIV)

Behauptung 2:

In Stralsund seien zuvor ähnliche Ortseingangsschilder aufgetaucht.

Was stimmt?

Das ist richtig. Erst im Februar diesen Jahres befasste sich das Polizeipräsidium Neubrandenburg mit einem vergleichbaren Vorfall in Stralsund, wo, wie auch in Rostock, gefälschte Ortseingangsschilder aus Pappe angebracht worden waren. Laut Pressemitteilung nahm der Staatsschutz Anklam dort die Ermittlungen auf. „Zusammenhänge zu anderen in der jüngeren Vergangenheit aufgestellten Schilder der ‘Identitären Bewegung’ in
Stralsund werden geprüft“, so die Polizei in der Pressemitteilung.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ortseingangsschilder deutscher Ortschaften verändert oder erweitert wurden. Im Oktober 2015 etwa überklebten Unbekannte im Kreis Ludwigsburg 29 Ortseingangsschilder mit gelber Folie, auf der der Stadtname in arabischen Schriftzeichen und in Klammern der Zusatz „ehemals“ und dahinter der jeweilige deutsche Stadtname aufgedruckt war.

Fazit:

Die auf Facebook kursierenden Fotos sind authentisch. Wer hinter den Mitte März angebrachten Pappschildern in Rostock steckt, ist unklar. Auch, ob es sich um eine politisch motivierte Aktion handelt, ist nicht bekannt.

Von Steffen Kutzner, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Nein, die Symptome einer an Alzheimer erkrankten Frau sind nicht allein durch eine Ernährungsumstellung verschwunden

Bildschirmfoto 2019-04-23 um 16.10.07
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Beitrag der Webseite „Bewusst-Vegan-froh“ (Screenshot: CORRECTIV)

Die Webseite „Bewusst-Vegan-froh“ behauptete in einem Beitrag vom 24. Februar 2019, eine an Demenz erkrankte 82-Jährige habe nach einer Ernährungsumstellung ihr Gedächtnis zurück erlangt. Stimmt das?

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptungen:

  • Eine Ernährungsumstellung habe nachweislich einen so starken Einfluss auf Sylvias Zustand gehabt, dass ihre Rezepte nun von der Alzheimer’s Society geteilt würden.
  • Demenzraten seien in Mittelmeerländern viel niedriger.
  • Die Aufnahme von Aluminium im Gehirn hänge direkt mit Demenz und insbesondere der Alzheimer-Krankheit zusammen.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind:  Teilweise falsch.

Worum geht es?

Die Webseite „Bewusst-Vegan-froh“ behauptete in einem Beitrag vom 24. Februar 2019, eine an Demenz erkrankte 82-Jährige habe nach einer Ernährungsumstellung ihr Gedächtnis zurück erlangt.

Behauptung 1:

Eine Ernährungsumstellung habe nachweislich einen so starken Einfluss auf Sylvias Zustand gehabt, dass ihre Rezepte nun von der Alzheimer’s Society geteilt würden.

Was stimmt?

Der Artikel der Webseite „Bewusst-Vegan-froh“ basiert in Teilen auf einem Blogbeitrag der Rubrik „Real Stories“ der Alzheimer’s Society. Die Alzheimer’s Society ist eine Wohltätigkeitsorganisation für Demenzkranke und deren Betreuer im Vereinigten Königreich. In dem Beitrag schildert der Sohn Mark, wie nicht nur eine Ernährungsumstellung, sondern auch körperliche Bewegung, soziale Aktivität und kognitive Übungen zusätzlich zu der verschriebenen medikamentösen Behandlung seiner Mutter Sylvia beim Management ihrer Alzheimer Erkrankung helfen konnten.

Im Rahmen des Beitrags findet sich auch „Mark und Sylvias persönlicher Aktionsplan”. Dieser empfiehlt, bestimmte Lebensmittel vorzuziehen, bestimmte Lebensmittel zu vermeiden und eine Reihe anderer Aktivitäten, enthält aber keine Rezepte.

Am Ende des Beitrags lässt sich der Hinweis finden, dass eine gesunde Lebensweise Menschen mit Demenz bei der Bewältigung ihrer Symptome helfen könne, es aber keine eindeutigen Belege dafür gebe, dass dies die zugrunde liegenden Krankheiten, die Demenz verursachen, verlangsamen oder sogar aufhalten könne.

