Video von Sat1 auf Facebook
Dieses Video – ein Beitrag von Sat1 von 2017 – wird aktuell auf Facebook verbreitet und ist mit hasserfüllten Kommentaren gegen Geflüchtete versehen. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Auf Facebook wird aktuell ein altes Video tausendfach geteilt. Es ist ein Beitrag von Sat1 über Geflüchtete, die 2017 eine Unterkunft in Rees in Nordrhein-Westfalen zerstört haben. Die Verbreiter suggerieren fälschlich, dass es sich um einen aktuellen Vorfall handelt. 

Am 15. Juni 2020 veröffentlichte ein Nutzer auf Facebook ein Video und schrieb dazu: „Einfach unglaublich was hier abgeht. Schaut selbst…“ Der TV-Beitrag stammt vom Sender Sat1 und handelt von acht jungen Männern. Diese hätten in einer Unterkunft für Geflüchtete in Rees-Haldern, in Nordrhein-Westfalen, randaliert und Fenster mit Eisenstangen eingeschlagen. Ein Grund könne der schlechte Handy- und Wlan-Empfang gewesen sein, mutmaßt ein Polizist in dem Beitrag. Ein Polizist sei verletzt worden, die Männer seien jedoch wieder auf freiem Fuß. 

Das Video wurde auf Facebook innerhalb von einer Woche fast 13.000 Mal geteilt. Es fehlt jedoch sämtlicher Kontext. Denn der Bericht ist schon mehr als drei Jahre alt. 

Video auf Facebook
Der TV-Beitrag von Sat1 wurde aktuell auf Facebook verbreitet. (Screenshot am 24. Juni 2020 und Schwärzung: CORRECTIV)

Medienberichte: Acht Geflüchtete randalierten mutmaßlich aufgrund der Bedingungen in der Unterkunft 

Ein Medienbericht über diesen Fall von der Rheinischen Post stammt vom 6. März 2017. Darin steht, die Unterkunft liege weit abgelegen in einem Funkloch. Sie sei erst kurz zuvor eröffnet worden. So steht es auch in einem Bericht der Neuen Ruhr Zeitung vom 5. März 2017: Den Geflüchteten habe die Abgeschiedenheit nicht gefallen. „Wohl auch vor dem Hintergrund und der Sorge, dass sie bei laufenden Asylverfahren nicht auffindbar seien und wichtige Post sie nicht erreichen könne, zudem der Kontakt zur Familie fehle.“ Eine Gruppe habe dann Alkohol gekauft und anschließend in der Unterkunft randaliert. 

Die Pressemitteilung der Polizei und eine Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP im Landtag Nordrhein-Westfalen zu dem Fall bestätigen diese Angaben. Demnach passierte der Vorfall am 4. März 2017. In der Antwort auf die Kleine Anfrage steht: „Gegen die Tatverdächtigen wurden Strafanzeigen wegen Schweren Landfriedensbruchs gefertigt, gegen einen Tatverdächtigen zudem wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte (Verletzung des Beamten der Bundespolizei).“ Haftgründe hätten jedoch nicht vorgelegen. 

Verfahren gegen die meisten Männer wurde eingestellt, ein Strafbefehl wurde erlassen

Auf Anfrage von CORRECTIV teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Kleve, Günter Neifer, am Telefon mit, das Verfahren gegen die meisten der Männer sei eingestellt worden. Den Vorwurf des Landfriedensbruchs habe man fallen gelassen, denn dieser hätte eine Verabredung von mehr Personen zu Straftaten vorausgesetzt. In Bezug auf die einzelnen Taten der Männer habe dann bei mehreren kein hinreichender Tatverdacht bestanden. Einer der Männer sei nach Dänemark abgeschoben worden, bei einem weiteren sei der Aufenthalt unbekannt. Gegen einen der Männer wurde jedoch im Mai 2019 ein Strafbefehl des Amtsgerichts Emmerich wegen Körperverletzung und Widerstands erlassen, so Neifer weiter. Dieser beinhalte 20 Tagessätze und sei rechtskräftig.   

In dem Facebook-Beitrag fehlt also sämtlicher Kontext. Es wirkt, als sei der Vorfall erst kürzlich geschehen. In den Kommentaren empören sich unzählige Nutzer mit beleidigenden Sätzen wie „Raus mit dem Pack und keine weiteren hierher holen“, „Abschaum“, oder „Nehmt denen das Handy weg, dann können sie mit einer Buschtrommel nach Hause trommeln“.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Es fehlt Kontext. Das Video wird aktuell verbreitet, ohne kenntlich zu machen, dass es drei Jahre alt ist. 

Dieses Foto eines demolierten Feuerwehrautos stammt nicht aktuell aus Moria.
Dieses Foto eines demolierten Feuerwehrautos stammt nicht aktuell aus Moria. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

von Uschi Jonas

Geflüchtete aus dem Lager Moria auf Lesbos hätten in Zusammenhang mit dem Brand Anfang September ein Feuerwehrauto demoliert – das suggeriert ein Foto auf Facebook. Dieses stammt zwar aus Moria, aber aus dem Jahr 2019.

Ein Feuerwehrwagen, eine eingeworfene Frontscheibe und ein griechisches Kennzeichen ­ dieses Foto kursiert aktuell in den Sozialen Netzwerken. Es wird behauptet, Geflüchtete aus dem Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos hätten die Scheibe des Fahrzeugs beschädigt. Das ist falsch: Das Foto verbreitet sich bereits seit 2019. Ein Zusammenhang mit den aktuellen Geschehnissen in Moria ist folglich ausgeschlossen. 

In einem Facebook-Beitrag, der am 12. September veröffentlicht und bereits mehr als 1.000 Mal geteilt wurde, heißt es zu dem Foto: „Feuerwehrfahrzeug nach Rettungsversuch in Moria. Und solche Flüchtlinge sollen wir hier aufnehmen?“

In der Nacht auf den 9. September waren mehrere Brände in dem griechischen Flüchtlingslager ausgebrochen. Medienberichten zufolge beschuldigt die griechische Regierung dort lebende Geflüchtete, die Brände gelegt zu haben. Am 16. September wurden sechs mutmaßliche Brandstifter festgenommen.

 

Im Zuge der Gerüchte um die Ursache der Brände verbreiteten sich in Sozialen Netzwerken Fotos und Videos, die fälschlicherweise den aktuellen Geschehnissen zugeordnet wurden. Wir haben dazu mehrere Faktenchecks veröffentlicht. 

Das Foto des Feuerwehrfahrzeugs entstand mutmaßlich 2019 im Lager Moria

Auch das Foto des demolierten Feuerwehrautos lässt sich, anders als im Facebook-Beitrag suggeriert, nicht der derzeitigen Lage in Moria zuordnen.

Auf Facebook wird behauptet, dieses Foto eines Feuerwehrautos stehe im Zusammenhang mit den aktuellen Geschehnissen rund um die Brände im Camp in Moria. Das Foto kursiert aber bereits seit 2019. (Quelle: Facebook / Screenshot und Schwärzungen: CORRECTIV)
Auf Facebook wird behauptet, dieses Foto eines Feuerwehrautos stehe im Zusammenhang mit den aktuellen Geschehnissen rund um die Brände im Camp in Moria. Das Foto kursiert aber bereits seit 2019. (Quelle: Facebook / Screenshot und Schwärzungen: CORRECTIV)

Das Kennzeichen passt der Bilddatenbank Alamy zufolge (zum Beispiel hier und hier) zu denen griechischer Feuerwehrfahrzeuge. Eine Bilder-Rückwärtssuche mit Google ergibt, dass sich das Foto mindestens seit Ende September 2019 in Sozialen Netzwerken und auf Webseiten verbreitet. 

Einige griechische Webseiten berichteten damals unter Verwendung des Fotos des demolierten Wagens davon, dass im Lager Moria Geflüchtete ein Feuerwehrauto attackiert hätten. Ende September 2019 war Medienberichten zufolge ebenfalls ein Brand dort ausgebrochen.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Das Foto stammt zwar aus Moria, ist aber nicht aktuell, sondern von 2019.

Video griechisch-türkische Grenze
Dieses Video wird aktuell mit falschem Kontext auf Facebook verbreitet. Es tauchte nach unseren Recherchen bereits Anfang März auf. (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Auf Facebook wird ein Video von jubelnden Männern verbreitet, die Gegenstände in ein Feuer werfen oder tragen und „Allahu Akbar“ rufen. Die Behauptung: Es zeige das Geflüchtetenlager Moria auf Lesbos, das in dieser Woche niederbrannte. Das stimmt jedoch nicht. 

Junge Männer werfen Gegenstände in Richtung eines Feuers, tragen einen Baumstamm hinein und rufen „Allahu Akbar“ – dieses Video verbreitet ein Nutzer auf Facebook am 10. September. Er behauptet: „Video 1: Hier wollen Flüchtlinge die Brände in Moria löschen, indem sie Holzstämme ins Feuer legen.“ In demselben Beitrag zeigt er außerdem ein zweites Video, in dem eine Gruppe Menschen im Dunkeln steht und einige von ihnen ein Feuer hinter Bäumen mit ihren Smartphones filmen. „Video 2: Singen ‘Bye bye Moria’ und freuen sich, dass es brennt“, schreibt der Nutzer dazu. Der Beitrag wurde mehr als 1.000 Mal geteilt. 

