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Wissenschaftler schauen durch ein Mikroskop. Nicht alle haben Ahnung vom Klimawandel. (Symbolbild: FotoshopTofs / pixabay)

In einem Artikel wird behauptet, mehr als 31.000 Wissenschaftler hätten eine Petition unterzeichnet, mit der der menschengemachten Klimaerwärmung widersprochen werde. Doch nur 39 der Unterzeichner sind Klimatologen. Wir haben die Hintergründe geprüft.

In diesem Faktencheck geht es um folgendes:

Am 17. Januar 2018 veröffentlichte die Webseite Epoch Times einen Artikel mit drei Behauptungen: 

  • Mehr als 31.000 Wissenschaftler sollen eine Petition unterzeichnet haben, welche die menschengemachte Klimaerwärmung als eine falsche These bezeichnet.
  • Der Petition ist ein kurzes Schreiben beigefügt. Dessen Autor Frederick Seitz sei Präsident der U.S. National Academy of Sciences.
  • Die Begleitforschung zur Petition widerlege den „Mythos“, dass hohe Mengen an CO2 zur Klimaerwärmung beitragen.

Laut dem Analysetool Crowd-Tangle wurde der Beitrag mehr als 10.000 Mal auf Facebook geteilt. 

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: Größtenteils falsch. 

Behauptung 1:

  • Mehr als 31.000 Wissenschaftler sollen eine Petition unterzeichnet haben, welche die menschengemachte Klimaerwärmung als eine falsche These bezeichnet.

Was stimmt?

Die Petition ist auch besser bekannt als Oregon-Petition, benannt nach dem Oregon Institute of Science and Medicine (OISM). Dessen Gründer und langjähriger Chef ist Arthur B. Robinson, der die Petition gestartet hat. 

Die ungeheure Menge von 31.000 Unterschriften macht Eindruck. Die Webseite hat die Namen veröffentlicht.. Auf der Webseite der Petition, ist tatsächlich eine lange Liste von mehr als 31.000 Namen veröffentlicht. 

Die Webseite der Petition. (Screenshot: CORRECTIV)

Wie kommt diese Masse an Unterschriften zustande? Petitionproject.org nennt lediglich eine Voraussetzung, um an der Petition teilzunehmen: Die Unterzeichner müssen nach eigenen Angaben in einem „angemessenen“ („appropriate“) wissenschaftlichen Bereich einen formellen Abschluss haben, also mindestens einen Bachelor of Science. 

Epoch Times spricht hier nur von Wissenschaftlern, nennt aber keine Fachgebiete.

Aber reichen allgemeine naturwissenschaftliche „Kenntnisse der Grundlagenforschung“ und „ein Verständnis der wissenschaftlichen Methode“ aus, wenn es um ein komplett anderes Fachgebiet geht? So argumentieren zumindest die Macher der Petition. 

Wir haben dazu Klimaexperten angefragt. Eine Anfrage ging an das Deutsche Klima Konsortium (DKK), einen Verband von 24 Instituten zur Klimaforschung. 

Deren Geschäftsführung und Vorstand widersprechen der Annahme der Oregon-Petition: 

„Klimaforscher sind Experten auf ihrem Gebiet, aber sie sind natürlich Laien in anderen Naturwissenschaften, sagen wir Astrophysik, Mineralogie oder Humanbiologie. Vermutlich kann ein Klimawissenschaftler Erkenntnisse aus diesen Wissenschaftsbereichen leichter nachvollziehen, weil er eine naturwissenschaftliche Ausbildung hat. Aber um zum Beispiel die jahrzehntelangen Forschungsergebnisse der Astrophysik als falsch zu kritisieren, müsste sich der Klimaforscher in den Wissensstand einarbeiten und für die behauptete Lücke oder den Widerspruch Belege liefern. Einfach zu meinen, es könne so nicht sein, reicht nicht. Wissenschaft basiert auf Fakten, nicht auf Meinungen oder Glauben.“

Die Antwort des Deutschen Klima-Konsortiums per E-Mail an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf der Webseite der Petition gibt es genauere Angaben zum Hintergrund der Unterzeichner. Von den 31.000 Wissenschaftlern haben lediglich 9.000 einen Doktortitel, was Epoch Times im Artikel korrekt betont. Die Auflistung nach Fachgebieten zeigt uns, dass die meisten Unterzeichner ein fachfremdes Gebiet studiert haben. Von 31.000 Unterschriften sind nach eigenen Angaben lediglich 39 von Klimawissenschaftlern, das macht 0,1 % der gesamten Petition. Diese geringe Anzahl von Experten steht auch auf der Webseite unter Qualifications of Signers

Auf der Webseite der Petition wird genannt, welchen Hintergrund die Unterzeichner haben. Nur 39 sind Klimatologen. (Screenshot: CORRECTIV)

Epoch Times benennt diese Schwäche der Liste sehr versteckt: Die Petition werde von „verschiedenen Wissenschaftlern mit einem breiten Spektrum an Fachkenntnissen unterstützt“. Von tatsächlichen Experten ist hier also keine Rede. Selbst die Begründer der Petition, Arthur B. Robinson und Noah E. Robinson, sind keine Experten zum Klima. Beide sind promovierte Chemiker

Kritiker der Petitionsliste bemängeln, dass die Namen der Unterzeichner nur schwer überprüfbar sind. Denn auf der Webseite wird nur der Name genannt, maximal noch der Zusatz PhD (Doktor). Um die Namen zu überprüfen, müsste man jede Datenbank aller Universitäten der USA nach Namen durchsuchen, und dies 31.000 Mal. 

Dieser Umstand macht die Petitionsliste anfällig für Fälschungen. Es gibt Berichte, nach denen zeitweise der 1882 verstorbene Charles Darwin und mehrere fiktive Charaktere aus Fernsehserien auf der Petitionsliste standen. In den FAQs bestätigen die Macher der Petition zumindest einen gefälschten Eintrag. 

Behauptung 2:

  • Der Petition ist ein kurzes Schreiben beigefügt. Dessen Autor Frederick Seitz sei Präsident der U.S. National Academy of Sciences.

Was stimmt? 

Gemeinsam mit der Petition wird ein Brief von Frederick Seitz verbreitet. Die Petition nennt Seitz als ehemaligen Präsidenten der National Academy of Sciences (NAS).

Auszug von der Webseite der Petition. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf der NAS-Webseite finden wir heraus, dass Seitz nur bis zum Jahr 1969 Präsident der NAS war. 

Auszug von der Webseite der National Academy of Sciences. (Screenshot: CORRECTIV)

Danach wurde Seitz unter anderem als Lobbyist für den Tabakkonzern R. J. Reynolds Industries bekannt. 

Behauptung 3:

  • Die Begleitforschung zur Petition widerlege den „Mythos“, dass hohe Mengen an CO2 zur Klimaerwärmung beitragen.

Was stimmt?

Der Petition ist der 12-seitige Beitrag Environmental Effects of Increased Atmospheric Carbon Dioxide angefügt. Darin sollen die negativen Effekte von erhöhten CO2-Werten wissenschaftlich widerlegt werden. Zwei der drei Autoren dieses Beitrages sind die bereits genannten Begründer der Petition, Arthur B. Robinson und Noah E. Robinson. Wie erwähnt sind sie keine Experten der Klimawissenschaft, sondern Chemiker. 

Der Beitrag wurde im Jahr 2007 in einer fachfremden Zeitschrift für Ärzte und Chirurgen veröffentlicht. In den FAQs zur Petition wird dies bestätigt. Laut einem Bericht der New York Times war dieses Journal of American Physicians and Surgeons mehrfach ein Initiator von konservativen Protesten.  

Arthur B. Robinson, Mitbegründer der Petition und und des Oregon-Instituts, ist bereits lange politisch aktiv und bewirbt sich für den den U.S. Congress 2020. Er tritt für die Republikaner an. 

Öffentliche Kritik der National Academy of Sciences an dem Begleitschreiben

Der Rat der National Academy of Sciences (NAS) kritisiert die Petition öffentlich auf ihrer Webseite. Dafür gibt es zwei Gründe. Das wissenschaftliche Schreiben, welches der Petition beiliegt, hat ein fast identisches Format wie Veröffentlichungen der NAS. Da auch der Name des ehemaligen Präsidenten Frederick Seitz in der Petition benutzt wird, wird der Anschein geweckt, die NAS unterstütze diese Petition. Dem widerspricht der gesamte Rat der NAS. Weiter wird betont, dass die Experten der NAS auch den Aussagen der Petition entschlossen widersprechen.

Auszug von der Webseite der National Academy of Sciences. In dem Text wird die Petition kritisiert. (Screenshot: CORRECTIV)

Die relevanten Komitees der NAS, sowie die National Academy of Engineering (NAE) und das Institute of Medicine (IOM) seien bereits zu einer großen Übereinkunft gekommen, was die Gefahren der Klimaerwärmung anbelangt. Dieses Schreiben wurde schon 1991 als Policy Implications of Greenhouse Warming veröffentlicht. 

Fazit

Zwar stehen mehr als 31.000 Personen auf der Petitionsliste, diese haben jedoch ganz unterschiedliche Qualifikationen. Die Namen auf der Liste sind zudem nur schwer auf ihre Echtheit prüfbar. Nach eigenen Angaben der Unterzeichner haben 9.000 einen Doktortitel, und nur 39 von 31.000 Unterzeichnern sind Klimawissenschaftler. Die Behauptung ist somit teilweise falsch. 

Das Schreiben, das der Petition beigefügt ist, stammt zwar von Frederick Seitz, dieser war jedoch nur kurz Präsident der National Academy of Sciences und ist heute Lobbyist. Die Behauptung ist somit falsch. 

Die Begleitforschung zur Petition widerlegt zudem nicht, dass hohe Mengen an CO2 zur Klimaerwärmung beitragen. Dem beigefügten wissenschaftlichen Manuskript und dessen Aussagen widersprechen die gesamte Führung der National Academy of Sciences und weitere wissenschaftliche Akademien. Hinter der Petition stecken zwei Chemiker, von denen einer bei den US-Kongresswahlen 2020 für die Republikaner antritt, und ein Lobbyist. Die Behauptung ist also falsch. 

Von Micha Nelkner, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

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Ein Stierkampf am 30. August 2019 im spanischen Malaga. (Foto Jorge Guerrero / AFP)

Eine Facebook-Seite veröffentlichte einen Beitrag, laut dem Stiere vor traditionellen Stierkämpfen angeblich tagelang gequält werden. Darüber hinaus wird suggeriert, die Kämpfe würden mit deutschen Steuergeldern subventioniert. Wir haben nachgefragt.

