Meeresspiegel steigt auch in Sydney, Strandfoto ist kein Gegenbeweis
Seit Jahren verbreiten sich Fotomontagen, die den Anstieg des globalen Meeresspiegels infrage stellen sollen. Ein Vergleich historischer Aufnahmen ist dafür aber nicht geeignet. Diesmal geht es um einen Strand in Sydney.
Online versuchen Nutzerinnen und Nutzer Sozialer Medien immer wieder, den Meeresspiegelanstieg durch Fotomontagen in Frage zu stellen, der in Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel steht. Aufnahmen aus Rio de Janeiro, New York und Rügen mussten bereits für solche Beiträge herhalten. Immer wieder taucht aber auch ein Strand in Sydney auf: der Balmoral Beach. Dort, so sollen es Bilder aus den Jahren 2019 und 1905 belegen, sei vom Meeresspiegelanstieg nichts zu sehen.
Die Bilder zeigen zwar den Balmoral Beach, aber sie eignen sich nicht, um Aussagen über die Veränderung des Meeresspiegels zu treffen. Wir erklären, warum.

Balmoral Beach liegt in Sydney
Der Balmoral Beach liegt im Norden von Sydney in Australien und wird durch eine Landzunge namens Rocky Point Island vom Edwards Beach getrennt.

Eine Suche auf Google-Maps zeigt, dass die Aufnahmen die linke Seite der Rocky Point Island zeigen, also eigentlich am Edwards Beach aufgenommen wurde, nicht am Balmoral Beach. Das ist an der Felsformation und dem in den Beiträgen eingekreisten Stein zu erkennen.
Die österreichische Faktencheckorganisation Mimikama fand heraus, dass es vor den beiden Stränden eine Station des Permanent Service for Mean Sea Level gibt, die seit 1987 Messungen durchführt. Die Daten zeigen, dass der mittlere Meeresspiegel seitdem gestiegen ist.

Meeresspiegel bei Sydney seit 1914 um etwa acht Zentimeter gestiegen
Auch das australische Bureau of Meteorology hat Daten zum Meeresspiegel, die das Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) für einen Faktencheck auswertete. Sie zeigen für den Hafen von Sydney einen Meeresspiegelanstieg von acht Zentimetern zwischen 1914 und 2019. Eine Auswertung der Wetter- und Ozeanografiebehörde der Vereinigten Staaten bestätigt diese Zahlen.
Das Royal Melbourne Institute of Technology wertete Daten einer Messstation des australischen Bureau of Meteorology im Hafen von Sydney aus: Sie zeigen einen Anstieg von acht Zentimetern zwischen 1914 und 2019 (Quelle: RMIT; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Worin sich der Klimawandel von anderen Klimaphasen der Erdgeschichte unterscheidet, haben wir hier erklärt.
Gezeiten und Klimawandel wirken sich auf den Meeresspiegel aus
Die online kursierenden Bildvergleiche lassen stets außer Acht, dass der Meeresspiegel über das Jahr hinweg und auch an einem Tag stark schwanken kann. Deswegen sind solche Fotovergleiche nicht sinnvoll. Im Fall von Sydney zeigen mehrere Webseiten, dass der Unterschied durch Ebbe und Flut dort an einem Tag mehr als einen Meter betragen kann.
Darüber hinaus gilt der globale Meeresspiegelanstieg als Folge des Klimawandels mittlerweile als gesichert. 2023 schrieb der Weltklimarat dazu, dass der Meeresspiegel zwischen 1901 und 2018 im globalen Mittel um 20 Zentimeter gestiegen sei. Zudem habe sich der Anstieg des Meeresspiegels beschleunigt. Stieg er zwischen 1901 und 1971 noch um 1,3 Millimeter pro Jahr, seien es zwischen 2006 und 2018 bereits 3,7 Millimeter gewesen. Als Ursache dafür macht der Weltklimarat den Einfluss des Menschen aus.
CORRECTIV beschäftigte sich bereits 2019 umfangreich mit dem Anstieg des Meeresspiegels. Alle Artikel der Serie „steigende Meere“ finden Sie hier.
Redigatur: Steffen Kutzner, Paulina Thom
Die wichtigsten, öffentlichen Quellen für diesen Faktencheck:
- Messdaten des Permanent Service for Mean Sea Level für den Hafen in Sydney: Link (Englisch)
- Faktencheck des Royal Melbourne Institute of Technology, „Slippery maths used to argue Sydney sea level has fallen“: Link (Englisch, archiviert)
- Synthesebericht des Weltklimarats aus dem Jahr 2023: Link (Englisch, archiviert)