Parken beim Supermarkt: Keine deutschlandweite Gebühr geplant
Auf Tiktok heißt es, das Parken auf Supermarktparkplätzen soll ab dem 19. Mai zwei Euro pro Stunde kosten. Das ist falsch, keine der großen deutschen Supermarktketten hat entsprechende Pläne.
„Was früher kostenlos war, wird nun zu einer Pflichtgebühr für alle, die mit dem Auto einkaufen fahren“, wird in mehreren Tiktok-Videos behauptet. Ab dem 19. Mai 2026 soll das Parken auf Supermarktparkplätzen in ganz Deutschland angeblich zwei Euro pro Stunde kosten.

Eines der Videos mit der Behauptung wurde mehr als 11.000 Mal geteilt (Quelle: geekverse.4 / Tiktok; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
In den Videos werden fünf Supermarktketten genannt: Aldi, Lidl, Kaufland, Rewe und Edeka. Auf Anfrage bestätigten uns Sprecher und Sprecherinnen aller Unternehmen, dass es keine Parkgebühren wie beschrieben geben solle.
Videos zu angeblicher Parkgebühr vor Supermärkten mehr als 700.000 Mal angesehen
An manchen Standorten, in Innenstädten oder Bahnhofsnähe könnten einzelne Filialen entscheiden, Parkgebühren zu verlangen, um Dauerparken von Nicht-Kunden zu verhindern, erklärte ein Sprecher für Kaufland. Das sei allerdings eine „standortindividuelle“ Entscheidung, keine generelle Anordnung. Ähnlich äußerten sich Edeka und Lidl, auch hier liege es in der Entscheidungsgewalt der einzelnen Filialen, die Parksituation zu regeln. Bei Rewe und Penny gebe es keine Parkgebühren, aber eine zeitliche Befristung für Parkplätze. Aldi Nord und Süd gaben an, dass keine Parkgebühr geplant sei.
Die Falschbehauptung wird mit verschiedenen Audio-Spuren verbreitet, die sich nur leicht unterscheiden. In einer Variante spricht eine Frauenstimme, in einer anderen scheint der Sprecher männlich zu sein. In beiden Fällen sind die Stimmen eindeutig KI-generiert – gut erkennbar an den unnatürlichen Pausen, ungewöhnlicher Betonung und falsch ausgesprochenen Worten. Als KI-Inhalt markiert sind die Videos jedoch nicht, anders als von Tiktok in den Nutzungsrichtlinien gefordert. Insgesamt wurden die Videos auf Tiktok mehr als 700.000 Mal angesehen.
Falschbehauptungen, die viele Menschen betreffen, sind besonders erfolgreich
Der Kanal, bei dem wir die älteste Variante des Videos fanden, veröffentlicht sehr viele ähnliche Behauptungen, die offensichtlich falsch sind: Am 8. Mai behauptete der Kanal beispielsweise, Deutschland verbiete die „Gebühr“ für Einkaufswagen. Gemeint ist die Funktion, mit der man mit einer Münze oder einem Plastikchip einen Einkaufswagen ausleihen kann, den man bei Abgabe des Wagens zurückbekommt. Das Verbot solle eine „Entlastung für Familien“ sein, hieß es. Am gleichen Tag veröffentlichte der Kanal jedoch auch ein Video, in dem behauptet wird, Supermärkte dürften die Münzen, mit denen man den Wagen ausleiht, in Zukunft behalten.
Falschbehauptungen dieser Art, in denen es um Aspekte des Alltags fast aller Menschen in Deutschland geht, werden immer wieder verbreitet. Sie scheinen besonders gut zu funktionieren, weil sie viele Personen betreffen und emotionalisieren: In der Vergangenheit überprüfte CORRECTIV.Faktencheck beispielsweise Falschbehauptungen, nach denen Supermärkte Halal-Abteilungen einrichten müssten, Haushalte nur noch ein Auto besitzen dürften, oder man nach 22 Uhr nicht mehr mit dem Auto fahren dürfte.
Redigatur: Paulina Thom, Max Bernhard