Angebliches Netanjahu-Zitat über Spanien ist gefälscht
Videos und Beiträge in Sozialen Netzwerken verbreiten ein vermeintliches Zitat des israelischen Ministerpräsidenten. Netanjahu soll Spanien demnach mit Zugunfällen gedroht haben. Das stimmt nicht.
Faktensammlung
Auf Tiktok und Instagram verbreiten sich mehrere Videos von einer Rede von Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Er redet hebräisch, die Rede ist auf Englisch untertitelt; darüber steht auf Deutsch zudem: „Netanjahu droht Spanien: Denken Sie daran, Spanien steht gegen Israel. Machen Sie sich bereit für zukünftige Stromausfälle und mysteriöse Zugunfälle.“ In einem englischen Instagram-Beitrag fanden wir die Behauptung in leicht abgewandelter Form.
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In den englischen Untertiteln kommt eine Drohung gegen Spanien in Zusammenhang mit Stromausfällen und Zügen nicht vor. Darin heißt es jedoch, dass Spanien die Soldaten der israelischen Armee diffamiert habe und Netanjahu deswegen die spanischen Vertreter von einem Koordinationszentrum in der Stadt Kiryat Gat ausgeschlossen habe. Von dort soll eine von den USA geleitete Mission die Waffenruhe im Gaza-Krieg überwachen.
Mit diesen Informationen fanden wir das Video auf der offiziellen Facebook-Seite und als verschriftete Rede auf der Webseite der israelischen Regierung. Die Rede wurde am 10. April veröffentlicht. In beiden Quellen sagt Netanjahu nichts über Züge oder Stromausfälle. Die Verhältnisse zwischen beiden Ländern sind angespannt: Spanien kritisiert immer wieder die israelische Politik, etwa den Krieg im Gazastreifen oder den Angriff auf den Iran.
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Wir haben mit Google und in der Pressedatenbank Genios nach unterschiedlichen Varianten des angeblichen Zitats auf Deutsch und Englisch gesucht. Dort fanden wir keinerlei Belege, etwa seriöse Medienberichte oder offizielle Regierungsseiten, dass das Zitat so gefallen ist. Wir haben auch bei der Pressestelle der israelischen Regierung nachgefragt, ob Netanjahu Spanien mit Zugunfällen oder Stromausfällen gedroht habe. Bis zur Veröffentlichung erhielten wir keine Antwort.
Kontext: Der Verweis auf „mysteriöse Zugunfälle“ baut auf irreführenden Behauptungen über mehrere Unfälle in Spanien auf. Anfang 2026 gab es drei Zugunfälle in Spanien: In Adamuz, Barcelona und in der Region Murcia. Daraufhin verbreiteten sich online Spekulationen, dass die Unfälle Sabotage sein könnten – entweder durch Russland oder durch Israel. Dafür gibt es keine Belege. Beim Adamuz-Unfall, der zunächst die Spekulationen ausgelöst hatte, hat der spanische Innenminister Sabotage als mögliche Ursache ausgeschlossen.
Auch beim Stromausfall gibt es einen realen Hintergrund, bei dem es keine Belege für eine Sabotage gibt. Am 28. April 2025 gab es in Spanien und Portugal einen Stromausfall, der weite Teile beider Länder betraf und je nach Ort bis zu 18 Stunden anhielt. Kurz danach schloss der Netzbetreiber in Spanien Sabotage als mögliche Ursache aus. Ein Untersuchungsbericht analysierte im März 2026 die Ursachen für den Vorfall – auch darin steht nichts von Sabotage. Vielmehr schalteten sich viele Anlagen automatisch vom Netz ab, nachdem es eine ungewöhnlich hohe Spannung gab. Das löste eine Kettenreaktion aus.
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Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Viktor Marinov; Redigatur: Paulina Thom