Naher Osten

Iran-Krieg: Fake-Satellitenbild stellt Brände von Öl-Anlagen in Golfstaaten falsch dar

Ein Satellitenbild soll brennende Öl-Infrastruktur unter anderem in Saudi-Arabien und Kuwait zeigen. Doch die Aufnahme ist mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz gefälscht.

von Max Bernhard

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Ein Foto zeigt eine brennende Ölanlage in Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten nach einem iranischen Drohnenangriff Mitte März 2026 – ein Satellitenbild, das angeblich brennende Anlagen in den Golfstaaten zeigen soll ist dagegen KI-generiert (Quelle: Altaf Qadri / Associated Press / Picture Alliance)
Behauptung
Eine Satellitenaufnahme zeige brennende Öl- und Gas-Anlagen in mehreren Golfstaaten nach iranischen Angriffen im März 2026.
Bewertung
Manipuliert. Die Aufnahme wurde mit Hilfe eines KI-Programms erstellt. Sie enthält Logikfehler und deckt sich nicht mit echten Satellitenaufnahmen vom selben Zeitraum.

Im Iran-Krieg steht die Energieinfrastruktur zunehmend im Visier von Angriffen. Sowohl der Iran als auch Israel und die USA haben laut Medienberichten Öl- und Gas-Anlagen sowie Kraftwerke im Iran und den umliegenden Golfstaaten beschädigt.

Eine Satellitenaufnahme, die ab 18. März in Sozialen Netzwerken geteilt wird, soll brennende Öl-Anlagen in Saudi-Arabien, Katar und Kuwait, sowie in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Oman zeigen, die der Iran erfolgreich angegriffen hätte. In dem Bild sind riesige schwarze Rauchwolken und Feuer zu sehen. Beiträge damit in verschiedenen Sprachen erreichen auf Facebook, Instagram oder X teils hunderttausende Aufrufe. Unter anderem verbreiten auch russische und chinesische Blogs das Bild.

Doch hinter dem vermeintlichen Satellitenbild steckt Künstliche Intelligenz. Im Faktencheck erklären wir, wie sich das entlarven lässt.

Dieses angebliche Satellitenbild zeigt keine echten Brände in den Golfstaaten in Folge des Iran-Kriegs, sondern ist mit KI bearbeitet (Quelle: X ; Screenshot und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

Angebliches Satellitenbild enthält Logo des KI-Assistenten Gemini von Google

Unten rechts im Bild ist ein Logo beziehungsweise Wasserzeichen zu erkennen – es ist das von Googles KI-Assistent Gemini.

Unten im Bild (links) ist das Logo von Googles KI-Programm Gemini (rechts) zu erkennen (Quelle: X, Google; Screenshots und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

Neben diesem sichtbaren Wasserzeichen gibt es noch weitere Hinweise dafür, dass das Bild mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz bearbeitet wurde: Google bettet in Inhalte, bei denen seine KI zum Einsatz kam, ein digitales Wasserzeichen ein, die sogenannte „SynthID“. Diese Kennzeichnung – für Menschen nicht zu sehen – kann Google auslesen.

Wer prüfen möchte, ob ein Bild so ein verstecktes Wasserzeichen enthält, kann dieses bei Gemini hochladen und den Chatbot danach fragen. Im Falle des angeblichen Satellitenbilds enthält die Aufnahme demnach die „SynthID“: „Dieses Bild wurde ganz oder teilweise mit KI-Modellen von Google erstellt oder bearbeitet“ erklärt Gemini, bei dem Bild handele es sich scheinbar um „eine bearbeitete Satellitenaufnahme des Persischen Golfs […] in die künstlich Rauchwolken und Brandherde eingefügt wurden.“

Orte in Saudi Arabien sind in dem angeblichen Satellitenbild falsch positioniert  

Zudem sind in dem Bild mehrere Orte falsch positioniert. Der Ortsname Mesaieed taucht zwei Mal in Saudi Arabien auf – eigentlich handelt es sich jedoch um eine Stadt in Katar. Al-Dschubail (Jubail), Ra’s Tanura (Ras Tanura) und Khobar (Al Khobar) sind in dem Bild zu weit im Norden eingezeichnet, wie ein Abgleich mit Google Maps zeigt.

Ein Abgleich mit Google Maps (links) zeigt, dass mehrere Orte in dem angeblichen Satellitenbild (rechts) falsch eingezeichnet sind. Darunter Mesaieed (rot), Al-Dschubail (gelb), Ra’s Tanura (grün) und Khobar (blau). (Quelle: X / Google Maps; Screenshots, Collage und Markierungen: CORRECTIV.Faktencheck)

Andere Satellitenbilder mit ähnlichem Maßstab zeigen keine Feuer

Laut verschiedenen Medienberichten, darunter der New York Times, und Daten des Institute for the Study of War, gab es im März mehrfach iranische Angriffe auf Öl- und Gasanlagen in den Golfstaaten. Diese stimmen zum Teil mit den im Bild eingezeichneten Orten überein: So wurden etwa die Raffinerie in Ras Tanura, Saudi Arabien, und die Al Ahmadi Raffinerie in Kuwait angegriffen, zudem gab es einen Drohnenangriff auf die Ruwais Raffinerie in Abu Dhabi.

Doch die Feuer waren bei Weitem nicht in einem solchen Ausmaß, wie das angebliche Satellitenbild sie darstellt, sie fanden auch nicht alle gleichzeitig statt. Was auch auffällt: Einige der Orte aus dem Bild wurden am 18. März, also dem Tag, an dem die Beiträge erstmals kuriserten, iranischen Staatsmedien zufolge vom Iran als mögliche zukünftige Angriffsziele benannt, darunter Mesaieed und Al-Dschubail.

In Satellitenaufnahmen der US-Raumfahrtagentur NASA, die in etwa dieselbe Fläche abdecken, sind in den Tagen vor und nach dem 18. März 2026 aber keine Hinweise auf solche riesigen Feuer sichtbar.

Anders als mit dem Bild in Sozialen Netzwerken behauptet wird, sind an diesen Tagen Mitte März 2026 keine solche Rauchentwicklungen sichtbar gewesen (Quelle: NASA; Screenshot und Collage: CORRECTIV.Faktencheck)

Wir haben uns zusätzlich die NASA-Satellitenbilder seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar 2026 angesehen und konnten auch in diesem Zeitraum keine so großen Rauchentwicklungen finden. Ob das Fake-Satellitenbild komplett KI-generiert ist oder nur Teile dessen mit einer KI bearbeitet wurden, lässt sich abschließend nicht feststellen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Angriffe im Iran-Krieg durch ein Fake-Satellitenbild falsch dargestellt werden. Wie wir berichteten, verbreitete die iranische Zeitung Tehran Times bereits Anfang März eine Fälschung.

Alle Faktenchecks zu Falschmeldungen und Gerüchten zum Krieg im Nahen Osten finden Sie hier.

Redigatur: Kimberly Nicolaus, Gabriele Scherndl