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Bianca Hoffmann glaubt, dass gut gemachter Lokaljournalismus immer gebraucht wird. Als Überzeugungstäterin hat sie zuletzt ein regionales Nachrichtenportal im Ruhrgebiet mit aufgebaut und geleitet. Davor hat sie in und um Magdeburg bei einer Tageszeitung volontiert. Und weil nicht nur im Lokalen viel geredet wird, sorgt sie jetzt als Redakteurin bei CORRECTIV.Faktencheck für Tatsachen. 

E-Mail: bianca.hoffmann(at)correctiv.org

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Wassertrinken oder Gurgeln können das Coronavirus SARS-CoV-2 nicht aufhalten. (Symbild: Daria Shevstova/Pexels)

von Bianca Hoffmann

In einem Facebook-Post wird behauptet, das Coronavirus bleibe für vier Tage in der Kehle, bevor es die Lunge erreicht. Deswegen würde es helfen, viel Wasser zu trinken und zu gurgeln. Das ist nicht richtig.

Am 16. März behauptete ein Nutzer auf Facebook, das Coronavirus bleibe, bevor es die Lunge erreicht, für vier Tage in der Kehle. In dieser Zeit würde die infizierte Person anfangen zu husten und habe Schmerzen im Hals. Anscheinend wurde der Facebook-Beitrag automatisch ins Deutsche übersetzt. Es heißt dort wörtlich: „Wenn sie viel Wasser nimmt und mit warmen Wasser, Salz oder Essig Gargarejo macht, wird der Virus eliminiert.“ Gargarejo ist Portugiesisch und bedeutet Gurgeln. 

In dem Facebook-Beitrag wird behauptet, Gurgeln helfe gegen SARS-CoV-2. (Screenshot vom 20. März 2020: CORRECTIV)
In dem Facebook-Beitrag wird behauptet, Gurgeln helfe gegen SARS-CoV-2. (Screenshot vom 20. März 2020: CORRECTIV)

Der Beitrag wurde bis zum 20. März 2020 schon mehr als 17.200 Mal geteilt. 

Die Behauptung ist nicht richtig. Weder Trinken noch Gurgeln können das Coronavirus abtöten oder die Erkrankung mit Covid-19 eindämmen. 

Coronavirus befindet nicht auf den Zellen, sondern darin

Im ersten Teil des Beitrags auf Facebook wird behauptet, das Virus bleibe für vier Tage in der Kehle, bevor es die Lunge erreicht. „Wie lange das Virus in welcher Zelle verbleibt, lässt sich aktuell unseres Wissens nach noch nicht sagen. Anzunehmen ist aber eine längere Verweildauer. Die Wissenschaft wird hier mittelfristig Antworten liefern können“, schreibt Dr. Achim Jerg, Internist vom Uniklinikum Ulm in einer E-Mail an CORRECTIV.  

Entscheidend sei, erklärt Jerg, dass sich das Virus nicht auf den Zellen befindet, wie zum Beispiel Bakterien, sondern in den Zellen. „Initiale Eintrittspforte des Virus sind die Zellen der oberen Atemwege, in welche das Virus eindringt.“

Wassertrinken und Gurgeln halten das Virus nicht auf

Als Nächstes werden im Facebook-Beitrag mögliche Handlungsempfehlungen abgegeben. Zum einen steht dort, man solle viel trinken. Das ist generell gesund. Laut WHO kann es jedoch eine Infektion mit dem Coronavirus nicht verhindern. Das teilte die Organisation bereits am 8. Februar auf Twitter mit.  

Und auch das Gurgeln wird die Infektion nicht verhindern. Achim Jerg schreibt dazu: Da sich das Virus in den Zellen befinde und nicht darauf, sei „es dem Gurgeln nicht zugänglich. Nach aktuellem Wissensstand lässt sich der Eintritt der Viren nur durch hygienische Maßnahmen (z.B. Händehygiene, Social Distancing) verhindern.“

Unsere Bewertung:
Falsch. Wassertrinken und Gurgeln helfen nicht gegen das Coronavirus.

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Der CrowdNewsroom von CORRECTIV.Faktencheck ist ein neues Tool gegen die Desinformation zum Coronavirus SARS-CoV-2. (Grafik: CORRECTIV)

von Bianca Hoffmann

Zu dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 sind zahlreiche Falschmeldungen im Umlauf. Menschen können diese jetzt schnell und unkompliziert online melden, mit dem neuen CrowdNewsroom von CORRECTIV.Faktencheck. 

Behauptungen zu dem Coronavirus SARS-CoV-2 werden derzeit tausendfach weitergeleitet. Die WHO spricht von einer „Infodemie“, bei der es für die Menschen schwer sei, vertrauensvolle Quellen zu finden. Um Falschmeldungen effektiv zu bekämpfen, hat CORRECTIV.Faktencheck jetzt ein neues Meldesystem entwickelt: Jede und jeder kann verdächtige Behauptungen in unserem CrowdNewsroom melden.

Unser Team sichtet die Einreichungen, bewertet sie und veröffentlicht gegebenenfalls Faktenchecks. 

Hier geht es zu dem neuen CrowdNewsroom zum Coronavirus.

Es ist essentiell, Falschmeldungen zu dem Coronavirus SARS-CoV-2 klarzustellen, damit Menschen keinen falschen Versprechungen oder Handlungsanweisungen folgen. Der CrowdNewsroom zum Coronavirus ermöglicht, effektiver gegen die Verbreitung von Falschmeldungen vorzugehen. 

Dabei können alle mithelfen! 

Mit den gesammelten Daten wird auch deutlich, wie sich Desinformation in Deutschland verbreitet: Es wird sichtbar, ob es regionale Unterschiede bei den Falschmeldungen gibt, welche Sozialen Netzwerke am meisten für die Verbreitung genutzt werden und ob die Nachrichten insbesondere im persönlichen Bekanntenkreis geteilt oder verschickt werden. 

Der CrowdNewsroom ist eine von CORRECTIV entwickelte Software, um Bürgerinnen und Bürger an Recherchen zu beteiligen. Unter Mitwirkung der Öffentlichkeit wurden bereits mehrere Recherchen von CORRECTIV realisiert. CORRECTIV.Faktencheck ist eine eigene Redaktion innerhalb des gemeinnützigen und unabhängigen Recherchezentrums CORRECTIV. 

Särge Faktencheck
Dieses Foto steht nicht in Zusammenhang mit der aktuellen Coronavirus-Krise in Italien. (Collage: CORRECTIV)

von Bianca Hoffmann

In mehreren Beiträgen auf Facebook wird ein Foto mit vielen Särgen gezeigt. Angeblich zeigt das Bild die derzeitige Situation in Italien, wo viele Menschen durch das neuartige Coronavirus gestorben sind. Das ist jedoch falsch. Das Foto entstand schon 2013.

Ein Facebook-Nutzer hat am 18. März ein Bild von Särgen veröffentlicht, auf denen Blumen liegen. Dazu schreibt er: „Auch Deutschland wird sich an dieses Bild gewöhnen müssen. Erst recht, wenn weiterhin alle Beschlüsse mit Füßen getreten werden. BITTE BITTE BLEIBT ZUHAUSE, WENN IHR WEITER LEBEN WOLLT.“ Im Bild ist außerdem zu lesen: „Vielleicht ein Grund, dass alle mal Zuhause bleiben. So schauts in Italien aus.“ Der Beitrag wurde inzwischen mehr als 2.000 Mal geteilt. 

Der Beitrag einer anderen Facebook-Nutzerin mit dem gleichen Bild wurde bisher mehr als 2.800 Mal geteilt. 

An dem Aufruf, zu Hause zu bleiben, ist nichts Falsches. Das Bild ist allerdings aus dem Zusammenhang gerissen worden. Es entstand schon 2013. Damals ertranken vor Lampedusa zahlreiche Flüchtlinge. 

Foto hat keinen Zusammenhang zur aktuellen Situation in Italien

Wir haben das Bild bei der Bilderrückwärtssuche von Tineye hochgeladen. Direkt der erste Link führte in die Bilderdatenbank der Foto-Agentur Getty Images

Das Foto wurde demnach von der französischen Presseagentur AFP gemacht. In der Bildunterschrift ist zu lesen: „Diese Särge der Opfer wurden am 5. Oktober 2013 in einem Hangar des Flughafens von Lampedusa gesehen, nachdem ein Boot mit Migranten gesunken ist und mehr als hundert Menschen umgekommen sind.“ Weitere 200 Menschen würden noch vermisst.

Am 3. Oktober 2013 sank vor der Küste von Lampedusa ein Schlepperboot mit Flüchtlingen und Migranten. Fast 500 Menschen aus Somalia und Eritrea waren an Bord, wie es in diesem Medienbericht der Süddeutschen Zeitung heißt. 339 von ihnen konnten nur noch tot aus dem Meer geborgen werden. 