Hinweis unter dem Beitrag der Alzheimer’s Society (Screenshot: CORRECTIV)

Zusammengefasst hat also weder die die Alzheimer’s Society Sylvias Rezepte geteilt, noch hat demnach die Ernährungsumstellung allein einen starken Einfluss auf Sylvias Zustand gehabt.

Behauptung 2:

Demenzraten seien in Mittelmeerländern viel niedriger.

Was stimmt?

Das stimmt nicht. Der ADI (Alzheimer Disease International) ist der Dachverband von über 80 verschiedenen Alzheimer-Vereinigungen der ganzen Welt. Im Rahmen des World Alzheimer Report 2015 (Seite 19) veröffentlichte er Informationen zur Alzheimer-Prävalenzrate mehrerer EU-Länder. Die Prävalenzrate in Italien (1) diente als Referenzwert, da dort die meisten Studien durchgeführt wurden. Italiens Prävalenzrate ist höher als zum Beispiel die Prävalenzrate in Finnland (0,55), im Vereinigten Königreich (0,68), in den Niederlanden (0,76) oder in Schweden (0,78).

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz ist eine Selbsthilfeorganisation und hat als Bundesverband mehr als 130 angeschlossene Alzheimer-Gesellschaften. In ihrem Informationsblatt 1 auf Seite 4 berichtet sie, dass keine signifikanten Unterschiede in der Prävalenzrate von Alzheimer festgestellt werden konnten: „Zwischen den westlichen Industrieländern scheint es keine gravierenden Unterschiede im Vorkommen von Demenzen zu geben und auch innerhalb einzelner Länder, in denen mit identischer Methodik Untersuchungen in verschiedenen Landesteilen durchgeführt wurden, beobachtete man keine signifikanten regionalen Schwankungen.”

Behauptung 3:

Die Aufnahme von Aluminium im Gehirn hänge direkt mit Demenz und insbesondere der Alzheimer-Krankheit zusammen.

Was stimmt?

Dafür gibt es keine Belege. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) berät Bundesregierung und Bundesländer bezüglich Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit und betreibt eigene Forschung. In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2007 berichtete das Bundesinstitut: „ Ein Zusammenhang zwischen einer erhöhten Aluminium-Aufnahme aus Lebensmitteln inklusive Trinkwasser, Medikamenten oder kosmetischen Mitteln und einer Alzheimer Erkrankung wurde bisher wissenschaftlich nicht belegt. Weder bei Dialyse-Patienten, noch bei Aluminium-Arbeitern – beides Personengruppen, die in großem Umfang mit Aluminium in Kontakt kommen – wurden die für Alzheimer typischen Amyloid-Ablagerungen im Gehirn überdurchschnittlich oft beobachtet. Das BfR sieht deshalb keine Gesundheitsgefahr für Verbraucher durch eine Aluminiumaufnahme aus Lebensmittelbedarfsgegenständen und kosmetischen Mitteln.”

Im Juni 2017 veröffentlichte das BfR ein aktualisiertes Merkblatt mit dem Hinweis: „Verschiedene Studien versuchen einen Zusammenhang zwischen der Aluminiumaufnahme und einer Alzheimer-Krankheit nachzuweisen. Sie lassen aber aufgrund der uneinheitlichen Datenlage derzeit noch keine wissenschaftliche Beweisführung zu.“

Merkblatt des BfR (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit:

Der Titel suggeriert, dass sich die Symptome einer Alzheimer-Erkrankung (unter anderem Gedächtnisverlust) bei einer 82 Jahre alten Frau durch eine Ernährungsumstellung nicht nur verbessern, sondern eliminieren lassen konnten.

Das stimmt laut dem als Quelle genutzten Artikel jedoch nicht. Demnach haben sich die Symptome ihrer Alzheimer-Krankheit nicht nur durch gesunde Ernährung, sondern eine generell gesunde Lebensweise (gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, soziale Interaktion, kognitive Übungen) verbessert. Dafür, dass eine gesunde Lebensweise die zugrunde liegenden Krankheiten, die Demenz verursachen, verlangsamen oder sogar aufhalten könnte, gibt es keine Belege.

Die Behauptung, Demenzraten seien in Mittelmeerländern viel niedriger, ist falsch. Die Behauptung, die Aufnahme von Aluminium im Gehirn hänge direkt mit Demenz und insbesondere der Alzheimer-Krankheit zusammen, ist unbelegt.

