Gerüchtekiller

Gerüchtekiller #10: Ist das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages?

Der Volksmund weiß zu berichten, dass keine andere Mahlzeit so wichtig sei wie das Frühstück. Aber stimmt das?

von Steffen Kutzner

titelbild-gerüchtekiller10- Bernadette Wurzinger : Pixabay
Frühstück; angeblich ist keine Mahlzeit wichtiger (Foto: Bernadette Wurzinger / Pixabay)

In unserer Rubrik „Gerüchtekiller“ gehen wir hartnäckigem Halbwissen und nicht totzukriegenden Gerüchten nach. Das hier ist Nummer 10.

Das Problem an Volksweisheiten ist häufig, dass sie sehr pauschal sind. Die Aussage, das Frühstück sei die wichtigste Mahlzeit des Tages, ist ein Beispiel dafür: Der Volksweisheit ist es egal, ob man zum Frühstück eine proteinreiche Mahlzeit mit Früchten, Müsli und Magerquark zu sich nimmt, schnell ein Schokocroissant mit einer Kanne Kaffee runterspült oder zu einem herzhaften Sektbrunch mit Rührei und Speck geht. 

All das würde als wichtigste Mahlzeit gelten. Das kann natürlich nicht sein, also schauen wir uns die Dynamiken einmal näher an.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: „Den optimalen Essensrhythmus für alle gibt es nicht“ 

Vorweg: Wie schnell oder langsam Nährstoffe verdaut werden, hängt von unterschiedlichen Faktoren wie Schlafmangel oder Stoffwechsel ab. Der Körper nimmt Nährstoffe am Morgen aber erstmal nicht besser auf als am Abend, wie uns mehrere Fachleute bestätigen. „Unser Organismus ist 24 Stunden am Tag in der Lage, Mahlzeiten zu sich zu nehmen, zu verdauen und die Nährstoffe aufzunehmen“, schrieb uns etwa der Bonner Ernährungsphysiologe Peter Stehle.

Die Aussage, das Frühstück sei die wichtigste Mahlzeit, ist laut Stehle aus ernährungswissenschaftlicher Sicht „unbegründet“. Es gebe dafür keine empirischen Nachweise, bestätigt auch der Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner, Johannes Georg Wechsler. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung schreibt uns, niemand solle sich zu einem Frühstück zwingen, wenn er morgens keinen Appetit habe. „Den optimalen Essensrhythmus für alle gibt es nicht“, erklärt uns Sprecherin Silke Restemeyer. 

Wer das Frühstück auslässt, sollte sich eine Mahlzeit am Vormittag trotzdem nicht entgehen lassen 

Dass man während des Schlafens keine Nahrung zu sich nimmt, ändere an der Versorgungslage und der Stoffwechselsituation nichts, erklärt Stehle. Erst nach etwa zwölf Stunden ohne Nahrung stelle sich der Stoffwechsel hormonell gesteuert um und hole sich notwendige Stoffe aus etwa Fett- und Muskelgewebe. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt beim Weglassen des Frühstücks grundsätzlich eine Mahlzeit am Vormittag, denn die Energiereserven des Körpers seien am Morgen leer.

Übrigens untersuchen Forschende seit Jahren, ob das Auslassen des Frühstücks mit Übergewicht oder gesundheitlichen Risiken wie Typ-2-Diabetes verbunden ist. Andere erforschen Varianten des Intervallfastens, bei denen manche Mahlzeiten ausgelassen werden, um Gewicht zu verlieren. Doch beim Thema Ernährung mangelt es letztlich oft an hochwertigen, vergleichbaren Studien, da der menschliche Körper eben komplex ist und auch Ernährungsgewohnheiten sehr vielfältig sein können.

Auch wenn das Frühstück nicht die wichtigste Mahlzeit ist, sollte es gesund sein: Für ein ausgewogenes Frühstück sind nach Ansicht aller Fachleute, die wir gefragt haben, etwa zuckerfreie Getränke, Vollkornprodukte, weil sie ballaststoffreich sind, Obst, Rohkost und fettarme Milchprodukte sowie gelegentlich Eier geeignet. Speck und Sekt empfahl niemand. 

Redigatur: Paulina Thom, Sarah Thust