Abgesehen von dem Foto ist die Botschaft der Facebook-Nutzer im Kern richtig. Italien ist bislang nach China das Land mit den meisten Coronavirus-Erkrankungen und -Todesfällen. SARS-CoV-2 hat laut WHO dort bis zum 18. März schon knapp 2.500 Todesopfer gefordert

Angela Merkel rät dazu, Abstand zu anderen Menschen zu halten

In ihrer Rede an die Nation rief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 18. März dazu auf: „Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge!“ (Youtube-Video, ab Minute 9:11). Sie wiederholt in ihrer Rede die Ratschläge von Experten, um eine Infektion zu vermeiden: 

  • gründlich und oft die Hände waschen,
  • 1,5 Meter Abstand zu anderen Personen halten,
  • kein Handschlag mehr,
  • kaum noch Kontakte zu Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören.

Das Bild mit den Särgen tauchte übrigens nicht nur in Deutschland auf. Auch in Sri Lanka gibt es Facebook-Beiträge mit dem Foto, die von Faktencheckern aus Sri Lanka überprüft wurden. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Das Foto ist alt und hat nichts mit dem Coronavirus zu tun.

Coronavirus Symbolbild Labor
Die WHO bezeichnet die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 als Pandemie. (Foto: Hans Klaus Techt / picture alliance / APA / picturedesk.com)

von Frederik Richter , Bianca Hoffmann

In mehreren Videos behauptet der Arzt Wolfgang Wodarg, bei der Coronavirus-Pandemie handele es sich um Panikmache. Dabei durchmischt er Fakten und Spekulationen. Im Gespräch mit CORRECTIV zeigt er sich unbeeindruckt.

Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus und die Maßnahmen von Regierungen zur Eindämmung verunsichern die Menschen. Die aktuelle Situation ist ein idealer Nährboden für die Verbreitung von falschen, ungenauen Informationen und Spekulationen. Videos des Arztes Wolfgang Wodarg, der die Coronavirus-Pandemie für Panikmache hält, werden innerhalb von Tagen auf Youtube hunderttausende Mal angesehen. 

Wolfgang Wodarg war 15 Jahre lang Bundestagsabgeordneter für die SPD. Er gehört dem Vorstand von Transparency International an.

In den Videos, in denen er seit einigen Tagen mit seiner Sicht auf das Coronavirus auftritt, stellt er sich zudem als Lungenarzt, Internist und ehemaligen Leiter eines Gesundheitsamts in Schleswig-Holstein vor. 

Ein Youtube-Video vom 13. März wurde bereits über eine Million Mal aufgerufen. Ein Interview mit Eva Herman hat an nur einem Tag über 100.000 Aufrufe erzielt. Ein knapp elfminütiges Youtube-Video mit englischen Untertiteln hat in den vergangenen drei Tagen über eine halbe Million Aufrufe erreicht.

Wolfgang Wodarg
Der Arzt Wolfgang Wodarg sorgt derzeit für Aufregung mit seinen Äußerungen zum Coronavirus. (Quelle: Youtube / OvalMedia, Screenshot: CORRECTIV)

Der Tenor aus diesem sowie weiteren Videos lässt sich so zusammenfassen:

Die Reaktion von Regierungen und Behörden auf die Krankheit Covid-19 sei nicht angemessen. Wodarg sagt, er sei „fassungslos, über das, was ich da beobachten muss.“ Auf seiner Webseite fordert er: „Corona-Panic beenden!“ 

Er stellt zudem verschiedene Behauptungen auf.

Behauptung: Neuartiges Coronavirus sei nicht schlimmer als frühere Grippewellen

Wodarg argumentiert im Kern, dass es Coronaviren schon vor der aktuellen Krankheitswelle gegeben habe. Diese sei nicht schlimmer als frühere Grippewellen. Allerdings hätten Forscher – angeblich auch aus finanziellen Motiven – jetzt Tests entwickelt, die zuvor nicht zur Verfügung standen. Deswegen seien erst jetzt Erreger ins Bewusstsein getreten, die es schon lange gegeben habe.

Wodarg sagt, dass etwa zehn Prozent aller existierenden Viren Coronaviren seien (Minute 1:45). Und macht folgende Rechnung auf: Wenn es bei vorherigen Grippewellen 20.000 bis 30.000 Tote gegeben habe, dann gab es „in den vergangenen Jahren immer 2.000 bis 3.000 Tote durch Coronaviren. Und da sind wir ja noch weit von weg.“

Die Anzahl der bisher bestätigten Deutschen mit Grippe übersteigt die der Patienten mit Coronavirus – noch. In der gesamten Grippe-Saison 2019/2020 sind laut dem bundeseigenen Robert-Koch-Institut (RKI) bislang 247 Menschen durch eine Grippe ums Leben gekommen. Mit Grippe infiziert haben sich allerdings viel mehr Personen. Insgesamt wurden „145.258 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt“ (PDF, S. 6).  

Es trifft zu, dass die Familie der Coronaviren älter als der aktuelle Ausbruch des SARS-CoV-2 -Virus ist. Laut Robert-Koch-Institut ist diese Familie seit Mitte der 1960er Jahre bekannt. 

Das Robert-Koch-Institut erklärt auf seiner Webseite, dass Coronaviren schon seit den 1960er Jahren identifiziert sind. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch bei den SARS– und MERS-Viren handelt es sich um Coronaviren. Bei SARS-CoV-2 wird daher von Experten auch von einem „neuartigen“ Coronavirus gesprochen. Da es lange keinen eigenen Namen hatte, setzen viele Menschen SARS-CoV-2 offenbar mit dem Begriff „Coronavirus“ gleich. Das Helmholtz-Institut schreibt, etwa ein Drittel der „typischen Erkältungen“ sei auf Coronaviren zurückzuführen. Es gibt keine Belege darüber, wie viele Menschen direkt in Folge einer Ansteckung mit Coronaviren ums Leben gekommen sind, lediglich für die Epidemien mit SARS (774 Todesfälle in 2002/03) und MERS (800 Todesfälle bisher) liegen Zahlen vor.  

Wodarg argumentiert, dass es ein normaler Vorgang sei, dass sich Viren verändern, um sich verbreiten zu können. Allerdings lässt er die Problematik des aktuellen SARS-CoV-2-Ausbruch unter den Tisch fallen: Für dieses Virus gibt es bisher weder einen Impfstoff noch eine Immunität in der Bevölkerung. Lässt man der Pandemie also ihren Lauf, ist das Gesundheitssystem schnell überlastet.

Behauptung: Tests seien nicht spezifisch genug entwickelt

Das zweite Kernargument von Wodarg: Er zieht Möglichkeiten der Medizin, den Verursacher von Covid-19 zu erkennen, in Zweifel. Demnach seien Mediziner in der chinesischen Stadt Wuhan bei wenigen Patienten auf eine „angeblich“ neue RNA-Sequenz in Viren gestoßen.

Wissenschaftler der Berliner Charité unter Beteiligung des Leiters der Virologie, Christian Drosten, hätten dann schnell einen Test entwickelt. Dieser sei jedoch nicht ausreichend validiert worden, die üblichen Genehmigungsverfahren seien übersprungen worden, behauptet Wodarg. Die Charité ließ eine Anfrage von CORRECTIV zu den Vorwürfen zunächst unbeantwortet.

Wodarg sagt in einem Facebook-Video auf der Seite des ZDF-Magazins Frontal 21 außerdem, dass dieser Test lediglich auf Grundlage „der ähnlichen Viren, die man kannte“ entwickelt worden sei. Das Virus aus Wuhan habe schließlich in Berlin nicht vorgelegen. „Das ist nun natürlich so eine Sache, ob der Test jetzt wirklich nur diese Viren misst, die dort eine Rolle gespielt haben in der Klinik, oder ob der gleichzeitig noch andere SARS-Viren misst.“

Wodarg lobt allerdings die Wissenschaftler der Charité dafür, dass sie ihre Arbeiten ins Internet gestellt hätten. So könnten Wissenschaftler aus aller Welt diese überprüfen.

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Das wissenschaftliche Protokoll der Entwicklung des Tests für das damals noch als 2019-nCoV bezeichnete Virus ist in der Tat hier bei der WHO nachzulesen. Die Wissenschaftler schreiben, dass der Test auf der genetischen Nähe von 2019-nCoV mit SARS-Coronaviren basiere. Sie argumentieren jedoch, dass der Test das neuartige Virus ausreichend von anderen unterscheiden könne. Dies habe man anhand von 297 klinischen Proben anderer Viren, die Atemwegserkrankungen auslösen, untersucht.

Virologe Christian Drosten weist Vorwürfe zurück

Drosten wies am 18. März in seinem täglichen Podcast mit dem NDR die Vorwürfe von Wodarg zurück. Der Test sei entwickelt „auf der Basis des nahe verwandten SARS-Coronavirus. Dieses hat aber auch wieder mit den landläufigen Erkältungs-Coronaviren überhaupt nichts zu tun, das ist genetisch sehr weit entfernt.“

Man habe eine Reihe von Tests gemacht auf Basis des alten SARS-Coronavirus und einer „riesengroßen Diversität von Fledermaus-Coronaviren, also die nächsten Verwandten“.

Dann sei die Sequenzinformation des neuen Coronavirus veröffentlicht worden und man habe sie mit den Tests abgeglichen. Es seien die zwei Tests gewählt worden, die am besten zu dem neuen Virus passten. Diese seien weiter validiert worden, mit der Universität Hong Kong, der Universität Rotterdam, der nationalen Public Health Organisation in London und eigenen Patienten.