Der Nutzer bezieht die beiden Videos aufeinander, beziehungsweise auf die aktuellen Geschehnisse im Geflüchtetenlager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Eine weitere Facebook-Nutzerin verbreitete das Video mit den „Allahu-Akbar“-Rufen am 9. September mit dem Titel „Moria“. Unsere Recherchen zeigen jedoch: Das Video stammt nicht von dort. 

Facebook-Beitrag setzt Video in Kontext des Feuers in Moria
In diesem Facebook-Beitrag werden zwei Videos in den Kontext der aktuellen Brände im Lager Moria gestellt. Das linke stammt jedoch nicht von dort. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

Medienberichten zufolge brannte das Lager Moria auf Lesbos in dieser Woche fast vollständig nieder. Mehrere Brände seien in der Nacht zu Mittwoch, dem 9. September, ausgebrochen. Die griechische Regierung beschuldige die Bewohnerinnen und Bewohner der Brandstiftung, schrieb die Süddeutsche Zeitung

Video von Ausschreitungen wurde bereits Anfang März in Sozialen Netzwerken verbreitet

Das Video, das der Facebook-Nutzer als angeblichen Beleg für die Brandstiftung verwendet, ist jedoch nicht aktuell und stammt mutmaßlich gar nicht von der Insel Lesbos. Es wurde nach Recherchen von CORRECTIV bereits Anfang März 2020 im Internet verbreitet, zum Beispiel auf Twitter. Der junge Mann mit nacktem Oberkörper ist derselbe wie in dem Video, das angeblich Moria zeigen soll. 

Das Video wurde schon Anfang März verbreitet; damals wurde behauptet, es zeige Geflüchtete an der türkischen Grenze zu Griechenland. (Quelle: Twitter / Screenshot: CORRECTIV)

Den genauen Ort des Videos konnten wir nicht verifizieren, doch es entstand wahrscheinlich an der griechisch-türkischen Grenze. In dem Video ist unter anderem zu hören, wie einer der Männer in arabischer Sprache sagt: „Sie öffnen uns nicht die Tür.“ 

Ende Februar hatte die Türkei verkündet, die Grenze nach Griechenland zu öffnen. Tausende Geflüchtete und Migranten hatten daraufhin versucht, nach Griechenland einzureisen. Griechenland schloss die Grenzübergänge; es kam zu Ausschreitungen.

Zweites Video stammt wahrscheinlich aus Moria

Das zweite Video in einem der Facebook-Beiträge stammt mutmaßlich tatsächlich aus Moria und ist aktuell. Darin ist kein Krawall oder Brandstiftung zu sehen, aber der Satz „Bye, bye, Moria“ ist deutlich zu hören. Außerdem sind vor dem Hintergrund des Feuers Laternenmasten zu sehen, die denen im Lager Moria in aktuellen Medienberichten ähneln. 

Video aus Moria
Das Video von Facebook, das mutmaßlich das Feuer im Lager Moria zeigt. (Screenshot: CORRECTIV)
Video aus Moria von Spiegel-TV
Eine Aufnahme in einem Bericht von Spiegel TV in einem aktuellen Bericht über die Brände auf Youtube. (Quelle: Youtube / Screenshot: CORRECTIV)
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Das Video, das Ausschreitungen zeigt, ist nicht aktuell und hat keine Verbindung zum Lager Moria.

titelbild_slowenien2015
Dieses Foto wird aktuell im Kontext der Brände im Lager Moria auf Lesbos verbreitet. Es ist aber aus Slowenien. (Quelle: Facebook / Screenshot und Collage: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Ein Foto zeige angeblich, wie ein Mann vor den brennenden Zelten von Moria auf Lesbos ein Selfie macht und mit der Hand das Victory-Zeichen zeigt. Die Aufnahme ist jedoch fünf Jahre alt und stammt aus Slowenien. 

„Mehr muss man doch dazu nicht sagen?“, steht über einem Foto, auf dem ein Mann sich selbst vor brennenden Zelten fotografiert. Das Bild wurde am 10. September auf Facebook verbreitet und bereits mehr als 3.500 Mal geteilt. 

Durch den Zeitpunkt der Veröffentlichung wird suggeriert, dass das Foto im Lager Moria auf der Insel Lesbos entstanden sei. In einem weiteren Facebook-Beitrag wird dies sogar in der Beschreibung behauptet: „Ein traumatisierter ‘Flüchtling’, der gerade alles im Feuer Morias verliert“, steht dort. 

Medienberichten zufolge brannte das Lager Moria auf Lesbos in dieser Woche fast vollständig nieder. Das verbreitete Foto stammt jedoch nicht von dort. Es entstand 2015 in Slowenien. 

Facebook-Beitrag mit falschem Bezug zu Moria
Der Facebook-Beitrag vom 10. September stellt das Foto in den Kontext des abgebrannten Lagers Moria auf Lesbos. Dabei ist es viel älter. (Quelle: Facebook / Screenshot: CORRECTIV)

Mehrere Brände seien in der Nacht zu Mittwoch, dem 9. September, im Lager für Geflüchtete und Migranten auf Lesbos ausgebrochen, schreibt T-Online. Die griechische Regierung beschuldige die Bewohnerinnen und Bewohner, die Feuer selbst gelegt zu haben, schrieb die Süddeutsche Zeitung

Selfie-Foto tauchte im Oktober 2015 im Kontext eines Feuers in einem Lager in Slowenien auf

Über die Bilder-Suchmaschine Tineye fanden wir als frühesten Treffer für das Foto einen Artikel der britischen Boulevardzeitung Express vom 22. Oktober 2015. Dem Text zufolge brannte es damals in einem Lager für Geflüchtete und Migranten in Brežice, einer Stadt in Slowenien. Die Süddeutsche Zeitung berichtete darüber am 21. Oktober 2015 und zeigte Aufnahmen, auf denen ganz ähnliche Zelte zu sehen sind wie auf dem Selfie-Foto. 

Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 21. Oktober 2015. (Screenshot: CORRECTIV)

Auch die Bilder-Rückwärtssuche bei Google schlägt für das Foto gleich die Begriffe „migranti brežice“ vor. Schränkt man die Suche auf Ergebnisse bis Dezember 2015 ein, bestätigen die Treffer die Verbindung mit dem Vorfall in Slowenien. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Foto zeigt nicht das Lager Moria auf Lesbos und ist von 2015. 

Dieses Bild zweier Artikel von Zeit Online soll zeigen, dass sich die Nachrichtenseite widerspricht - das stimmt aber nicht.
Dieses Bild zweier Artikel von Zeit Online soll zeigen, dass sich die Nachrichtenseite widerspricht - das stimmt aber nicht. (Screenshot: CORRECTIV)

von Kathrin Wesolowski

In Messenger-Diensten kursiert ein Screenshot zweier Artikel der Nachrichtenseite Zeit Online über die Bildung von Geflüchteten. Es wird suggeriert, dass sich die Artikel inhaltlich selbst widersprechen. Das ist irreführend.

In den Messenger-Diensten Whatsapp und Telegram kursiert ein Foto, auf dem Titel und Teaser zweier Artikel der Nachrichtenseite Zeit Online gegenübergestellt werden. In dem Artikel mit dem Titel „Wie die AfD mit falschen Zahlen Vorurteile schürt“ wird die Aussage von Alice Weidel (AfD), dass zwei Drittel aller Flüchtlinge keine Schulausbildung hätten, als wissenschaftlich unbelegt eingestuft. 

Der andere Artikel (kostenpflichtig) trägt den Titel „,Zwei Drittel können kaum lesen und schreiben’“ und handelt laut Teaser davon, dass viele Geflüchtete laut einer Analyse eines Bildungsökonomen eine „miserable Schulbildung“ hätten. 

Die Gegenüberstellung beider Artikel in einer Collage suggeriert, dass Zeit Online sich selbst in den Artikeln inhaltlich widerspreche, beziehungsweise, dass der Artikel über Alice Weidel falsch sei. CORRECTIV hat das überprüft: Die Gegenüberstellung der Artikel führt in die Irre. Sie beziehen sich auf ganz unterschiedliche Daten. 

Aussagen in beiden Artikeln stammen nicht von Zeit Online

Es fängt an mit der Reihenfolge der Artikel in der Collage:. Das Erscheinungsdatum ist darin nicht sichtbar. Da der Text „Wie die AfD mit falschen Zahlen Vorurteile schürt“ links steht, wird suggeriert, er sei älter als „Zwei Drittel können kaum lesen und schreiben“. Tatsächlich erschien der Text über Alice Weidel jedoch 2017 – und das Interview mit dem Bildungsökonomen zwei Jahre vorher, nämlich 2015. Das löst den scheinbaren inhaltlichen Widerspruch aber nicht auf. CORRECTIV hat sich daher den Inhalt der Artikel genauer angeschaut.

Das Interview mit dem Bildungsökonomen Ludger Wößmann ist vom 19. November 2015. Der Titel ist in Anführungsstrichen geschrieben und bezieht sich damit auf ein Zitat Wößmanns über syrische Schüler in dem Interview. Zeit Online selbst stuft die Aussagen des Interviewpartners weder als richtig noch als falsch ein, sondern gibt sie nur wieder. 

