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Studie zu Golfplätzen beweist keinen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Parkinson

Forschungen zu Golfanlagen, Pestiziden und neurologischen Erkrankungen werden in sozialen Medien verkürzt dargestellt. Die verfügbaren Studien erlauben keine direkten Schlussfolgerungen.

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Die Rolle von Pestiziden auf Golfplätzen bleibt ungeklärt (Symbolbild: Darren Kirk / Picture Alliance / Visually)
Behauptung
Es gebe wegen der Nutzung von Glyphosat auf Golfplätzen eine erhöhte Chance, an Parkinson oder Alzheimer zu erkranken, wenn man in der Nähe wohne.
Einordnung
Es gibt keine Studien, die belegen, dass Glyphosat auf Golfplätzen bei Anwohnern Parkinson oder Alzheimer verursacht. Der Zusammenhang zu Alzheimer wurde bisher nur mit Mäusen untersucht. Der Zusammenhang zwischen Parkinson und Golfplätzen wurde 2025 in einer Studie untersucht, die aber nicht spezifisch Glyphosat untersuchte. Auch diese Studie beweist keinen Zusammenhang.

Faktensammlung

In einem Video, das auf TikTok und Instagram veröffentlicht wurde, sitzt ein Mann auf einer Sportmesse auf dem Boden einer Indoor-Golfanlage. Er behauptet, wer neben Golfplätzen wohne, habe ein 60 Prozent höheres Risiko an Alzheimer oder Parkinson zu erkranken. Und zwar, weil Golfplätze mit Pestiziden wie Glyphosat behandelt würden, um das Gras „schön grün zu halten“.

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Parkinson und Alzheimer zählen zu den sogenannten neurodegenerativen Erkrankungen. Dabei gehen Nervenzellen im Gehirn nach und nach kaputt, wodurch verschiedene körperliche und geistige Funktionen beeinträchtigt werden. Bei Parkinson sterben vor allem Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass sowohl genetische, als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Die Erkrankung führt zu einem fortschreitenden Verlust von Gedächtnis- und Denkfähigkeiten. Auch hier sind genetische Faktoren wichtig. Daneben werden verschiedene Umwelt- und Lebensstilfaktoren als mögliche Einflussgrößen erforscht. Glyphosat ist ein Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln zur Bekämpfung unerwünschter Pflanzen. Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit gehört Glyphosat zu den weltweit am häufigsten verwendeten Unkrautvernichtern. Seine möglichen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt werden seit Jahren wissenschaftlich untersucht und sind Gegenstand kontroverser Debatten. Es gibt Berichte, nach denen Glyphosat krebserregend sein könnte – abschließend ist das aber zu diesem Zeitpunkt nicht geklärt.


In der Parkinson-Forschung gelten Pestizide als möglicher Umwelt-Risikofaktor. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Unkrautvernichter Glyphosat allein Parkinson verursacht, oder dass die räumliche Nähe zu seinem Einsatz allein gefährlich sein kann. Eine systematische Übersichtsarbeit, die den aktuellen Forschungsstand zu Glyphosat und neurologischen Erkrankungen betrachtete, kam zu dem Ergebnis, dass die Epidemiologie zu diesem Thema bislang begrenzt und die verfügbare Studienlage spärlich und methodisch eingeschränkt ist. Die aktuellste Studie zu dem Thema ist eine 2025 im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlichte Arbeit, die 419 Parkinson-Fälle und 5.113 Kontrollpersonen ohne Parkinson in Minnesota und Wisconsin analysierte. Untersucht wurde, ob Wohnortnähe zu Golfplätzen mit einem höheren Parkinson-Risiko zusammenhängt. Betrachtet wurden unter anderem die Entfernung zum nächsten Golfplatz, Wasserversorgungsgebiete und mögliche Belastungen des Grundwassers. Die Studie fand zwar ein erhöhtes Parkinson-Risiko bei Menschen, die nahe an Golfplätzen wohnen, weist aber keine tatsächliche Glyphosat Exposition bei Betroffenen nach, da sie Glyphosat als einzelnen Wirkstoff nicht untersuchen. Medienberichte griffen die Studie auf. ORF Science schreibt, Golfplatznähe könne laut US-Studie „zumindest für die USA“ das Parkinson-Risiko erhöhen. Die Pharmazeutische Zeitung berichtet, Pestizide wie Glyphosat könnten bei Parkinson eine Rolle spielen. Die JAMA-Studie wurde auch vom Parkinson-Zentrum der Gertrudis-Klinik aufgegriffen. Die Klinik beschreibt Pestizide in einem Beitrag auf ihrer Webseite als eine mögliche Erklärung für den beobachteten Zusammenhang und verweist darauf, dass Pestizide bereits seit Jahren als Risikofaktor für Parkinson im Verdacht stehen. Gleichzeitig betont die Klinik: „Die Studie beweist jedoch keine Kausalität. Ob Pestizide eine kausale Rolle spielen und wie genau sie den Körper beeinflussen, ist noch nicht abschließend geklärt – dazu sind weitere Studien erforderlich.“Zudem weisen die Autorinnen und Autoren des Beitrags darauf hin, dass die Ergebnisse aus den USA nicht ohne weiteres auf Europa übertragbar seien. Nach Angaben der Klinik sei der Pestizideinsatz auf Golfplätzen in den USA deutlich umfangreicher als in Europa. Zudem seien dort Wirkstoffe zugelassen, die – anders als Glyphosat – in Europa verboten seien.


Im Zusammenhang mit Alzheimer-Forschung zu dem Thema wird oft eine Mausstudie der Arizona State University zitiert, die im Journal of Neuroinflammation veröffentlicht wurde. Die Forschenden untersuchten einen möglichen Zusammenhang zwischen Glyphosat und Alzheimer-ähnlichen Veränderungen im Gehirn und beobachteten Entzündungsreaktionen im Gehirn. Die Ergebnisse liefern Hinweise auf mögliche biologische Mechanismen, lassen sich jedoch nicht unmittelbar auf Menschen übertragen. Die Studie basiert auf einem Tiermodell und belegt weder, dass Menschen durch Glyphosat ein erhöhtes Alzheimer-Risiko haben, noch, dass die Nähe zu Golfplätzen für eine schädliche Dosis ausreicht.


In Deutschland ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat durch eine Anwendungsverordnung geregelt. Die schreibt besondere Beschränkungen vor: Nach Angaben des Bundesumweltministeriums ist Glyphosat etwa in Privatgärten verboten. Auch auf Flächen, die der Allgemeinheit dienen, wie öffentliche Parks, Sportplätze, Schul- und Kindergartengelände sowie Spielplätze, ist der Einsatz untersagt. In ökologisch sensiblen Gebieten wie Natur- und Wasserschutzgebieten gilt ebenfalls ein Verbot. Für Golfplätze ist die Nutzung von Glyphosat damit nicht direkt geregelt. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums ist die Anwendung insbesondere auf öffentlich zugänglichen Sportplätzen untersagt – ob eine Golfanlage aber darunter fällt, hängt von ihrer Zugänglichkeit ab. In Deutschland dürfen Pest- oder Herbizide nur zum Einsatz kommen, wenn das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sie zugelassen hat. Das BVL verlängerte im November 2024 die Zulassungen mehrerer glyphosathaltiger Mittel bis zum 15. Dezember 2026. Glyphosat bleibt in der Europäischen Union bis zum 15. Dezember 2033 zugelassen.


Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Nadia Westerwald; Redigatur: Sara Pichireddu