Es sei eine  Validierungsstudie durchgeführt worden mit hunderten echten Patientenproben, mit anderen Coronaviren und Erkältungsviren, so Drosten. „Und nicht ein einziges Mal hat es da eine falsch positive Reaktion gegeben. Also dieser Test reagiert gegen kein anderes Coronavirus des Menschen und gegen kein anderes Erkältungsvirus des Menschen.“

Angebliche Ungenauigkeiten bei den Tests: Das ist der vielleicht konkreteste Kritikpunkt von Wodarg. Danach wird es vage, Belege gibt es keine. Wodarg macht aber deutlich, dass er politische und finanzielle Interessen hinter der staatlichen Reaktion auf die Ausbreitung vermutet.

Behauptung: Coronavirus diene politischen Interessen

In China vermutet Wodarg ein Interesse des Staats an mehr Überwachung als Motiv. „Das war politisch sehr wichtig plötzlich. Das Fieberthermometer regelte den Verkehr in Chinas Straßen“, sagt er auf Youtube. Das SARS-CoV-2-Virus sei deswegen in Wuhan entdeckt worden, weil es dort „Sicherheitslabore“ für Viren gebe. Es ist eine von mehreren nicht ausgeführten Andeutungen, mit denen Wodarg seine Theorie von der unnötigen Panikmache unterfüttert. 

In einem telefonischen Gespräch mit CORRECTIV führt Wodarg aus, dass es eben in Wuhan spezialisierte Labore gegeben habe und nicht zum Beispiel in Peking. 

Im Umkehrschluss streitet der Arzt damit ab, dass es einen dramatischen Ausbruch einer neuartigen Viruserkrankung in Wuhan gegeben habe. Denn laut Wodargs Theorie sind angeblich Menschen überall gleichzeitig mit durch Coronaviren ausgelösten Atemwegserkrankungen erkrankt.

Behauptung: Wissenschaftler haben finanzielle Interessen am Coronavirus

Wodarg sagt, es habe sich ein selbstbezügliches Netz aus Politikern und Wissenschaftlern gebildet, in dem andere Ansichten keinen Platz mehr hätten. „Da ist was gesponnen worden, ein Netz von Informationen von Meinungen. (Das) hat sich entwickelt in diesen Fachkreisen und die Politik hat sich an diese Fachkreise gewandt, die damit angefangen haben.“

Wodarg unterstellt den Wissenschaftlern dabei finanzielle Interessen. „Wissenschaftler wollen mitschwimmen, weil sie Geld brauchen für ihre Institute. Sie wollen wichtig werden.“

Im NDR-Podcast widerspricht Christian Drosten: Man verdiene mit dem Test unter dem Strich „keinen Cent“.

Die Ansicht von Wodarg widerspricht auch den Äußerungen vieler Wissenschaftler. Eine Gruppe von Wissenschaftlern des Londoner Imperial College bezeichnet die aktuelle Situation als die größte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit durch ein Atemwegsvirus seit der H1N1-Pandemie am Ende des Ersten Weltkriegs (Spanische Grippe).

Laut dem Situationsbericht der WHO vom 17. März haben sich knapp 180.000 Menschen weltweit mit dem neuen Coronavirus infiziert. 7.426 Menschen sind demnach an der Krankheit gestorben. Laut Johns-Hopkins-University sind mehr als 81.000 bereits wieder geheilt.

Einordnung der Behauptungen von Wolfgang Wodarg

Es ist nicht das erste Mal, dass Wodarg finanzielle Interessen hinter Maßnahmen gegen eine Krankheit wittert. Vor zehn Jahren kritisierte er als Abgeordneter im Europarat die Reaktion der Weltgesundheitsbehörde auf das H1N1-Virus. Diese erklärte die sogenannte Schweinegrippe damals zu einer Pandemie. Kritiker wie Wodarg hielten das für falsch. Sie warfen den Verdacht auf, dass dies im Interesse der Pharmaindustrie erfolgt sei, damit diese an Impfungen Geld verdienen konnte.

Die WHO teilte im August 2010 mit, die Pandemie habe zu über 18.000 Toten geführt.

Auf der Webseite von Transparency International spricht Wodarg von „Unternehmen, die Seuchen erfinden, um aus Angst Profit zu schlagen“.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat Wodarg wegen seiner aktuellen Äußerungen auf Twitter kritisiert:

Karl Lauterbach (SPD) äußert sich zu den Videos von Wolfgang Wodarg. (Screenshot: CORRECTIV)

Im Gespräch mit CORRECTIV.Faktencheck sagt Wodarg, es gehe ihm primär darum, zu zeigen, dass es immer schon Coronaviren gegeben habe. „Wie sähe die Welt aus, wenn wir diesen Test nicht hätten? Dann wäre der Kaiser nackt“, sagt er in Anspielung auf das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“. Und Wodarg glaubt, dass dann eben politische und finanzielle Interessen auf diesen Zug aufgesprungen seien. 

Wodarg berichtet, dass sein Telefon nicht mehr still stehe. Gerade hat er dem anti-westlichen Blog Ken.FM ein Interview gegeben.

Versteht er, dass in der aktuellen Situation die Menschen Diskussionen über die mangelnde Validität von Testverfahren und angebliche Verschwörungen durch chinesische Politiker und Wissenschaftlern nicht auseinanderhalten können?

„Im Moment pickt sich jeder raus, was er will“, räumt Wodarg ein.

Anmerkung der Redaktion: Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist geschlossen.

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Update vom 18. März: Wir haben den Text mit Äußerungen von Christian Drosten ergänzt sowie die Einordnung des Blogs Ken.FM angepasst.

Mitarbeit: Alice Echtermann, Arne Steinberg

Flüchtlinge
Dieses Video zeigt keine neue Registrierungsstelle für Flüchtlinge. Es erschien nicht im März 2020, sondern bereits im Jahr 2015. (Screenshot: CORRECTIV)

von Bianca Hoffmann

Auf Facebook wird derzeit ein Video geteilt, das die Bauarbeiten aus einer Registrierungsstelle für Flüchtlinge zeigt, die angeblich in Kürze eröffnen solle. Es wurde schon 2015 aufgenommen.

Ein Facebook-Nutzer hat am 10. März ein Video auf seinem Profil geteilt. Darin sind Aufnahmen einer großen Halle zu sehen. Ein Mann namens Dirk Kleiböhmer erklärt darin, dass dort eine Registrierungsstelle eingerichtet werden solle zur Aufnahme von Asylbewerbern. Man rechne mit 1.000 Menschen pro Tag, die dort registriert werden sollen. Der Betrieb werde „am Montag“ starten. 

In dem gesamten 44-sekündigen Video ist oben rechts in der Ecke das Datum 6. März 2020 eingeblendet. Außerdem gibt es einen Hinweis auf die Quelle WN-TV. Der Facebook-Nutzer schreibt dazu: „Im Schutze der Corona wurde das Volk wieder verarscht und keiner hat es gemerkt.“

Das Video erweckt durch das Datum oben rechts in der Ecke den Eindruck, aktuell zu sein. (Screenshot und rote Markierung: CORRECTIV)
Das Video erweckt durch das Datum oben rechts in der Ecke den Eindruck, aktuell zu sein. (Screenshot und rote Markierung: CORRECTIV)

Das Video wurde mittlerweile mehr als 4.300 Mal auf Facebook geteilt. Es ist allerdings schon von 2015 und hat keinen Zusammenhang zur aktuellen Situation ankommender Asylbewerber in Deutschland. 

Video ist alt und stammt von 2015

Das Video wurde am 17. September 2015 auf dem Youtube-Kanal der Westfälischen Nachrichten (WN-TV) aus Münster hochgeladen. 

Es zeigt die Arbeiten an der Registrierungsstelle für Flüchtlinge am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO). Dirk Kleiböhmer, der Mann in dem Video, arbeitet als Brandschutzexperte in Münster. Offensichtlich wurde das Video heruntergeladen und mit einem aktuellen Zeitstempel versehen, um anschließend wieder bei Facebook hochgeladen zu werden. 

Die Zeitung Westfälische Nachrichten veröffentlichte 2015 mehrere Berichte zu der neuen Registrierungsstelle, unter anderem hier und hier

Im Jahr 2015 wurden vom Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge 890.000 Zugänge von Asylsuchenden in Deutschland registriert, es wurden 441.899 Anträge auf Asyl gestellt. Die Zahl ist seitdem stark gesunken. Im Jahr 2019 waren es insgesamt 142.509 Anträge, die in Deutschland von Asylsuchenden gestellt wurden (PDF, S. 6).

Kommentare bei Facebook deuten darauf hin, dass Nutzer glauben, das Video ist aktuell

In den Kommentaren zu dem Video auf Facebook gibt es bereits Hinweise auf das Alter der Aufnahmen. Allerdings gibt es auch zahlreiche wütende Kommentare. Dort steht beispielsweise „Deswegen gibt es ja Corona dass wir nichts mitbekommen sollen wieviele Flüchtlinge zu uns kommen“ oder „Danke Frau Merkel das brauchen wir jetzt“. 