In diesem Faktencheck geht es um folgendes:

Am 26. Juni 2019 veröffentlichte die Facebook-Seite der „Gemeinnützige Tierschutz-Gesellschaft Aachen“ einen Beitrag mit folgenden Behauptungen:

  • Stiere, die bei traditionellen Stierkämpfen in die Arena geschickt werden, würden vorher tagelang gequält. Unter anderem werde den Tieren Vaseline in die Augen gerieben, um das Sehvermögen zu verringern, und nasse Zeitung in die Ohren gestopft. Ätzende Substanzen an den Beinen würden dazu führen, dass sie schneller das Gleichgewicht verlieren. Es würden Nadeln in die Genitalien eingeführt und Baumwolle in die Nase gestopft, um die Atmung zu behindern.
  • Stierkämpfe würden durch deutsche Steuern mitfinanziert. In dem Facebook-Beitrag heißt es: „Nein, zu Subventionen mit unserem Geld für diese Veralterte, Barbarische ‘Tradition’ !!![sic!]“ 

Der Facebook-Beitrag wurde mehr als 200 Mal geteilt.

Der Facebook-Beitrag vom 26. Juni 2019 (Screenshot: CORRECTIV).

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: Unbelegt.

Behauptung 1:

Stiere, die bei traditionellen Stierkämpfen in die Arena geschickt werden, würden vorher tagelang gequält. Unter anderem werde den Tieren Vaseline in die Augen gerieben, um das Sehvermögen zu verringern, und nasse Zeitung in die Ohren gestopft. Ätzende Substanzen an den Beinen würden dazu führen, dass sie schneller das Gleichgewicht verlieren. Es würden Nadeln in die Genitalien eingeführt und Baumwolle in die Nase gestopft, um die Atmung zu behindern.

Was stimmt?

Der Text wurde schon mehrfach verwendet, unter anderem auf Italienisch in einer Petition gegen Stierkämpfe in Spanien, die 2018 gestartet wurde. Das im Facebook-Beitrag verwendete Foto taucht zum ersten Mal 2017 im Netz auf, wie eine Bilderrückwärtssuche mit Yandex ergibt. Auf einer Webseite namens Volcanotimes wird es in einem im August 2017 erschienen griechischen Beitrag zum Thema benutzt. Darin werden die gleichen Behauptungen über das Quälen der Tiere aufgestellt. Als Quellenangabe wird eine griechische Webseite genannt, die zu einem ebenfalls griechischen, privaten Facebook-Profil führt. Wann und wo das Foto aufgenommen wurde, ist letztlich nicht zu ermitteln.

Auch die deutsche Seite „Initiative Anti-Corrida“ verbreitet die Informationen, wie die Stiere angeblich körperlich beeinträchtigt werden. Zudem finden sich Teile der Behauptungen in Medienberichten, zum Beispiel in einem deutschen ViceArtikel über Stierkämpfe in Spanien von Sommer 2015, oder in einem Beitrag des Abendblatts zum letzten Stierkampf in Katalonien 2011. Woher die Informationen stammen, wird jedoch stets nicht klar. 

Tierschutzorganisationen wissen nichts über diese Praktiken

Die Tierschutzorganisation Peta informiert online – zum Beispiel auf der Seite der Jugendkampagne Peta Zwei – über die angebliche Praxis, den Tieren Vaseline in die Augen zu reiben. Auf Nachfrage schreibt uns jedoch ein Sprecher, Peter Höffken, die Seiten seien veraltet und man habe keine Belege dafür. In der Tat sei es unwahrscheinlich, dass Stiere vor dem Kampf in der Arena gequält würden, da dies dem Bild einer Toreros als „Held“ und dessen Karriere schaden würde. „Nach unserer Auffassung werden die unter dem Facebook-Link aufgeführten Methoden zur Schwächung der Stiere nicht angewandt.“ 

Man könne allerdings keine Aussage über alle Stierkampf-Veranstaltungen in Spanien treffen, da auch häufig inoffizielle, lokale oder privat organisierte Stierkämpfe stattfänden. 

Auszug aus einer der Antwort-E-Mails von Peta-Sprecher Peter Höffken. (Screenshot: CORRECTIV)

Höffken schreibt außerdem, dass die Stiere nach Kenntnis von Peta zumindest teilweise in dunklen Verschlägen gehalten würden und die runden Arenen so angelegt seien, dass sie den Stier desorientieren. Außerdem bekämen die Stiere die im Abendblatt-Artikel erwähnten Stiche in den Nacken, um den Kopf nicht mehr weit heben zu können.

Auszug aus der E-Mail von Peter Höffken von der Tierschutzorganisation Peta. (Screenshot: CORRECTIV)

Alberto Díez Michelena, Direktor der spanischen Tierschutzorganisation Asociación Nacional para la Defensa de los Animales, spricht ebenfalls von einer guten Versorgung der Tiere vor dem Kampf in der Arena. Die Behauptungen seien nicht bewiesen. Es würden jedoch oft Beruhigungsmittel vor dem Stierkampf eingesetzt.

Auszug aus der E-Mail von Alberto Díez Michelena von der spanischen Tierschutzorganisation Asociación para la Defensa de los Animales vom 29. Juli 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Spanisches Kulturministerium: Gesetze sollen Tierquälerei verhindern

Auch das zuständige spanische Ministerium für Kultur und Sport hat nach eigenen Angaben keine Belege für die beschriebenen Quälereien von Stieren. Es gebe sowohl auf bundesweiter wie auch auf regionaler Ebene Gesetze, die solche Vorgehensweisen verhindern sollen. Vor dem Kampf würden die Tiere doppelt tierärztlich untersucht. Sollten während der Veranstaltung Zweifel aufkommen, werde nach dem Kampf noch eine weitere Untersuchung gemacht.

Auszug aus der E-Mail der Pressestelle des spanischen Kulturministeriums vom 30. September 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Insgesamt ist nicht völlig auszuschließen, dass manche dieser oder ähnliche Methoden bei Stierkämpfen in Spanien angewandt wurden oder werden. Die Behauptungen kursieren seit vielen Jahren, aber es gibt keine belastbaren Quellen. Wer sie ursprünglich aufgestellt hat, ist unklar. 

Behauptung 2:

Spanische Stierkämpfe würden durch deutsche Steuern mitfinanziert. In dem Facebook-Beitrag heißt es: „Nein, zu Subventionen mit unserem Geld für diese Veralterte, Barbarische ‘Tradition’ !!![sic!]“

Was stimmt?

Es fließen keine deutschen Steuergelder direkt für Stierkämpfe nach Spanien. Das spanische Kulturministerium schreibt uns per E-Mail: „Für Stierkampfveranstaltungen gibt es keine direkten Beihilfen oder Subventionen aus deutschen öffentlichen Mitteln.“ Möglich sei eine Finanzierung aus Gemeinschaftsmitteln, vor allem durch die Gemeinsame Agrarpolitik der EU. Agrarsubventionen kommen aus dem gemeinschaftlichen EU-Haushalt, in den alle EU-Länder einzahlen, nicht nur Deutschland. 

Es kann also eine indirekte Finanzierung durch EU-Mittel stattfinden. Seit 2003 sind die Agrarförderungen der EU nicht mehr an die Produktion gekoppelt, sondern nur noch an die Größe des Betriebes. Es könne also sein, dass Farmer die Subventionen auch dazu nutzen, Bullen für Stierkämpfe zu züchten, erklärte die Europäische Kommission 2014.

Auch die Tierschutzorganisation Asociación para la Defensa de los Animales schreibt uns, Teile der Agrarsubventionen an Spanien gingen in unbestimmter Höhe auch an Züchter, die ihre Stiere teilweise später für die Kämpfe verkaufen könnten.

Auszug aus der E-Mail von Alberto Díez Michelena von der spanischen Tierschutzorganisation Asociación para la Defensa de los Animales vom 29. Juli 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Lea Schmitz, Leiterin der Pressestelle des Deutschen Tierschutzbundes, erklärt auf unsere Anfrage ebenfalls, dass es keine gezielte Förderung von Stierzuchten gäbe. Sie betont jedoch, dass EU Agrarsubventionen unter anderem spanischen Züchtern zugute kämen, die ihre Tiere – zumindest teilweise – für Kämpfe verkaufen. 

Auszug aus der E-Mail von Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. (Screenshot: CORRECTIV)

Die EU oder Deutschland subventionieren also nicht gezielt spanische Stierkämpfe. Lediglich indirekt könnten EU-Subventionen für Aktivitäten, die in Beziehung zu Stierkämpfen stehen, genutzt werden. Die Behauptung in dem Facebook-Beitrag ist somit teilweise falsch.

Fazit:

Ob Stiere vor den Kämpfen in Spanien gequält oder anderweitig beeinträchtigt werden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, weil es dafür bei offiziellen Stellen keine Belege gibt. Auch Tierschutzorganisationen in Deutschland und Spanien haben dafür keine Beweise. 

Deutsche Steuergelder fließen als EU-Subventionen tatsächlich nach Spanien, jedoch nicht, um gezielt Stierkämpfe zu subventionieren, sondern als Teil der regulären Agrarsubventionen. Diese Gelder werden in der Landwirtschaft eingesetzt und fließen auch an Züchter, die ihre Stiere zumindest teilweise für Stierkämpfe verkaufen.

Von Steffen Kutzner, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Unsere Bewertung:
Es gibt keine Belege für Quälereien von Stieren vor Stierkämpfen von offiziellen Stellen oder Tierschutzorganisationen. Deutsche Steuergelder fließen als EU-Agrarsubventionen nach Spanien, aber nicht, um gezielt Stierkämpfe zu subventionieren.

Collage ohne Titel
Keine gestohlenen Hunde, sondern höchstens Kupferschrott aus norwegischen Hinterhöfen transportierte der in den Sozialen Netzwerken zu sehende weiße Sprinter. (Screenshot und Collage: CORRECTIV)

Ein Facebook-Nutzer warnt, dass Hundediebe in einem weißen Mercedes-Sprinter mit spanischen Kennzeichen „unsere Hunde für Hundekämpfe rund um Europa“ transportieren würden. Diese Behauptung ist falsch, trotzdem kursiert sie seit langer Zeit und in mehreren Sprachen in den Sozialen Netzwerken.

In diesem Faktencheck geht es um Folgendes:

Am 14. August 2012 veröffentlichte ein Facebook-Nutzer einen Beitrag mit der Behauptung:

  • Unbekannte Männer würden in Deutschland Hunde stehlen und in einem weißen Mercedes-Sprinter mit einem spanischen  Kennzeichen für Hundekämpfe in Europa transportieren.

Bisher wurde der Beitrag mehr als 30.100 Mal auf Facebook geteilt.

Der Facebook-Beitrag. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Falsch.

Behauptung 1:

Unbekannte Männer würden in Deutschland Hunde stehlen und in einem weißen Mercedes-Sprinter mit einem spanischen Kennzeichen für Hundekämpfe in Europa transportieren.