Von Eva Wirtz, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Nein, der EU-Abgeordnete Guy Verhofstadt forderte keine „Vereinigung von Afrika und Europa“

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Der EU-Abgeordnete Guy Verhofstadt bei einer Pressekonferenz am 29. März 2017 im Europäischen Parlament. (Foto:Emmanuel Dunand/AFP)

Am 7. März 2019 erschien auf der Webseite „Journalistenwatch“ ein Artikel, der behauptet „EU-Abgeordneter Guy Verhofstadt will die Vereinigung von Afrika und Europa“. Was steckt dahinter?

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptungen:

  • Der EU-Abgeordnete Guy Verhofstadt wolle die „Vereinigung von Afrika und Europa“.
  • Auf ein Freihandelsabkommen zwischen zwei Ländern oder zwei Staatenbünden folge langfristig auch freier Personenverkehr.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind:  Teilweise falsch.

Worum geht es?

Am 7. März 2019 erschien auf der Webseite Journalistenwatch ein Artikel mit dem Titel „EU-Abgeordneter Guy Verhofstadt will die Vereinigung von Afrika und Europa“. Der dazugehörige Artikeltext stammt laut Quellenangabe von der Webseite Young German und erschien dort wortgleich, jedoch mit anderer Überschrift.

Behauptung 1:

Der EU-Abgeordneter Guy Verhofstadt wolle die „Vereinigung von Afrika und Europa“.

Was stimmt?

Der Artikel basiert auf einem Tweet des EU-Abgeordneten und Fraktionsvorsitzenden der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) Guy Verhofstadt vom 1. März 2019, in dem er einen einheitlichen euro-afrikanischen Wirtschaftsraum forderte.

Tweet des EU-Abgeordneten Guy Verhofstadt

Auf einem von ihm zum Text veröffentlichten Bild ist er selbst auf der 14. Konferenz der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa und Gruppe der afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten (ALDEPAC) in Kapstadt zu sehen. Die Konferenz fand vom 1. bis 3. März 2019 statt und stand unter dem Thema „Towards a Free Trade Agreement between Africa and the European Union” (Auf dem Weg zu einem Freihandelsabkommen zwischen Afrika und der Europäischen Union).

Guy Verhofstadt forderte also ein Freihandelsabkommen zwischen Afrika und der Europäischen Union, keine generelle Vereinigung.

Behauptung 2:

Auf ein Freihandelsabkommen zwischen zwei Ländern oder zwei Staatenbünden folge langfristig auch freier Personenverkehr.

Mutmaßungen ohne Belege im Artikel von „Journalistenwatch“

Was stimmt?

Die World Trade Organisation (WTO) zählt momentan insgesamt 294 regionale Handelsabkommen (z.B. Freihandelsabkommen, Zollunion). An 43 dieser Handelsabkommen ist die Europäische Union beteiligt. Insgesamt bestehen Freihandelsabkommen mit 17 Ländern der Afrikanischen Union (Algerien, Ägypten, Botswana, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Lesotho, Madagaskar, Marokko, Mauritius, Mosambik, Namibia, Seychellen, Südafrika, Swasiland, Tunesien und Zimbabwe).

Übersicht der World Trade Organization (abgerufen am 18. April 2019, Screenshot: CORRECTIV)

Der freie Personenverkehr hingegen gilt nur für Mitgliedsstaaten des Schengener Abkommens. Das sind aktuell: Deutschland, Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn.

Erklärung auf der Webseite des Auswärtigen Amtes (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit:

Guy Verhofstadt wirbt als Fraktionsvorsitzender der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) für ein Freihandelsabkommen zwischen Afrika und der EU. Dies ist nicht mit einer generellen „Vereinigung“ gleichzusetzen.

Von Eva Wirtz, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Foto von hinterlassenem Abfall: Street Parade 2016 statt aktueller Klimademo

Müll3
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Müll3
Facebook-Beitrag mit falscher Behauptung (Screenshot und Unkenntlichmachung: CORRECTIV)

Auf Facebook kursiert ein Bild, das angeblich große Mengen Müll nach einer Klimademo zeigen soll. Das ist falsch. Das Bild wurde nach einer Technoparty in Zürich aufgenommen.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

Auf Facebook wird ein Bild geteilt, das zeigt, wie zwei Personen große Mengen Abfall vor einem Bahnhofseingang in einen Abfallcontainer entsorgen. Das Bild ist am 7. April mit dem Text „So sah es dach der Klimademo aus. Ich bin stolz auf die Jugend, denn sie wissen um was es geht” von einem privaten Nutzer gepostet worden und unterstellt, dass Teilnehmer einer Klimademo große Mengen von Abfall hinterlassen haben. Der Beitrag wurde 2.590 Mal geteilt

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist:  Völlig falsch.