Facebook-Kommentare unter dem Video. (Screenshot: CORRECTIV)
Facebook-Kommentare unter dem Video. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Mit der aktuellen Lage und der Pandemie durch das neuartige Coronavirus hat das Video nichts zu tun. Es wurde schon 2015 veröffentlicht und zeigt die damalige Einrichtung einer Registrierungsstelle für Flüchtlinge am Flughafen Münster/Osnabrück. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Video ist von 2015.

Impfung Impfstoff
Impfstoffe gegen Masern-Mumps-Röteln enthalten keine Stoffe, die Krebs erregen können, so das Paul-Ehrlich-Institut. (Symbolbild: Retha Ferguson/Pexels)

von Bianca Hoffmann

In einem Artikel wird behauptet, Krebszellen seien gezielt in Impfstoffe eingebracht worden. Und die könnten wiederum Krebs bei Menschen verursachen, die sich impfen lassen. Dafür gibt es keine Anhaltspunkte, das Paul-Ehrlich-Institut bezeichnet Teile der Meldung als falsch.

Die Webseite NPR.News, die nach eigenen Angaben „gegen den Strom“ und „politisch inkorrekt“ sein will, hat am 7. Januar einen Artikel zum Thema Impfen veröffentlicht. Darin geht es um eine angebliche Studie aus Italien. Diese habe angeblich aufgedeckt, dass eine für die Herstellung von Impfstoffen verwendete Zelllinie namens MRC-5 „abnorme“ Gene enthalte, die mit Krebs in Verbindung gebracht würden. Nach Angaben des Analyse-Tools Crowdtangle wurde der Text bereits mehr als 15.000 Mal auf Facebook geteilt.

In dem Artikel wird weiter behauptet, das Krebsrisiko einer Person steige, wenn ihr ein Impfstoff aus der Zelllinie injiziert werde. Diese Zelllinie stamme von einem abgetriebenen männlichen Baby mit „ernsthaften Gesundheitsproblemen“. Gleiches gelte für eine weitere abgetriebene Zelllinie namens WI-38.

An den Behauptungen ist – bis auf die Namen und Herkunft der Zelllinien – nicht viel Wahres dran. Wir haben darüber mit dem Paul-Ehrlich-Institut gesprochen, das in Deutschland für die Zulassung von Impfstoffen verantwortlich ist. 

Manche Impfstoffe werden mit Hilfe von menschlichen Zelllinien gewonnen

Zunächst zu den Aussagen in dem Artikel, die stimmen. „Ja, es gibt die Zelllinie MRC-5“, schreibt Dr. Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut an CORRECTIV. Daraus würden auch heute noch beispielsweise Impfstoffe gegen Masern-Mumps-Röteln (MMR) hergestellt. Die MRC5-Zellen stammten aus der Lunge eines 14 Wochen alten, bereits vor mehreren Jahrzehnten abgetriebenen männlichen Fötus. „Die Abtreibung erfolgte aus persönlichen Gründen der Mutter, nicht zum Zweck der Gewinnung der Zelllinie”, schreibt Stöcker. 

Und auch die Zelllinie WI-38 existiere tatsächlich und werde bis heute zur Herstellung von Impfstoffen verwendet. Sie stamme aus Fibroblasten der Lunge eines drei Monate alten, weiblichen Fötus, der 1961 in Schweden abgetrieben wurde. Der Grund für die Nutzung der Zelllinien sei, dass bestimmte Impfviren nur in menschlichen Zellen gezüchtet werden könnten, schreibt die Pressesprecherin.  

Studie von Corvelva entspricht nicht den wissenschaftlichen Kriterien

Die angebliche Studie, auf die sich der Artikel bezieht, stammt von der Forschergruppe „Corvelva“ aus Italien. Auf deren Webseite ist zu lesen, dass die in einem Impfstoff namens Priorix (gegen MMR) enthaltene DNA im Vergleich zu einem typischen menschlichen Genom „nicht normal“ sei. Es seien 560 Gene untersucht worden, die angeblich „an der Entstehung von Krebs beteiligt“ seien. Bei diesen Genen seien diverse „Abweichungen“ festgestellt worden. Die Konsequenzen seien „unklar“. 

Die Studie beschäftigt sich also nicht damit, ob tatsächlich Krebs hervorgerufen wird. Sie hat lediglich die DNA-Fragmente untersucht. 

Auf der Webseite von „Corvelva“ kann man sich die zehnseitige Studie herunterladen. Allerdings wurde sie offenbar in keiner wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht. Wir haben danach unter anderem bei der US National Library of Medicine und bei Google Scholar gesucht und keine Ergebnisse erhalten. Bevor Artikel in Fachmagazinen veröffentlicht werden, durchlaufen sie eine Qualitätssicherung (peer review), bei dem andere Wissenschaftler die Ergebnisse der Forschung nachvollziehen und prüfen.  

Eigentlich legen Wissenschaftler offen, wie ihre Erkenntnisse gewonnen wurden. Bei Corvelva gibt es lediglich den Hinweis auf ein nicht namentlich genanntes Labor in den USA, das die Analyse eines Impfstoffes durchgeführt habe (PDF, S. 2). In den zehn Seiten der Studie fehlen die genauen Daten dieser Analyse, es gibt nur eine Zusammenfassung. Corvelva ist zudem bekannt dafür, die Sicherheit von Impfstoffen infrage zu stellen. 

Paul-Ehrlich-Institut: Impfstoffe können keinen Krebs hervorrufen

Die Pressesprecherin des Paul-Ehrlich-Institutes, Susanne Stöcker, schreibt in einer E-Mail an CORRECTIV, dass die Studie von Corvelva fehlerhafte Informationen enthalte, die zu Falschinterpretationen führen. 

Für die Behauptung, dass der Fötus, von dem die Zelllinie stammt, „abnorme Gene“ gehabt habe, gebe es keine Belege. „Zudem ist möglicherweise in Resten vorhandene DNA in den Impfstoffen fragmentiert, was bedeutet, dass das Risiko, dass intakte Gene in das Genom des Impflings integriert werden könnten, nicht gegeben ist.“ 

In dem Artikel von NPR.News wird außerdem behauptet, dass das Krebsrisiko bei jeder Verwendung der Impfstoffe aus der MRC-5-Zelllinie steige. Das sei falsch, schreibt Stöcker. „Die für die Produktion der Impfantigene eingesetzten Zellen haben nicht die Fähigkeit, Tumore hervorzurufen.“ Sie betont außerdem: „Ein Impfstoff zum Schutz vor Infektionskrankheiten, der auch nur im Geringsten ein Krebsrisiko steigen lassen würde, könnte niemals eine Zulassung erhalten bzw. behalten.“

Unterschied bei der Herstellung von Lebend- und Totimpfstoffen  

Das Paul-Ehrlich-Institut ist in Deutschland verantwortlich für die Zulassung von Impfstoffen. Bevor ein Impfstoff auf den Markt kommt, muss er laut Bundesgesundheitsministerium eine klinische Prüfung in drei Phasen durchlaufen (PDF, S. 2). „Nur wenn der Nutzen eindeutig die Risiken überwiegt, wird ein neuer Impfstoff die Zulassung erhalten.“ 

Die Herstellung von Impfstoffen gegen Viren ist sehr komplex. Susanne Stöcker erklärt den Prozess vereinfacht so: „Lebendimpfstoffe werden auf menschlichen Zellen vermehrt und enthalten abgeschwächte Impfviren, die einen Impfschutz vermitteln, ohne die Infektionskrankheit des Wildtyp-Virus zu verursachen.“ Es seien auch tierische Zellen dafür im Einsatz. Manche Impfstoffe wie die gegen Röteln müssten aber auf menschlichen Zellen vermehrt werden. Dafür komme dann beispielsweise die Zelllinie MRC-5 zum Einsatz. 

Sogenannte inaktivierte Virus-Impfstoffe, auch als Totimpfstoffe bekannt, enthalten abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können. Sie werden ebenfalls in Zelllinien vermehrt und im Anschluss gereinigt, schreibt Stöcker. „Auch wenn darauf geachtet wird, möglichst alle nicht benötigten Bestandteile zu entfernen, können grundsätzlich noch Spuren von zellulärer DNA im Impfstoff vorhanden sein. Diese liegt dann in zerstückelter, inaktiver Form vor, so dass kein Risiko davon ausgeht.“    

Weitere Faktenchecks zur Studie von Corvelva erschienen

Der Artikel von NPR.News erschien im Vorfeld bereits auf Englisch auf der Webseite  Natural News. Dieser Text wurde bereits von den französischen Faktencheckern von Health Feedback geprüft. Sie kamen zu dem Ergebnis, die Studie von Corvelva sei ungenau. 

Auch die Faktenchecker von Mimikama haben haben sich mit dem Artikel von NPR.News beschäftigt. Sie kamen zu dem Ergebnis, die Studie sei ungenau und von „Impfkritikern“ veröffentlicht. 

Unser Fazit: Die in dem Artikel genannten Behauptungen sind wissenschaftlich nicht nachvollziehbar. Die für die Produktion von Impfstoffen eingesetzten Zellen können keinen Krebs hervorrufen. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Impfstoffe enthalten keine Zellen, die Krebs hervorrufen können.