Was stimmt?

Dass der abgebildete Mercedes-Sprinter vom Typ 212 D mit dem spanischen Kennzeichen als Transportmittel für gestohlene Hunde dient, erwies sich bei mehreren Überprüfungen in den vergangenen Jahren als eine Mär. Eine Rückwärtssuche von dem Transporter-Foto bei Google führt gleich in den ersten Suchergebnissen zu Faktenchecks von Mimikama aus den Jahren 2012, 2016 und 2018. Demnach existiert die  gleiche Behauptung mit dem dazugehörigen Foto ebenso in französischer und dänischer Sprache. Auch in England sollen die Hundediebe angeblich ihr Unwesen getrieben haben.

Zur Widerlegung der Hundediebe-Geschichte verweisen die Faktenchecks auf Fotos desselben Autos in einem Artikel des norwegischen Lokalblatts Indre Akershus Blad vom 11. Juli 2012, also gut einen Monat bevor der Facebook-Nutzer die Behauptung zu den Hundedieben veröffentlichte. In dem Text warnt die ortsansässige Polizei in Aurskog-Høland vor einem weißen, in Spanien zugelassenen Mercedes-Sprinter, der auf mehreren Innenhöfen in den norwegischen Kleinstädten Hemnes und Løken gesichtet worden sei. Bei den männlichen Insassen könne es sich möglicherweise um Kupferdiebe handeln. 

Ein Polizist namens Ola Fallang von der Polizeistation in Aurskog-Høland wird in dem Artikel damit zitiert, man könne nicht ausschließen, dass neben Metallen noch weitere Wertgegenstände entwendet würden. Am Ende des Artikels sieht man Fotos des weißen Transporters mit eben dem gesuchten Kennzeichen, das wir nachträglich geschwärzt haben. 

Indizien, dass es sich bei dem weißen Sprinter um dasselbe Fahrzeug wie in dem Facebook-Beitrag handelt, sind der tiefe Riss in der Stoßstange vorne links und ein am Kühlergrill mit der Öffnung nach unten angebrachtes Hufeisen. Auch der beige Pullover des Fahrers scheint auf beiden Fotos derselbe zu sein.

Das Foto, das in dem Artikel der norwegischen Zeitung Indre Akerhus Blad verwendet wurde. (Screenshot und Schwärzung: CORRECTIV)

Nur einen Tag später veröffentlichte das Indre Akershus Blad einen weiteren Artikel zu dem – diesmal nur mit verpixeltem Kennzeichen abgebildeten – Transporter. Wiederum stützt sich dieser dabei auf die Aussage des Polizisten Ola Fallang. Demnach seien die Männer am Abend zuvor an einer Tankstelle von einer Polizeistreife kontrolliert worden. Sie hätten einen spanischen Führerschein und seien „wahrscheinlich rumänischer Herkunft“. Bei der Kontrolle des Laderaums hätten die Polizeibeamten nur schrottreife Gegenstände vorgefunden.

Eine Pressemitteilung der norwegischen Polizei zu dem Fall gibt es nicht. Auf Anfrage teilte einer Sprecher der Polizei in Oslo lediglich mit, man habe den Informationen in den Medienberichten nichts hinzuzufügen.

Wie viele Diebstähle von Hunden oder anderen Haustieren es in Deutschland jährlich gibt, wird statistisch nicht gesondert ermittelt. Strafrechtlich wird der Diebstahl von Tieren mit dem von Sachgegenständen nach § 242 StGB gleichgestellt. Der Deutsche Tierschutzbund teilt nach Anfrage von CORRECTIV aber mit, dass der Diebstahl von Haustieren eher selten vorkomme. So werde oft auch zuerst ein Diebstahl vermutet, wo in Wirklichkeit ganz andere Gründe für das Verschwinden vorliegen, so Pressesprecherin Lea Schmitz. 

Dass hinter dem Abhandenkommen des eigenen Hundes ein organisiertes Verbrechen stecke, sei für die Tierschützer zwar grundsätzlich denkbar, da gerade der Handel mit Rassehunden ein lukratives Geschäft darstelle, jedoch: „Bisher gab es unseres Wissens aber nie konkrete Beobachtungen oder gar gerichtsverwertbare Beweise für solche kriminellen Handlungen“, so Schmitz.

Auszug aus der Antwort des Deutschen Tierschutzbundes. (Screenshot: CORRECTIV)

Mehr als der Export von gestohlenen Hunden sei in Deutschland der illegale Import von billig gezüchteten, nicht geimpften und ohne gültige Papiere ausgestatten Welpen ein Problem. 

Weiterer Auszug aus der E-Mail des Deutschen Tierschutzbundes. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit

Keine gestohlenen Hunde, sondern höchstens Kupferschrott aus norwegischen Hinterhöfen transportierte der in den Sozialen Netzwerken zu sehende weiße Sprinter. Die Behauptung ist falsch.

Von Marvin Kalwa, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Milliardär
Dieser Artikel suggeriert, der Schweizer Milliardär Hansjörg Wyss wolle 15 Prozent des Planeten kaufen, um ihn zu schützen. (Screenshot: CORRECTIV)

Ein Artikel auf der Webseite „Unser Planet“ suggeriert, ein Milliardär wolle 15 Prozent des Planeten kaufen, um ihn zu schützen. Das ist eine falsche Schlussfolgerung. Wie er tatsächlich in Umweltschutzmaßnahmen investieren möchte, wird im Verlauf des Artikels korrekt wiedergegeben.

In diesem Faktencheck geht es um Folgendes:

Am 14. Juli 2019 veröffentlichte die Website Unser Planet einen Artikel mit zwei Behauptungen:

  • Ein Milliardär wolle 15 Prozent des Planeten bis zum Jahr 2030 kaufen, um ihn zu schützen.
  • Hansjörg Wyss habe 450 Millionen US-Dollar für den Schutz von 40 Millionen Hektar Land und Wasser gespendet.

Bisher wurde der Beitrag mehr als 1.800 Mal auf Facebook geteilt.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind teilweise falsch.

Behauptung 1

Ein Milliardär wolle 15 Prozent des Planeten bis zum Jahr 2030 kaufen, um ihn zu schützen.

Was stimmt?

Nein, der Milliardär Hansjörg Wyss – von dem im Artikel die Rede ist – will nicht 15 Prozent des Planeten bis zum Jahr 2030 kaufen.

Die Behauptung im Artikel. (Screenshot: CORRECTIV)

Laut einem persönlichen Statement, das der Schweizer Milliardär Hansjörg Wyss im Oktober 2018 in der New York Times veröffentlichte, plane er „in den nächsten zehn Jahren eine Milliarde US-Dollar zu spenden, um Umweltschutzmaßnahmen an Land und zu Wasser weltweit voranzubringen“. Ziel sei es, dass im Jahr 2030 etwa 30 Prozent der Erdoberfläche geschützt sind.

Da nach UN-Informationen bisher etwa 15 Prozent der Erdoberfläche zu Schutzzonen erklärt worden sind, beträgt die Differenz zu seinem Ziel demnach weitere 15 Prozent.

Hansjörg Wyss möchte diesen Anteil jedoch nicht selbst käuflich erwerben, sondern über seine Stiftung mit örtlichen Gemeinden, indigenen Gemeinschaften und Regierungen zusammenarbeiten, um Naturschutzgebiete zu schaffen und zu erhalten. Das hat uns Greg Zimmerman, Pressesprecher der Wyss Foundation, auf Anfrage schriftlich bestätigt.

Hansjörg Wyss ist Gründer der Wyss Foundation, eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in den USA. Mit Hilfe dieser Stiftung hat er nun die Wyss Campaign for Nature ins Leben gerufen, die das Vorhaben bündelt.

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilt die Pressestelle der Wyss Foundation mit, dass die Kampagne zwei Hauptziele verfolge: Einerseits sollen die Regierungen der vereinten Nationen überzeugt werden, mehr Mittel zum Erhalt und zur Förderung von Schutzgebieten bereitzustellen. Des Weiteren will die Stiftung mit der örtlichen Bevölkerung und lokalen Behörden zusammenarbeiten, um Nationalparks und Meeresschutzgebiete auszubauen und zu erhalten.

Als Beispiel nennt Zimmerman die Kooperation der Wyss Kampagne mit einer lokalen Organisation in Argentinien, um Land im Aconquija-Nationalpark und -Reservat zu erwerben. Nach dem Kauf seien die Grundstücke der argentinischen Parkverwaltung (Administración de Parques Nacionales) gespendet worden und nun öffentlich zugänglich.

Diese und weitere Details werden auch im Artikel erwähnt. Lediglich die Überschrift ist irreführend formuliert.

Behauptung 2

Hansjörg Wyss habe 450 Millionen US-Dollar für den Schutz von 40 Millionen Hektar Land und Wasser gespendet.

Was stimmt?

Greg Zimmerman, Pressesprecher der Wyss Foundation, hat die Zahlen schriftlich bestätigt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1998 habe Hansjörg Wyss etwa 450 Millionen US-Dollar in die Arbeit der Wyss Foundation investiert. Damit seien mehr als 40 Millionen Hektar Lebensraum für Wildtiere in Afrika, Europa sowie Nord- und Südamerika unter permanenten Schutz gestellt worden.

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Fazit

Nein, der Milliardär Hansjörg Wyss will nicht 15 Prozent des Planeten bis zum Jahr 2030 kaufen. Das ist eine falsche Schlussfolgerung aus Informationen, die im weiteren Verlauf des Artikels richtig wiedergegeben werden: Durch seine Stiftung möchte er örtliche Regierungen dabei unterstützen, dass bis zum Jahr 2030 etwa 30 Prozent der Erdoberfläche zu Naturschutzgebieten erklärt worden sind. Zu diesem Zweck will er eine Milliarde US-Dollar investieren. Seit 1998 hat Wyss nach Angaben seiner Stiftung bereits 450 Millionen US-Dollar in Naturschutzprojekte investiert.

Von Matthias Schaar, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

Design ohne Titel
So wird das Foto – ein Screenshot eines Instagram-Beitrags – auf Facebook verbreitet. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf Facebook wird ein Foto verbreitet, das dicht gedrängte Flüchtlinge und Migranten auf einem Schiff zeigt. Die Behauptungen darüber sind falsch. Das Schiff gehört der italienischen Marine, und das Foto wurde in einem Hafen in Italien aufgenommen.

In diesem Faktencheck geht es um folgendes:

Am 19. August 2019 veröffentlichte eine Facebook-Nutzerin ein Foto mit Text, das sitzende Menschen auf einem Schiff zeigt. Der Text enthält folgende Behauptungen über das Bild:

  • Das Foto zeige ein „NGO Schlepperschiff mit neuen Migranten“.
  • Das Foto sei vor der libyschen Küste aufgenommen worden. 
  • Es sei nicht eine einzige Frau oder ein Kind an Bord des Schiffes. 