Der Artikel über Alice Weidel von 2017 ist ein Gastbeitrag, und zwar von dem Integrationsforscher Herbert Brücker. Bei beiden Texten handelt es sich also nicht um Recherchen der Zeit-Online-Redaktion.

Wößmann bezog sich auf ältere Daten

In dem Interview bezog sich Wößmann unter anderem auf eine Studie zum Thema Grundkompetenzen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von 2015. Er sagte, dass in Syrien 65 Prozent der Schüler nicht den Sprung über das schafften, was die OECD als „Grundkompetenzen“ definiere. „Das heißt, dass zwei Drittel der Schüler in Syrien nur sehr eingeschränkt lesen und schreiben können, dass sie nur einfachste Rechenaufgaben lösen können.“

In der OECD-Studie steht tatsächlich (auf Seite 98), dass der Anteil der Schüler in Syrien, die weniger als 420 PISA-Punkte erreichen, 64,6 Prozent sei. 420 PISA-Punkte sind in dieser Studie die Grenze zwischen Level 1 und Level 2. In Deutschland liegt der Anteil der Schüler unter 420 Punkten laut OECD bei 16,1 Prozent (Seite 97). Diese Zahlen beziehen sich auf alle Menschen in Syrien und sagen über den Bildungsstand der Gruppe, die nach Deutschland gekommen ist, nur bedingt etwas aus.

Wößmann bezog sich zudem auf „ältere Zahlen“ der Bundesagentur für Arbeit, die zeigen sollen, dass rund zwei Drittel der Asylbewerber aus Kriegsländern keine berufsqualifizierende Ausbildung hätten. 

Auf unsere Anfrage schrieb uns Wößmann per E-Mail, dass er sich auf den Bericht des Bundesinstituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung „Flüchtlinge und andere Migranten am deutschen Arbeitsmarkt: Der Stand im September 2015“ bezogen habe. 

Dort steht tatsächlich in einer Tabelle (Seite 13, Tabelle 2), dass 71 Prozent der erwerbsfähigen und sozialversicherungspflichtigen Menschen aus Kriegs- und Krisenländern keine abgeschlossene Berufsbildung hätten. Das sind laut der Studie nicht nur Menschen aus Syrien, sondern auch aus Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan und Somalia. Insgesamt 22 Prozent hatten keinen Hauptschulabschluss, und 32 Prozent machten keine Angabe zu ihrem Schulabschluss. 

 Alice Weidel bezog sich 2017 jedoch auf ganz andere Daten als die, die Wößmann nannte.

Alice Weidel nannte 2017 als Quelle eine Studie des Bundesinstituts für Berufsausbildung

In dem Gastbeitrag von Herbert Brücker vom 18. September 2017 geht es um eine Aussage von Alice Weidel. Die damalige AfD-Spitzenkandidatin soll im ZDF gesagt haben: „…wenn man sich die Zahlen des Bundesinstituts für Berufsausbildung anguckt, die sprechen eben eine deutliche Sprache und zwar, dass fast zwei Drittel der arbeitsuchenden Flüchtlinge eben nur nicht mal eine Schulausbildung haben.“ 

Wörtlich konnten wir das Zitat so nicht finden, aber in einem Youtube-Video der ZDF-Sendung „Wie geht’s Deutschland?“ (hier, ab Minute 40:45) vom 5. September 2017 ist zu sehen, dass Alice Weidel sagte, „60 Prozent“ der arbeitsuchenden Flüchtlinge seien laut den Zahlen des BIIB ohne Schulausbildung. 

Die Studie des Bundesinstituts für Berufsausbildung (BIIB) von 2017 ist im Internet nicht mehr zu finden. CORRECTIV hat sie sich daher vom BIIB zuschicken lassen. Darin steht, dass sich der Anteil der „unzureichend Gebildeten“ auf knapp 60 Prozent erhöhe, wenn man diejenigen „ohne Angabe“ zu ihrer Schulausbildung dazu zähle. Dies sei aufgrund fehlender Zeugnisse oder Unvergleichbarkeit der Bildungssysteme nicht unwahrscheinlich, heißt es in der Studie. 

Zahlen zeigen nicht, wie viele arbeitsuchende Geflüchtete keinen Schulabschluss haben 

Herbert Brücker unterzog jedoch diese Aussage einem Faktencheck und urteilte, sie sei falsch. Er schrieb, die BIIB-Studie habe sich auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bezogen. In dieser Statistik hätten 24 Prozent der befragten arbeitsuchenden Geflüchteten keine Angabe zu ihrer Schulausbildung gemacht. Daraus könne man nicht interpretieren, dass diese gar keinen Schulabschluss hätten. Denn nach dieser Logik müssten auch 23 Prozent der deutschen Erwerbspersonen keinen Schulabschluss haben. Laut Mikrozensus seien das jedoch nur vier Prozent.

Ein Ausschnitt aus dem Zeit Online-Faktencheck von Gastautor Herbert Brücker. (Screenshot: CORRECTIV)
Ein Ausschnitt aus dem Zeit Online-Faktencheck von Gastautor Herbert Brücker. (Screenshot: CORRECTIV)

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilte die Bundesagentur für Arbeit mit, dass sich Brücker unter anderem auf die Daten der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (Stand Juni 2017) bezogen habe. Dort heißt es in Tabelle 4 „Bestand an arbeitsuchenden und arbeitslosen Personen im Kontext von Fluchtmigration“, dass 490.208 Geflüchtete arbeitsuchend waren. 122.979 davon machten keine Angabe zu ihrem Schulabschluss. Das sind rund 25,1 Prozent (und nicht, wie Brücker schrieb, 24 Prozent).

Brückers Schlussfolgerung war dennoch richtig: Aus diesen Zahlen der Arbeitsagentur kann man nicht schließen, wie viele arbeitsuchende Geflüchtete insgesamt keinen Schulabschluss haben. 

Verschiedene Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen

Die Aussage, 60 Prozent der arbeitsuchenden Geflüchteten hätten keinen Schulabschluss, ist also tatsächlich unbelegt. 

Andere Studien kommen zudem zu anderen Ergebnissen. Es gibt beispielsweise eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung von 2016, die besagt (Seite 78), dass 61 Prozent der erwachsenen Geflüchteten eine abgeschlossene Schulbildung hätten. 

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Fazit: Der Vergleich der Titel, Teaser und Inhalte zweier Artikel von Zeit Online führt in die Irre. Die Artikel sind in unterschiedlichen Jahren (2015 und 2017) veröffentlicht worden und beziehen sich auf unterschiedliche Studien und Personengruppen. Zudem handelt es sich bei beiden Artikeln um Aussagen einer dritten Person (ein Gastbeitrag und ein Interview) und nicht Recherchen von Zeit Online.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Die beiden Artikel von Zeit Online widersprechen sich nicht, der Vergleich ist irreführend.

Begegnungsstätte Moschee Neukölln
Die Neuköllner Begegnungsstätte veranstaltete am 3. April einen symbolischen Gebetsruf – anders als geplant, versammelten sich jedoch zahlreiche Menschen vor Ort. (Foto: Carsten Koall / dpa)

von Alice Echtermann

In Berlin erschienen 300 Menschen zu einem symbolischen Gebetsruf – mutmaßlich wegen eines Missverständnisses. Der Vorfall wird nun jedoch in einem Artikel als angeblicher Beleg präsentiert, dass für Muslime in Corona-Zeiten andere Regeln gelten. Die Berliner Polizei betont, es gebe keine Ausnahmen für bestimmte Religionen.

In einem Artikel der Webseite Ein Reich vom 5. April wird behauptet, Bußgelder wegen Verstößen gegen das Kontaktverbot müssten „nur Deutsche“ zahlen, nicht Muslime. Als angeblicher Beleg wird ein Fall in Berlin geschildert, es wird jedoch wesentlicher Kontext ausgelassen. Der Artikel wurde laut dem Analysetool Crowdtangle mehr als 10.000 Mal auf Facebook geteilt. Er erschien wortgleich zuvor auf Anonymous News, dort wurde er 4.300 Mal geteilt. 

In Berlin hatten sich laut Polizei am 3. April während Gebetsrufen vor einer Moschee rund 300 Menschen versammelt. Dem Imam, dem Ordnungsamt (Bezirksamt Neukölln) und den Beamten „gelang es nur zum Teil, die Anwesenden zum Abstandhalten zu bewegen. Das Gebet wurde im Einvernehmen mit dem Imam vorzeitig beendet“, schrieb die Polizei auf Twitter.