Windräder Förderung EEG
Ende 2021 läuft für rund 4.500 Windkraftanlagen in Deutschland die EEG-Förderung aus. (Symbolbild: Hans Linde/Pixabay)

von Bianca Hoffmann

Eine Facebook-Seite behauptet, in Deutschland würden Windkraftanlagen abgerissen, obwohl sie alle noch funktionsfähig wären – nur weil die Förderung durch das EEG ausgelaufen sei. Ganz so einfach ist es nicht.

Die Facebook-Seite „Frieden rockt“ veröffentlichte am 22. Januar ein Bild, auf dem zu lesen ist: „Abriss alter Windräder: Tonnenweise Sondermüll“. Die Behauptungen darin beziehen sich auf einen Artikel des NDR, in dem es um den Rückbau alter Windkraftanlagen geht. Der Beitrag wurde rund 4.000 Mal auf Facebook geteilt.

Das Bild wurde zuerst von „Informiert statt Uninformiert“ auf Facebook veröffentlicht und dort mehr als 21.000 Mal geteilt. Die Seite wurde inzwischen gelöscht, wir haben den Beitrag aber archiviert

Die zentralen Behauptungen sind: 

  • Wenn die Subventionen für ältere Windkraftanlagen auslaufen, seien sie nicht mehr rentabel.
  • Die Windkraftanlagen seien alle noch funktionsfähig.
  • Beim Abriss alter Windräder entstehe tonnenweise Sondermüll.
  • Ein Abriss sei kostengünstiger als der weitere Betrieb.
Dieses Bild wurde allein auf der Facebook-Seite „Informiert statt Uninformiert“ mehr als 21.000 Mal geteilt. (Quelle: Informiert statt Uninformiert/Facebook. Screenshot: CORRECTIV)
Dieses Bild wurde allein auf der Facebook-Seite „Informiert statt Uninformiert“ mehr als 21.000 Mal geteilt. (Quelle: Informiert statt Uninformiert/Facebook. Screenshot: CORRECTIV)

Um die Behauptungen zu überprüfen, hat CORRECTIV mit dem Umweltbundesamt und dem Interessenverband Bundesverband Windenergie gesprochen. Die Aussagen auf dem Facebook-Bild sind teils richtig, teils unbelegt oder teilweise falsch. 

Das Bild bezieht sich zwar auf einen NDR-Artikel, die darin genannte Zahl von 6.000 Anlagen ist jedoch laut Umweltbundesamt falsch. Zudem schreibt der NDR nicht, dass alle Anlagen noch funktionstüchtig seien. Vielmehr heißt es dort, die Gründe für den Abriss seien entweder, dass die Anlagen ihr Lebensende erreicht hätten, oder dass die EEG-Förderung auslaufe. 

Umweltbundesamt: 4.500 Windkraftanlagen fallen Anfang 2021 aus der EEG-Förderung

Im Jahr 2019 gab es in Deutschland circa 29.000 Windkraftanlagen. Das schreibt eine Sprecherin des Umweltbundesamtes in einer E-Mail an CORRECTIV. Ganz sicher ließe sich das nicht sagen, da es eine gewisse Unsicherheit bei der Anzahl kleinerer Anlagen gebe. Fast alle älteren Anlagen werden mit Hilfe des Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG) gefördert. Seit der Gesetzesreform von 2017 trifft das nur noch auf einen Teil der neueren Windkraftanlagen zu. Pro Kilowattstunde Strom, die ins Netz eingespeist wird, haben Betreiber von Windkraftanlagen an Land im Jahr 2018 durchschnittlich 5,5 Cent erhalten (PDF, S. 98). Die EEG-Förderung wird für 20 Jahre gezahlt (EEG, Paragraph 25). 

Im Schnitt waren Windkraftanlagen 2018 laut Umweltbundesamt für 17 Prozent der Stromversorgung in Deutschland verantwortlich (PDF, S. 5). Und das, obwohl es sich um einen relativ jungen Industriezweig handelt, der erst in den 1990er Jahren entstand (PDF, S. 21). In dem Text des NDR wird behauptet, dass 6.000 Windkraftanlagen vor dem Abriss ständen. Als Quelle wird eine Studie des Umweltbundesamts angegeben.

Diese Zahl kann vom Umweltbundesamt jedoch nicht nachvollzogen werden. „Zu Anfang 2021 fallen ca. 4.500 Windenergieanlagen mit einer Leistung 3.762 MW aus der Förderung“, schreibt Petra Weißhaupt in einer E-Mail an CORRECTIV. 

Der Rückbau könnte sich laut Umweltbundesamt tatsächlich zum Problem entwickeln. „Das Umweltbundesamt hat mögliche Schwierigkeiten bei der Ausführung eines Rückbaus erkannt und ein Rückbaukonzept erarbeiten lassen. Dieses umfasst technische und rechtliche Empfehlungen und bietet somit eine Orientierung, wenn ein Rückbau bevorsteht“, schreibt Weißhaupt. 

E-Mail-Antwort von Petra Weißhaupt vom Umweltbundesamt. (Screenshot: CORRECTIV)
E-Mail-Antwort von Petra Weißhaupt vom Umweltbundesamt. (Screenshot: CORRECTIV)

Erste Behauptung: Wenn die Subventionen für ältere Windkraftanlagen auslaufen, seien sie nicht mehr rentabel.

„Ein Weiterbetrieb der Anlagen ist auch ohne EEG-Förderung möglich, wenn die erzielbaren Gewinne durch die direkte Vermarktung am Strommarkt die notwendigen Betriebskosten übersteigen“, schreibt uns Petra Weißhaupt. Wie viele Windkraftanlagen weiter betrieben werden, sei allerdings aktuell schwer abschätzbar. Das Umweltbundesamt befürworte den Weiterbetrieb, da sich so ökologisch verantwortungsvoll Strom erzeugen lasse und man unnötige Abfälle vermeide. 

E-Mail von Petra Weißhaupt, Umweltbundesamt. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)
E-Mail von Petra Weißhaupt, Umweltbundesamt. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Christoph Zipf vom Interessenverband Bundesverband Windenergie schätzt die Lage etwas anders ein. Es sei fraglich, ob die Betriebskosten durch die Preise, die an der Strombörse erzielt werden können, zu tragen seien. Dafür müsste mindestens ein Preis zwischen 3,5 und 6 Cent pro Kilowattstunde erzielt werden. Der Kurs liege momentan aber bei knapp unter 3,5 Cent pro Kilowattstunde. „Potenziell besteht also die Gefahr, dass zum 1. Januar 2021 4.200 Anlagen zurückgebaut werden. Es ist aber denkbar, dass ein großer Teil dieser Anlagen zumindest bis zur ersten größeren Reparatur weiterbetrieben werden.“

Fazit: Die Behauptung ist unbelegt. Subventionen nach dem EEG laufen zum 31. Dezember 2020 für etwa 4.200 Windkraftanlagen aus. Ob sie dann noch rentabel sind, richtet sich nach dem für die Betreiber zu erzielenden Strompreis. 

Zweite Behauptung: Die Anlagen seien alle noch funktionsfähig

„Das muss man im Einzelfall sehen“, schreibt Zipf. „Aus technischer Sicht sind die Anlagen durchaus für mehr als 20 Betriebsjahre ausgelegt. Es ist im Normalfall möglich, 30-35 Jahre zu betreiben.“ Es komme aber darauf an, ob die Windkraftanlagen regelmäßig gewartet werden. Nach 20 Jahren könnten durchaus schon Verschleißeffekte auftreten. 

Petra Weißhaupt erklärt darüber hinaus: „Selbstverständlich gibt es in Deutschland defekte Windenergieanlagen. Für gewöhnlich nehmen Betreiber in einem solchen Fall Reparaturen vor und stellen die Funktionstüchtigkeit wieder her.“

Fazit: Es lässt sich nicht belegen, ob die Anlagen „alle noch funktionsfähig“ sind. 

Dritte Behauptung: Beim Abriss alter Windräder entstehe „tonnenweise Sondermüll“

„Selbstverständlich entstehen Abfälle, nämlich das Material und die Betriebsmittel, aus welchen die Anlage besteht“, schreibt das Umweltbundesamt per Mail an CORRECTIV. 

Christoph Zipf vom Bundesverband Windenergie erklärt ebenfalls per E-Mail: „Es bestehen gerade für das Fundament, den Stahlturm und die Betonelemente etablierte Recyclingkreisläufe. Hier gibt es nichts zu befürchten. Der problematischste Teil sind die Rotorblätter, da sie extrem widerstandsfähig gebaut werden müssen, um 20 Jahre im Wind drehen zu können. Die genutzten Harze und Faserverbindungen sind entsprechend schwer voneinander zu trennen und zu recyceln.“ 

Diese sogenannten CFK-Abfälle (Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff) müssten nach heutigem Stand mit einem speziellen Verfahren verwertet werden. „Aufgrund der Größe und Beschaffenheit der Rotorblätter kann man durchaus schnell von ‘tonnenweise’ Müll sprechen.“ Je nach Modell liegt der Anteil des problematischen Kunststoffes in den Rotorblättern laut Umweltbundesamt bis zu 20 Prozent (PDF, S. 107). Die Datengrundlage für diese Schätzung sei aber schlecht. 