Bisher wurde der Beitrag mehr als 7.700 Mal auf Facebook geteilt.

Der Facebook-Beitrag vom 19. August 2019. (Screenshot am 27. August 2019: CORRECTIV)

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: Falsch. 

Behauptung 1:

Das Foto zeige ein „NGO Schlepperschiff mit neuen Migranten“.

Was stimmt?

Das abgebildete Schiff gehört keiner Nichtregierungsorganisation (NGO) sondern ist ein Patrouillenschiff der italienischen Marine – der Marina Militare. Die Menschen an Bord wurden im Rahmen der Operation „Mare Nostrum“ gerettet. Den ersten Hinweis darauf ergibt die Bilder-Rückwärtssuche bei Google, dort findet sich ein Artikel der Deutschen Welle vom 31. Oktober 2014 mit dem Titel „Flüchtlingsmission ‘Mare Nostrum’ endet“. Darin ist das Foto mit einem größeren Bildausschnitt zu sehen. Unten rechts im Bild ist das Logo der italienischen Marine zu erkennen. 

Der Artikel der Deutschen Welle von 2014 zeigt das Foto. (Screenshot am 27. August 2019: CORRECTIV)

„Mare Nostrum“ war eine Mission der italienischen Marine mit dem Ziel, Schiffbrüchige auf dem Mittelmeer zu retten und Schlepper zur Rechenschaft zu ziehen. Sie endete offiziell am 31. Oktober 2014. 

Das Foto zeigt, anders als in dem Facebook-Beitrag behauptet wird, keine „neuen Migranten“. Es wurde im Oktober 2014 aufgenommen. Dies lässt sich durch eine Metadaten-Recherche belegen. Metadaten sind die ursprünglich mit der Bilddatei gespeicherten Informationen, zum Beispiel das Kameramodell, die Uhrzeit und Beschreibungen. 

Das Originalfoto ist auch in einem Artikel der italienischen Zeitung Giornale di Sicilia vom 20. November 2016 zu finden. Gibt man diese Bild-URL in das Analysetool Exifdata ein, geht aus den Metadaten hervor, dass das Foto „die Landung des Sirio-Schiffes in Messina während der Rettungseinsätze der Marine“ zeige. Es sei am 3. Oktober 2014 aufgenommen worden. Als Bildquelle werden die italienische Nachrichtenagentur Agenzia Nazionale Stampa Associata (Ansa) und die Pressestelle der italienischen Marine (Ufficio Stampa Marina Militare) angegeben. 

Das Ergebnis der Metadaten-Analyse mit Exifdata. (Screenshot: CORRECTIV)

Es gibt außerdem einen italienischen Blog-Beitrag, in dem ein Foto der Gruppe auf dem Schiff aus einem anderem Blickwinkel zu sehen ist. Die Kleidung – zum Beispiel die leuchtend grüne Sportjacke eines Mannes im Vordergrund – zeigt, dass es sich um dieselben Menschen handelt. Auch die Metadaten dieses Fotos enthalten laut Exifdata die Information, das Schiff heiße „Sirio“ und das Foto zeige die Ankunft in Messina am 2. Oktober 2014.

Das Ergebnis der Analyse von Exifdata für das zweite Foto. (Screenshot: CORRECTIV)
Ein Blog-Artikel vom 3. Oktober 2014 mit einem anderen Foto derselben Menschengruppe. (Screenshot am 27. August 2019: CORRECTIV)

Zusätzlich existiert auf Youtube ein Video des italienischen Nachrichtenkanals HTO vom 5. Oktober 2014, in dem das Foto aus dem Facebook-Beitrag gleich zu Beginn zu sehen ist. Dort wird der Name des Schiffes („Sirio“) ebenfalls genannt und mehrfach auf Fotos gezeigt. Der Code „P409“ auf der Seite des Schiffes ist klar erkennbar. Eine Recherche auf der Webseite der italienischen Marine zeigt, dass sie ein Patrouillenschiff namens „Sirio“ mit dem Code „P409“ besitzt. 

Das Patrouillenschiff „Sirio“ auf der Webseite der italienischen Marine. Die Geländer am Heck können aufgestellt werden. (Screenshot: CORRECTIV)

Behauptung 2:

Das Foto sei vor der libyschen Küste aufgenommen worden. 

Was stimmt?

Das Foto wurde nicht vor der libyschen Küste aufgenommen, sondern im Hafen von Messina auf Sizilien. Die Metadaten-Analyse der Fotos mit Exifdata lieferte dafür bereits einen Anhaltspunkt. Durch einen Abgleich mit Satellitenaufnahmen von Google Maps lässt sich dies belegen. Zu sehen sind der Pier mit Segelschiffen, der im Hintergrund des Fotos erkennbar ist, und ein Haus mit blauem Dach, das ebenfalls übereinstimmt. 

Die Satellitenaufnahme von Google Maps zeigt den Hafen von Messina mit einem Pier mit Segelschiffen und einem Haus mit blauem Dach ein Stück darunter direkt am Wasser. (Screenshot am 27. August 2019: CORRECTIV)
Das vollständige Foto auf der Webseite des Giornale di Sicilia mit dem Pier und dem Haus mit blauem Dach links im Hintergrund. (Screenshot am 27. August 2019: CORRECTIV)

Auch der Abgleich mit Fotos des Hafens von Messina, zum Beispiel aus der Bilddatenbank Depositfotos, zeigt die Übereinstimmung. 

Ein Foto des Hafens von Messina aus der Bilddatenbank „Depositfotos“ zeigt das Haus mit blauem Dach und den Anleger für Segelschiffe. (Screenshot am 27. August 2019: CORRECTIV)

Behauptung 3: 

Es sei nicht eine einzige Frau oder ein Kind an Bord des Schiffes. 

Was stimmt:

Aus dem Bildmaterial und Medienberichten geht hervor, dass auch Frauen an Bord waren. Die italienische Zeitung Tempo Stretto berichtete am 2. Oktober 2014 von der Ankunft von 415 „Männern, Frauen und Kindern aus Afrika“ an Bord des Schiffes „Sirio“ in Messina. Zudem zeigen die Fotos in dem Youtube-Video von HTO Frauen, die von Bord des Schiffes gehen. 

Fazit:

Die Behauptungen über das Foto sind falsch. Es zeigt kein „NGO Schlepperschiff mit neuen Migranten“ sondern stammt von Oktober 2014. An welchem Tag genau es aufgenommen wurde, ist unklar – es muss jedoch vor dem 5. Oktober 2014 entstanden sein. Das Schiff gehört der italienischen Marine. Das Foto wurde nicht „vor der libyschen Küste“ aufgenommen, sondern im Hafen von Messina auf Sizilien. Es waren auch Frauen an Bord.

Von der Checkjetzt-Redaktion

Bildschirmfoto 2019-08-15 um 16.03.42
Facebook-Beitrag mit falscher Ortsangabe vom 8. August 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Auf Facebook veröffentlichte ein Nutzer Anfang August ein Bild und behauptete, es sei in Berlin aufgenommen worden. Das ist falsch.

In diesem Faktencheck geht es um folgendes:

Am 8. August 2019 veröffentlichte ein Facebook-Nutzer ein Foto, auf dem viele auf Teppichen sitzende Menschen vor einem Wohnblock zu sehen sind, mit der Behauptung: 

  • Das Bild sei in Berlin aufgenommen worden.

Bisher wurde der Beitrag mehr als 3.500 Mal auf Facebook geteilt.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptung ist: Falsch.

Behauptung 1:

Das Bild sei in Berlin aufgenommen worden. 

Was stimmt?

Eine Bilder-Rückwärtssuche bei Google führt zu einem Artikel der Seite France-Culture vom 23. Mai 2017, der mit dem gleichen Bild wie der Facebook-Beitrag bebildert ist. In der Bildunterschrift steht: „Demonstration aus dem Jahr 2010 zum Bau einer Moschee an der Paillade in Montpellier • Credits: Anne-Christine Poujoulat / AFP“. Das Bild stammt demnach von der Nachrichtenagentur AFP

Der Artikel auf der Seite France-Culture mit einem Bild der Nachrichtenagentur AFP (Screenshot: CORRECTIV)

In der Bilddatenbank der AFP findet sich ein Bild derselben Situation aus einem anderen Blickwinkel. Allerdings ist in der Bildunterschrift nicht von einer Demonstration die Rede. Die AFP schreibt: „Muslime besuchen das Freitagsgebet in einem Hof der Wohnsiedlung La Paillade in Montpellier, Südfrankreich am 30. April 2010. Einige Muslime aus Montpellier, die den Bau einer Moschee fordern, drohen, am 21. Mai ein Gebet vor dem Rathaus zu organisieren.“

Bild der Nachrichtenagentur AFP, aufgenommen am 30. April 2010 im französischen Montpellier(Screenshot: CORRECTIV)

Fazit:

Das Bild wurde nicht in Deutschland, sondern am 30. April 2010 in Montpellier in Frankreich aufgenommen. 

Aus der Checkjetzt-Redaktion 

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Niedersachsen erlaubte das Schächten von bis zu 200 Schafen oder Ziegen zum Opferfest 2019. (Symbolfoto: Alexas Fotos / Pixabay)

In einem Blogbeitrag wird behauptet, das Land Niedersachsen erlaube erneut das Schächten von Tieren zum islamischen Opferfest. Das ist richtig – die Schlachtung lief aber nicht unkontrolliert ab.

In diesem Faktencheck geht es um folgendes:

Am 11. August veröffentlichte die Seite Peter’s Blog einen Artikel mit dem Titel: „Niedersachsen erlaubt erneut Schächten“. Er enthält drei Behauptungen:

  • Die niedersächsischen Behörden hätten „wie bereits im letzten Jahr“ im Rahmen einer Ausnahmeregelung das Schächten von bis zu 200 Tieren zum diesjährigen islamischen Opferfest erlaubt. Diese Ausnahmen seien im Tierschutzgesetz unter Paragraph 4a geregelt.
  • Die Genehmigung sei zwar einem Schlachthof erteilt worden, doch niemand könne garantieren, dass die Tiere deshalb beim Schächten weniger leiden.
  • Die Tierschutzorganisation Peta stelle das Schächten auf eine Stufe mit den in Deutschland üblichen Methoden zur Schlachtung von Tieren und empfehle eine rein pflanzliche Ernährung. 

Bisher wurde der Artikel dem Analysetool Crowdtangle zufolge mehr als 3.900 Mal auf Facebook geteilt. 

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: Teilweise falsch.