Der Artikel von Ein Reich stellt den Vorfall als angeblich gezielten Aufruf zur Versammlung dar. In der Überschrift ist die Rede von einem „Massengebet“. Und in der Einleitung heißt es: „Hunderte Moslems kamen in Berlin zum traditionellen Freitagsgebet und folgten dem Ruf ihres Imams. Die Polizei bemühte sich um Auflösung der illegalen Versammlung.“

Polizei macht nach eigenen Angaben keinen Unterschied bei verschiedenen Religionen

Auf Nachfrage schrieb die Polizei Berlin in einer E-Mail an CORRECTIV am 21. April, dass es sich nicht um eine geplante Versammlung gehandelt habe. Es gebe zudem keine Sonderregelung für bestimmte Religionen. Kundgebungen mit bis zu 20 Personen dürften nur mit einer Ausnahmegenehmigung durchgeführt werden. „Bislang waren Gottesdienste oder Begegnungen in Kirchen, Synagogen und Moscheen nicht erlaubt.“ 

Am Telefon bekräftigte Polizeisprecher Michael Gassen noch einmal: „Wir machen keinen Unterschied bei Muslimen, Christen oder anderen Versammlungen.“

Es sei ein symbolischer Gebetsruf der Moschee geplant gewesen – als Ersatz für das gemeinsame Gebet, das derzeit nicht persönlich stattfinden konnte. „Es war hier nicht von einer Ansammlung von Menschen auszugehen, da zusätzlich durch die Moschee dazu aufgerufen wurde, nicht zu erscheinen“, erklärt der Polizeisprecher. 

Die Moschee bat die Menschen am selben Tag auf Facebook, fernzubleiben

Der Originalaufruf zu der Aktion „Ich höre deinen Ruf“ ist noch auf der Webseite der Neuköllner Begegnungsstätte zu finden. Ab dem 3. April sollte immer freitags um 13.30 Uhr und täglich um 18 Uhr der Gebetsruf ertönen. Der Aufruf ist missverständlich, denn ihm ist nicht zu entnehmen, dass niemand persönlich zum Gebet erscheinen sollte. Es heißt darin, dass zeitgleich mit dem islamischen Gebetsruf per Lautsprecher auch die Glocken der christlichen Genezareth-Gemeinde ertönen sollten.

Am 3. April, also am Tag des ersten Gebetsrufs, warnte die Gemeinde vormittags um 11.41 Uhr auf ihrer Facebook-Seite, niemand solle persönlich erscheinen. Es werde eine Facebook-Live-Übertragung geben. Die Menschen hielten sich offensichtlich nicht daran. Um 16.15 Uhr am Nachmittag, also nach dem ersten Gebetsruf, schrieb die Gemeinde auf Facebook: „Sollten sich erneut Menschen vor der Moschee versammeln, wird der Gebetsruf in dieser Form eingestellt.“ 

Warnung der Moschee auf Facebook
Die Warnung der Moschee auf Facebook am 3. April vormittags. (Screenshot: CORRECTIV)

Das deckt sich mit einem weiteren Tweet der Polizei am Abend des 3. April. Darin steht: „Die Verantwortlichen der Moschee sicherten zu, dass sie über die sozialen Medien nochmals darauf hinweisen werden, dass den digitalen Gebetsrufen nicht durch persönliches Erscheinen gefolgt werden muss und und diese bei erneuten Menschenansammlungen sofort beendet werden.“

Am 4. April teilte die Moschee dann auf Facebook mit, die Aktion müsse vorerst eingestellt werden, da sich „entgegen unserer Bitte, geltende Gesetze einzuhalten und Zuhause zu bleiben“ während des Gebetsrufs wiederholt Schaulustige an der Moschee eingefunden hätten.

Mitteilung der Moschee
Die Mitteilung der Moschee, dass die Aktion eingestellt werden müsse. (Screenshot: CORRECTIV)

Am 6. April schrieb dann der CDU-Bezirksvorsitzende von Neukölln, Falko Liecke, auf Twitter, er habe den öffentlichen Gebetsruf verboten. Darüber berichtete unter anderem der RBB.  

Keine Bußgelder wegen zu wenig Personal vor Ort

Die Personen, die vor der Moschee eintrafen, wurden laut Polizei aufgefordert, entweder Abstand zu halten oder nach Hause zu gehen. „Dieser Aufforderung kamen die Personen zunächst nicht nach.“

Tatsächlich seien aber keine Bußgelder verhängt worden. Der Grund sei, dass nicht genügend Einsatzkräfte vor Ort waren, um Personalien aufzunehmen. „Wir mussten hier auf Maßnahmen verzichten, die wir sonst durchgeführt hätten“, sagt Gassen am Telefon. 

Die Schlussfolgerung des Artikels von Ein Reich („Das heißt im Klartext nichts weiter, als dass der Corona-Bußgeldkatalog nur für Deutsche gilt“) ist also falsch.  

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Der Artikel lässt relevanten Kontext weg und zieht falsche Schlussfolgerungen.

mannheim_pixabay

von Lea Weinmann

Auf Facebook wird behauptet, in Mannheim habe eine große Gruppe Migranten bei einem Transport eng beieinander gestanden – den Corona-Maßnahmen zum Trotz. Es stimmt, dass dort Flüchtlinge verlegt wurden. Es gab laut Behörden aber Maßnahmen zum Infektionsschutz.

Eine Facebook-Nutzerin veröffentlicht in einem Beitrag vom 9. April ein Foto, das sie am Morgen des gleichen Tages in Mannheim aufgenommen haben will. Darauf sei angeblich eine große Gruppe Flüchtlinge zu sehen, die vor Reisebussen eng zusammen gestanden hätte, allen Corona-Maßnahmen zum Trotz, so suggeriert es der Beitrag.

Der originale Beitrag wurde zwischenzeitlich von dem Sozialen Netzwerk gelöscht, aber am 10. April als Screenshot auf anderen Seiten veröffentlicht (hier und hier). Zusammengenommen wurde der Beitrag damit bisher mehr als 10.000 Mal auf Facebook geteilt (Stand: 16. April).

Der originale Facebook-Beitrag wurde gelöscht, ein Screenshot davon verbreitet sich aber auf Facebook weiter. (Quelle: Facebook, Screenshot: CORRECTIV)

Tatsächlich zeigt das Foto eine Gruppe Asylsuchender, die an diesem Morgen aus einer Erstaufnahmeeinrichtung in Mannheim in verschiedene Stadt- und Landkreise verlegt wurde. Die zuständigen Behörden haben sich nach eigenen Angaben aber darum bemüht, die Auflagen zum Infektionsschutz bei der Busfahrt einzuhalten.

Tatsächlich wurden Flüchtlinge von der Industriestraße in Mannheim in andere Unterkünfte verlegt

Nach Recherchen von CORRECTIV wurde das Foto an der Industriestraße in Mannheim aufgenommen: Auf dem Foto ist das Logo eines Fliesenhändlers zu erkennen, dessen Geschäft sich an der Industriestraße befindet. Ein Vergleich mit der Straßenansicht in dem Online-Kartendienst Google-Street-View macht deutlich, dass das Foto dort aufgenommen wurde.

Ein Abgleich mit dem Online-Kartendienst Google-Street-View zeigt: Das Foto wurde an der Industriestraße in Mannheim aufgenommen. (Quelle: Google, Screenshot: CORRECTIV)

An der Industriestraße befindet sich eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende, die vom Regierungspräsidium Karlsruhe betrieben wird.

Auf Anfrage von CORRECTIV bestätigt das Regierungspräsidium, dass am 9. April früh morgens insgesamt 42 Personen aus der Erstaufnahmeeinrichtung in andere Stadt- und Landkreise verlegt wurden. Dafür habe man drei Kleinbusse und einen Reisebus eingesetzt.

Es ist also richtig, dass Asylsuchende in Mannheim weiterhin verlegt werden – auch während der Corona-Krise.

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Es gibt laut Behörden viele Auflagen, um beim Transport für Infektionsschutz zu sorgen

Der Facebook-Beitrag erweckt jedoch den Eindruck, die zuständigen Behörden würden – im Gegensatz zum Umgang mit der sonstigen Bevölkerung – bei der Betreuung der Flüchtlinge nichts tun, um den nötigen Infektionsschutz sicherzustellen. Das ist irreführend.

Das Dienstleistungsunternehmen, das für die Betreuung der Flüchtlinge in der Einrichtung zuständig ist, hat nach Angaben des Regierungspräsidiums verschiedene Auflagen umgesetzt, um bei den Busfahrten für Infektionsschutz zu sorgen: So gebe es einen neuen, „großzügigeren“ Treffpunkt für die Abfahrt, sowie Absperrungen und Markierungen auf dem Boden, um die Abstandsregeln einzuhalten. Diese Maßnahmen würden von einem Sicherheitsdienst überwacht, den das Regierungspräsidium dafür eingesetzt hat, schreibt uns eine Sprecherin des Präsidiums per E-Mail.

Familien und Ehepaare hätten nahe beieinander gestanden

„Bedauerlicherweise kann dabei nicht vollständig verhindert oder ausgeschlossen werden, dass gemeinsam reisende Familien oder Ehepaare – insbesondere während sie auf ihre Abfahrt warten – nah beieinander stehen“, schreibt die Sprecherin weiter.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe erklärt in einer E-Mail an CORRECTIV, wie Maßnahmen zum Infektionsschutz beim Transport von Asylsuchenden umgesetzt werden. (Screenshot: CORRECTIV)

Flüchtlinge werden in andere Unterkünfte verlegt, um Belegung zu „entzerren“, sagt die Behörde

Dass die 42 Asylsuchenden auf drei Kleinbusse und einen großen Reisebus verteilt wurden, hatte laut Regierungspräsidium ebenfalls den Grund, die Menschen innerhalb der Busse „möglichst weit auseinander“ setzen zu können.