E-Mail von Christoph Zipf, Pressesprecher des Bundesverbandes Windenergie. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)
E-Mail von Christoph Zipf, Pressesprecher des Bundesverbandes Windenergie. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Das Umweltbundesamt weist zudem darauf hin, dass es bislang nur ein Aufbereitungswerk in der Nähe von Bremen gebe, bei dem die Kapazitäten „auch vorerst ausreichend hoch“ seien. „Das Umweltbundesamt hat die Schwierigkeit der Rotorblattaufbereitung erkannt und wird sich der Fragestellung in einem weiteren Forschungsvorhaben widmen.“ 

Fazit: Die Behauptung ist größtenteils richtig. Durch den Rückbau von Windkraftanlagen entsteht tatsächlich „tonnenweise“ Müll. Allerdings handelt es sich nur bei einem Teil davon um Sondermüll, der mit Hilfe eines speziellen Verfahrens entsorgt werden muss. 

Vierte Behauptung: Ein Abriss sei kostengünstiger als der weitere Betrieb

„Der Rückbau einer Anlage ist nicht kostengünstiger als der weitere Betrieb“, schreibt Petra Weißhaupt. Mit dem Rückbau seien gewissen Kosten verbunden, und diese Kosten würden, dem Zeitpunkt des Rückbaus entsprechend, früher oder später unweigerlich auftreten. Die Kosten für den Abriss einer Windkraftanlage richten sich je nach Modell (PDF, ab S. 140). Dafür legen die Betreiber Geld zurück – sogenannte Rückstellungen. Damit solle am Ende der Lebensdauer der Windkraftanlagen der Abriss bezahlt werden, schreibt Weißhaupt. 

Die Betriebskosten seien hingegen vergleichsweise gering. „Die Anlagen produzieren Strom und sind eine sichere Einnahmequelle für die Betreiber.“ Weißhaupt schreibt weiter, dass eine möglichst lange Betriebsdauer kosteneffizient sei. Allerdings sei es ähnlich wie bei Fahrzeugen und anderen Gebrauchsgegenständen – gegen Ende der Lebensdauer würden auch Windkraftanlagen zu mehr Defekten neigen und Reparaturen erforderlich machen. „Dann sollte ein Rückbau erfolgen, denn langfristig außer Betrieb genommene Anlagen sollten nicht in der Umwelt verbleiben.“

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Dass eine möglichst lange Betriebsdauer effizient sei, gelte aber nur, so lange die Windkraftanlage noch Gewinne erwirtschaftet, schreibt Christoph Zipf. „Kein Betreiber wird die Anlagen weiterlaufen lassen, wenn er damit monatlich Verlust einfährt.“

Fazit: Die Behauptung ist teilweise falsch. Die Kosten für den Abriss sind je nach Modell unterschiedlich hoch, die Betreiber sorgen aber während der Betriebszeit dafür vor und bilden Rückstellungen. Der Weiterbetrieb ist zunächst laut Umweltbundesamt immer günstiger, aber nur, solange die Betreiber damit weiter Geld verdienen und die Anlagen nicht kaputtgehen.  

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Einige Behauptungen in dem Facebook-Bild sind teilweise falsch oder unbelegt und es fehlt Kontext.

Türkei Griechenland Grenze Flüchtlinge
Migranten betreten den Grenzbereich zwischen der Türkei und Griechenland. (Foto: picture alliance/ZUMA Press)

von Bianca Hoffmann

In einem Artikel wird behauptet, dass vier Millionen Menschen in der Türkei darauf warten würden, in die EU einreisen zu können. Die Zahl wurde aus dem Kontext gerissen.

In einem Artikel von Compact Online wurde am 29. Februar behauptet, vier Millionen Geflüchtete würden aus der Türkei nach Europa kommen. Impliziert wird auch, dass sie nach Deutschland kommen würden. 

Es seien nach Angaben der Türkei seit Freitag bereits 18.000 Menschen über die türkische Grenze in die EU gekommen, mit den Zahlen von Samstag könnten 30.000 auf dem Weg sein, heißt es in dem Text. Dann wird ein Vergleich mit 2015 gezogen: Damals seien täglich 10.000 Asylsuchende nach Deutschland gekommen.

Der Artikel wurde laut dem Analyse-Tool Crowdtangle bereits mehr als 4.100 Mal auf Facebook geteilt. Die im Text genannten Daten sind unbelegt, denn die Angaben der einzelnen Akteure zu den Zahlen weichen stark voneinander ab.

In der Türkei gibt es etwa 4,1 Millionen Flüchtlinge

Im Jahr 2015 wurden vom Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge 890.000 Zugänge von Asylsuchenden in Deutschland registriert. Laut Medienberichten waren es im September 2015 teilweise „bis zu 10.000 Geflüchtete“ pro Tag, die eingereist sind. 

Die Aussage, vier Millionen Asylbegehrende würden auf ihre „Einkehr ins gelobte Land“ warten, ist eine Übertreibung. Im Jahr 2020 leben etwa 4,1 Millionen Flüchtlinge in der Türkei, berichtet der UNHCR, die Flüchtlingsagentur der Vereinten Nationen. Darunter seien 3,7 Millionen Syrer. Allerdings gibt es keine Informationen darüber, ob diese Menschen alle ihre Flucht in Richtung EU fortsetzen wollen. 

Widersprüchliche Zahlen aus der Türkei, Griechenland und von der IOM

Im Text heißt es, es hätten sich 18.000 beziehungsweise 30.000 Menschen auf den Weg gemacht. Dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Der türkische Innenminister Süleyman Soylu veröffentlicht täglich bei Twitter Zahlen dazu. Er schrieb tatsächlich am Samstag (29. Februar), dass 36.776 Menschen das Land über Edirne verlassen würden. Die letzte von ihm veröffentlichte Zahl stammt von Freitag (6. März). Demnach seien es inzwischen 142.175 Menschen. 

Der Tweet des türkischen Innenministers Süleyman Soylu. (Screenshot: CORRECTIV)
Der Tweet des türkischen Innenministers Süleyman Soylu. (Screenshot: CORRECTIV)

Die griechische Regierung veröffentlichte jedoch – ebenfalls bei Twitter – eine Meldung, wonach niemand die griechische Grenze in die EU überqueren könne. Außerdem wies das Land darauf hin, dass die Zahlen, die durch die Türkei verbreitet werden, falsch und irreführend seien. 

Dieser Tweet des griechischen Außenministeriums besagt, dass niemand die griechische Grenze überschreiten könne. (Screenshot: CORRECTIV)
Dieser Tweet des griechischen Außenministeriums besagt, dass niemand die griechische Grenze überschreiten könne. (Screenshot: CORRECTIV)

Beide Länder beschuldigen sich derzeit gegenseitig, sodass sie als Quellen nicht herangezogen werden können. 

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Anders ist das bei der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Das ist eine internationale Organisation der Vereinten Nationen, die Hilfsprogramme für Migranten durchführt. Mitarbeiter vor Ort zählten laut einer Pressemitteilung vom 1. März 13.000 Flüchtlinge und Migranten an der türkisch-griechischen Grenze. Sie sammeln sich dort, weil die Grenze von Griechenland geschlossen wurde. 

Am Donnerstag (5. März) schrieb der UNHCR in seinem „The Refugee Brief“, die griechische Regierung habe berichtet, seit Samstag sei die illegale Einreise von 35.000 Menschen an der Grenze verhindert worden. 

Unklar, wie sich die Situation an der Grenze entwickeln wird 

Es ist unklar, wie sich die Situation an der türkisch-griechischen Grenze weiter entwickeln wird. 

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte am Samstag (29. Februar) laut Medienberichten erklärt, die Tore zur EU seien für Migranten geöffnet. Daraufhin hatte es einen Ansturm auf die Grenze gegeben. In Folge dessen ist es auch zu Ausschreitungen entlang der Grenze gekommen.

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Die genauen Zahlen der Menschen, die sich auf den Weg in die EU machen, sind unklar.

syrian boy
Dieser Tweet soll den Tod eines Syrers an der türkisch-griechischen Grenze dokumentieren. (Collage: CORRECTIV)

von Bianca Hoffmann

Auf Twitter werden zurzeit mehrere Videos verbreitet, die angeblich den Tod eines syrischen Flüchtlings an der griechisch-türkischen Grenze dokumentieren. Obwohl es laut Medienberichten Augenzeugen für die Tat gibt, spricht die griechische Regierung von „Fake-News“.

Vorsicht, in diesem Artikel ist explizites Material verlinkt, das einen schwer verletzten oder toten Mann zeigt. 

Die arabische Journalistin Jenan Moussa veröffentlichte am Montag (2. März) mehrere Videos bei Twitter. Diese sollen den Tod eines jungen Mannes an der griechisch-türkischen Grenze dokumentieren.  

Das erste Video ist aus einer Menschenmenge heraus gefilmt. Als sich die Menge teilt, kann man einen Menschen erkennen, der am Boden liegt. Dazu schreibt Moussa: „Dies ist der erste gemeldete Todesfall unter Migranten, die versuchten, von der Türkei nach Griechenland zu gelangen.“ Ein syrischer Mann sei von griechischen Grenzsoldaten erschossen worden. 