Behauptung 1:

Die niedersächsischen Behörden hätten „wie bereits im letzten Jahr“ im Rahmen einer Ausnahmeregelung das Schächten von bis zu 200 Tieren zum diesjährigen islamischen Opferfest erlaubt. Diese Ausnahmen seien im Tierschutzgesetz unter Paragraph 4a geregelt.

Was stimmt?

Als Schächten wird das Schlachten durch Ausbluten ohne Betäubung bezeichnet, das nach religiösen Vorschriften durchgeführt wird. Es ist in Deutschland eigentlich verboten. Im Tierschutzgesetz (Paragraf 4a) steht: „Ein warmblütiges Tier darf nur geschlachtet werden, wenn es vor Beginn des Blutentzugs zum Zweck des Schlachtens betäubt worden ist.“  Allerdings kann laut Gesetz das Schächten in Ausnahmefällen genehmigt werden, wenn glaubhaft gemacht wird, dass religiöse Gründe es vorschreiben. Dazu müsse bei der zuständigen Veterinärbehörde rechtzeitig vorab ein Antrag auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung gestellt werden, heißt es auf der Webseite des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.  

Tatsächlich wurden in Niedersachsen 2018 und auch 2019 Sondergenehmigungen zum Schächten von Tieren anlässlich des islamischen Opferfestes erteilt. Es sei „in den letzten Jahren und in diesem Jahr von einer kommunalen Veterinärbehörde in Niedersachsen jeweils eine Ausnahmegenehmigung für das betäubungslose Schlachten erteilt“ worden, schreibt das Ministerium in einer Mitteilung auf seiner Webseite. Dies bestätigte uns eine Sprecherin des Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung, Sabine Hildebrandt, auch per Email: 2018 seien in Niedersachsen insgesamt 202 Schafe auf diese Art geschlachtet worden. 2019 sei die Zahl auf 200 Schafe oder Ziegen begrenzt worden. 

Das diesjährige Opferfest fand vom 10. bis 14. August statt. Anschließend schrieb Hildebrandt uns in einer weiteren Mail, es seien tatsächlich dieses Mal nur 113 Schafe geschlachtet worden. Es habe keinerlei Betäubung stattgefunden. Die Ausnahmegenehmigung habe sich nur auf Schafe oder Ziegen, nicht auf Rinder bezogen. Sie sei für den 11. und 12. August 2019 erteilt worden und habe sich auf „die Schlachtung von maximal 200 Schafe/Ziegen oder 4 Tonnen Lebendgewicht pro Tag“ bezogen.

Die Email von Sabine Hildebrandt vom 16. August 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Behauptung 2:

Die Genehmigung sei zwar einem Schlachthof erteilt worden, doch niemand könne garantieren, dass die Tiere deshalb beim Schächten weniger leiden.

Was stimmt?

Der Artikel auf Peter’s Blog suggeriert, das Schächten der Tiere laufe unkontrolliert ab. Zur Veranschaulichung wird im Artikel auch ein Video verlinkt, das das Schächten einer Kuh auf offener Straße zeigt. Das Tier wird dabei getreten und geschlagen. Die Aufnahme stammt wohl nicht aus Deutschland, da alle Plakate und Schilder im Hintergrund nicht in lateinischer Schrift beschriftet sind. Den Ursprung des Videos konnten wir nicht finden. Zwar behauptet der Artikel nicht, es stamme aus Deutschland, es erweckt im Zusammenhang mit dem Bericht über Niedersachsen aber einen falschen Eindruck.

Auszug aus dem Artikel von „Peter’s Blog“ mit dem Video. (Screenshot: CORRECTIV)

Dass die Genehmigung einem Schlachthof erteilt wurde, stimmt: Auf Nachfrage teilt uns die Sprecherin des Ministeriums, Sabine Hildebrandt, mit, in den vergangenen Jahren und auch 2019 sei nur jeweils eine Ausnahmegenehmigung von einer kommunalen Veterinärbehörde in Niedersachsen erteilt worden. 

Aus dem Text auf der Webseite des Ministeriums geht hervor, dass die Schlachtungen nur in zugelassenen Schlachtbetrieben durchgeführt werden dürfen. Es müsse „die notwendige Sachkunde für das Schlachten ohne Betäubung vorliegen“. Das Ganze laufe nicht unkontrolliert ab: Alle genehmigten Schlachtungen ohne Betäubung seien vom zuständigen Veterinäramt zu überwachen.

Behauptung 3:

Die Tierschutzorganisation Peta stelle das Schächten auf eine Stufe mit den in Deutschland üblichen Methoden zur Schlachtung von Tieren und empfehle eine rein pflanzliche Ernährung. 

Was stimmt? 

Die Tierschutzorganisation hat auf ihrer Webseite einen Artikel veröffentlicht, in dem über den Islam und das Schächten informiert wird. Anschließend heißt es: „Doch ergeht es Tieren in konventionellen Schlachthäusern wirklich besser? (…) Auch wenn Tiere im Schlachthof betäubt werden, leiden sie unsagbar. Sei es, weil die Betäubung nicht richtig funktioniert oder weil das Betäubungsgerät mehrfach angesetzt werden muss.“ Deshalb bleibe als tierfreundliche Ernährung nur die rein pflanzliche Ernährung. 

Peta bezeichnet also auch die Schlachtung mit Betäubung als grausam – schreibt aber nicht explizit, dass sie gleichermaßen schlimm sei wie das Schächten. 

Fazit:

Die zentrale Behauptung, Niedersachsen erlaube 2019 erneut das Schächten von 200 Tieren zum Opferfest, stimmt. Dass die Schlachtung ohne Betäubung jedoch unkontrolliert abläuft und niemand dabei auf den Tierschutz achtet, wie der Artikel suggeriert, ist falsch. 

Von der Checkjetzt-Redaktion

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Gibt es so ein Tier wirklich? Diese Frage stellen sich Nutzer beim Anblick dieses Fotos, das ein Exemplar der Rinderrasse „Weißblaue Belgier“ zeigt. (Screenshot: CORRECTIV)

Ein Artikel mit einem Foto einer extrem muskulösen Kuh wird viel auf Facebook geteilt. Darin steht, die Rasse heiße „Weißblaue Belgier“. Sie werde gezielt gezüchtet und habe oft gesundheitliche Probleme. Das ist richtig. 

In diesem Faktencheck geht es um folgendes:

Am 12. Oktober 2018 wurde ein Artikel mit dem Titel „An mutierten Rindern sieht man genau, was in der Fleischindustrie schief läuft“ auf der Seite Unser Planet veröffentlicht. 

Der Artikel enthält folgende Behauptungen:

  • Die Fotos zeigten eine Rinderrasse namens „Weißblauer Belgier“.
  • Bauern hätten diese Rasse durch selektive Zucht erschaffen, indem sie ein mutiertes Gen isolierten, das die „Muskelberge“ verursache – so würden die Rinder mehr Fleisch bieten.
  • Die Rinder hätten aufgrund der Züchtung gesundheitliche Probleme. Sie könnten regelmäßig nur per Kaiserschnitt zur Welt kommen und viele Kälber hätten Geburtsfehler wie vergrößerte Zungen. Andere Tiere hätten Probleme mit dem Herzen, den Atemwegen sowie Knochen und Gelenken. Oft führe dies zu einem frühen Tod.

Bis heute wurde der Artikel laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 2.400 Mal auf Facebook geteilt, in letzter Zeit verstärkt. 

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: Richtig.

Behauptung 1:

Die Fotos zeigten eine Rinderrasse namens „Weißblaue Belgier“.

Was stimmt?

Vor allem das Titelfoto des Artikels erregt auf den ersten Blick viel Aufmerksamkeit. Eine Bilder-Rückwärtssuche über Google zeigt, dass es seit Jahren auf vielen verschiedenen Internetseiten kursiert. Der Hinweis unten rechts in der Ecke des Fotos führt auf die Webseite Hornoxe. Allerdings handelt es sich dabei nach eigenen Angaben um eine „Funseite“, die lustige oder absurde Inhalte sammelt, und wahrscheinlich nicht um den Urheber des Fotos. 

Der älteste Treffer in der Bilder-Suchmaschine Tineye stammt von 2012, allerdings lässt sich das Foto auf den angezeigten Webseiten selbst nicht mehr finden. 2013 tauchte es auf einer belgischen Webseite des Unternehmens Genetique Avenir Belgimex (GAB) auf, die nach eigenen Angaben spezialisiert ist auf Produktion und Verkauf von Samen der Rinderrasse „Belgian Blue Breed“ – „Weißblaue Belgier“. 

Das Foto auf der Webseite von Genetique Avenir Belgimex. (Screenshot am 14. August: CORRECTIV)

Auf derselben Webseite findet sich auch ein weiteres Foto eines anderen, sehr ähnlichen Exemplars der Rasse aus einem anderen Blickwinkel. Es ist also plausibel, dass das Titelfoto in dem Artikel von Unser Planet wirklich ein Tier der Rasse „Weißblaue Belgier“ zeigt.  

Ein weiteres Foto eines Exemplars der Rasse „Weißblaue Belgier“ auf der belgischen Webseite. (Screenshot am 14. August: CORRECTIV)

Behauptung 2:

Bauern hätten diese Rasse durch selektive Zucht erschaffen, indem sie ein mutiertes Gen isolierten, das die „Muskelberge“ verursache – so würden die Rinder mehr Fleisch bieten.

Was stimmt?

Dass die Rasse namens „Weißblaue Belgier“ existiert, haben uns das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung und eine Sprecherin des Bundesverbands Rind und Schwein e.V. per E-Mail bestätigt. Ihre Züchtung sei in Deutschland nicht verboten.

Ein Sprecher des Ministeriums, Christian Däuble, schreibt: „Die Reinzucht besitzt mit einer Gesamtanzahl von 10 weiblichen und 3 männlichen Herdbuchtieren in Deutschland jedoch keine Bedeutung.“ Als Quelle verweist er auf die Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland. Dort sind tatsächlich für 2018 nur 13 Tiere vermerkt. Im Vergleich dazu gebe es in Deutschland etwa 11,94 Millionen Rinder und etwa 65.000 Herdbuchtiere bei den verschiedenen Fleischrassen, so Däuble.

Die Antwort des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung per Email. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine natürliche Gen-Mutation sorgt dafür, dass die Tiere so muskulös werden. „In der Rasse Weißblaue-Belgier gibt es eine natürliche Mutation des Gens, das für die Bildung von Myostatin verantwortlich ist“, erklärt Däuble. „Myostatin hemmt das Muskelwachstum und fördert den Fettansatz. Durch die Mutation fehlt den Tieren das Myostatin, sodass sie viel Fleisch mit wenig Fett produzieren.“ In Deutschland würden „Weißblaue Belgier“ meist mit Milchrassen gekreuzt, um die Nachkommen mästen zu können. „Dabei kommt die Mutation des Myostatin-Gens nicht zum Tragen, da die Mutation rezessiv ist.“ 

Auch in einem wissenschaftlichen Artikel aus dem Journal Nature Genetics von 1997 heißt es, es gebe bei Rindern eine genetische Mutation, die zum Phänomen des „double muscling“ führe, also zu sehr starkem Muskelwachstum. Erwähnt wird auch explizit die Rasse „Belgian Blue“ – die „Weißblauen Belgier“. Gleiches beschreibt ein weiterer Artikel von 2012 im Journal Animals.