Auch in den Erstaufnahmeeinrichtungen selbst seien die Behörden bemüht, die Belegung zu „entzerren“, um auch damit das Infektionsrisiko zu verringern, schreibt die Sprecherin. Deshalb würden Asylbewerber momentan „vermehrt“ aus den Einrichtungen des Landes in die Stadt- und Landkreise gebracht, „da die dortige Unterbringung stärker dezentral und damit kleinteiliger ist, sodass weniger Personen in einzelnen Unterkünften zusammenleben.“

Ein weiterer Auszug aus der E-Mail des Regierungspräsidiums Karlsruhe an CORRECTIV. (Screenshot: CORRECTIV)

Flüchtlinge als angebliche Übeltäter in der Corona-Krise werden vermehrt zum Narrativ in den Sozialen Netzwerken

In der Vergangenheit verbreiteten sich in den Sozialen Medien vermehrt Narrative über Flüchtlinge, die sich während der Corona-Krise nicht an die Kontaktbeschränkungen halten. Behauptet wurde auch, dass die mediale Aufmerksamkeit rund um die Pandemie dazu genutzt werde, Migranten heimlich einzuschleusen. Erst vor Kurzem hat CORRECTIV eine ähnliche Behauptung über eine Ankunft von Asylsuchenden in Görlitz widerlegt.

Korrektur (20. April): In einer früheren Version des Artikels stand, dass die Flüchtlinge nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel verteilt werden, der festlegt, wie viele Flüchtlinge ein Bundesland aufnehmen soll. Diese Verteilung war bei den Personen, um die es in dem Artikel geht, bereits abgeschlossen.

Unsere Bewertung:
Größtenteils richtig. Das Foto zeigt Flüchtlinge, die an diesem Tag verlegt wurden.

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Ein Facebook-Beitrag der Seite „Görlitz bewegt sich“ mit diesen Fotos erweckt den falschen Eindruck, Asylbewerber seien „heimlich“ in die Stadt gebracht worden. Das ist falsch. (Screenshot: CORRECTIV)

von Cristina Helberg

Eine Facebook-Seite behauptet, in der Stadt Görlitz seien während der Maßnahmen zur Verlangsamung des Coronavirus „heimlich Migranten“ angekommen. Das ist falsch. Am 10. März kamen 23 Asylbewerber aus Erstaufnahmeeinrichtungen nach Görlitz, so wie sonst auch regelmäßig.

Die Facebook-Seite „Görlitz bewegt sich“ teilte am 10. März zwei Fotos eines Reisebusses und aussteigender Menschen mit dem Kommentar: „Wo kommen denn die ‘Schutzsuchenden’ so plötzlich her? Still und heimlich heute auf der Struve Straße… Der erste Bus von wievielen? Ach ja wir haben den ersten Corona Fall. Da ist kein Platz mehr für andere Themen“. Der Beitrag wurde knapp 4.000 Mal geteilt. 

Andere Facebook-Nutzer teilten die Bilder in den darauffolgenden Tagen mit ähnlichen Behauptungen. „Still und heimlich“ seien „Migranten“ über Nacht mit Bussen im sächsischen Görlitz gelandet. Die Maßnahmen gegen den Coronavirus würden das vertuschen. „Alle sind abgelenkt durch Corona und klammheimlich werden die Migranten eingeflogen“, schrieb ein Nutzer (3.400 Mal geteilt). Ein anderer Nutzer vermutete: „Coronavirus Panik macht blind…versammeln darf man sich auch nicht, das wiederum macht für die Regierung alles etwas einfacher“ (knapp 300 Mal geteilt)

Keine „heimliche“ Ankunft 

Das Landratsamt Görlitz stellt in einer Antwort auf eine Presseanfrage von CORRECTIV klar, dass es sich um die normale regelmäßige Zuweisung von Asylbewerbern aus Erstaufnahmeeinrichtungen handele. Eine Sprecherin des Landratsamt Görlitz schreibt per E-Mail: „Nach Rücksprache mit der Ausländerbehörde des Landkreises Görlitz kann ich Ihnen mitteilen, dass monatlich durch die Landesdirektion Sachsen Asylbewerber aus den Erstaufnahmeeinrichtungen in die Landkreise und kreisfreien Städte verteilt werden. Dies erfolgt nach dem Königsteiner Schlüssel.“ Der sogenannte Königsteiner Schlüssel legt fest, wie viele Asylsuchende ein Bundesland aufnehmen muss. 

Weiter schreibt die Görlitzer Behörde: „Am Dienstag, 10. März 2020, wurden dem Landkreis Görlitz 23 Personen zugewiesen. Die Organisation (auch der Bustransport) der Zuweisung erfolgt durch die Landesdirektion Sachsen.“  Nach ihrer Ankunft würden die Personen in die Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises Görlitz verteilt. 

Die E-Mail des Landratsamts Görlitz vom 24. März. (Screenshot: CORRECTIV)

Dass die Ankunft der Personen keinesfalls heimlich oder in der Nacht stattfand, wie von den Facebook-Nutzern behauptet, belegen auch die von ihnen selbst verbreiteten Bilder.  Bereits am 12. März berichtete die Sächsische Zeitung (Artikel zahlungspflichtig) über die falschen Gerüchte im Internet und die Klarstellung der Behörden. 

Die Facebook-Gruppe „Görlitz bewegt sich“

Die Facebook-Seite „Görlitz bewegt sich“, die die Fotos offenbar zuerst verbreitete, bezeichnet sich selbst als Verein mit dem Ziel: „Gemeinsam, friedlich, neutral für unsere Zukunft, unsere Heimat und unsere Kultur, gegen die Fehlpolitik!“ 2016 berichtete die Sächsische Zeitung über die dahinter stehende „asylkritische Initiative“ in Görlitz. 

Auf der Facebook-Seite werden Bilder von Lastwagen mit der Beschriftung „Führerhaus“ und islamkritische Inhalte geteilt. Das Profilbild der Seite unterstellt Angela Merkel, sie wolle dem Land die Identität rauben, um es zu islamisieren. Diese verbreiteten Narrative der Desinformation („Deutschland wird ein islamischer Staat“ und  „Migration verdrängt deutsche Traditionen“) haben wir bereits in Hintergrundartikeln analysiert. 

Ein von der Facebook-Seite „Görlitz bewegt sich“ geteiltes Foto. (Screenshot: CORRECTIV).
Unsere Bewertung:
Größtenteils falsch. Am 10. März kamen regulär 23 Asylbewerber aus Erstaufnahmeeinrichtungen nach Görlitz. Laut Landratsamt Görlitz werden regelmäßig Personen auf die Städte aufgeteilt.

München 22
Der Tweet der Polizei München vom 22. März 2020 (Screenshot: CORRECTIV).

von Cristina Helberg

In einer Sprachnachricht, die sich zum Beispiel über Whatsapp verbreitet, behauptet ein Mann, demnächst würden 20.000 Geflüchtete in München eintreffen. Die aktuellen Maßnahmen zum Stopp des Coronavirus sollten das vertuschen. Die Polizei München stellt klar: Es handelt sich um eine Falschmeldung.

Die Männerstimme in der aktuell kursierenden Sprachnachricht warnt, in und um München verteilt würden in den nächsten Tagen 20.000 Geflüchtete ankommen. „Per Bahn, per Flixbus und mit der Lufthansa.“ Die „Ausgangssperre“ zum Coronavirus sei wahrscheinlich auch deshalb verhängt worden, „dass wir das nicht mitkriegen“. Eine Quelle für die Behauptung wird nicht genannt.

In Bayern gilt seit dem 20. März eine Ausgangsbeschränkung, die das Verlassen der Wohnung nur „bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt“. Dazu gehören unter anderem „die Ausübung beruflicher Tätigkeiten“, Arztbesuche und Einkäufe. 

Die Polizei München schrieb auf Twitter zu der Behauptung, damit solle etwas vertuscht werden: „Nein! Durch die Ausgangsbeschränkung soll nicht die Ankunft von 20.000 Flüchtlingen vertuscht werden“. Es handele sich also um eine Falschmeldung. Die Polizei warnt außerdem: „Insbesondere über Messenger-Dienste werden derzeit gezielt Falschmeldungen und böswillige Gerüchte verbreitet.“

Medienberichten zufolge gibt es derzeit keine Pläne Bayerns, Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat sich Anfang März dagegen ausgesprochen.

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Unsere Bewertung:
Falsch. Laut Polizei München handelt es sich um eine Falschmeldung.

Asylsuchende Grenze Türkei
Asylbewerber dürfen unter bestimmten Umständen weiter einreisen, sollen aber auch mehrfach gesundheitlich durchgecheckt werden. (Symbolbild: picture alliance / AA)

von Lea Weinmann

Auf dem Blog Philosophia Perennis wird behauptet, Asylbewerber dürften trotz des verhängten Einreisestopps für Nicht-EU-Bürger weiter einreisen. Ob sie gesundheitlich gecheckt würden, sei angeblich unklar. Dem Artikel fehlt wesentlicher Kontext; die Behauptungen sind zum Teil falsch.