Der Tweet wurde bereits mehr als 1.500 Mal geteilt. Es gibt zwar Indizien, die dafür sprechen, dass sich der Vorfall so ereignet hat, die griechische Regierung spricht allerdings von „Fake-News“. 

Getöteter Syrer hieß nach Recherchen der Journalistin Mohammed alArab

Die Journalistin Jenan Moussa berichtet, dass sie Kontakt zur Familie des Getöteten gehabt habe und dass es sich dabei um den 22-jährigen Mohammad alArab handle, der seit fünf Jahren in der Türkei lebe und arbeite. Sie schreibt, er sei von Gummigeschossen getroffen worden.

Tweet von Jenan Moussa (Screenshot: CORRECTIV, Quelle: Twitter)
Tweet von Jenan Moussa (Screenshot: CORRECTIV, Quelle: Twitter)

Woher die für ihre investigativen Berichte über den sogenannten Islamischen Staat bekannte Journalistin das Video hat, ist nicht klar. Allerdings belegt sie den Vorfall mit einem weiteren Video auf Twitter, auf dem der Mann von einem Boot getragen wird. Weitere Fotos und Videos dokumentieren einen leblosen jungen Mann, an dem mutmaßlich Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt werden. 

Die Kleidung des Mannes stimmt augenscheinlich in allen drei Aufnahmen überein. 

Griechischer Regierungssprecher spricht von „Fake-News“

Jenan Moussa veröffentlichte die Videos um 10:01 Uhr am 2. März. Schon eine Stunde später reagierte der griechische Regierungssprecher Stelios Petsas ebenfalls auf Twitter. Er schrieb: „Ein Video, das den Todesfall an der griechisch-türkischen Grenze zeigt, ist Fake-News. Wir rufen alle auf, Vorsicht walten zu lassen, wenn sie über Nachrichten berichten, die die türkische Propaganda fördern.“

Die griechische Regierung dementiert also, dass es einen Todesfall gab. In einem späteren Tweet schreibt Petsas außerdem, dass die griechischen Grenzstreitkräfte keine Schüsse auf Personen, die versuchen, illegal ins Land zu reisen, abgegeben hätten. 

Die Journalistin antwortete darauf am 4. März gegen 10 Uhr bei Twitter und zeigte das Foto eines Sarges. Dazu schrieb sie: „Es ist ein Trend, jede unwillkommene Geschichte als gefälschte Nachricht abzutun. Aber das waren keine gefälschten Nachrichten. Nur eine richtige Berichterstattung durch mich.“ Sie schreibt weiter, dass der Leichnam von Mohammad alArab in den nächsten Stunden die türkisch-syrische Grenze erreichen werde und er dann in Syrien beerdigt würde. 

Medien interviewen angebliche Augenzeugen des Vorfalls

Verschiedene Medien recherchierten ebenfalls zu dem Fall und fanden laut eigenen Angaben Augenzeugen des Vorfalls. So sprach der britische Fernsehsender Channel4 am 2. März mit einem Mann namens Ali Idress. Dieser berichtet, dass Mohammad alArab etwa 40 Meter von der Grenze entfernt gewesen sei, als ihn eine Kugel in die Kehle getroffen habe. Daraufhin sei er tot zu Boden gefallen. 

Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt am 2. März, sie habe von einem Augenzeugen erfahren, dass sich der Vorfall nördlich der Stadt Enez zugetragen habe. Der Zeuge der Nachrichtenagentur macht allerdings keine weiteren Aussagen zu der Art der Verwundung. Als Quelle für den Vorfall nennt Reuters zwei nicht namentlich genannte türkische Sicherheitskräfte. 

Auch der österreichische Kurier berichtete über den Fall, konnte das Video allerdings nicht verifizieren. 

(Hinweis: Wenige Tage später, am 4. März, berichteten türkische Behörden in Edirne von einem anderen Fall; griechische Polizisten und Grenzschützer hätten mit scharfer Munition auf mehrere Personen geschossen. Ein nicht identifizierter Mann sei in die Brust getroffen worden und wenig später in einem Krankenhaus der Universität Trakya gestorben. Auch diese Berichte wies die griechische Regierung laut Medienberichten zurück.)

Update, 6. März: Kurz nach der Veröffentlichung erreichte uns ein Kommentar zu unseren Artikel, in dem auf ein Video hingewiesen wurde. Das Team von „Forensic Architure“ der Goldsmiths Universität aus London hat den Vorfall mit Hilfe von Videos und Satellitenbildern überprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Videos in Griechenland an der Grenze entstanden sind.  An unserer Bewertung ändert sich dadurch nichts, da bislang keine offizielle Quelle den Tod von Mohammad alArab bestätigt hat.  

Unsere Bewertung:
Unbelegt. Es ist nicht klar, ob an der griechisch-türkischen Grenze ein Mann von griechischen Grenzstreitkräften mit Gummikugeln erschossen wurde – es gibt aber viele Indizien, die dafür sprechen.

Evros Männer an Feuer
In der türkisch-griechischen Grenzregion lagen die Temperaturen in der Nacht zu Sonntag zwischen 0 und -2 Grad Celsius, wie der Deutsche Wetterdienst CORRECTIV mitteilte. (Foto: dpa)

von Bianca Hoffmann

In einem Artikel wird behauptet, Medien hätten Falschnachrichten verbreitet, als sie berichteten, an der griechisch-türkischen Grenze hätten nachts Minusgrade geherrscht. Das ist falsch, die Temperaturen lagen tatsächlich unter 0 Grad.

Die Webseite Info-Direkt hat am 3. März einen Artikel veröffentlicht, in dem behauptet wird, Medien würden „Fake News“ über Minusgrade in Griechenland verbreiten. Der Text bezieht sich auf einen Bericht von RTL vom 2. März, in dem ein Reporter sagt: „Eine Familie mit zwei kleinen Kindern hat am Sonntag den Grenzfluss Evros überquert. Die Kinder waren bei Minus ein Grad Außentemperatur nur in eine Decke gewickelt, eines der Kinder zitterte extrem.“

Info-Direkt zweifelt diese Aussage an und schreibt, in der griechischen Stadt Orestiada seien es 18 Grad Celsius, nachts 11 Grad. Aus Lesbos sei es 20 Grad warm, nachts lägen die Temperaturen bei 12 Grad. 

Schaut man sich nur die aktuellen Temperaturen in der Region an, treffen diese Zahlen zu. Laut der Vorhersage des griechischen Wetterdienstes sollte es am Mittwoch, 4. März, in Ormenio, 30 Kilometer von Orestiada entfernt, tagsüber bis zu 19 Grad warm sein. Und auch die Zahlen von Lesbos lassen sich anhand der Daten des Wetterdienstes bestätigen (Vorhersage für die Stadt Mytilini auf Lesbos für den 4. März: bis zu 19 Grad). 

DWD bestätigt Minustemperaturen an der türkisch-griechischen Grenze am 1. März

Allerdings ist in dem Bericht des RTL-Korrespondenten von Sonntag (1. März) die Rede. CORRECTIV hat beim Deutschen Wetterdienst (DWD) nachgefragt, wie die Temperaturen in der betroffenen Region waren. 

Pressesprecher Andreas Friedrich schreibt per E-Mail: „In der Nacht von Samstag auf Sonntag herrschten im angesprochenen Grenzgebiet zwischen der Türkei und Griechenland Temperaturen zwischen 0 und -2 °C. Am Sonntag tagsüber stiegen sie dann auf ca. 14 °C.“ 

Auf der Insel Lesbos lagen die Temperaturen in der Nacht zu Sonntag zwischen vier und sechs Grad, schreibt er weiter. Tagsüber sei es dann etwa 13 Grad warm gewesen. 

E-Mail von Andreas Friedrich, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). (Screenshot: CORRECTIV)
E-Mail von Andreas Friedrich, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). (Screenshot: CORRECTIV)

Die Aussage in dem Bericht von RTL, es hätten Minusgrade geherrscht, ist demnach richtig. 

Der Artikel von Info-Direkt verbreitet hingegen falsche Informationen, da sich die dort angegebenen Temperaturen nicht auf Sonntag, sondern auf Dienstag (3. März) beziehen.

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Temperaturen an der türkischen Grenze lagen Sonntagnacht nicht bei 11 Grad, sonden bei bis zu minus zwei Grad.

Griechenland Polizei Athen
Ausschnitt aus dem Video von Politikstube. (Screenshot: CORRECTIV)

von Bianca Hoffmann

In einem Artikel wird ein Video gezeigt und behauptet, Geflüchtete aus Syrien würden griechische Polizisten mit Molotow-Cocktails bewerfen. Es gibt aber keinen Zusammenhang zwischen dem Video und den Geschehnissen an der griechisch-türkischen Grenze.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte am Samstag (29. Februar) laut Medienberichten erklärt, die Tore zur EU seien für Migranten geöffnet. Daraufhin hatte es einen Ansturm auf die griechisch-türkische Grenze gegeben. In einem Artikel von Politikstube am 1. März wird anhand eines Videos behauptet, „gewalterprobte Migranten“ wären auf dem Weg nach Deutschland. Das in den Artikel eingebundene Video zeigt offenbar einen Übergriff auf Polizisten. 