Was stimmt?

Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google und Bing ergab keinen eindeutigen Treffer. Allerdings war über TinEye ein ähnliches Bild zu finden. Der abgebildete Ort scheint identisch zu sein, ebenso die Arbeitskleidung und die Abfallcontainer. Das Bild gehörte zu einem Artikel der Schweizerischen Bundesbahnen, SBB, auf deren eigener Internetseite.

Screenshot der TinEye Bilder-Rückwärtssuche

In dem Artikel geht es unter anderem um die Beseitigung des Abfalls, der durch die jährlich in Zürich stattfindende Techno Party „Street Parade“ im August 2018 entstand. Eine Suche mit den Begriffen „Street-Parade“ und „SBB“ führte dann zu einem Artikel auf der Webseite 20min.ch vom 15. August 2016 mit dem Titel „SBB sammeln täglich den Abfall einer Street-Parade“. Dort fand sich auch das ursprüngliche Foto.

Artikel aus dem Jahr 2016 über den Abfall nach der Street Parade in Zürich

Mittlerweile wurde unter dem Facebook-Eintrag ein Artikel des Online-Magazins persönlich.com verlinkt. In dem Blogeintrag vom 12. April 2019 mit dem Titel „Wenn Bilder plötzlich lügen“ schildert Marco Meroni von der Werbeagentur „Rod Kommunikation“ die Entstehung des Bildes. Demnach wurde das Foto am 13. August 2016 zu Werbezwecken für die SBB durch die Mitarbeiter Stefan Erdin und den Fotografen Bruno Augsburger aufgenommen worden sei. Weiter schreibt Meroni: „Nun ist das Bild wieder da. Und schlägt im Gegensatz zu seiner Erstverwendung geradezu tsunamische Wellen. Es zirkuliert, tausendfach geteilt, seit einigen Tagen in den sozialen Medien und will dort als Beweisfoto die Bigotterie von Klimademonstrierenden belegen“.

Artikel des Online-Magazins „persönlich.com“ zur Entstehung des Bildes

Auf ihrer Facebooks-Seite hat „Rod Kommunikation“ in einem Beitrag vom 11. April 2019 noch einmal Stellung dazu genommen und bestätigt, dass das Bild am Bahnhof Stadelhofen in Zürich aufgenommen worden sei und die Beseitigung des Abfalles zeige, der durch die Street-Parade entstanden sei.

Stellungnahme der Werbeagentur „Rod Kommunikation“ zum Foto

Fazit:

Das Bild wurde zu Werbezwecken für die Schweizerische Bundesbahnen, SBB, am 13.08.2016 am Bahnhof Stadelhofen in Zürich aufgenommen und zeigt die Beseitigung des Abfalles, der durch die Street-Parade 2016 verursacht wurde. Die Unterstellung, die Teilnehmer einer Klimademo hätten diesen Abfall hinterlassen, ist falsch.

Von Melek Kosar, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Falsches Bild zu Fridays for Future-Demo in Köln

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Dieses Bild wurde nicht in Köln, sondern in Zürich aufgenommen. (Screenshot und Bearbeitung: CORRECTIV)

In Sozialen Netzwerken wird ein Bild geteilt, das angeblich Müll nach einer Klimaschutz-Demonstration in Köln zeigen soll. Doch das Bild ist bereits einige Jahre alt und zeigt Zürich, nicht Köln.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

  • Ein Foto belege, dass Teilnehmer der „Fridays for Future“-Demo am 15. März 2019 in Köln die Stadt vermüllt hätten.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Völlig falsch.
Facebook-Beitrag mit falscher Behauptung (Screenshot: CORRECTIV)

Was stimmt?

Eine Rückwärts-Bildersuche mit Google zeigt uns schnell identische Fotos und wann sie hochgeladen wurden. Das Ergebnis der Suche zeigt uns, dass das Bild bereits 2015 und 2016 im Internet zu finden war.

Ergebnis der Bilderrückwärtssuche bei Google

Das Bild wurde außerdem als „StreetParadeZurich2011Trash.jpg“ bereits im September 2011 auf Wikipedia Commons hochgeladen. Der Fotograf hat darauf nach eigenen Angaben die Verschmutzung nach einer Technoparade in Zürich festgehalten.