Züchter machten sich also eine natürliche Mutation zunutze, weil die Tiere durch das Muskelwachstum sehr viel mageres Fleisch besitzen. 

Behauptung 3:

Die Rinder hätten aufgrund der Züchtung gesundheitliche Probleme. Sie könnten regelmäßig nur per Kaiserschnitt zur Welt kommen, viele Kälber hätten Geburtsfehler wie vergrößerte Zungen. Andere Tiere hätten Probleme mit dem Herzen, den Atemwegen sowie Knochen und Gelenken. Oft führe dies zu einem frühen Tod.

Was stimmt?

In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen von 2010 schreibt die Bundesregierung (Seite 8), grundsätzlich spiele eine natürliche Fortpflanzung bei der Zucht eine wichtige Rolle. Aber für die Rasse „Weißblaue Belgier“ ergäben sich daraus „keine konkreten Forderungen“, da diese in Deutschland „beinahe ausschließlich in Kreuzungen mit Holstein und Braunvieh eingesetzt“ werde. Sie werde deshalb nicht als „Qualzucht“ eingestuft.

Auszug aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen von 2010. (Screenshot: CORRECTIV)

 Christian Däuble, Sprecher des Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung, bestätigt in seiner Mail, dass es durch das starke Muskelwachstum schwierig sei, dass reinrassige Tiere der Art „Weißblaue Belgier“ auf natürliche Weise geboren werden. Die meisten würden per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Über weitere gesundheitliche Probleme sei „vorliegend nichts bekannt“. 

In Deutschland würden fünf Prozent der Milchkühe mit Sperma dieser Rasse besamt, schreibt Bianca Lind, Sprecherin des Bundesverbands Rind und Schwein. „Die Geburt dieser Kreuzungskälber ist problemlos.“ Über weitere Probleme sei dem Verband nichts bekannt.

Es gibt jedoch mehrere wissenschaftliche Berichte, die darauf hinweisen, dass die reinrassigen Rinder anfällig für verschiedene gesundheitliche Probleme ist. In dem Artikel im Journal Animals heißt es, sie seien besonders anfällig für Atemwegserkrankungen, Stress und einen gestörten Geburtsverlauf, weshalb sie besondere Aufmerksamkeit bei der Haltung benötigten.

Über eine Sammlung wissenschaftlicher Artikel in der Datenbank Science-Direct zur Rasse „Belgian Blue“ ist zudem ein Kapitel aus dem Buch Genetics and the Behavior of Domestic Animals zu finden. Darin steht, die Kälber hätten manchmal vergrößerte Zungenmuskeln und könnten deshalb nicht gestillt werden. 

Als Quelle verweist der Text auf einen Artikel von Wissenschaftlern der Katholischen Universität Leuven von 2001 mit dem Titel „Ethische Einwände gegen Kaiserschnitte: Bedeutung für die Zukunft der ‘Weißblauen Belgier’“. Darin heißt es, die Kälber litten manchmal unter geschwollenen Zungen, Gelenksteifigkeit oder Herz-Lungen-Problemen; teilweise führten diese Probleme zu einem frühen Tod. 

Auszug aus dem Artikel von Wissenschaftlern der Katholischen Universität Leuven. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit:

Die Behauptungen in dem Artikel über die Rinderrasse „Belgian Blue“ beziehungsweise „Weißblaue Belgier“ stimmen: Sie wird gezüchtet, um möglichst viel Fleisch zu produzieren und ist durch ihre Genmutation anfällig für gesundheitliche Probleme. 

Von der Checkjetzt-Redaktion

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Der Algorithmus von Google hat Einfluss auf die Suchergebnisse. (Symbolbild: Simon Steinberger / Pixabay)

In einem Artikel von Kopp-Report wird behauptet, Google habe Webseiten über Naturheilkunde aus seinen Suchergebnissen entfernt. Unsere Recherchen ergeben keine Belege dafür, dass das Unternehmen hier absichtlich manipuliert.

In diesem Faktencheck geht es um folgendes:

Am 28. Juni veröffentlichte die Webseite Kopp-Report einen Artikel mit dem Titel „Eilmeldung: Google entfernt Websites über Naturheilkunde aus seinen Suchergebnissen – ein Whistleblower sagt, wie und warum“. Er enthält folgende Behauptungen:

  • Nach einer Änderung des Algorithmus bei Google seien zahlreiche Naturheilmedizin-Webseiten in den US-amerikanischen Suchranglisten weit nach hinten gerutscht.
  • Bei Suchergebnissen zur Heilpflanze Kurkuma sei die Webseite greenmedinfo.com als „weltweit größte Open-Access-Ressource zu diesem Thema“ von den vorderen Plätzen verschwunden.
  • Argumente von Impfgegnern würden durch die automatische Vervollständigungsfunktion bei der Google-Suche unsichtbar gemacht. Argumente der anderen Seite hingegen bevorteilt.

Bisher wurde der Beitrag von Kopp-Report laut dem Analyse-Tool Crowdtangle mehr als 2.400 Mal auf Facebook geteilt.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: Unbelegt

Behauptung 1:

  • Nach einer Änderung des Algorithmus bei Google seien zahlreiche Naturheilmedizin-Webseiten in den US-amerikanischen Suchranglisten weit nach hinten gerutscht.

Was stimmt?

Einen Tag im Voraus kündigte Google auf einem seiner Twitter-Kanäle ein Update des sogenannten Kern-Algorithmus für den 3. Juni 2019 an. In der Vergangenheit haben solche Anpassungen oft schon zu erheblichen Veränderungen bei der Auflistung von Suchergebnissen geführt, wie die Webseite Searchmetrics berichtet. Zu einer detaillierten Auskunft, etwa zu der Frage, welche Webseiten aus welchen Gründen an Sichtbarkeit gewinnen oder verlieren, ist der Suchmaschinen-Riese Medienberichten zufolge für gewöhnlich nicht bereit.

Die Ankündigung von Google auf Twitter vom 2. Juni 2019 für ein großes Update des Algorithmus. (Screenshot: CORRECTIV)

Gleichwohl lassen sich mithilfe von Analysetools im Internet die durchschnittliche Auffindbarkeit von nicht-werbefinanzierten Webseiten bei Google im zeitlichen Verlauf und damit auch plausible Ursache-Wirkung-Linien herausfinden. Zum Beispiel mit dem Sichtbarkeitsindex des Unternehmens Sistrix (anmeldepflichtig)

Wir haben mehrere der Webseiten untersucht, die in dem Artikel genannt werden. Für die Homepage der Alternativmedizinerin Kelly Brogan fanden wir tatsächlich einen Einbruch der Auffindbarkeitsrate nach dem 3. Juni, die bis zum Ende des Monats gen null tendierte. Ähnlichen Schwund, wenngleich nicht immer so drastisch, zeigen auch Webseiten wie mercola.com, draxe.com und naturalnews.com.

Laut Sistrix ergibt sich der Sichtbarkeitsindex aus einzelnen Top-100-Listen von insgesamt 250.000 Suchphrasen, die das Unternehmen wöchentlich neu berechnet und nach dem jeweiligen Suchvolumen nochmals gewichtet. Eine mittlere Position einer Webseite etwa bei dem Suchbegriff „Immobilien“ wäre somit immer noch von höherem Wert als eine Spitzenposition beim Begriff „Wohnung Brandenburg an der Havel provisionsfrei“, so ein Beispiel auf der Homepage.

Wichtig ist an dieser Stelle aber auch, den Blick auf die Zahlenkurven zu weiten: Eine erhöhte Sichtbarkeit bei Suchabfragen konnte die Webseite kellybroganmd.com erst seit dem 8. Oktober 2018 erzielen. Auch damals war der Grund offenbar eine Veränderung des Algorithmus von Google.

Der Sichtbarkeitsindex, analysiert von Sistrix, zeigt einen Einbruch für die Webseite von Kelly Brogan nach dem 3. Juni 2019, aber auch einen Anstieg nach dem 8. Oktober 2018. (Screenshot: CORRECTIV)

Interessant ist, dass zu Zeiten solcher Updates auch die Sichtbarkeitsraten der anderen Webseiten starken Schwankungen unterliegen, dies mitunter aber unter völlig anderen Vorzeichen. Die Webseite draxe.com zum Beispiel rutschte durch die Änderung im Algorithmus 2018 in den Ergebnislisten eher noch weiter nach hinten. 

 

Sichtbarkeitsindex, analysiert von Sistrix, für die Webseite draxe.com. Sie zeigt auch einen Einbruch nach dem 8. Oktober 2018. (Screenshot: CORRECTIV)

Von einer neuerdings eingeführten, generellen Benachteiligung von Naturheilmedizin-Webseiten, die der Artikel von Kopp-Report im Zusammenhang mit dem Juni-Update suggerieren will, kann also eher nicht die Rede sein.

Der Autor des Artikels, Sayer Ji, möchte mit seinem Text offenbar andeuten, Google vertrete mit seinem Algorithmus gesellschaftspolitische Interessen. Google verweist in den eigenen, öffentlich einsehbaren Richtlinien (PDF, Seite 9) darauf, dass für sogenannte „Your Money or Your Life (YMYL)“-Seiten besonders strenge Expertise-Standards gelten. Darunter versteht man Seiten im Internet, bei denen falsche Empfehlungen fatale Folgen für den eigenen Kontostand oder die eigene Gesundheit haben können – das sind zum Beispiel laut Google Shopping-Webseiten oder Seiten mit medizinischen Informationen.  

Zwischenfazit: Diese Behauptung ist unbelegt.

Behauptung 2:

  • Bei Suchergebnissen zur Heilpflanze Kurkuma sei die Webseite greenmedinfo.com als „weltweit größte Open-Access-Ressource zu diesem Thema“ von den vorderen Plätzen verschwunden.

Was stimmt? 

Kurkuma, in Deutschland vor allem als Gewürz bekannt, werden gemeinhin verdauungsfördende Wirkungen nachgesagt. Stimmen aus der Heilpraktiker-Szene gehen sogar noch weiter und rufen den Pflanzenstoff als angebliches Heilmittel gegen Alzheimer und Krebs aus – wofür es aber keine wissenschaftlichen Belege gibt. Der Autor des Artikels, Sayer Ji, betreibt in den USA die Webseite Greenmedinfo. Diese würde jedoch beim Suchbegriff „Kurkuma“ praktisch keine Erwähnung mehr finden. Google-Nutzer träfen stattdessen verstärkt auf kritische Webseiten, die vor den Nebenwirkungen des Gewürzes warnen, schreibt der Autor bei Kopp-Report

Entsprechende Verlaufsdaten bei Sistrix können bestätigen, dass Greenmedinfo am 6. Juni zumindest noch auf Platz 28 in der Rangliste für den Suchbegriff „turmeric“ (englisch für Kurkuma) zu finden ist, in den folgenden Tagen aber bis auf Platz 76 (Stand 10. Juni) abstürzte. 

Ranking der Seite Greenmedinfo für den Suchbegriff „turmeric“ (Kurkuma), analysiert von Sistrix. (Screenshot: CORRECTIV)

Gibt man den Begriff „turmeric“ aktuell bei Google ein, wird nichtsdestotrotz ganz oben eine Webseite vorgeschlagen, die zehn angebliche Beweise aufführt, warum Kurkuma gesund sei.

Google-Suchergebnis für „turmeric“ (Kurkuma), abgerufen am 15. Juli 2019. (Screenshot: CORRECTIV)

Zwischenfazit: Diese Behauptung ist größtenteils richtig.

Behauptung 3:

  • Argumente von Impfgegnern würden durch die Vervollständigungs-Funktion bei der Google-Suche unsichtbar gemacht. Argumente der anderen Seite würden hingegen bevorteilt.

Was stimmt?

In dem Artikel wird eine Art Alltagstest durchgeführt, bei dem Sayer Ji die Worte „vaccines cause…“ (Übersetzung: Impfstoffe verursachen…) in die Google-Suchleiste eingibt. Besonders stößt er sich dann an dem ersten Vorschlag der Suchmaschine zur Vervollständigung der Suche, nämlich „vaccines cause adults“, also in freier Übersetzung: Impfstoffe verursachen Erwachsene. Dabei handelt es sich offenbar um einen beliebten Spruch, den Impfbefürworter in den USA sich auf T-Shirts drucken lassen. Ji allerdings verweist darauf, dass diese Suchphrase etwa im Vergleich zu der Kombination „vaccines cause autism“ ein gar nicht so großes Suchvolumen habe. 

Als Beweis fügt er in dem Artikel dazu einen Screenshot von Google Trends ein. Dort kann das Interesse von Nutzern in einer Region an bestimmten Suchbegriffen betrachtet werden – über einen gewissen Zeitraum und im Vergleich zueinander. Der Test zeige, dass sich in Wirklichkeit viel mehr Menschen für den Zusammenhang von Impfen und Autismus interessierten. Trotzdem werde diese Suchphrase von Google in der automatischen Vervollständigung nicht aufgeführt.

Das Ergebnis für die Suchbegriffe „vaccines cause adults“ und „vaccines cause autism“ bei Google Trends zeigt, welche Phrase häufiger gesucht wird. (Screenshot: CORRECTIV)

Ein schneller Check bei Google Trends kommt, was die Zahlen betrifft, zum gleichen Ergebnis, wenn man sich für Suchanfragen in den USA interessiert. Die aktuelle Popularität eines Begriffes scheint also nicht zwingend mit einer automatischen Ergänzung im Suchfeld bei Google einherzugehen. 

Ein Beleg, dass Google damit willentlich Impfgegner zum Schweigen bringt, ist dies aber noch nicht. Man braucht dafür zur Gegenprobe nur die deutschen Wörter „Impfen ist“ einzugeben, um als erste Ergänzungen „Gift“, „Körperverletzung“ und „die beste Art der Bevölkerungsreduktion“ vorgeschlagen zu bekommen.

Die automatische Vervollständigung von Google für die Worte „Impfen ist…“. (Screenshot: CORRECTIV)

Dass Google zudem einzelne Vervollständigungen gar nicht anzeigt, könnte auch mit der Meldefunktion zusammenhängen, die Nutzer im Desktop-Modus unten rechts in der Vorschlagsliste anklicken können. „Meldungen von Nutzern und Nutzerinnen oder Klagen von Unternehmen führen zu Löschungen oder Änderungen“, erklärt Thomas Dürmeier vom Verein Goliathwatch auf unsere Anfrage per E-Mail. Goliathwatch kritisiert die intransparente Praxis von Google bei der Autovervollständigung. Dürmeier verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Google einzelne Begriffe auch bewusst aus der „Autocomplete“-Funktion herausnehme. So zeige die Suchmaschine zu dem Begriff „Juden“ in manchen Sprachen keine automatische Vervollständigung an.

E-Mail von Thomas Dürmeier vom Verein Goliathwatch. (Screenshot: CORRECTIV)

Zwischenfazit: Diese Behauptung ist unbelegt.

Fazit

Es stimmt, dass viele Webseiten zum Thema Naturheilmedizin in den USA nach einer Änderung des Algorithmus nun schwieriger bei Google zu finden sind. Für absichtliche Manipulationen vonseiten des Unternehmens finden sich aber keine überzeugenden Belege. 

Von Marvin Kalwa, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

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Der „Thailand Tip“-Artikel mit den Behauptungen. (Screenshot: CORRECTIV)

Es gibt keine Belege dafür, dass eine Bulldogge in Saline County einem Pädophilen, der zwei Kinder vergewaltigen wollte, die Genitalien abgebissen hat.

In diesem Faktencheck geht es um folgendes:

Am 20. März 2018 veröffentlichte die Webseite Thailand Tip einen Artikel mit drei Behauptungen:

  • Bulldogge beißt einem Pädophilen, der zwei Kinder vergewaltigen wollte, die Genitalien ab.
  • Die Röntgenaufnahme zeigt das Genital des Pädophilen im Körper des Hundes.
  • Der auf dem Bild gezeigte Hund ist die Bulldogge, die dem Vergewaltiger die Genitalien abgebissen haben soll.

Bisher wurde der Artikel mehr als 10.000 Mal auf Facebook geteilt.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: Falsch

Behauptung 1:

  • Bulldogge beißt einem Pädophilen, der zwei Kinder vergewaltigen wollte, die Genitalien ab.

Was stimmt?

Es gibt keine vertrauenswürdige Quelle, wie etwa eine Pressemitteilung, die diesen Vorfall bestätigt. Eine Anfrage an das zuständige Sheriffs Office in Saline County, Arkansas, blieb unbeantwortet. 

Bei diesem Artikel ist als Quelle Pattaya One News, P1N angegeben. Die älteste archivierte Version dieser Nachricht ist allerdings von der Website Neon Nettle vom 19. November 2017. 

Einige Angaben in dem Artikel von Thailand Tip lassen an der Plausibilität dieser Meldung zweifeln. So lautet die Orts- und Zeitangabe lediglich „Montag gegen 2 Uhr morgens“, ohne weitere Angabe des Datums. Ein Autor wird nicht genannt.

Bei dem Artikel handelt es sich zudem um eine fast wörtliche Übersetzung des als Quelle angegebenen Artikels auf der Website Pettaya One News. Am Ende wurde in der deutschen Übersetzung allerdings ein Zitat vergessen. 

Behauptung 2:

  • Die Röntgenaufnahme zeigt das Genital des Pädophilen im Körper des Hundes.

Was stimmt? 

Die Röntgenaufnahme zeigt kein Genital, sondern Luft im Darm eines Hundes. 

Über eine Bildersuche findet man das Foto, das im Januar 2013 auf der Foto-Plattform Imgur hochgeladen wurde. Dort steht: „Schaut euch den großen, geblähten Dickdarm des Hundes meines Verlobten an! (Ihm geht es gut)“.

Die Tierarzt-Klinik in Marzahn hat uns nach Sichtung des Fotos bestätigt, dass die Aufnahme Luft im Enddarm zeigt, also dem letzten Abschnitt des Dickdarms. 

(Screenshot: CORRECTIV)

Behauptung 3:

  • Der auf dem Bild gezeigte Hund ist die Bulldogge, die dem Vergewaltiger die Genitalien abgebissen haben soll.

Was stimmt?

Das Bild zeigt keinen Hund der Rasse „Bulldogge“. Es zeigt wahrscheinlich einen „American Pitbull Terrier“. Das Bild des Hundes wird außerdem seit Jahren als Meme benutzt.

Bild der angeblichen Bulldogge von der Webseite Thailand Tip. (Screenshot: CORRECTIV)
Google-Suche nach Bulldogge. (Screenshot: CORRECTIV)
Bildersuche über das Tool Tineye – schon 2013 taucht der Hund als Meme auf. (Screenshot: CORRECTIV)

Zudem wurde in vorherigen Artikeln, in denen über diesen vermeintlichen Vorfall berichtet wurde, das Bild eines anderen Hundes verwendet. 

So bebilderte die älteste Quelle „Neon Nettle“ die Geschichte. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit:

Der Artikel verbreitet eine unbelegbare Geschichte. Auf dem Bild ist zudem nicht der in dem Artikel beschriebene Hund zu sehen und die Röntgenaufnahme zeigt kein Genital. 

Von Katharina Schuler, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

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Stau auf einer Autobahn. (Foto: Pexels)

Auf Facebook kursiert ein Bild, in dem es heißt, deutsche Autofahrer würden 47 Milliarden Euro an Steuern zahlen, wovon jedoch nur fünf Milliarden in den Straßenbau fließen würden. Insofern sei die Forderung eines SPD-Politikers absurd, der eine Sonderabgabe für Straßenbau fordere. Wir haben die Behauptungen geprüft.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptungen:

  • Autofahrer würden dem Staat 47 Milliarden an Steuereinnahmen einbringen.
  • Fünf Milliarden Euro aus diesen Einnahmen würden in den Straßenbau investiert. 

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: teilweise falsch.

Das Bild mit dem Foto des Politikers Torsten Albig und der Behauptung wurde am 27. April 2018 auf Facebook hochgeladen. (Screenshot: CORRECTIV)

Behauptung 1:

Autofahrer würden dem Staat 47 Milliarden Euro an Steuereinnahmen bringen.

Was stimmt?

Eine Zahl für alle Steuereinnahmen durch Autofahrer festzusetzen, ist schwer möglich, da sich die meisten Steuern nicht allein durch einen Parameter definieren lassen. So zahlen Autofahrer beispielsweise Mehrwertsteuer auf ihr Benzin, auf Reifen, oder Versicherungssteuer für ihre Kfz-Versicherungen. 

Wie hoch der Anteil der Mehrwertsteuer auf spezielle Waren und Dienstleistungen ist, die lediglich Autofahrer erbringen, wird jedoch nicht erfasst. Man muss sich also für die Überprüfung der Zahl von 47 Milliarden, die in dem Facebook-Beitrag genannt wird, auf jene Steuern stützen, die mit Sicherheit allein von Autofahrern gezahlt werden. Das wäre nur die Kfz-Steuer. Auf Bundesebene brachte sie 2018 laut Bundesfinanzministerium Steuereinnahmen in Höhe von rund neun Milliarden Euro ein. Diese Summe sei jährlich etwa gleich, heißt es auf der Webseite des Ministeriums.