Jemand schleudert offenbar einen Molotow-Cocktail auf den Mann, dessen Kleidung zu brennen beginnt. Der Text suggeriert, dass das Video einen aktuellen Vorfall zeigt, der im Zusammenhang mit Migration oder den Vorfällen an der Grenze steht. Der Artikel wurde nach Angaben von Facebook bereits mehr als 7.250 Mal geteilt. 

Das Video aus dem Text ist jedoch bereits neun Jahre alt. 

Video wurde schon 2011 in Athen aufgenommen

Wir haben einen Screenshot aus dem 12-sekündigen Video von Politikstube mit Hilfe der Bilderrückwärtssuche von Google und der russischen Suchmaschine Yandex gesucht. 

Screenshot aus dem Video, das auf Youtube hochgeladen wurde. (Screenshot:CORRECTIV)
Screenshot aus dem Video, das auf Youtube hochgeladen wurde. (Screenshot:CORRECTIV)

Dabei sind wir auf ein Youtube-Video gestoßen, das laut Beschreibung am 24. Februar 2011 auf dem Syntagma-Platz in Athen entstanden sein soll. Es enthält die 12 Sekunden aus dem Video, das bei Politikstube gezeigt wird, und zwar ab Minute 0:40. Das Video ist insgesamt aber 1:17 Minuten lang. 

Anhand des Bildmaterials aus der längeren Version kann der Aufnahmeort eindeutig als Syntagma-Platz in Athen identifiziert werden. Das runde Hinweisschild im Vordergrund ist das Zeichen der Metro in Athen. Die großen Blumenkübel sowie der Brunnen in der Mitte des Platzes sind zudem Merkmale, die sich auch mit einer Google-Bilder-Suche nach dem Platz finden lassen. 

Athen ist laut Google Maps rund 900 Kilometer entfernt von der griechisch-türkischen Grenze. 

Screenshot aus dem Video, das auf Youtube hochgeladen wurde. (Screenshot:CORRECTIV)
Screenshot aus dem Video, das auf Youtube hochgeladen wurde. (Screenshot:CORRECTIV)

Bild aus Artikel der Tagesschau zeigt Szene aus anderer Perspektive

In dem Video bei Politikstube ist zu sehen, wie ein Brandsatz auf mehrere Polizisten geworfen wird. Diese stehen an einem Fahrrad oder Moped. Die Tagesschau hat am 23. Februar 2011 einen Artikel zu Protesten in Athen wegen Sparmaßnahmen der des Landes veröffentlicht. Darin gibt es eine Fotostrecke. Auf dem siebten Bild ist ein Polizist zu sehen, der neben einem Fahrrad oder Moped in Flammen steht. Das Bild scheint also die gleiche Szene zu zeigen wie das Video, nur aus einer anderen Perspektive. 

Screenshot aus dem Artikel der Tagesschau. Wir haben eine Person markiert, die auch im Video zu sehen ist.  (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)
Screenshot aus dem Artikel der Tagesschau. Wir haben eine Person markiert, die auch im Video zu sehen ist.  (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Dafür spricht auch eine Person, die sowohl auf dem Bild als auch im Video zu sehen ist: Ein Mann, der einen silbernen Motorradhelm trägt (Youtube-Video bei Minute 0:41), ist auch auf dem Foto der Tagesschau zu sehen. 

Der Mann mit dem Helm ist auch auf dem Foto der Tagesschau zu sehen. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)
Der Mann mit dem Helm ist auch auf dem Foto der Tagesschau zu sehen. (Screenshot und Markierung: CORRECTIV)

Das Video zeigt also keine „gewalterprobten Migranten“, wie bei Politikstube behauptet, sondern Demonstranten in Griechenland, die dort bei Protesten während der Eurokrise 2011 einen Brandsatz auf einen Polizisten geworfen haben.

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Video ist von 2011. Es zeigt keine Geflüchteten, sondern griechische Demonstranten, die einen Brandsatz auf einen Polizisten werfen.

Anschlag Hanau Polizei
Die Spurensicherung untersucht nach dem rechtsterroristischen Anschlag in Hanau ein Auto. (Foto: Boris Roessler/dpa)

von Bianca Hoffmann

In verschiedenen Artikeln wird behauptet, bei dem Anschlag von Hanau habe es mehrere Täter gegeben. Diese seien zudem Mitglieder von kriminellen Clans. Nach Kenntnisstand des Generalbundesanwalts handelte der mutmaßliche Täter Tobias R. allein und aus rassistischen Motiven.

Am Mittwoch, 19. Februar, wurden im hessischen Hanau neun Menschen erschossen und mehrere Personen zum Teil schwer verletzt. Mutmaßlich verantwortlich für die Tat ist Tobias R., der in seiner Wohnung tot neben seiner Mutter – dem zehnten Opfer – aufgefunden wurde. Der Generalbundesanwalt schrieb in einer Pressemitteilung: „Es liegen gravierende Indizien für einen rassistischen Hintergrund der Tat vor.“ 

In diversen Artikeln wird jetzt aber behauptet, es gebe Zweifel an der offiziellen Darstellung der Behörden. Es seien laut Zeugenaussagen nicht nur einer, sondern mehrere Täter gewesen, behauptet das Compact-Magazin. Konkret wird ein Bericht der Welt zitiert, aber der Satz „Bei der Aussage, er habe ‘zwei bewaffnete Männer‘ gesehen, handelte es sich um eine Fehlbeobachtung“, der dort ebenfalls zu lesen ist, wird weggelassen. Außerdem sei vermutlich ein „Bandenkrieg“ im Gange, heißt es beim Compact-Magazin 

In einem Artikel von News23 ist die Rede von einem „arabischen Clan aus Frankfurt“. In einem Blog namens „Heiden Zorn“ wird behauptet, es handele sich um einen „Clan-Krieg“ zwischen „russischen/osteuropäischen“ und „osmanischen“ Mafia-Gruppen. 

Für diese Behauptungen gibt es keine Hinweise. Der Generalbundesanwalt geht weiterhin von Tobias R. als dem einzigen mutmaßlichem Täter des Anschlags in Hanau aus, wie er uns gegenüber noch einmal bekräftigte.  

Keine neuen Erkenntnisse bei den Ermittlungen in Hanau

In einer Pressekonferenz von Freitag, 21. Februar, sagte Generalbundesanwalt Peter Falk: „Die Polizei konnte aufgrund eines Fahrzeuges, das identifiziert worden ist, den mutmaßlichen Täter in seinem Wohnort lokalisieren.“ (Youtube-Video, ab Minute 0:23). Kurz nach der Tat seien zudem rund 40 Zeugen vernommen worden, die sich im Umfeld der Tatorte aufgehalten haben (ab Minute 5:41). Diese sollten dabei helfen, das Tatgeschehen zu rekonstruieren. 

Auf eine Anfrage von CORRECTIV, ob es mehrere Täter gegeben habe, die nicht aus dem rechtsextremen, sondern aus dem Clan-Umfeld stammen, antwortete Markus Schmitt, Sprecher des Generalbundesanwalts, per E-Mail am Montag (24. Februar), dass die Ermittlungen keine von dem Stand am Freitag abweichenden Erkenntnisse erbracht hätten. 

Aus der Pressekonferenz des Generalbundesanwalts und der E-Mail-Antwort an CORRECTIV geht hervor, dass derzeit in keine andere Richtung ermittelt wird als gegen Tobias R.. 

Hinweisportal des BKA eingerichtet

Die Artikel, in denen von mehreren Tätern die Rede ist, stützen sich vor allem auf diverse Sprachnachrichten, die angeblich in der Nacht des Anschlages bei Whatsapp verschickt wurden. Ob die Nachrichten wirklich im Zusammenhang mit der Tat verschickt wurden, kann von uns nicht verifiziert werden. 

Darin sind Stimmen mehrerer Menschen zu hören. Einige von ihnen sprechen von mehreren Tätern. Es werden außerdem Hinweise auf weitere angebliche Tatorte wie „Lamboy“ oder „Bruchköbel“ ausgetauscht. Wie die Hessenschau berichtet, fielen in Lamboy, einem Stadtteil von Hanau, keine Schüsse. Bruchköbel ist ein Nachbarort von Hanau. Wir konnten keine Hinweise finden, dass der Ort in Zusammenhang mit dem Anschlag von Hanau steht. 

CORRECTIV ist spendenfinanziert
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Das Bundeskriminalamt hat inzwischen ein Hinweisportal eingerichtet, auf dem Fotos, Videos und andere Dateien hochgeladen werden können. 

Schon kurz nach der Tat verbreiteten sich im Netz zunächst Gerüchte, der Täter sei psychisch krank und kein Rechtsextremer oder die Polizei habe einen rechten Hintergrund „dementiert“.  Die Tat sei deshalb kein rechter Terror. Die Behauptungen stellten sich allerdings nach Prüfung durch das CORRECTIV.Faktencheck-Team als falsch heraus. Gleiches gilt auch für die Behauptung, es habe mehrere Täter gegeben, die noch dazu einer kriminellen Organisation angehört hätten. 

Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Es gibt keine Hinweise auf weitere Täter bei dem Anschlag in Hanau.