Gesellschaft

Video zeigt kein Schreddern von AfD-Stimmen, sondern gefälschte Briefwahlunterlagen

Im Vorfeld der Landtagswahlen im September kursiert ein Video auf Facebook, das Wahlbetrug zu Lasten der AfD zeigen soll. Warum das nicht stimmt, erklären wir im Faktencheck.

von Kimberly Nicolaus

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Zur Briefwahl kursieren immer wieder Falschinformationen (Foto: Thomas Frey / DPA / Picture Alliance)
Behauptung
Ein Video zeige, wie Stimmzettel für die AfD geschreddert würden.
Bewertung
Fehlender Kontext
Über diese Bewertung
Fehlender Kontext. Bei den Stimmzetteln im Video handelt es sich um gefälschte Briefwahlunterlagen zur Bundestagswahl 2025 im Wahlkreis Hamburg-Mitte.

Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin verbreitet sich ein Video auf Facebook, das angeblich Wahlbetrug zu Lasten der AfD zeigt. Damit soll offenbar Stimmung gegen die Briefwahl und für die AfD gemacht werden, denn andere Nutzerinnen und Nutzer werden zum Teilen des Videos aufgefordert. 

Im Video ist eine Frau zu sehen, die Briefwahlunterlagen öffnet. Wenn auf einem Stimmzettel die AfD angekreuzt ist, landet dieser im Schredder – andere nicht. 

Allein eines der Videos erreichte auf Faccebook rund 200.000 Aufrufe. Manche Nutzer fordern daraufhin die Abschaffung der Briefwahl, andere sprechen von einem Fake.  

Nutzerinnen und Nutzer werden dazu aufgefordert, das Video zu teilen, das angeblich Wahlbetrug zu Lasten der AfD zeigt. Doch die im Video sichtbaren Wahlunterlagen sind gefälscht. (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Nutzerinnen und Nutzer werden dazu aufgefordert, das Video zu teilen, das angeblich Wahlbetrug zu Lasten der AfD zeigt. Doch die im Video sichtbaren Wahlunterlagen sind gefälscht. (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)

Video zeigt gefälschte Wahlunterlagen und kursierte bereits zur Bundestagswahl 2025

CORRECTIV.Faktencheck berichtete bereits im Februar 2025 über das Video. Damals war die Bildqualität besser, sodass erkennbar war, dass es sich bei den Stimmzetteln angeblich um Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl 2025 im Hamburger Wahlkreis 18 (Hamburg-Mitte) handeln sollte. 

Doch die Unterlagen sind nicht authentisch, sondern eine Fälschung. Wie der damalige Landeswahlleiter in Hamburg, Oliver Rudolf, in einer Pressemitteilung erklärte, sei dies anhand mehrerer Merkmale erkennbar gewesen:

  • Der im Video gezeigte rote Wahlbriefumschlag habe im Gegensatz zum Original die falsche Farbe, eine andere Beschriftung und eine andere Lasche auf der Vorderseite.
  • Die Falzung des Stimmzettels im Video gehe nach innen, statt nach außen.
  • Beim weißen Stimmzettelumschlag sei die Kante der Lasche auf der Vorderseite rund, im Original sei diese jedoch eckig.
  • Die Umschläge seien nur punktuell zugeklebt, statt mit einem durchgehenden Klebestreifen.

Die Angaben passen zu den Fotos der echten Briefwahlunterlagen, wie sie auf der Webseite des Landeswahlamts Hamburg veröffentlicht wurden.

Verbreiter des Videos sind offenbar AfD-Anhänger

2025 wurde das Video von mehreren Profilen in Sozialen Netzwerken geteilt, die zuvor Links zu Fake-Nachrichtenseiten der russischen Einflussoperation „Storm-1516“ verbreiteten. 

Wer hinter der aktuellen Verbreitung steckt, ist unklar. Andere Beiträge, die die Facebook-Profile veröffentlichten, deuten darauf hin, dass es sich um Privatpersonen handelt, die die AfD unterstützen. Der mutmaßliche Erstverbreiter reagierte nicht auf unsere Anfrage.

Narrativ über angeblichen Wahlbetrugs soll laut Experte Demokratie angreifen

Vor Wahlen kursieren immer wieder Warnungen vor angeblichem Wahlbetrug und Wahlmanipulation. Wie uns Martin Fuchs, Experte für Politikberatung und digitale Kommunikation im September 2024 schrieb, habe das Narrativ zum Ziel, die Demokratie, den Staat und seine Institutionen anzugreifen und verächtlich zu machen. Auch werde die Erzählung herangezogen, um mögliche nicht erreichte Wahlziele zu erklären. 

Warum die Angst vor Betrug bei der Briefwahl jedoch unbegründet ist, erklärten wir 2021 in einem Hintergrundbericht. Damals schrieb uns die Bundeswahlleitung: „Die Briefwahl gibt es seit 1957, und wir haben bis heute keine Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten in einem Ausmaß, dass sie das Wahlergebnis hätten beeinflussen können.“

Redigatur: Max Bernhard, Matthias Bau