Bild mit dem Titel „StreetParadeZurich2011Trash.jpg“
Das Bild wurde 2011 hochgeladen. (Screenshot: CORRECTIV)

Mit Hilfe von Google Maps und Street View finden wir den Ort, von dem aus das Foto gemacht wurde. Mit den Kirchtürmen und dem Starbucks-Café als Anhaltspunkte (die Café-Filiale ist in der Limmatquai-Straße 4, Ecke Krug-Gasse in Zürich) lässt sich feststellen: Das Foto wurde auf der Limmatquai Straße in 8001 Zürich aufgenommen.

Fazit:

Das Bild wurde in Zürich aufgenommen und ist mindestens seit 2011 im Netz zu finden.
Von Micha Nelkner, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Nein, diese Bilder belegen nicht, dass das Krematorium im KZ Auschwitz erst nach dem Krieg gebaut wurde

Bildschirmfoto 2019-03-29 um 18.29.26
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Bildschirmfoto 2019-03-29 um 18.29.26
Facebook-Post vom 20. Februar 2019, der suggeriert, in Auschwitz habe es keine Gaskammer gegeben

Am 20. Februar 2019  veröffentlichte eine Facebook-Nutzerin eine Bildcollage, die suggeriert, in Auschwitz habe es keine Gaskammer gegeben. Erst nachträglich, im Jahr 1946, sei ein Schornstein gebaut worden. Warum das nicht stimmt, erklärt unser Faktencheck.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptung:

  • Der Schornstein im KZ Auschwitz stehe erst seit dem Jahr 1946 auf dem Gebäude. Implizit wird behauptet, es habe keine Krematorien und/oder Gaskammern im KZ Auschwitz unter den Nationalsozialisten gegeben.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Falsch.

Worum geht es?

Am 20. Februar 2019  veröffentlichte eine Facebook-Nutzerin eine Bildcollage, die suggeriert, in Auschwitz habe es keine Gaskammer gegeben. Erst nachträglich, im Jahr 1946, sei ein Schornstein gebaut worden.

Facebook-Post vom 20. Februar 2019, der die Existenz einer Gaskammer in Auschwitz anzweifelt

Was stimmt?

Auf eine Presseanfrage von Checkjetzt zu dem Bild, antwortete die Pressestelle der Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau folgendermaßen: „Was Sie uns zugesandt haben ist ein von Holocaustleugnern erstelltes Meme, das fälschlicherweise versucht zu beweisen, dass es in Auschwitz I kein Krematorium gegeben habe.“

Antwort der Pressestelle der Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau

Weiter führt die Pressestelle aus: „Vor dem Krieg diente das Gebäude als Munitionsbunker. Nachdem die Nazis dort das Konzentrationslager Auschwitz I errichteten, nutzte die SS das Gebäude vom 15. August 1940 bis Juli 1943 als Krematorium.“ Im Herbst 1941, sei der größte Raum des Gebäudes, der als Leichenhalle entworfen gewesen sei, zur ersten Gaskammer in Auschwitz umfunktioniert worden. „Dort wurden tausende Juden  mit Zyklon B von der SS ermordet […]. Sowjetische Kriegsgefangene und kranke Gefangene seien dort ebenfalls auf diese Weise ermordet worden.

Zu dem Schornstein schreibt die Pressestelle, die deutsche Firma Topf und Söhne aus Erfurt habe alle in Auschwitz errichteten Schornsteine geliefert. Ursprünglich sei das Krematorium Auschwitz I mit drei doppelten Schornsteinen ausgestattet gewesen. Nach der Errichtung von zwei weiteren Gaskammern in Auschwitz II – Birkenau im Frühling und Sommer 1942 hätten die Nazis die Vergasungen in der ersten Gaskammer in Auschwitz I gestoppt.

Weiter schreibt die Pressestelle: „Als die Nazis im Juli 1943 die Bauarbeiten an den insgesamt vier speziell angefertigten Gaskammern mit dazugehörigen Krematorien in Auschwitz II-Birkenau beendeten, stellten sie auch die Verbrennung von Leichen im Krematorium Auschwitz I ein. Das Gebäude diente ab Juli 1943 als Lager und Luftschutzbunker der SS. Die Verbrennungsöfen, Schornsteine und Teile der Mauern wurden abgerissen und die Löcher im Dach der Anlage, durch die die SS Zyklon B in die Kammer leitete, wurden versiegelt. Aus diesem Grund sind auf Bildern, die direkt nach dem Krieg aufgenommen wurden, keine Schornsteine mehr zu sehen. Nach dem Krieg entschieden sich die Überlebenden dazu, zwei Verbrennungsöfen und den Kamin mit Originalmaterial zu rekonstruieren. um Besuchern die Möglichkeit zu geben, das Originalgebäude zu sehen, wo die erste Gaskammer eingerichtet wurde“.