Die Zahlen stammen wahrscheinlich aus einem Artikel der Welt, der im November 2013 erschien. Darin steht: „47 Milliarden Euro zahlen die Autofahrer 2013 in die Staatskassen. Fünf Milliarden fließen in die Straßen, die sie benutzen. Mit den übrigen 42 Milliarden Euro finanziert der Bund alles Mögliche.“

Um ungefähr auf die im Bild angegebenen 47 Milliarden Euro zu kommen, müsste man zusätzlich zur KfZ-Steuer die Energiesteuer (bis 2006: Mineralölsteuer) mit einrechnen. Diese Steuer wird aber nicht nur auf Benzin erhoben, sondern auch auf unter anderem Heizöl, Erdgas und Kohle; sie wird also nur zum Teil von Autofahrern erbracht. Dieser Anteil belief sich 2017 laut Energiesteuerstatistik auf rund 21 Milliarden Euro für Diesel und weitere rund 16 Milliarden Euro für Benzin. Diese Angaben beziehen sich jedoch nicht allein auf Autofahrer, sondern auch auf Kräne, Busse, Landmaschinen oder LKWs. 

Das sich so ergebende Steueraufkommen von insgesamt 46 Milliarden Euro (Energiesteuern für Benzin und Diesel plus 9 Milliarden aus der KfZ-Steuer) ist also kein präziser Wert für Autofahrer. Exakte Zahlen dazu, wie viel Steuern durch Autofahrer im Kontext des Autofahrens gezahlt werden, gibt es nicht.

Behauptung 2:

Fünf Milliarden Euro aus diesen Einnahmen würden in den Straßenbau investiert. 

Was stimmt?

Für die Bundesfernstraßen sind im diesjährigen Bundeshaushalt insgesamt 10,8 Milliarden Euro vorgesehen. Nicht das gesamte Geld geht in den klassischen „Straßenbau“, jedoch wird der größte Teil für den Bau, Erhalt und Betrieb der Straßen verwendet. Aufgeführt werden unter anderem:

  • 2,3 Milliarden für den Erhalt der Autobahnen
  • 1,5 Milliarden für den Erhalt der Bundesstraßen
  • etwa 1 Milliarde für den Betriebsdienst von Bundesstraßen und -autobahnen
  • 0,3 Milliarden für den Um- und Ausbau der Autobahnen sowie Lärmschutzmaßnahmen und Raststätten
  • 0,2 Milliarden für den Um- und Ausbau von Bundesstraßen

Weitere 1,7 Milliarden im Bundeshaushalt werden zudem in die „Verbesserung der Verkehrsverhältnisse der Gemeinden” investiert. Die Mittel für Straßen in Deutschland sind also deutlich höher als fünf Milliarden Euro.

(Quelle: Einzelpläne des Bundeshaushalts 2019 / Screenshot: CORRECTIV)

Das geteilte Bild deutet auch an, dass der Staat den Rest der 42 Milliarden Euro zu Unrecht für andere Projekte verwende. Das ist nicht der Fall. Für Steuerausgaben gilt das sogenannte Gesamtdeckungsprinzip. Das bedeutet, dass Steuern, die durch Autofahrer erbracht werden, nicht notwendigerweise in den Straßenbau oder andere Auto-verwandte Bereiche investiert werden müssen. Auch die KfZ-Steuer ist nicht zweckgebunden. Die Steuereinnahmen werden zum allergrößten Teil in einem großen „Topf“ gesammelt. Daraus werden sie in die Bereiche investiert, wo Geld benötigt wird.

Fazit: 

Wie hoch die Steuereinnahmen allein durch Autofahrer sind, lässt sich nicht eindeutig beziffern. Das Budget des Verkehrsministeriums für Bau, Erhalt und Betrieb von Straßen ist wesentlich höher als fünf Milliarden Euro.

Von Steffen Kutzner, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

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Der Artikel mit der Behauptung, in Peru sei ein zehnjähriges Verbot für genetisch veränderte Lebensmittel in Kraft getreten. (Screenshot: CORRECTIV)

Ein Artikel behauptet, Peru habe im Zuge eines Verbots die Firma Monsanto für zehn Jahre „verbannt“. Das stimmt, denn ein entsprechendes Gesetz gegen genetisch modifizierte Lebensmittel ist dort seit 2011 in Kraft.

In diesem Faktencheck geht es um folgendes:

Am 4. August 2017 veröffentlichte die Website bewusst-vegan-froh.de einen Artikel mit der Überschrift „Peru verbannt Monsanto für 10 Jahre zum Schutz der biologischen Vielfalt”. Der Artikel wurde ursprünglich am 3. Dezember 2012 auf der Webseite foodrenegade.com in englischer Sprache unter dem Titel „Peru bans Monsanto and GMOs” veröffentlicht. Darin wird die Behauptung aufgestellt, in Peru sei ein zehnjähriges Verbot von gentechnisch modifizierten Lebensmitteln in Kraft getreten.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Diese Behauptung ist: richtig.

Behauptung:

  • In Peru soll ein zehnjähriges Verbot von gentechnisch modifizierten Lebensmitteln in Kraft getreten sein.

Was stimmt?

Das ist richtig: Schon im Jahr 2011 hat der peruanische Präsident Ollanta Humala das Gesetz Nr. 29811 in Kraft gesetzt. Es beinhaltet ein zehnjähriges Moratorium, das den Handel und die Verwendung von gentechnisch veränderten Pflanzen und Saatgut in der peruanischen Landwirtschaft betrifft. Dieses Moratorium endet im Jahr 2021.

Fazit:

Am 8. Dezember 2011 trat in Peru das Gesetz Nr. 28911 in Kraft, welches Produktion und Import genetisch modifizierter Lebensmittel für einen Zeitraum von zehn Jahren verbietet, um die Einführung genetisch veränderter Lebensmittel auf industrieller Ebene vorzubereiten – das gilt demnach also auch für Produkte von Monsanto, wie bewusst-vegan-leben.de schreibt. Das Moratorium endet in zwei Jahren (2021).

Von Eva Wirtz, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion

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Facebook-Beitrag vom 18. Mai 2019 (Screenshot: CORRECTIV)

Auf Facebook kursiert die Behauptung, eine Theorie, nach der Migranten jede Nacht heimlich nach Deutschland eingeflogen würden, sei nun durch eine Kleine Anfrage der AfD offiziell bestätigt. Das ist falsch.

In diesem Faktencheck geht es um folgende Behauptungen:

  • Eine Kleine Anfrage der AfD bestätige, dass Migranten jede Nacht heimlich nach Deutschland eingeflogen würden.
  • Die Bundesregierung habe die „Flüchtlingszahlen“ deshalb daraufhin zur Geheimsache erklärt.

Das Ergebnis unseres Faktenchecks:

Die Behauptungen sind: Falsch

Worum geht es?

Ein Facebook-Nutzer schrieb am 18. Mai, eine Kleine Anfrage der AfD im Bundestag bestätige, dass Migranten jede Nacht heimlich nach Deutschland eingeflogen würden. Daraufhin hätte die Bundesregierung die Informationen zur Geheimsache erklärt. Der Beitrag wurde mehr als 530 Mal geteilt.

Behauptung 1:

Eine Kleine Anfrage der AfD bestätige, dass Migranten jede Nacht heimlich nach Deutschland eingeflogen würden.

Was stimmt?

Aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD im Bundestag geht das nicht hervor. Dort steht nur, dass von insgesamt 20.876 im Jahr 2017 befragten Asylerstantragstellern 6.183 ausgesagt haben, mit dem Flugzeug nach Deutschland eingereist zu sein. Eine Überprüfung der Angaben habe laut Bundesregierung nicht stattgefunden, „da die Auswertung anonymisiert abläuft und rein informatorischen Zwecken“ diene. Die Informationen seien „statistisch nicht repräsentativ“. Die Antwort der Bundesregierung sagt zudem nichts darüber aus, ob sie heimlich eingeflogen seien und ob sie jede Nacht eingeflogen würden. Der Begriff „Migranten“ wird auch nicht verwendet. Die Zahlen beziehen sich auf Asylerstantragsteller.

Behauptung 2:

Die Bundesregierung habe die „Flüchtlingszahlen“ deshalb daraufhin zur Geheimsache erklärt.

Was stimmt?

Die Bundesregierung hat die Zahlen aus 2017 nicht zur Geheimsache erklärt. Die Antwort der Bundesregierung dazu kann weiterhin öffentlich online eingesehen werden.

Ein Jahr später stellte der AfD-Abgeordnete erneut eine Kleine Anfrage im Bundestag zum Thema für den Zeitraum 2018. In deren Beantwortung durch die Bundesregierung wurden Teile der Antwort als Verschlusssache mit dem Geheimhaltungsgrad „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft. Damit kann der Fragesteller die Auskünfte nur persönlich einsehen – weitergegeben und veröffentlicht werden dürfen sie nicht.

Die Bezeichnung „Geheimsache“ im Facebook-Beitrag ist demnach missverständlich, da der vorliegende Geheimhaltungsgrad „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ durchaus Zugriff auf die Daten erlaubt. Allerdings „dürfen nur Personen Kenntnis erhalten, die auf Grund ihrer Aufgabenerfüllung von ihr Kenntnis haben müssen“.

Auch die Schlussfolgerung, die Einstufung als Verschlusssache sei eine Reaktion auf die Bestätigung der „Verschwörungstheorie“ ist irreführend. Bei den nicht veröffentlichten Zahlen handelt es sich um neue Informationen über einen anderen Zeitraum und nicht um die Zahlen, die vorher veröffentlicht wurden.

Des Weiteren kann der Begriff „Flüchtlingszahlen“ in diesem Zusammenhang nicht pauschal verwendet werden. Denn erstens wurde nur eine bestimmte Zahl Aslyerstantragssteller befragt und zweitens wurde die Zahl der befragten Flüchtlinge mit „rund 19.000“ auch für das Jahr 2018 bei der Beantwortung der zweiten Kleinen Anfrage öffentlich genannt.

Die Begründung für die diskrete Einstufung der neuen Informationen hat CORRECTIV bereits geprüft.

Fazit:

Nein, die Kleine Anfrage der AfD bestätigt nicht, dass Migranten jede Nacht heimlich nach Deutschland eingeflogen würden. Die Bundesregierung hat die Zahlen aus 2017 nicht zur Geheimsache erklärt, aber Zahlen aus 2018 zur Verschlusssache.

Von Matthias Schaar, Mitglied der Checkjetzt-Redaktion