Im Kampf gegen das neuartige Coronavirus haben die Staats- und Regierungschefs der EU am 17. März beschlossen, Reisen in die EU zu beschränken. Am gleichen Abend, nach einer Videokonferenz des Europäischen Rates, verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel, man habe sich auf ein 30-tägiges Einreiseverbot für Menschen aus Ländern geeinigt, die nicht der EU oder EFTA angehören (mit Ausnahme Großbritanniens).

Ebenfalls am 17. März behauptete der islamkritische Blogger David Berger auf seinem Blog Philosophia Perennis, die Einreisesperre gelte nicht für Asylbewerber; für sie seien die deutschen Grenzen weiterhin offen. Zuvor hatte er in einem anderen Artikel am selben Tag geschrieben: „Inwiefern hier die Möglichkeit bzw. der Wille der Verantwortlichen vorhanden sind, möglichst umfangreiche und verlässliche Gesundheits-Checks durchzuführen, bleibt völlig unklar.“

Zusammengenommen wurden die Artikel von Berger laut dem Analysetool Crowdtangle bisher mehr als 17.000 Mal auf Facebook geteilt (Stand: 19. März). Auch die AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch hat am 17. März geäußert, die Grenzen seien für Asylbewerber weiter offen.

Die Behauptungen stimmen jedoch nur teilweise. Es ist richtig, dass Menschen, die internationalen Schutz benötigen, von der Beschränkung ausgenommen sind. Diese sollen aber bei der Einreise Gesundheitskontrollen durchlaufen – und können dabei auch abgewiesen werden. 

Die EU-Kommission hat Ausnahmen zur Einreisesperre definiert

Der Sprecher des Bundesinnenministeriums (BMI), Steve Alter, sagte in der Regierungspressekonferenz am 18. März (ab Minute 11:11) auf die Frage eines Journalisten, dass es in Bezug auf Asylanträge an den Außengrenzen des Schengen-Raums „bisher keine Verfahrensänderung im Vergleich zu vorgestern [16. März]“ gebe. Man kann also weiterhin Asylanträge stellen.

Der Grund dafür findet sich in den Leitlinien zum Umgang mit der Corona-Krise, auf die sich Staats- und Regierungschefs der EU-Länder verständigt haben und die die Europäische Kommission am 16. März in einer Mitteilung formulierten: Auf den Seiten 2 und 3 ist aufgelistet, wer von der Einreisebeschränkung ausgenommen ist – darunter Gesundheitspersonal, Grenzgänger, Diplomaten und eben auch „Personen, die internationalen Schutz oder Schutz aus anderen humanitären Gründen benötigen“.

In der Mitteilung der EU-Kommission an den Europäischen Rat vom 16. März sind Ausnahmen von der Einreisebeschränkung definiert. (Quelle: EU-Kommission, Screenshot: CORRECTIV)
In der Mitteilung der EU-Kommission an den Europäischen Rat vom 16. März sind Ausnahmen von der Einreisebeschränkung definiert. (Quelle: EU-Kommission, Screenshot: CORRECTIV)

David Berger zitiert in seinem Artikel einen Bericht der FAZ vom 16. März, in der diese Ausnahmen ebenfalls genannt werden. Was in seinem Text jedoch nicht erwähnt wird, ist die Tatsache, dass Asylbewerber nicht die einzigen sind, die weiter einreisen dürfen. 

Zudem suggeriert der Artikel, dass „unsere Sicherheit“ in Gefahr sei, weil keine Kontrollen durchgeführt würden. Es fehlt der Satz, der in dem EU-Dokument direkt auf die Ausnahmeregelungen folgt und der auch in dem Artikel der FAZ noch Erwähnung findet: „Für Personen, die in den erweiterten EU-Raum einreisen dürfen, sollten koordinierte und verstärkte Gesundheitskontrollen durchgeführt werden.“

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Nicht-EU-Bürger sollen laut EU-Kommission an den Außengrenzen „systematisch kontrolliert“ werden

Wie diese Kontrollen aussehen sollen, hat die Kommission in einem weiteren, englischsprachigen Papier zum EU-Grenzmanagement am 16. März ausgeführt. Darin heißt es unter anderem: „Alle Personen, sowohl EU- als auch Nicht-EU-Bürger, die die Außengrenzen überschreiten, […] werden an den Grenzübergangsstellen systematisch kontrolliert“ (unter Punkt IV).

Außerdem haben die Mitgliedstaaten demnach die Möglichkeit, Nicht-EU-Bürgern die Einreise zu verweigern, wenn sie relevante Symptome aufweisen, einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt waren und als „Gefahr für die öffentliche Gesundheit“ gelten. 

Innenministerium: Neu ankommende Asylbewerber sollen „sehr zeitnah“ getestet werden

Der Sprecher des Bundesinnenministeriums äußerte sich in der Regierungspressekonferenz auch zu Gesundheitskontrollen und Quarantänemaßnahmen für einreisende Asylbewerber in Deutschland (ab Minute 12:23): Man habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und die Ausländerbehörden schon in der vergangenen Woche gebeten, neu ankommende Asylbewerber „sehr zeitnah“ auf eine Erkrankung mit Covid-19 zu testen, sagte er. Die Bundespolizei stehe für die Kontrollen in Kontakt mit den zuständigen Gesundheitsämtern. 

Ein Sprecher des Bamf hat uns das auf Anfrage per E-Mail bestätigt: Die Bundesländer sollen demnach die Tests direkt bei der Registrierung der Ankommenden durchführen. Damit will man laut Bamf verhindern, dass infizierte Personen in Erstaufnahmeeinrichtungen gelangen.

Das Bamf bestätigt CORRECTIV auf Anfrage, dass die Länder auf Anweisung der Bundesbehörden Asylbewerber bei der Registrierung testen sollen. (Screenshot: CORRECTIV)
Das Bamf bestätigt CORRECTIV auf Anfrage, dass die Länder auf Anweisung der Bundesbehörden Asylbewerber bei der Registrierung testen sollen. (Screenshot: CORRECTIV)

Neue Situation seit dem 18. März: Resettlement-Programme sind ausgesetzt

Während unserer Recherche verbreitete sich zudem am 18. März die Meldung, dass Deutschland die humanitäre Flüchtlingsaufnahme ausgesetzt habe. Das bedeutet, dass keine Flüchtlinge mehr über sogenannte organisierte Resettlement-Verfahren nach Deutschland geholt werden.

Normalerweise nimmt Deutschland seit 2012 pro Jahr ein Kontingent besonders schutzbedürftiger Menschen auf, die weder eine Chance auf Rückkehr in ihr Heimatland haben, noch die Möglichkeit, sich in ihrem ersten Fluchtland zu integrieren, schreibt das Bundesinnenministerium auf seiner Webseite.

Das Bamf hat uns die Aussetzung der Programme auf Nachfrage per E-Mail bestätigt: Das Innenministerium habe das Bamf angewiesen, das Resettlement-Verfahren mit der Türkei und die Resettlement-Verfahren des Bundes für Menschen in humanitären Notlagen „bis auf Weiteres auszusetzen“, schreibt ein Sprecher.

„De facto ‎waren die deutschen humanitären Aufnahmeverfahren wegen verschiedener wechselseitiger Reisebeschränkungen und operativer Einschränkungen […] bereits seit vergangenen Freitag [13. März] zum Erliegen gekommen“, fügt der Sprecher hinzu. 

Ein Sprecher des Bamf bestätigt uns per E-Mail, dass die humanitäre Flüchtlingsaufnahme in Deutschland „bis auf Weiteres“ ausgesetzt ist. (Quelle: EU-Kommission, Screenshot: CORRECTIV)
Ein Sprecher des Bamf bestätigt uns per E-Mail, dass die humanitäre Flüchtlingsaufnahme in Deutschland „bis auf Weiteres“ ausgesetzt ist. (Quelle: EU-Kommission, Screenshot: CORRECTIV)

Auch die Internationale Organisation für Migration (IOM) und das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) haben ihre Resettlement-Verfahren seit dem 17. März offiziell ausgesetzt.

Damit ist es für die Geflüchteten, die die Kriterien für ein Resettlement-Verfahren erfüllen, aktuell nicht mehr möglich, einen Asylantrag zu stellen. Am 20. März teilte das Bamf zudem mit, Asylanträge von nun an nur noch schriftlich entgegenzunehmen; für besondere Fälle gebe es Ausnahmen. Das schränkt das Asylrecht weiter ein. 

David Berger hat diese neuen Informationen in seinen Texten auf Philosophia Perennis vom 17. März bisher nicht ergänzt.

Unsere Bewertung:
Teilweise falsch. Asylbewerber dürfen unter bestimmten Umständen weiter einreisen, sollen aber auch mehrfach gesundheitlich durchgecheckt werden.

Flüchtlinge
Dieses Video zeigt keine neue Registrierungsstelle für Flüchtlinge. Es erschien nicht im März 2020, sondern bereits im Jahr 2015. (Screenshot: CORRECTIV)

von Bianca Hoffmann

Auf Facebook wird derzeit ein Video geteilt, das die Bauarbeiten aus einer Registrierungsstelle für Flüchtlinge zeigt, die angeblich in Kürze eröffnen solle. Es wurde schon 2015 aufgenommen.

