Gesellschaft

Keine Belege, dass die Antifa Trauerkränze in Dresden angezündet hat

In einem Artikel von Compact wird behauptet, „die Antifa“ habe sich bekannt, Trauerkränze für die Dresden-Opfer verbrannt zu haben. Dafür gibt es derzeit keine Belege. Die Polizei geht aber von einem „politischen Hintergrund“ der Tat aus.

von Bianca Hoffmann

Indymedia Trauerkränze
Auf dem Dresdener Annenfriedhof sind am 13. Februar Trauerkränze einer Gedenkveranstaltung angezündet worden. (Foto: Indymedia, CC BY-SA 3.0 DE)
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Unbelegt. Auf einem Dresdener Friedhof wurden Kränze angezündet. Die Polizei vermutet einen politischen Hintergrund, es ist aber unklar, wer die Täter sind.

Das Magazin Compact behauptet auf seiner Webseite, es sei nach einer Gedenkveranstaltung am 13. Februar zu einem Vorfall auf dem Alten Annenfriedhof in Dresden gekommen. Dort wurde an die Menschen erinnert, die vor 75 Jahren im Zweiten Weltkrieg bei der Bombardierung durch die Alliierten ums Leben gekommen sind. Trauerkränze, die von Politikern abgelegt wurden, seien verbrannt worden, schreibt Compact. Es existiere ein „Bekennerschreiben“ der „Antifa“, das am 14. Februar auf der Webseite Indymedia veröffentlicht worden sei. Auch die Bild berichtete und schrieb, die Täter seien „mutmaßlich Linksextreme“. 

Dafür gibt es zwar Anhaltspunkte, aber keine Belege.

„Der Sachverhalt ist uns seit dem 15. Februar bekannt und wurde zur Anzeige gebracht“, sagt Norbert Schilling, Polizeihauptkommissar aus Dresden, gegenüber CORRECTIV am Telefon. Die Ermittlungen dazu führe das Dezernat für Staatsschutz. „Es wird ein politischer Hintergrund vermutet.“ Das mutmaßliche Bekennerschreiben werde in die Ermittlungen mit einbezogen.

Auf Indymedia kann jeder Texte verfassen und Inhalte veröffentlichen. Es ist unklar, von wem das mutmaßliche Bekennerschreiben stammt. Es gibt keine Hinweise darauf, ob der Text von der „Antifa“ oder „mutmaßlich Linksextremen“ geschrieben wurde. In dem Schreiben, das von anonymen Autoren verfasst wurde, sind Bilder der brennenden Kränze zu sehen. „Die Kranzniederlegung stellt in unseren Augen eine Verhöhnung aller Opfer der Shoah [Anm. d. Redaktion: Holocaust] und des deutschen Angriffskrieges, als auch eine Verklärung der historischen Ereignisse dar.“ Unterschrieben worden ist der Beitrag mit „Eure Putzfrauen“. 

Jedes Jahr wird bei Gedenkveranstaltungen der Menschen, die bei der Bombardierung Dresdens ums Leben gekommen sind, gedacht. Rund um den Tag kommt es immer wieder zu Demonstrationen von Rechtsextremen und Gegendemonstrationen durch demokratische Bündnisse, aber auch durch linke Gruppierungen.

Vielleicht kennen Sie das. Die AfD scheint schier unaufhaltsam. Genauso wie der Rechtsruck in ganz Europa. Dazu kommt: Die Situation zuletzt in Ceuta, Krieg im Iran, Frieden ist in der Ukraine noch lange nicht in Sicht und gerade erst haben wir einen Sommer mit einem Rekord an Hitzetoten in Deutschland hinter uns. Von den unfassbaren Waldbränden in Europa will ich gar nicht erst anfangen.

Manchmal möchte man da schon den Kopf in den Sand stecken. Noch eine Krise. Noch eine schlechte Nachricht. Noch eine Debatte, bei der man sich fragt: Wo soll das alles hinführen? Ich glaube, ich spreche für viele, wenn ich sage: An vielen Tagen hat man einfach keinen Bock mehr. Vielleicht kennen auch Sie das Gefühl. Damit sind Sie nicht allein!

Wir von CORRECTIV wollen uns diesem Gefühl nicht länger hingeben. Denn so kann es nicht weitergehen. Deshalb haben wir uns eine neue Aktion ausgedacht und wir glauben, es ist genau das, was wir jetzt brauchen: Gemeinsam mit Ihnen wollen wir 42.000 Mutmeter gehen.

Mutmeter bedeuten für uns: aktiv zu werden und gemeinsam etwas zu schaffen, auf das wir stolz sein können. Gemeinsam setzen wir ein demokratisches Ausrufezeichen in einer extremen Zeit. Wie bei einem Marathon geht es nicht darum, wer am schnellsten ist. Es geht darum, überhaupt loszugehen. Meter für Meter. Schritt für Schritt.