Die Pressestelle weist außerdem darauf hin, dass das untere Bild der Bildcollage nicht von 1946 stammt und darauf ein Mülleimer zu sehen sei, der in der Gedenkstätte bis 2018 dort gestanden habe.

Fazit:

Die Behauptung, dass es keine Krematorien und/oder Gaskammern im KZ Auschwitz unter den Nationalsozialisten gegeben habe, ist falsch. Es handelt sich bei dem abgebildeten Gebäude um die erste und deshalb noch provisorisch errichtete Gaskammer mit Krematorium und Schornstein des KZ Auschwitz I. Auf Bildern, die direkt nach dem Krieg aufgenommen wurden, ist dieser Schornstein nicht zu sehen. Der Grund ist: Die Nationalsozialisten haben 1943 im KZ Auschwitz II-Birkenau vier weitere Gaskammern und Krematorien gebaut und daraufhin die provisorische Anlage im KZ Auschwitz I zu einem Lagerraum und Luftschutzbunker umgebaut. Nach dem Krieg wurde der Originalzustand des ersten Krematoriums wieder hergestellt.
Von Eva Wirtz, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Kita will im Fasching keine Kostüme verbieten, sondern auf Stereotype hinweisen

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Faschingskostüme erregen immer wieder die Gemüter. (Symbolbild: 5598375 / Pixabay)

Am 5. März veröffentlichte Sven Liebich, Betreiber der Webseite „Halle Leaks“, eine Behauptung über Fasching. Demnach habe eine Kita Indianer-Kostüme verboten. Das stimmt nur teilweise.

In diesem Faktencheck geht es um diese Behauptung:

  • Hamburger Kita verbietet Kindern sich im Fasching als Indianer zu verkleiden, da das Rassismus sei.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Teilweise falsch.

Worum geht es?

Screenshot vom Facebook-Post

Was stimmt?

Die Hamburger Kita hat vor der Faschingsfeier in einem Brief an die Eltern gebeten auf Verkleidungen, die Minderheiten verletzen könnten, zu verzichten.

Bei besagter Kita handelt es sich um die Kita Eulenstraße. Auf der Webseite des Kita-Trägers gibt es eine Stellungnahme zu einer ähnlichen Berichterstattung der Hamburger Morgenpost, wo der Titel lautete „Politisch korrekter Fasching: Hamburger Kita verbietet Indianer-Kostüme!“

Demnach hatte die Kita einen Brief an die Eltern geschickt, in dem darum gebeten wurde, auf „problematische“ Kostüme zu verzichten. Als Beispiel wurde die Indianer-Verkleidung genannt.

Die Stellungnahme des Kitaträgers bestätigt den Fall und erklärt, wie es dazu kam: Es gebe ein Projekt zum Thema Inklusion und kultursensibler Pädagogik. Dabei gehe es auch um Faschingskostüme. „Das Projekt erkennt an, dass man Stereotype braucht, um die Komplexität der Welt zu reduzieren, es soll aber sensibilisieren für Stereotype, die für die Betroffenen schmerzhaft, z.T. sogar entwürdigend sein können“, steht in der Stellungnahme. Und weiter: „Wenn man an früher durchaus übliche Verkleidungen als Afrikaner mit Baströckchen und Bananen als Kopfschmuck denkt, kann man die größere Vorsicht unserer Kitas gut nachvollziehen.“

Der Kitaträger hinterfragt aber auch, ob es sinnvol ist, Indianerkostüme als problematisch anzusehen. Für Kinder ist Fasching eine Gelegenheit, sich in jemanden zu verwandeln, den sie als Held sehen und der sie selbst gerne sein möchten.  Über die von der Kita gewählten Beispiele ‚problematischer‘ Kostüme kann man deshalb durchaus streiten.“

Allerdings weist der Träger den Vorwurf zurück, bestimmte Kostüme seien verboten gewesen: „Natürlich wären Kinder, die doch als Indianer oder Scheichs verkleidet zum Fasching gekommen wären, genauso willkommen gewesen.“

Fazit:

Die Kita hat also nicht verboten, dass die Kinder als Indianer oder Scheich verkleidet kommen dürfen, sondern hat eine Empfehlung ausgesprochen, damit Kinder für Stereotypen sensibilisiert werden.

Von Andrea Wojtkowiak, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion