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Ritter Sport: Videos verbreiten falsche Behauptungen zu Entlassungen

Der Schokoladenhersteller Ritter Sport habe tausende Mitarbeiter entlassen, heißt es auf Youtube und Tiktok. Das stimmt nicht. Es gab Kündigungen, betroffen waren aber 70 Mitarbeitende.

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Eine Auslage im Supermarkt mit Schokoladen von Ritter Sport: Videos verbreiten Falschbehauptungen über das Unternehmen (Quelle: Berit Kessler / Chromorange / Picture Alliance)
Behauptung
Ritter Sport schließe Tore, tausende Mitarbeiter seien gekündigt worden.
Einordnung
Der Schokoladenhersteller Ritter Sport habe tausende Mitarbeiter entlassen, heißt es auf Youtube und Tiktok. Das stimmt nicht. Es gab Kündigungen, betroffen waren aber 70 Mitarbeitende.

Faktensammlung

Eine offenbar schreiende Alice Weidel, daneben die Logos von Ritter Sport, Milka und Lindt und darunter rot unterlegt das Wort Eilmeldung: So sieht die Vorschau eines Videos aus, das schlechte Nachrichten für Ritter Sport ankündigt. Der Titel lautet „Rittersport schließt Tore, tausende Mitarbeiter gekündigt“, das Video verbreitet sich auf Tiktok und Youtube. In den Kommentaren heißt es häufiger, die Politik sei daran schuld.

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In den Videos ist verschiedenes Bildmaterial kontextlos zusammengeschnitten. In einer Variante sind vor allem Auftritte von Alice Weidel und Lars Klingbeil zu sehen, die teilweise Jahre zurückliegen und nichts mit Ritter Sport zu tun haben. So ist Weidel etwa bei einer Netzwerkveranstaltung für Rechtspopulisten in Ungarn 2025 zu sehen. Eine Bilder-Rückwärtssuche zeigt: Eine der Szenen mit Lars Klingbeil stammt aus dem Jahr 2021, kurz nach der damaligen Bundestagswahl im September.

In einer anderen Version des Videos sind Regale in Supermärkten und unterschiedlichen Szenen mit Menschen zu sehen. Auch sie haben mit dem Thema nichts zu tun: Ein Ausschnitt stammt etwa aus einem Youtube-Video von Reuters zu einem Sparkassen-Überfall in Gelsenkirchen; ein anderer stammt von einer ZDF-Reportage zum Blackout in Berlin Anfang 2026.

Inhaltlich kommt die Behauptung lediglich im Videotitel und in der Beschreibung vor. In den Videos selbst ist keine Rede mehr von einem geschlossenen Standort oder tausende Kündigungen, sondern nur von Stellenabbau ohne genauere Angaben. 

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Eine Online-Suche führt zu mehreren Berichten über einen Stellenabbau bei Ritter Sport. Allerdings sind demnach nicht tausende, sondern 70 Stellen betroffen. In einem Artikel von Business Insider vom 23. April 2026 heißt es, das Unternehmen habe 2025 seinen Umsatz um rund 18 Prozent gesteigert, aber trotzdem rote Zahlen geschrieben. „Am Hauptsitz in Waldenbuch bei Stuttgart fallen rund 70 Verwaltungsstellen weg – das entspricht mehr als zehn Prozent der Belegschaft vor Ort“, heißt es in dem Artikel. Auch der Deutschlandfunk berichtete – zu den Gründen zählten laut einem Firmensprecher die gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Energie und Verpackungen sowie eine Zurückhaltung der Kundschaft. Die behauptete Standortschließung kommt in den Medienberichten nicht vor.

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Eine Sprecherin von Ritter Sport wies die Behauptungen in den Videos uns gegenüber zurück: „Es wurde kein Standort geschlossen, noch haben wir tausende Mitarbeiter gekündigt. Keiner dieser Schritte ist geplant.“ Eine solche hohe Anzahl an Kündigungen ist zudem unrealistisch – nach Angaben der Sprecherin hat die Firma lediglich 1.700 Mitarbeitende. Die Sprecherin bestätigte die 70 Kündigungen, um die es in den oben erwähnten Medienberichten geht.

Wir kontaktierten auch die Kanäle, die die Videos auf Tiktok verbreiten – eine Antwort bekamen wir darauf nicht. Der Youtube-Kanal, der das Video veröffentlichte, war für eine Anfrage nicht zu erreichen.


Diese Faktensammlung haben Mitglieder der Faktenforum-Community recherchiert. Redaktion: Viktor Marinov; Redigatur: Paulina Thom