Ein Facebook-Nutzer hat am 10. März ein Video auf seinem Profil geteilt. Darin sind Aufnahmen einer großen Halle zu sehen. Ein Mann namens Dirk Kleiböhmer erklärt darin, dass dort eine Registrierungsstelle eingerichtet werden solle zur Aufnahme von Asylbewerbern. Man rechne mit 1.000 Menschen pro Tag, die dort registriert werden sollen. Der Betrieb werde „am Montag“ starten. 

In dem gesamten 44-sekündigen Video ist oben rechts in der Ecke das Datum 6. März 2020 eingeblendet. Außerdem gibt es einen Hinweis auf die Quelle WN-TV. Der Facebook-Nutzer schreibt dazu: „Im Schutze der Corona wurde das Volk wieder verarscht und keiner hat es gemerkt.“

Das Video erweckt durch das Datum oben rechts in der Ecke den Eindruck, aktuell zu sein. (Screenshot und rote Markierung: CORRECTIV)
Das Video erweckt durch das Datum oben rechts in der Ecke den Eindruck, aktuell zu sein. (Screenshot und rote Markierung: CORRECTIV)

Das Video wurde mittlerweile mehr als 4.300 Mal auf Facebook geteilt. Es ist allerdings schon von 2015 und hat keinen Zusammenhang zur aktuellen Situation ankommender Asylbewerber in Deutschland. 

Video ist alt und stammt von 2015

Das Video wurde am 17. September 2015 auf dem Youtube-Kanal der Westfälischen Nachrichten (WN-TV) aus Münster hochgeladen. 

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Es zeigt die Arbeiten an der Registrierungsstelle für Flüchtlinge am Flughafen Münster/Osnabrück (FMO). Dirk Kleiböhmer, der Mann in dem Video, arbeitet als Brandschutzexperte in Münster. Offensichtlich wurde das Video heruntergeladen und mit einem aktuellen Zeitstempel versehen, um anschließend wieder bei Facebook hochgeladen zu werden. 

Die Zeitung Westfälische Nachrichten veröffentlichte 2015 mehrere Berichte zu der neuen Registrierungsstelle, unter anderem hier und hier

Im Jahr 2015 wurden vom Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge 890.000 Zugänge von Asylsuchenden in Deutschland registriert, es wurden 441.899 Anträge auf Asyl gestellt. Die Zahl ist seitdem stark gesunken. Im Jahr 2019 waren es insgesamt 142.509 Anträge, die in Deutschland von Asylsuchenden gestellt wurden (PDF, S. 6).

Kommentare bei Facebook deuten darauf hin, dass Nutzer glauben, das Video ist aktuell

In den Kommentaren zu dem Video auf Facebook gibt es bereits Hinweise auf das Alter der Aufnahmen. Allerdings gibt es auch zahlreiche wütende Kommentare. Dort steht beispielsweise „Deswegen gibt es ja Corona dass wir nichts mitbekommen sollen wieviele Flüchtlinge zu uns kommen“ oder „Danke Frau Merkel das brauchen wir jetzt“. 

Facebook-Kommentare unter dem Video. (Screenshot: CORRECTIV)
Facebook-Kommentare unter dem Video. (Screenshot: CORRECTIV)

Fazit: Mit der aktuellen Lage und der Pandemie durch das neuartige Coronavirus hat das Video nichts zu tun. Es wurde schon 2015 veröffentlicht und zeigt die damalige Einrichtung einer Registrierungsstelle für Flüchtlinge am Flughafen Münster/Osnabrück. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Video ist von 2015.

Video von der griechischen Grenze zu Mazedonien
Ein Video auf Facebook zeigt, wie Migranten und Flüchtlinge versuchen, ein Grenztor aufzubrechen. Es ist vier Jahre alt. (Screenshot: CORRECTIV)

von Alice Echtermann

Derzeit wird auf Facebook ein Video verbreitet, das angeblich Flüchtlinge und Migranten zeigt, die aktuell die Grenze zu Griechenland durchbrechen wollen. Es entstand jedoch an der griechisch-mazedonischen Grenze und ist mutmaßlich von 2016. 

Der Nutzer, der das Video am 5. März auf Facebook hochgeladen hat, schreibt dazu: „Unfassbar, was sich da abspielt. Griechenland braucht Hilfe. Sofort. Solche Szenen werden von den Mainstream Medien nicht gezeigt.“ Im Video ist zu sehen, wie Polizisten vor einem weißen Tor stehen, offenbar ein Grenzübergang. Dahinter sind zahlreiche Menschen, vor allem Männer, die schreien und am Tor rütteln und es auch einmal schaffen, es aufzustoßen. 

Der Kommentar des Nutzers weist darauf hin, dass sich diese Szene angeblich an der türkisch-griechischen Grenze abgespielt hat, wo seit etwa einer Woche Flüchtlinge und Migranten laut UN-Flüchtlingskommisariat versuchen, aus der Türkei in die EU zu gelangen. Das Video wurde auf Facebook bereits fast 13.000 Mal geteilt. 

Die Behauptung ist jedoch falsch. Das Video wurde an der griechisch-mazedonischen Grenze aufgenommen, und zwar höchstwahrscheinlich 2016. Die Menschen in dem Video, die das Tor aufbrechen wollten, befanden sich in Griechenland und wollten nach Mazedonien (heute: Nordmazedonien).

Tausende Flüchtlinge saßen 2016 in Griechenland fest, weil Mazedonien sie an der Grenze abwehrte

Die Polizisten in dem Video tragen Schutzschilde, auf denen Buchstaben zu sehen sind, die dem kyrillischen Alphabet ähneln. Mit Hilfe der Google-Translate-App identifizieren wir die Sprache als Mazedonisch. Auf den Schilden steht „Polizei“. 

Foto Polizisten Mazedonien
Die Polizisten in dem Facebook-Video tragen Schutzschilde mit kyrillischen Buchstaben. (Screenshot: CORRECTIV)

Eine Google-Recherche zeigt: Der Schriftzug stimmt überein mit dem der mazedonischen Polizei. 

Ein Polizei-Auto aus Mazedonien
Ein Archivbild eines mazedonischen Polizeiautos. (Foto: Dickelbers, Macedonia police car 06, CC BY-SA 4.0)

Bei einer Google-Suche auf Englisch nach „break gate Macedonia border Greece“ fanden wir Artikel von 2016, in denen es darum geht, dass Migranten ein Grenztor zu Mazedonien niedergerissen hätten. Zum Beispiel fanden wir einen Bericht der Irish Times und einen der BBC – beide mit Videos.  

Die Videos zeigen mutmaßlich die gleiche Situation, nur von der anderen Seite des Grenzzauns aus gefilmt. Die Szenen sind nicht ganz identisch, anhand von Umgebungsmerkmalen lässt sich aber sagen, dass sie am selben Ort entstanden sind. 

In allen Videos ist das weiße Grenztor mit Stacheldraht zu sehen, durch das unten Bahnschienen führen. Im Hintergrund auf griechischer Seite sind drei markante, hohe Masten.

Screenshot aus dem Facebook-Video
Das Tor mit den drei Masten im Hintergrund (von Mazedonien aus gesehen rechts vom Tor) im Facebook-Video. (Screenshot: CORRECTIV)
Screenshot aus dem Video der BBC
Das Tor mit den drei Masten (von Mazedonien aus gesehen rechts vom Tor) im Video der BBC von 2016. (Screenshot: CORRECTIV)

Zudem ist in allen drei Videos ein rautenförmiges Straßenschild sichtbar. 

Screenshot aus dem Facebook-Video mit Schild
Schild in der Facebook-Aufnahme. (Screenshot und rote Markierung: CORRECTIV)
Screenshot aus dem Video der Irish Times
Schild im Hintergrund des Videos der Irish Times von 2016 (Screenshot und rote Markierung: CORRECTIV)
Screenshot aus dem Video der BBC mit Schild
Schild im Hintergrund des Videos der BBC von 2016. (Screenshot und rote Markierung: CORRECTIV)

Fest steht also: Das Video auf Facebook wurde an der griechisch-mazedonischen Grenze aufgenommen. Es zeigt nicht die aktuelle Situation an der türkisch-griechischen Grenze. 

Den genauen Zeitpunkt der Aufnahme von Facebook können wir nicht verifizieren. Das Video passt jedoch zu den Berichten von Anfang 2016. Laut BBC und Irish Times saßen Ende Februar 2016 etwa 6.500 bis 7.000 Menschen an der griechischen Grenze zu Mazedonien fest. Sie campten dort laut den Medien tagelang, die Stimmung wurde immer angespannter und die Menschen versuchten, das Tor zu durchbrechen. 

Laut deutschen Medienberichten hatte Mazedonien die Grenze zu Griechenland im Januar 2016 geschlossen, damit wurde die Balkanroute in die EU blockiert. Bereits Ende 2015 hatte Mazedonien laut Berichten mit dem Bau eines Grenzzauns begonnen.  

Die aktuelle Lage an der türkisch-griechischen Grenze entstand, nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan am 29. Februar 2020 laut Medienberichten erklärt hatte, die Tore zur EU seien für Flüchtlinge und Migranten geöffnet. Daraufhin hatte es einen Ansturm auf die Grenze gegeben. Griechenland lässt die Menschen jedoch nicht ins Land. 

Update, 10. März 2020: Wir haben im Text die Information ergänzt, dass Mazedonien heute Nordmazedonien heißt. Das Land wurde 2019 umbenannt. 

Unsere Bewertung:
Falsch. Das Video zeigt eine Situation an der griechisch-mazedonischen Grenze 2016. 

Eine Frau am Strand von Lesbos
Zahlreiche Fotografen waren vor Ort, als ein Boot mit Menschen an der Küste von Lesbos ankam. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Bilder inszeniert wären. (Foto: picture alliance / Photoshot)

von Alice Echtermann

Anhand eines Videos wird behauptet, Journalisten hätten Fotos von ankommenden Flüchtlingen und Migranten auf Lesbos inszeniert. Die Vorwürfe von „Fotoshootings“ oder „Schauspielern“ sind haltlos. Die Ankunft der Menschen mit einem Schlauchboot ist aus verschiedenen Quellen dokumentiert. 

Sind die Flüchtlingen und Migranten, die an der Küste der griechischen Insel Lesbos ankommen, in Wahrheit Models oder Schauspieler und die Fotos von ihrer Ankunft inszeniert? Diese Behauptung wird gerade im Netz verbreitet. Insbesondere das Foto einer Frau mit rötlichen Zöpfen, die kniet und ihre Arme emotional zum Himmel streckt, steht dabei im Fokus. 

Nutzer auf Facebook verbreiten Fotos und Videos von der Szene und behaupten, sie sei gestellt („Dreharbeiten“). Die Beiträge werden tausendfach geteilt. Unter den Verbreitern sind auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Johannes Huber und der hessische AfD-Landtagsabgeordnete Dimitri Schulz. 

Schulz schrieb am 1. März auf Facebook: „So entstehen die Fake News unserer Medien! […] wenn man sich dieses Video mal anschaut, kann man genau erkennen, dass alles inszeniert ist. Ein Mann schnallt sich einen Rettungsring um und begibt sich ins Wasser. Ein Kameramann gibt der Frau Anweisungen, wie sie zu schreien hat. Nur das Klacken der Fotolinsen übertönt die ganze Szenerie.“ Sein Beitrag wurde 9.500 Mal geteilt.

Die Behauptung, alles sei inszeniert, ist falsch

CORRECTIV hat Material von der Ankunft der Menschen auf Lesbos zusammengetragen und Journalisten und Fotografen kontaktiert. Das Ergebnis: Die Behauptungen, das Ganze sei inszeniert und die Menschen seien Schauspieler oder Models, sind falsch. 

Facebook-Post von Johannes Huber (AfD)
Der Facebook-Beitrag des AfD-Abgeordneten Johannes Huber (Screenshot: CORRECTIV)

Die Facebook-Beiträge enthalten ein kurzes Video von der Szene an der Küste von Lesbos. Darin ist zu sehen, wie ein Mann vor der knienden Frau steht und sie fotografiert. Im Hintergrund sind weitere Fotografen. In dem Beitrag von Johannes Huber heißt es, die Menschen hätten sich „mehrmals in Szene geworfen“. Tatsächlich ist in Hubers Video – und auch in dem von Dimitri Schulz und einem Video auf Youtube – aber einfach zweimal derselbe Clip hintereinander geschnitten. Er ist im Original nur neun Sekunden lang. 

Das Video stammt von der Journalistin Liana Spyropoulou, die vor Ort berichtete

Das Originalvideo stammt von der Journalistin Liana Spyropoulou, die für die Bild-Zeitung vor Ort in Griechenland berichtet. Sie hat es am 29. Februar auf Twitter hochgeladen mit dem Kommentar: „Lesbos früher am heutigen Tag. Die Ankunft von mehr Booten voller Flüchtlinge auf den östlichen Ägäischen Inseln wird erwartet, weil der Wind sich beruhigt hat.“ 

Spyropoulou hatte außerdem zuvor zwei Tweets veröffentlicht, die die Ankunft des Bootes dokumentieren. In dem ersten schreibt sie, es sei ein „Boot mit Flüchtlingen“ auf dem Meer gesichtet worden, ein Navy-Schiff nähere sich ihm. 

In dem zweiten Tweet sind zwei Fotos zu sehen. Eines zeigt ein graues Schlauchboot mit Flüchtlingen und einen Fotografen im Vordergrund. Auf dem zweiten sind Menschen an Land, darunter der Fotograf und die Frau aus dem Video. Im Hintergrund links ist das graue Schlauchboot erkennbar. 

Tweet der Journalistin Liana Spyropoulou
Der zweite Tweet von Liana Spyropoulou. Im rechten Foto ist im Hintergrund die Frau mit den rötlichen Zöpfen. (Screenshot: CORRECTIV)

Wir konnten außerdem zahlreiche Fotos von der Ankunft des Bootes von verschiedenen Fotografen in der Pressedatenbank Picture Alliance finden. Video-Aufnahmen finden sich außerdem bei dem türkischen Sender TRT World am 29. Februar auf Twitter, in einem Youtube-Video der Welt und einem Video der britischen Daily Mail. Letzteres Video zeigt auch das Schlauchboot weit draußen auf dem Meer, und das Navy-Schiff, das Spyropoulou in ihrem Tweet erwähnte.

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Auf den Bildern und Videos ist zu sehen, wie die Menschen wegen der Wellen Schwierigkeiten haben, aus dem Boot auszusteigen. Darunter ist auch die Frau mit den rötlichen Zöpfen. Man sieht bei TRT World, dass sich mehrere Fotografen auf sie konzentrieren, weil sie so emotional reagiert. Das bedeutet aber nicht, dass die Szene nicht echt wäre. 

Flüchtlinge auf Lesbos
Die Menschen in dem Schlauchboot, darunter die Frau mit den rötlichen Zöpfen (links vorne im Boot). (Foto: Angelos Tzortzinis/dpa)

Journalisten warten auf die Ankunft von Booten

Auf Nachfrage erklärt uns Liana Spyropoulou, wie die Journalisten die Ankunft der Menschen abpassen, um Fotos zu machen. Wir chatten mit ihr über Twitter. Sie und ihre Kollegen hätten an dem Tag die „übliche Methode“ in Skala (wo die meisten Boote ankämen) angewendet, schreibt sie: Morgens um 5.30 Uhr aufzustehen und mit dem Auto an der Küste entlang zu fahren. „Wir haben große Kameraobjektive und halten Ausschau nach Booten, weil das unser Job ist. Zu berichten und Material von den Ankünften zu haben. Wenn einer von uns ein Boot sieht, ruft er die anderen an“, erklärt die Journalistin.

Das Wetter an dem Tag sei „schrecklich“ gewesen, schildert sie weiter. Die Journalisten seien überrascht gewesen, dass die Menschen die Überfahrt geschafft hätten. 

Emotionale Reaktionen habe sie bei Geflüchteten schon oft erlebt: „Ich habe das Schlimmste erlebt. Schiffbrüche mit Babys und Kindern, die ertrunken sind und deren Eltern schrien. Andere brachen zusammen, als ihre Füße die Steine des Strandes berührten.“ In ihren Nachrichten an uns drückt Spyropoulou auch ihre Empörung über die Behauptungen aus: „Ich habe hunderte von Videos und Fotos von 2015. Sind die alle Fake?“, fragt sie.  

Weitere Reporter schildern den Vorfall auf gleiche Weise

Wir haben zudem den Fotografen Giorgos Moutafis, der Fotos an dem Tag gemacht hat (hier), angeschrieben. Er antwortet uns knapp: „Bitte vertraut den Fotografen.“ Und schickt ein weiteres Video von Euronews, in dem die Ankunft des Bootes und die anschließende Versorgung der Menschen durch Helfer zu sehen ist. 

Auch die französischen Faktenchecker von Libération haben die Behauptungen am 2. März überprüft und kamen zum Ergebnis, dass sie falsch sind. Sie befragten mehrere Journalisten und Fotografen, darunter Aris Messinis von der Nachrichtenagentur AFP, der ebenfalls vor Ort war. Er sagte Libération, es sei keine Inszenierung gewesen. „Einige Migranten fingen an zu weinen, zu beten, zu singen. […] Wir haben angefangen, sie zu fotografieren, als wir ihre Reaktion sahen.“ 

Und der Videojournalist Savvas Karmaniolas sagte den französischen Faktencheckern: „Das Wetter war sehr schlecht, es war sehr windig und wir waren überrascht, dass sie das Ufer erreichen konnten. Das Boot hätte sinken können. Ich denke, die Migranten hatten große Angst, was die Reaktion dieser Frau erklärt. Ich glaube nicht, dass sie die Kameras in Betracht gezogen hat. Die Videojournalisten und Fotografen kamen zusammen, um Bilder aus verschiedenen Blickwinkeln aufzunehmen.“

Unsere Bewertung:
Falsch. Die Menschen an der Küste von Lesbos sind keine Models oder Schauspieler. Die Fotos sind nicht inszeniert worden.